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Fünf Schritte zum Traumjob So befördern Sie sich selbst

Tanzen Sie doch mal aus der Reihe: Querdenker werden belohnt Zur Großansicht
Corbis

Tanzen Sie doch mal aus der Reihe: Querdenker werden belohnt

Jeden Tag derselbe Trott: Jens-Uwe Meyer war von seinem Job gelangweilt. Auf eine Beförderung warten wollte er nicht. Kündigen auch nicht. Dann fand er die Lösung.

Zum Autor
  • Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Ideeologen GmbH und der Innolytics GmbH. Er hat acht Bücher (u.a. "Radikale Innovation", "Das Edison-Prinzip") und mehr als 50 Fachartikel zum Thema Innovation geschrieben und berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
  • www.jens-uwe-meyer.de
Sie warten seit Jahren auf eine Beförderung, aber nichts passiert? Ihre Vorgesetzten kleben an ihren Stühlen? Und die wenigen offenen Positionen im Unternehmen sind so langweilig, dass Ihnen schon die Augen zufallen, bevor Sie die Ausschreibung zu Ende gelesen haben? Erfinden Sie sich Ihre Traumposition doch einfach selbst!

Gerade jetzt ist die beste Zeit dafür: Viele Unternehmen appellieren an die Kreativität und das unternehmerische Denken von Mitarbeitern. Vorstände und Berater sprechen von digitaler Transformation und agilen Organisationen. Für Joberfinder herrscht Goldgräberstimmung. Und so gehts:

1. Überlegen, was Spaß macht

Nehmen wir an, Ihr Chef würde Ihnen einen Gutschein schenken: "Mach, was Du willst." Sie dürfen sich Ihre Lieblingsaufgaben aussuchen und alles delegieren, was Sie nicht gerne tun. Wie genau würde diese Position aussehen?

Mitte der neunziger Jahre habe ich so den Cessna-Reporter von Pro Sieben erfunden. Ein Pilot, ein kleines Propellerflugzeug, eine Kamera und ich. Wir berichteten von Cuxhaven bis Bosnien. Eine Position, die erst ein knappes Jahr später jemand genehmigte. Wie kam das? Ich war Redakteur in der Nachrichtenredaktion und fürchterlich gelangweilt davon, morgens ins Büro zu gehen, in langen Konferenzen zu sitzen und aus Videos, die andere gedreht hatten, Beiträge zu schneiden.

Eines Tages lernte ich einen Privatpiloten kennen. Sofort hatte ich faszinierende Bilder im Kopf: Morgens mit meinem Kameramann aufs Rollfeld, abheben und dorthin fliegen, wo die Nachrichten passierten. So hätte ich es gerne!

Wovon träumen Sie? Was wollen Sie erleben? Welche Geschichten aus Ihrem Beruf wollen Sie später einmal Ihren Enkeln erzählen? An dieser Stelle setzt der sogenannte "rationale" Verstand ein: "Das geht doch nicht. Das hat noch niemand gemacht. Wenn das jeder tun würde." Aber wer sagt, dass nicht der Spaß vor der Pflicht kommen darf? Natürlich: Wenn das jeder tun würde. Dann wäre das bestimmt schlimm für Ihr Unternehmen. Aber zum Glück tut es ja nicht jeder!

2. Den Nutzen errechnen

Jetzt heißt es: Ran an die Excel-Tabellen! Denn es gibt eine Formel, die das Management fast immer überzeugt: ein besseres Ergebnis bei geringeren Kosten.

Jedes Mal, wenn die Pro-Sieben-Nachrichten Videomaterial einer Agentur einkauften, kostete das 2000 DM pro Beitrag. Und ich als Redakteur musste zusätzlich bezahlt werden. Die Herausforderung war klar: Maximal 1800 DM pro Beitrag - also billiger. Und dafür die Präsenz eines eigenen Reporters vor Ort - also besser. Jede Flugstunde mit der Cessna kostete knapp 300 DM. Bei durchschnittlich drei Stunden Flugzeit täglich waren das 900 DM plus 300 DM für den Piloten und noch einmal 200 DM für Taxi etc. Also 600 DM gespart.

Der Nutzen, den Sie Ihrem Unternehmen bringen, muss nicht ausschließlich in der Kostensenkung liegen: Vielleicht wollen Sie die Stelle eines Social Responsibility Officer erfinden oder einen Inkubator für digitale Geschäftsmodelle leiten. Argumentieren Sie mit Gesellschaftstrends und suchen Sie nach Unternehmen, die genau dadurch erfolgreicher geworden sind.

3. Unbemerkt anfangen

"Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück." Genau so gehen Sie vor. Nicht am ersten Tag zum Chef laufen und hoffen, dass er sofort jubelt und Ihnen einen neuen Arbeitsvertrag aushändigt. Fangen Sie klein an. Verteilen Sie einen Fachartikel zum Thema an Kollegen, besuchen Sie eine Konferenz, starten Sie ein kleines Projekt. Natürlich eines, von dem Sie wissen, dass es erfolgreich sein wird. Und dann führen Sie noch ein Projekt durch. Und noch eines.

Der erste Einsatz unseres fliegenden Reporter-Teams: Streik von Busfahrern im thüringischen Rudolstadt. Hinfliegen, landen, drehen und wieder abheben. Genehmigt hatte es niemand. Wir rechtfertigten es mit den Worten "Da kam man anders nicht hin..." und rechneten vor, dass es viel billiger war, als Videomaterial einzukaufen.

Grundregel: Wenn Sie unkonventionelle Dinge tun, brauchen Sie konventionelle Argumente. Wer kann sich schon beschweren, wenn Mitarbeiter Geld sparen?

4. Den Gewöhnungseffekt nutzen

Vom Exoten zum Experten - dieser Wandel geschieht oft innerhalb weniger Monate. Wenn man Dinge immer und immer wieder tut, vergisst das Umfeld schneller als man denkt, dass man dafür eigentlich nicht zuständig ist. Was Sie brauchen, ist eine logische Erklärung: "Das Marketing der Zukunft findet im Internet statt." Oder: "Die Zukunft unserer Ingenieursabteilung hängt davon ab, dass wir die richtigen Talente finden." Wer mag da schon widersprechen?

Als wir ein halbes Jahr nach der Premiere in Rudolstadt mit der Cessna in Split landeten, um von dort aus nach Bosnien weiterzufahren, fragte schon niemand mehr nach.

Langsam machen Sie sich mehr und mehr bemerkbar. Sie präsentieren wie selbstverständlich Ihre Erfolge und verhalten sich so, als hätte es die neue Position schon immer gegeben. Und Sie beginnen, sich Stück für Stück Ihrer alten Aufgaben zu entledigen. Dabei brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben: Es gibt immer jemanden, der das, was Sie hassen, liebt. Sie müssen ihn nur finden.

5. Die Position etablieren

Jetzt kommt der schwierigste Teil: Ihre Position, die faktisch bereits existiert, braucht eine offizielle Verankerung in der Unternehmensstruktur. In Schritt zwei haben Sie kühne Annahmen getroffen. Und weil Sie sich geschickt die Projekte gesucht haben, die diesen Nutzen bestätigen, können Sie mit echten Erfolgen aufwarten. Diese gilt es fortzuschreiben: Schreiben Sie auf, welche Vorteile es dem Unternehmen bringen würde, wenn Sie sich ganz auf die Aufgabe konzentrieren würden.

Die Argumentation bei Pro Sieben war vergleichsweise einfach: Nicht nur billiger als früher, sondern schneller als RTL. Der Vorteil der festen Position lag auf der Hand: Der Pilot stand immer zur Verfügung, die Maschine war reserviert, die Routine machte es möglich, noch schneller abzufliegen und zu berichten.

Trotzdem kann es Ihnen passieren, dass Ihr Management noch zögert. Spielen Sie jetzt Ihren Trumpf: Die temporäre neue Position. Begrenzen Sie Ihre neue Stelle auf sechs Monate und sichern Sie zu, das Management über alle Erfolge zu informieren. Die Erfahrung zeigt: Wenn Ihre neue Position sich nicht als ganz und gar überflüssig erweist, wird sie beibehalten. Und die Aufgaben, die Sie sowieso nicht mochten, sind längst woanders zur Routine geworden.

Klappt das immer? Nein, aber erstaunlich oft. Und am Ende sind Sie in einem Job, den Sie selbst erfunden haben, meistens glücklicher, als wenn Sie einfach nur eine Stelle besetzen, die andere für Sie entwickelt haben.

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