Von Verena Töpper
Wann ist ein Buch ein Buch? Mit dieser Frage mussten sich in diesem Jahr die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse herumschlagen - und schuld daran waren zwei Journalisten aus Chemnitz. Grit Strietzel, 44, und Jens Korch, 36, haben das sogenannte Wannenbuch erfunden, ein wasserfestes Büchlein für Erwachsene, das "in garantiert 15 Minuten durchgelesen ist", wie Korch sagt.
Für die Buchmesse-Organisatoren ein schwerer Fall. Wo sollten sie dieses Werk einordnen? Die Wannenbücher haben eine ISBN-Nummer, einen Autor, einen Verlag - aber nur acht Seiten, mit extra großer Schrift, damit sie auch ohne Brille oder Kontaktlinsen in der Badewanne gelesen werden können. Die Fachleute entschieden sich schließlich für das Nonbook-Areal, die Halle ohne Bücher.
Korch nimmt ihnen das nicht übel: "Zu den Geschenkartikeln passen wir ganz gut, neben Martin Walser wären wir doch etwas fehl am Platz." Seinen Job als Redaktionsleiter der "Freien Presse" in Chemnitz hat Korch vor wenigen Monaten gekündigt - er setzt jetzt alles auf die Wannenbücher. Rund 15.000 Euro haben er und seine Kollegin bisher in das Projekt gesteckt, seit kurzem bekommt Korch auch den Gründungszuschuss.
Lange tüftelten Strietzel und Korch an Konzept, Umfang und Schriftgröße und suchten nach potentiellen Herstellern. Erst in China wurden sie fündig. Dort werden ihre Bücher nun aus schadstoffarmem Kunststoff produziert, nach EU-Vorschriften.
Seinen Kollegen erzählte Korch erstmal nichts von der Unternehmensgründung. Natürlich fanden sie es trotzdem schnell heraus. "Die Reaktionen waren bisher sehr positiv, da hätte ich mir gar keine Sorgen machen müssen", sagt er. Mittlerweile verkaufe die "Freie Presse" die Wannenbücher sogar in ihren Verlagsshops.
Diebstahl macht Mut
Vier Bücher mit jeweils acht Seiten gibt es bislang: den Krimi "Blume des Herzens", den Roman "Yachttrip ins Glück" und die Reiseführer "Sonne, Sex und Sangria" und "Pizza, Papst und Panna cotta". Der Krimi war ursprünglich für Männer gedacht, der Roman für Frauen, "gekauft wurden bisher aber beide überwiegend von Frauen", sagt Korch. Er arbeitet gerade an einem Buch mit Fitnesstipps, bis zur Buchmesse in Leipzig soll es fertig sein. Korch fände auch ein Yoga-Buch für die Wanne schön, bisher hat er aber noch keinen Autoren gefunden: "Vielen fehlt da offenbar der Humor."
Die Autoren waren bisher überhaupt eher skeptisch; für die Wannenbücher nutzten sie ein Pseudonym. "Es haben sich mittlerweile aber schon Leute bei uns gemeldet, die gerne für uns schreiben würden", sagt Korch. Auf der Geschenke-Fachmesse "Tendence" Ende August in Frankfurt am Main seien sogar Händler aus Großbritannien und Japan auf ihn zugekommen - sie wollen die Wannenbücher in ihrer Heimat übersetzt auf den Markt bringen.
Mut macht Korch auch der Diebstahl seiner Bücher. Die liegen nämlich im Hotel NH Berlin Alexanderplatz als Accessoire im Badezimmer - und werden dort noch häufiger mitgenommen als Handtücher.
Mit Material von dapd
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