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Richtig bewerben "Mit einem Feuerwerk beginnen - und dann steigern"

Bewerbung: "Es gibt keine Standard-Checkliste" Fotos
Corbis

Beim Berufsstart sind die Rollen klar verteilt: Die einen wollen die Jobs, die anderen vergeben sie. Womit kann man einen Personalchef schwer beeindrucken? Über die ideale Bewerbung diskutierte KarriereSPIEGEL an Unis in Erlangen und Karlsruhe mit Experten und Praktikern.

KarriereSPIEGEL: Herr Heemann, die Robert Bosch GmbH hat weltweit rund 300.000 Mitarbeiter. Ich weiß nicht, wie viele Sie davon persönlich eingestellt haben...

Gregor Heemann (Bosch-Personaler): Fast alle! (lacht)

KarriereSPIEGEL: Auf jeden Fall haben Sie eine Menge Erfahrung mit Bewerbungen und Bewerbungsverfahren. Verraten Sie uns das Geheimnis: Wie sieht die perfekte Bewerbung aus? Wer wird auf jeden Fall eingestellt?

Heemann: Wenn Sie auf ein Rezept hoffen mit vier oder fünf Punkten, die Sie nur abhaken müssen und schon ist alles geregelt, dann liegen Sie falsch. Perfekt ist eine Bewerbung dann, wenn der Bewerber sich und seine Stärken überzeugend präsentiert. Und natürlich muss dieses Profil auch noch zur ausgeschriebenen Stelle passen. Es geht also in jedem einzelnen Verfahren immer um eine individuelle Kombination - deshalb gibt es eben keine Standard-Checkliste.

KarriereSPIEGEL: Trotzdem muss eine Bewerbung ja irgendwie beginnen. Was wäre für Sie ein richtig guter erster Satz im Anschreiben? "Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen" klingt ja ziemlich verschnarcht...

Heemann: Auch da gibt es keinen Standard. Wichtig ist, dass im Anschreiben alles drin ist, was ich wissen muss. In welcher Reihenfolge - das ist mir letztlich egal, wenn es übersichtlich und knapp zusammengefasst ist.

Gerhard Winkler (Bewerbungsberater): Da muss ich widersprechen. Dass ein Bewerber Interesse am Unternehmen und der Stelle hat, ist doch wohl sonnenklar - sonst würde er sich nicht bewerben. Also gehört das nicht in den ersten Satz. Nein, der muss sich um das stärkste Argument drehen, das man mitbringt. Warum man hundertprozentig der oder die Richtige für die Stelle ist. Dafür betrachtet man seinen Werdegang im Hinblick auf den freien Posten - und beschreibt ihn dann so, dass er genau auf diese eine Stelle zuläuft.

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Bewerbungen: Wo geht's denn hier zum Job?
Helene Endres (Redakteurin manager magazin): Auch als Journalist muss man es schaffen, mit dem ersten Satz die Leser zu fangen. Oder wie Henri Nannen, der Gründer der Illustrierten "Stern", es einmal von Journalisten gefordert hat: Beginnen Sie mit einem Feuerwerk - und dann steigern Sie sich! Das Gleiche gilt meiner Meinung nach auch für Bewerbungen.

Thomas Sattelberger (Ex-Personalvorstand der Deutschen Telekom): Ich kann mir da auch eine andere Variante vorstellen. Eine, die mich überrascht. Wenn mir jemand schreibt: "Eigentlich wollte ich mich gar nicht bei Ihnen bewerben..." - das wäre interessant. Derjenige hätte sofort meine Aufmerksamkeit. In der Fülle monotoner Bewerbungsprozesse muss man Neugierde wecken.

KarriereSPIEGEL: Wie stark sollte der Bewerber durchblicken lassen, dass er sich über die Firma informiert hat?

Sattelberger: Jede Firma hat ja ihren eigenen Stolz. Natürlich sollte man sich im Vorfeld darüber informieren, mit wem man es zu tun hat. Beschäftigen Sie sich kritisch mit dem Kurs des Unternehmens, hinterfragen Sie die Unternehmenskultur! Aber verschonen Sie den Personaler mit dem PR-Vokabular von der Internetseite oder mit Detailzahlen aus dem letzten Geschäftsbericht. Den hat er im Zweifelsfall selbst nicht gelesen, und das wirkt eher abschreckend.

Winkler: Lassen Sie um Gottes willen die Marketingsprüche weg! In die Bewerbung gehören Ihre persönlichen Stärken. Es geht doch darum, dem Personaler die Arbeit abzunehmen. Der ist ohnehin genervt und gestresst und muss eine Bewerbung nach der anderen lesen. Da will er sich nicht noch durch verschwurbelte Texte über das tolle Leitbild seiner eigenen Firma wühlen. Man liebt die Bewerber, die wissen, was sie wollen; diejenigen, die keine Schwätzer sind, sondern Macher. Das muss im Anschreiben und später auch im Bewerbungsgespräch deutlich werden.

KarriereSPIEGEL: Auslandserfahrungen, gute Fremdsprachenkenntnisse, Engagement über das Studium hinaus: Das alles sind Standardkriterien, wenn Stellen für Hochschulabsolventen ausgeschrieben werden. Haben Bewerber mit abweichenden Lebensläufen überhaupt eine Chance?

Endres: Ich beobachte in den letzten Jahren schon, dass es einen Trend hin zu Kandidaten mit mehr Ecken und Kanten gibt. Kein Lebenslauf ist schließlich nur gerade und linear, es gibt immer individuelle Schlenker. Und der 21-jährige Bachelor-Absolvent, der nichts anderes erlebt hat außer Schule und Studium, bringt ja nicht unbedingt eine reife Lebenshaltung mit.

Heemann: Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu - aber es kommt eben immer auf den Einzelfall an. Auslandserfahrung zum Beispiel ist heute, viel mehr als früher, in fast allen Lebensläufen vorhanden und bei der Auswahl sicher von Vorteil. Konkret erwartet wird sie bei unseren Traineeprogrammen. Aber daraus sollte man nicht den Schluss ziehen, dass man seinen Lebenslauf mit Gewalt krümmen muss: Wer nicht im Ausland war, hat dafür vielleicht gute Gründe. Wichtig ist, dass der Bewerber oder die Bewerberin stimmig rüberkommt. Niemand muss nur um der Optik willen noch ein Jahr durch Südamerika trampen.

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Bewerbungspannen: 15 kuriose Missgeschicke
KarriereSPIEGEL: Wie selbstbewusst kann man auftreten - vor allem im Bewerbungsgespräch?

Sattelberger: Sehr! Es wird nicht mehr lange dauern, dann bewerben sich die Unternehmen bei den Studenten. In manchen Fächern ist das heute schon so. Auch wenn das viele Personaler und erst recht viele Dax-30-Unternehmen noch nicht verstanden haben, ist es doch so, dass ein Bewerbungsgespräch eine Werbung in zwei Richtungen ist. Da sollte man sich auf Augenhöhe begegnen, weil jeder versucht, das Gegenüber von sich zu überzeugen.

Endres: Was einem wichtig ist, sollte man ansprechen. Ich habe dazu in letzter Zeit viel recherchiert. Ein Beispiel: Ein Bewerber lebt homosexuell und möchte herausfinden, wie offen das Klima dazu in der Firma ist. Das trägt man im Gespräch vielleicht nicht als Erstes offensiv vor, könnte aber irgendwann als Mann anmerken: "Ich bin mobil, mein Partner und ich würden auch ins Ausland ziehen." Wenn der Personaler dann schon hektische Flecken am Hals bekommt und langsam vom Stuhl rutscht, dann sollte man sich vielleicht überlegen, ob das die richtige Firma für einen ist. Genauso kann man nebenbei einfließen lassen, dass man kleine Kinder hat und die Betreuung perfekt geregelt ist oder dass man eine Familie gründen will.

Sattelberger: Da bin ich skeptisch. Ich rate bei Persönlichem eher zur Zurückhaltung. Man weiß ja nie, wie der andere wirklich damit umgeht, vor allem, was an Informationen wie weitergeleitet wird. Unternehmen verhalten sich hier ja unberechenbar. Man muss sich da selbst eine Grenze setzen.

Heemann: Ohnehin müssen Bewerber dazu auch keine Auskunft geben. Meine Empfehlung wäre, gerade im Erstgespräch: eher Zurückhaltung bei solchen Themen.

Winkler: Ein Bewerbungsverfahren und besonders ein Gespräch sind immer mehr als nur die Suche nach einem Job. Jeder Bewerberin und jeder Bewerber bekommt dabei Einblicke in die Firma und das Arbeitsklima, und so kann man eben auch selbst prüfen: Will ich da überhaupt hin? Zusammen mit Informationen aus Blogs und anderen Internetquellen, aus Gesprächen mit Mitarbeitern oder auch aus eigenen Praktika kann man sich da ein ziemlich gutes Bild machen.

Heemann: Mir gefallen selbstbewusste Bewerber, aber die Balance muss natürlich stimmen. Wer durch die Tür kommt und mir sofort erklärt, wie ich meinen Job besser machen könnte, macht nicht unbedingt den besten Eindruck. Aber eben auch niemand, der nicht an seine eigene Person und seine Fähigkeiten glaubt, sondern über sich selbst wie über einen Dritten spricht.

  • Claudia Adolphs
    KarriereSPIEGEL-Autor Armin Himmelrath (Jahrgang 1967) ist Buchautor, Wissenschafts- und Bildungsjournalist in Köln. Er hat die Diskussionen bei "KarriereSPIEGEL im Hörsaal" moderiert.

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Was ist die Erkenntnis?
ohmeinsire 20.06.2013
Nun ganz einfach ... es gibt keine Blaupause, dass sollte aber jeden schon vorher klar gewesen sein ohne das es diesen Artikel bedarf. Ansonsten finde ich es sehr interessant wie oft der Bewerbungsberater anderer Meinung bzw. Sichtweise ist als z.B. der Personalvorstand. Ich habe auch hin und wieder Stapel von Bewerbungen auf dem Tisch und ich muss sagen, ich würde das Bewerbungsanschreiben ganz kurz fassen. Sinn gemäß "anbei meine Bewerbung für die Stelle" ... ansonsten muss man doch mal ganz ehrlich sein, geht der Blick sofort aufs Bild und in den Lebenslauf. Scheint beides ok zu sein, dann ab auf dem Stapel "noch mal anschauen" ... der Rest auf den Stapel "Absage". Klingt oberflächlich, aber so läuft es nun mal. Nicht umsonst gibt es ja die Initiative "anonyme Bewerbung".
2.
butch82 20.06.2013
Zitat von sysopBeim Berufsstart sind die Rollen klar verteilt: Die einen wollen die Jobs, die anderen vergeben sie. Womit kann man einen Personalchef schwer beeindrucken? Über die ideale Bewerbung diskutierte KarriereSPIEGEL an Unis in Erlangen und Karlsruhe mit Experten und Praktikern. KarriereSPIEGEL im Hörsaal: Die Suche nach der perfekten Bewerbung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/karrierespiegel-im-hoersaal-die-suche-nach-der-perfekten-bewerbung-a-906532.html)
Da kann man mal wieder sehen was die ganzen Bücher, Empfehlungen und Tipps von "Experten" wert sind. Eigentlich nichts. Die Herrschaften hatten ja teils sehr unterschiedliche Ansichten. Es ist wie im wahren Leben, mit dem Einen kann man, mit dem Anderen nicht. Und jeder sollte sich damit abfinden, dass vielleicht auch einfach mal Glück dazugehört.
3. Sichtweise
iLady 20.06.2013
Zitat von sysopDie einen wollen die Jobs, die anderen vergeben sie.[/url]
Vollkommen falsche Sichtweise (die unnötig nervös macht und Ängste schürt und dadurch verliert man dann beim Gespräch schnell seine Authentizität) Als Bewerber habe ich diese Sicht: Die haben „Arbeit“ die professionell und fachlich qualifiziert erledigt werden muss! Ich frage mich: Bin ich die richtige Person? Kann ich den Job machen? Will ich diesen Job machen? Was bieten die mir dafür, dass ich deren Arbeit erledige? (damit ist nicht nur Geld gemeint sondern auch Arbeitsklima, Geschäftsprozesse u.a.) Bewerbungsgespräche sind geben und nehmen! Beide Seiten haben etwas und wollen etwas und es geht darum zu prüfen ob man zueinander passt. Er hat Arbeit, ich die Qualifikation sie zu erledigen Er will sie erledigt haben, ich will dafür Gegenleistungen Dann muss man sagen passt das oder nicht? Aber auch ein Bewerber kann sagen „Du und deine „Arbeit“ passt nicht zu meinen Lebens-Vorstellungen…“ Gut jetzt schreien wieder alle auf, weil der Bewerber der ohne Job ist und eben den laufenden Rechnungen ohne Job nicht bezahlen kann. Aber, wer sich auf diesen Gedanken reduzieren lässt, ist erpressbar und verkauft sich auch häufig unter Wert (und schadet damit auch seinen fachlichen Kollegen und Mitmenschen die dann auch zu hören bekommen, dein Kollege macht es aber für weniger…) Im Übrigen mag ich den englischen Begriff „interview“ lieber, weil Bewerbung klingt so nach Bittsteller.. und DAS ist man nicht.. man bietet der Firma etwas an für einen Bedarf den sie gedeckt haben möchte! Aber man darf eben nicht vergessen, da ist eine Firma die Dinge zu erledigen hat und die braucht jemanden und da darf man auch mal fragen was ist der Firma das erledigten der Arbeit Wert? Und will ich diese Arbeit erledigen für das, was mir geboten wird… Jeder der sich bewirbt und diese Gedanken mal wirken lässt wird mit wesentlich weniger Nervosität in ein Bewerbungsgespräch gehen, weil man bergreift man denen nicht ausgeliefertist, sondern man prüft da etwas für sich selber, man bietet etwas an…
4. Schwachpunkt Personalabteilung
Strai 20.06.2013
Der größte Schwachpunkt in einem Unternehmen ist die Personalabteilung. Die „Personaler“ haben nämlich kaum Ahnung vom eigenen Betrieb und stellen bevorzugt die Leute ein, die so sind wie sie selbst. Also hauptsächlich Schwätzer. Da wird lieber der Selbstdarsteller genommen als das Genie, das keinen Wert legt auf Blabla.
5.
mm71 20.06.2013
Zitat von StraiDer größte Schwachpunkt in einem Unternehmen ist die Personalabteilung. Die „Personaler“ haben nämlich kaum Ahnung vom eigenen Betrieb und stellen bevorzugt die Leute ein, die so sind wie sie selbst. Also hauptsächlich Schwätzer. Da wird lieber der Selbstdarsteller genommen als das Genie, das keinen Wert legt auf Blabla.
Quark. Personaler suchen nach Rastern, die von den Fachabteilungen kommen und stellen i.d.R. auch niemanden ein, auch diese Entscheidung fällt üblicherweise in den Fachabteilungen. Ihre Aufgabe ist das korrekte Management des Bewerbungsprozesses an sich, damit die Leute in den Fachabteilungen ihrer Arbeit nachgehen können. Dass sich abgelehnte Bewerber gerne einreden, ihr "Genie" wurde nicht erkannt, sie seien zu unbequem etc. pp. ist ein anderes Thema, welches aber eher in den Bereich der Psychologie oder Psychotherapie fällt.
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