Kandidatencheck Bewerber im Nacktscanner
Arbeitgeber durchleuchten künftige Mitarbeiter immer intensiver: Persönlichkeitstests, Schufa-Auskunft oder Führungszeugnis gehören bei Vorstellungsgesprächen fast schon zum Standard - oft auf Kosten von Anstand und Recht.
Hamburg - Stefan Kirsten (50) ist einer, der kommen, sehen und siegen will. Das Auftreten selbstbewusst, die Vita makellos wie eine Zuchtperlenkette: Arthur Andersen, Metro und ThyssenKrupp vertrauten bereits auf sein Können. Und so hat Kirsten auch kein Problem damit, wenn ein neuer Arbeitgeber sein Vorleben genauer unter die Lupe zu nehmen wünscht.
Anfang dieses Jahres trat Kirsten seinen Posten als Finanzvorstand der Deutschen Annington an. Die Wohnungsbaugesellschaft ist eines der beiden großen deutschen Investments des britischen Private-Equity-Hauses Terra Firma. Terra-Firma-Chef Guy Hands verlässt sich beim Recruiting nicht auf eine glänzende Schriftform. Er möchte wissen, wie es um den Bewerber wirklich steht.
Terra Firma gibt deshalb sogenannte Background-Checks in Auftrag - und steht damit nicht allein. Immer mehr Unternehmen lassen die Vergangenheit von Bewerbern durchleuchten, bevor sie ihnen einen Anstellungsvertrag anbieten.
Bei Banken und Investoren angloamerikanischer Herkunft setzt sich der Background-Check immer stärker durch. "Regelmäßig", sagt Boris Dzida, Arbeitsrechtspartner bei der internationalen Law Firm Freshfields Bruckhaus Deringer in Hamburg, bäten ihn diese Klienten inzwischen, vor der Ausfertigung des Anstellungsvertrags erst das Ergebnis der Hintergrundermittlungen abzuwarten.
Auch deutsche Unternehmen gehen mit wachsendem Informationsdurst an die Mitarbeitersuche heran:
- Da werden Bewerber mehr oder weniger wissenschaftlichen Persönlichkeitstests unterzogen
- Da üben gestandene Manager Schönschrift, damit der potenzielle neue Chef den handgeschriebenen Lebenslauf zum Grafologen tragen kann
- Und immer öfter werden Führungskräfte aufgefordert, zum Vorstellungsgespräch doch bitte eine Schufa-Auskunft und das polizeiliche Führungszeugnis mitzubringen
Recherchieren, ausforschen, befragen - in Sachen Managerauslese wollen Unternehmen möglichst nichts dem Zufall überlassen, so scheint es. Vorbei die Zeiten, in denen sich mit blendender Schriftform und warmen Worten vom Headhunter ein Spitzenjob ergattern ließ. Heute geht es um die "perfekte Passung von Mensch und Aufgabe", sagt Stefan Fischhuber, Geschäftsführer bei Kienbaum Executive Search.
Ein umfassender Check also, um für jeden Job den jeweils besten Bewerber zu rekrutieren? Schön wäre es. Doch nicht selten überschreiten die Unternehmen in ihrem Jagdfieber die Grenzen von Anstand und Recht. Und so regt sich gegen die ausufernde Testerei Kritik. Insbesondere Datenschützer sind beunruhigt.
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