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Karriere im Mittelstand Per Express in die Chefetage

Das Gros der jungen Akademiker zieht es zu Großunternehmen. Muss es denn unbedingt ein Konzern sein? Wer rasant Karriere machen will, ist oft im Mittelstand besser aufgehoben. Dort wird schnell entschieden. Und rasant befördert. Ab durch die Mitte - auch die Provinz hat ihren Charme.

Großkonzern oder Mittelstand? Alexander Nachtwey hat sich entschieden: "Die Stellenanzeigen der Konzerne klingen zwar immer hoch spannend", sagt der 27-jährige Ingenieur, "aber Tatsache ist: Je kleiner das Unternehmen, desto vielseitiger die Aufgaben - Freiräume und kürzere Entscheidungswege wiegen vieles auf." Darum wechselte Nachtwey nach der Promotion 2010 von einem Konzern zum fränkischen Mittelständler Wika. Ein klassischer , Weltmarktführer in der Druck- und Temperaturmesstechnik mit einem Jahresumsatz von rund 600 Millionen Euro.

Seit Mai ist der junge Ingenieur als Gruppenleiter für ein Team von zehn Mitarbeitern verantwortlich. "In dem Konzern, in dem ich meine Doktorarbeit geschrieben habe, dauert es bis zu einem vergleichbaren Schritt mindestens zwei Jahre", kommentiert Nachtwey und schaut zuversichtlich die Karriereleiter hinauf: "Nach zehn Jahren können Sie hier Mitglied der Geschäftsleitung sein, im Konzern sind Sie da gerade Abteilungsleiter."

Es muss nicht immer Siemens oder Audi sein: Spannende Aufgaben, frühe Führungsverantwortung, gute Karrierechancen, schnelle Entscheidungen - immer mehr Uni-Absolventen und Aufstiegsorientierte entdecken die Vorzüge des großen Mittelstands. Als das Beratungsunternehmen Kienbaum gemeinsam mit dem Ruhrunternehmen Haniel 2010 rund 300 Studenten der Wirtschaftswissenschaften nach der Attraktivität von Familienunternehmen als Arbeitgeber fragten, gaben 60 Prozent der jungen Leute den Familienunternehmen vor Großkonzernen den Vorzug.

"Hidden Champions" als Karrieresprungbrett

"Im großen Mittelstand haben Talente breiter angelegte Entwicklungsmöglichkeiten", beobachtet Tiemo Kracht, Geschäftsführer von Kienbaum Executive Consultants, dem Marktführer im Mittelstand unter den Personalberatern. Kracht empfiehlt die Hidden Champions sogar als Karrieresprungbrett: "Früher warben Mittelständler Führungskräfte aus Konzernen ab, heute läuft das umgekehrt - Großunternehmen suchen bei den kleineren junge Führungskräfte, die eigenverantwortliches Handeln gelernt haben und nicht matrixverdorben sind."

Wer in den Mittelstand passt
Hier gibt’s gute Karrierechancen – aber nicht für jeden. Was Kandidaten mitbringen müssen.
Unternehmer-Gen
Beim Mittelständler kann sich keiner hinter Gremien und Komitees verstecken – selbst entscheiden ist Trumpf, die eigene Leistung wird sichtbar.
Flexibilität
Controller übernehmen die Bauleitung, Vorstandsassistenten sind für Bankkontakte zuständig – Mittelständler halten nicht für jede Aufgabe eine spezialisierte Abteilung vor. Gerade Nachwuchskräfte dürfen keine Angst vor Aufgaben haben, die nicht vom Erlernten und Gewohnten abgedeckt werden.
Risikobereitschaft
Wer früh Verantwortung übertragen bekommt, wie im Mittelstand üblich, kann auch früh teure Fehler machen, für die er oder sie dann Verantwortung übernehmen muss.
Emotionale Intelligenz
Führungskräfte des Mittelstands stehen vor größeren Aufgaben in Sachen Kommunikation als ihre Kollegen in den Konzernen. Sie müssen sich mit Kunden aus der Großindustrie ebenso auf Augenhöhe unterhalten können wie mit dem Arbeiter am Band in der heimischen Fabrik. Und mit dem Eigentümer ihres Unternehmens, der als ordentlicher Mittelständler im Zweifel seine Manager gern mit Bauchentscheidungen konfrontiert, mit denen die dann zurechtkommen müssen.
Gerade die großen deutschen Mittelständler - rund 5000 Unternehmen mit Jahresumsätzen von 50 Millionen bis drei Milliarden Euro - bieten jungen Talenten viele Chancen: Sie sind Motor unserer wirtschaftlichen Entwicklung, wachsen deutlich dynamischer als die ganz Großen und die ganz Kleinen. Viele dieser Hidden Champions sind sogar in ihrem Metier Weltmarktführer. Sie sind groß genug, um zeitgemäße Managementmethoden und globale Aufgaben zu bieten, aber weniger verkrustet und gremienlastig als klassische Konzerne.

Zwar sind die Einstiegsgehälter für Hochschulabsolventen meist rund 10 Prozent niedriger als in Konzernen, doch wegen der häufig deutlich zügigeren Beförderungen kehrt sich der Nachteil nach wenigen Jahren sehr oft wieder um. Frühe Verantwortung, schnelle Entscheidungswege, persönliche Atmosphäre in überschaubaren Strukturen - das sind die Trümpfe des Mittelstands im Kampf um den Nachwuchs.

Damit trifft er offenbar zumindest den Geschmack der Studenten: Entwicklungsperspektiven und Karriereoptionen waren in der Umfrage von Haniel und Kienbaum wichtigste Faktoren bei der Wahl des Arbeitgebers, gleichauf lag "kollegiales Arbeitsklima", gefolgt von "eigenverantwortlichem Arbeiten". Doch die Sache hat auch eine Kehrseite: Nicht jeder ist geeignet für eine Karriere im Mittelstand - von der Risikobereitschaft bis zum Kommunikationstalent zeichnet sich ein Anforderungsprofil, das stark von dem der Konzerne abweicht.

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
jan2118 05.01.2012
Zitat von sysopDas Gros der jungen Akademiker zieht es zu Großunternehmen. Muss es denn unbedingt ein Konzern sein? Wer rasant Karriere machen will, ist oft im Mittelstand besser aufgehoben. Dort wird schnell entschieden. Und rasant befördert. Ab durch die Mitte - auch die Provinz hat ihren Charme. Karriere im Mittelstand: Per Express in die Chefetage - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,806773,00.html)
Auch ich bin von einigen Jahren in die Großindustrie gegangen. War eine gute Erfahrung. Aber irgendwann hab ich es nicht mehr ausgehalten und bin in den großen Mittelstand gewechselt. Aufgabengebiet ist größer, Job ist vielseitiger und Chancen auf einen aufstieg sind tatsächlich größer! Ich bereue es auf keinen Fall, auch wenn die Sozialleistungen in der Großindustrie besser sind!
2. Per Express stimmt nicht ganz.
marypastor 07.01.2012
Zitat von sysopDas Gros der jungen Akademiker zieht es zu Großunternehmen. Muss es denn unbedingt ein Konzern sein? Wer rasant Karriere machen will, ist oft im Mittelstand besser aufgehoben. Dort wird schnell entschieden. Und rasant befördert. Ab durch die Mitte - auch die Provinz hat ihren Charme. Karriere im Mittelstand: Per Express in die Chefetage - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,806773,00.html)
Wer gut ist, kommt sowohl im Mittelstand als auch im Konzern schnell weiter. Konzern koennte evtl. noch besser sein. denn im Mittelstand haben wir meistens Famlienunternehmen, und da werden oft sehr seltsame Eintschedungen bezueglich der Unterbringung von Familienmitgliedern in Top-Jobs getroffen.
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