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Kandidatencheck Bewerber im Nacktscanner

Schnüffler, Schwätzer und Spione: Die größten Datenskandale in deutschen Konzernen Fotos
Corbis

4. Teil: Wechsel von einer Misstrauenskultur zu einer Vertrauenskultur

Derzeit sind Serientests durchaus beliebt. Zum Beispiel das "Integrity Assessment" aus dem Unternehmen des bekannten Stuttgarter Eignungsdiagnostikers Heinz Schuler.

Arbeitgeber suchten heute gezielt regelkonforme Mitarbeiter, erläutert Schulers Geschäftspartner Andreas Frintrup, der den Integritätstest mit seinem Team entwickelt hat und vermarktet. Die psychologische Diagnostik helfe bei der Suche, denn Integrität sei ein "sehr stabiles Persönlichkeitsmerkmal, das unabhängig von der Intelligenz zu messen ist". Würden unintegre Bewerber von vornherein ausgesiebt, könnten Unternehmen von einer "Misstrauenskultur" zu einer "Vertrauenskultur" wechseln.

Weg also mit komplizierten Ethikcodes und teuren Überwachungssystemen? Einfach nur die Ehrlichen an Bord lassen, und das mit einem kleinen Test? Compliance-Beauftragten muss das wie Musik in den Ohren klingen. Um die 100.000-mal pro Jahr, sagt Frintrup, werde der Integritätstest gekauft: "Vor allem Finanzdienstleister und Industrieunternehmen sind interessiert."

Angst vor "Reputationsschäden"

Unter dem Eindruck alljährlich zunehmender Fälle aufgedeckter Wirtschaftskriminalität, angesichts rigider interner Verhaltenscodes und schlicht aus Angst vor "Reputationsschäden" versuchten die Firmen eben mit allen Mitteln, "die Gefahren unethischen Verhaltens schon im Vorfeld einer Einstellung zu minimieren", kommentiert Arbeitsrechtler Boris Dzida.

Je sensibler die Position, desto größer der Aufwand. Wenn es um Vorstandsposten geht, um den Finanzchef etwa oder den obersten IT-Verantwortlichen, kommt immer häufiger die Königsdisziplin der Managerdurchleuchtung zum Einsatz: der genannte Background-Check, der Aufschluss über das berufliche Vorleben des Kandidaten geben soll.

Der Trend stammt aus der angloamerikanischen Finanzwelt und wird in Deutschland etwa von der Targobank (Ex-Citibank) oder dem Private-Equity-Haus Terra Firma praktiziert.

Und das geht so: Das Unternehmen lässt den Manager, der zu diesem Zeitpunkt schon auf der Shortlist der vorgestellten Bewerber steht, einen "Letter of Consent" unterschreiben, in dem er der Übermittlung seiner Bewerbungsunterlagen an Rechercheure zustimmt.

Einsatzgebiet: Auslandsaufklärung

Die Nachforschungen übernehmen externe Dienstleister. Zum Beispiel Ernst & Young. Das Beratungsunternehmen hat den Check passend knackig "Executive Integrity Assessment" getauft. Anfragen landen bei Stefan Heißner, Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität. Heißner schickt seinen Mitarbeiter Christian Muth ins Rennen, Psychologe und Ex-Bundeswehr-Offizier, Einsatzgebiet: Auslandsaufklärung.

Muth und sein Team halten sich nicht mit Kleinigkeiten wie Facebook-Abfragen auf. Sie durchwühlen Suchmaschinen, Pressearchive, Compliance-Datenbanken (mehr als 300 sind weltweit zugänglich). Hat der Manager im Ausland gearbeitet oder studiert, werden auch fremdländische Zeugnisse validiert. Weiter geht es mit der Website www.indat.info, die auch private Insolvenzen archiviert, und einem Blick ins Handelsregister mit dem Ziel, geheime Firmenbeteiligungen des Bewerbers zu ermitteln.

Neben der Suche nach Dokumenten oder Interneteinträgen setzen die Spezialisten, zu denen auch die Detekteien Corporate Trust in München und Janus Consulting nahe Frankfurt gehören, auf Recherchen im Umfeld der Manager - stets auf der Suche nach Details, die sich aus der offiziellen Bewerbung nicht ergeben. Zwar ist es auch unter Headhuntern Usus, solche Referenzen zu sammeln. Doch die Detektive gehen schärfer ran.

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