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Karriere-Hilfe Eine Bewerbung ist keine Beichte

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picture-alliance/ dpa

"...und in meiner Freizeit lese ich gern": Gehören Hobbys in den Lebenslauf? Berufsberaterin Uta Glaubitz plädiert für einen sparsamen Umgang mit privaten Vorlieben. Wenn sie zur Stelle passen - okay. Sonst sollte man Personaler lieber nicht mit seiner Münzsammlung oder Karpfenzucht belästigen.

Da denkt man, die Medien haben im Moment nur Augen für Christian Wulff, den Euro und die "Costa Concordia". Und dann das: Plötzlich schafft es eine Meldung aus der Karriereberatung auf den Titel meiner überregionalen Tageszeitung. "Hobbys gehören in den Lebenslauf, aber nur unverfängliche", heißt es da.

Potzblitz, denke ich und schaue in mein erstes selbstgeschriebenes Bewerbungsbuch. Vor 15 Jahren stand da bereits: "Der Lebenslauf endet mit Hobbys und Interessen." Allerdings war das nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stand bereits damals überall in der gängigen Literatur. Eine echte Sensationsnachricht also. Wie schafft es so eine Meldung auf die Titelseite?

Trotzdem nehme ich sie zum Anlass, noch einmal genauer hinzuschauen, schließlich taucht die Frage nach den Hobbys im Lebenslauf ja immer wieder auf. Gehören Chorsingen und Mountainbiketouren wirklich zu den Informationen, die ein Bewerber dem Arbeitgeber über sich präsentieren sollte? Und was könnte ein Arbeitgeber, der einen Ingenieur oder eine Programmiererin sucht, mit so einer Information anfangen?

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Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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Da denkt ja mancher ein bisschen küchenpsychologisch: Wer Mannschaftssport treibt, bekundet so seine Teamfähigkeit. Wer zur Kirche geht, dokumentiert Wertverbundenheit. Wer viel liest, ist ruhig und vernünftig. Oder so ähnlich.

Aber ein Personaler ist kein Idiot. Er weiß sehr genau, dass Fuß- und Basketballer ausgemachte Egomanen sein können. Dass auch unter Kirchgängern Schwerverbrecher sind, und dass Leute wie Karl Lagerfeld belesen sein mögen, aber trotzdem unerträglich, und kein bisschen ruhig.

Ob man Hobbys und Interessen angibt, hängt davon ab, was man erreichen will: Von welchem Ausgangspunkt A wollen Sie zu welchem Ziel B? Wer beispielsweise Romanistik studiert hat, aber lieber Floristin werden möchte, darf ruhig unter Hobbys und Interessen schreiben: Gärtnern und Rosen züchten. Eine Floristin, die lieber Kreuzfahrtbegleiterin werden will, kann locker angeben: Reisen nach Nord- und Südamerika.

Muss die Koikarpfenzucht wirklich rein?

Wer aber Lehrer für Deutsch und Sport ist und sich als Lehrer für Deutsch und Sport bewirbt, braucht nicht anzugeben, dass seine Hobbys Lesen und Joggen sind. Auch ein Maschinenbau-Ingenieur, der bereits bei zwei Autobauern gearbeitet hat, sollte den Personaler nicht mit seiner Münzsammlung oder einer privaten Koikarpfenzucht behelligen.

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Bewerbungsgespräch: Wann Sie straflos lügen dürfen
Dennoch denken viele Bewerber offenbar, der Lebenslauf sei eine Art Beichte: Sie wollen vor den Arbeitgeber treten und gestehen, was sie in ihrem Leben bislang gemacht haben. Dann meinen sie, alles lückenlos aufführen zu müssen, inklusive Angaben zur Grundschule, zu Studien, die sie nach zwei Monaten wieder abgebrochen haben, und eben zu dem, was sie privat so machen.

Das aber verkennt, dass man sich nicht als Privatmensch mit seinen Vorlieben und Bedürfnissen bewirbt, sondern als - hoffentlich - qualifizierte Arbeitskraft. Und dass der Lebenslauf das strategische Instrument ist, mit dem man seine Qualifikation für die Stelle dokumentiert.

Lieber mangelnde Hobbys als mangelhafte Rechtschreibung

Damit das nicht schief geht, hier noch einige Hinweise. Die aufgeführten Hobbys sollten keine Selbstverständlichkeit sein. Wer sich also als Kameramann bei einer Filmproduktion bewirbt, sollte nicht als Hobby angeben: Kino. Die Hobbys sollten auch nicht zu sehr einem Klischee entsprechen. Wer Chefarzt im Taunus werden will, braucht nicht anzugeben, er interessiere sich für Golfspielen und Uhren.

Weiterhin sollten Hobbys und Interessen nicht zwanghaft wirken (vegan kochen, meine 20 Hausfrettchen, Kosmetik und Körperpflege - es sei denn, Sie bewerben sich als Quereinsteiger in einem buddhistischen Zentrum, einem Pfötchenhotel oder einem Day Spa). Nur der Vollständigkeit halber: Die Angaben sollten auf jeden Fall stimmen, denn man wird Sie möglicherweise im Vorstellungsgespräch darauf ansprechen.

In einem chronologisch sortierten Lebenslauf bilden die Hobbys und Interessen den Abschluss. In einem thematisch geordneten Lebenslauf kommen Sie in den entsprechenden Block, Studienreisen in die USA zum Beispiel unter Ausland, Computerschach unter EDV.

Um Peinlichkeiten zu vermeiden: Hobby schreibt man auch im Plural mit y. Eingedeutschte Fremdwörter bilden ihren Plural deutsch. So heißt es also Babys, Storys und Partys. Wem das nicht gefällt, der sollte die Hobbys im Lebenslauf vorsichtshalber weglassen. Mangelnde Rechtschreibung in einer Bewerbung ist schlimmer als mangelnde Angaben zur Freizeitgestaltung.

Nochmals - ein Lebenslauf ist ein strategisches Instrument, um ein Ziel zu erreichen. Daraus ergibt sich das Wichtigste: Wenn Sie nicht wissen, wo Sie hinwollen, dann nutzt der schönste Lebenslauf gar nichts. In so einem Fall sollte man keine Bewerbungsratgeber lesen und nicht versuchen, sein Curriculum durch Hobbys aufzuhübschen, sondern erst einmal klären, wo man beruflich hin will.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Angabe des Link...
kfr001 27.01.2012
etwa für facebook, twitter, google+ etc etc , blogs, comments, Beiträge könnte hilfreich sein, aber auch das erledigt das personal-mangement bei Interesse selbst. Vermute mal demnächst werden Angebot und Nachfrage eh nebenbei von google und fb gegen eine geringe Gebühr gemanagt.
2.
Kirke 27.01.2012
Ich bin bis jetzt bei jedem Vorstellungsgespräch, aus dem dann auch eine Anstellung wurde, nach meinen Hobbys im Lebenslauf gefragt worden. Natürlich ist es sinnlos, sich Hobbys auszudenken, die nach Teamfähigkeit und Weltgewandtheit klingen. Spätestens, wenn der Personaler fragt, welches Buch der "Klassischen Russischen Literatur" einem am besten gefällt, fliegt man mit so etwas auf. Aber wenn man zufällig ein Hobby hat, das auch das Gegenüber interessiert, kann das nur von Vorteil sein. Ich hatte mal ein 15 minütiges Gespräch über die verschiedenen Übersetzungen von "Les Misérables". Auf jedem Fall blieb ich damit in Erinnerung. Die Stelle habe ich auch bekommen.
3. ...
Moin 27.01.2012
Ich kann nur sagen, dass mir das Thema Hobbys oder besser Interessen in Bewerbungsgesprächen wichtig ist. In meinen Augen ist das Gespräch über die Hobbys die einzige Möglichkeit für mich etwas über die persönliche Seite des Bewerbers zu erfahren, um einschätzen zu können, ob er/sie ins Team und zu mir passt. Gerade bei den Gesprächen über Interessen erfährt man einiges über Glaubwürdigkeit und grundsätzliche Ansichten des Bewerbers. Die geleckten Lebensläufe mit Studium in Rekrodzeit, 27 Praktika und 5 Jahre Auslandserfahrung geben nur eine begrenzte Einsicht in die sozialen Kompetenzen oder Charakterzüge des Bewerbers. Wobei diese in meinen Augen nicht zu vernachlässigen sind.
4. Grundsätzlich richtig
lisa1980 27.01.2012
Zitat von MoinIch kann nur sagen, dass mir das Thema Hobbys oder besser Interessen in Bewerbungsgesprächen wichtig ist. In meinen Augen ist das Gespräch über die Hobbys die einzige Möglichkeit für mich etwas über die persönliche Seite des Bewerbers zu erfahren, um einschätzen zu können, ob er/sie ins Team und zu mir passt. Gerade bei den Gesprächen über Interessen erfährt man einiges über Glaubwürdigkeit und grundsätzliche Ansichten des Bewerbers. Die geleckten Lebensläufe mit Studium in Rekrodzeit, 27 Praktika und 5 Jahre Auslandserfahrung geben nur eine begrenzte Einsicht in die sozialen Kompetenzen oder Charakterzüge des Bewerbers. Wobei diese in meinen Augen nicht zu vernachlässigen sind.
Zwei Anmerkungen nur dazu: Insbesondere Akademiker haben "Persönliche Interessen" und keine Hobbys. Damit vermeidet man auch die Schreibfalle Hobbies/Hobbys. Natürlich ist Hobbys richtig, aber gerade akademische Bewerbungen werden oft in den Fachabteilungen ausgewertet und dort ist nicht jeder der korrekten Schreibweise mächtig. Ich hatte schon mal genau den Fall. "Gute Bewerbung aber der kann nicht mal "Hobbies" richtig schreiben und das trotz angeblicher sehr guter Englischkenntnisse. Fast alle Bewerber machen immer den Fehler einfach mal voraus zusetzen, dass der Adressat der Bewerbung die deutsche Sprache perfekt beherrscht. Persönliche Interesse runden natürlich das Profil ab. Aber sie gehören in erster Linie ins Vorstellungsgespräch. In der Bewerbung sind sie wirklich knapp zu halten.
5.
sponner_hoch2 27.01.2012
Was mir hier viel zu kurz kommt ist, dass viele Leute unter "Hobby" gar keine Hobbys reinschreiben, sondern allgemeine Tätigkeiten, die man halt so in der Freizeit macht. Aber ein Hobby ist nun mal eine bestimmtere Tätigkeit/Interesse, der/dem relativ konstant und bewußt nachgegangen wird. Das fällt mir immer wieder negativ auf (nicht nur in Bewerbungen, auch bei sonstigen Gelegenheiten), und ist im Rahmen eines Lebenslaufes (bzw. des späteren Gesprächs) dann schon ein fetter Minuspunkt. Denn die Leute beweisen damit eine große Portion Unreflektiertheit (um nicht zu sagen: Dummheit) und läßt Iin vielen Fällen zurecht) auf eine "So so, la la"-EInstellung schließen und das chronische Überbewerten von einfachen / selbstverständlichen Dingen. Aber genug der Theorie, hier einige Beispiele: - Kino: Wenn man ab und an mal am Wochenende mit seinen Freunden ins Kino geht, dann ist das kein Hobby. Das ist eine normale Freizeittätigkeit. Wer als ausgeprägter Cineast sich für Kamereinstellungen interssiert usw usf. hat da sicher ein Hobby, aber so... - Musik: Nachmittags nebenbei eine CD in den Player zu schieben, hat auch nichts mit Hobby zu tun. Sieht schon anders aus, wenn man in einer Band spielt. - Freunde: Na, da brauch es wohl keiner weiteren Erläuterung, was soll denn das für ein Hobby sein? - Lesen: WIe bei Musik und Kino: Wer ab und zu mal in seiner Freizeit ein Buch ließt, um unterhalten zu werden, hat da noch lange kein Hobby. Wie jemand weiter oben so schön schrieb, anders sieht das auc, wenn man sich z. B. mit den unterschieden der Übersetzungen von einem Buch auseinandersetzen kann. - usw. usf.
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