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Facebook und mehr: Mit Diensten wie Klout wird Social-Media-Aktivität zur Messgröße

Wer ist ein Social-Media-Hecht, wer eine Internet-Flöte? Immer mehr Chefs beantworten diese Frage mit dem Klout-Score - und verzichten deshalb vielleicht auf ein Bewerbungsgespräch. Karriereberaterin Svenja Hofert erklärt, wer sich darum sorgen sollte und wie man schnell auf gute Werte kommt.

Im Vorstellungsgespräch. Dieser Job wär's! Der Geschäftsführer tippt den Twitter-Namen von Klaus Haselbaum in sein Smartphone. "Ihr Klout-Score ist mit 19 ja recht dürftig", sagt er. "Wir brauchen hier Leute, die was von Online-Kommunikation verstehen." Absage einen Tag später.

Zu Hause muss Haselbaum erst mal bei Wikipedia nachschlagen: Klout.com ist eine Plattform im Internet, die den Einfluss von Personen in sozialen Medien misst. Eine eigene Software durchpflügt die Nutzerkonten bei Twitter, Facebook & Co. und bezieht dabei 400 geheime Einzelfaktoren ein.

Offenbar bewertet die Software, wie oft jemand bei Twitter retweetet oder favorisiert wurde, wie viele Reaktionen bei Google+ stattfanden oder wie viele Likes es auf öffentliche Facebook-Posts und auf geteilten Content gab. Klout schließt dabei von der Re- und Interaktion auf den Einfluss. Dieser ist natürlich nicht gleichzusetzen mit echtem Einfluss, gar in der Meinungsbildung, zumal bei Facebook Triviales besonders beliebt ist. Mit Katzenbildern etwa erzeugt man sehr sicher Likes, ohne damit gesellschaftlich besonderen Einfluss zu entfalten.

Aus der Perspektive eines Arbeitgebers ist die Art des Einflusses allerdings weniger relevant als die Tatsache, dass jemand weiß, wie Beeinflussung in den einschlägigen Netzwerken funktioniert: Marketing-Leute und PR-Experten sollen ja auch nicht unbedingt gut informieren, sondern vor allem Communitys mobilisieren können.

Hintergrund-Check mit öffentlich zugänglichen Daten

Um vom Anbieter Klout erfasst zu werden, genügt ein beliebiger öffentlicher Account bei Twitter, Facebook, Google+ oder Instagram. Sie müssen sich dafür nicht mal explizit in dem Portal angemeldet haben, es reicht mitunter, dass einer Ihrer Freunde hier ein Profil hat. Sobald Sie sich bei Klout anmelden, zieht sich das Unternehmen die Daten. Nach welchen Kriterien Klout dabei vorgeht, ist Geschäftsgeheimnis. Ähnlich arbeitet der Konkurrent Peerindex. Wer das nicht möchte, kann sich bei Klout aber auch problemlos austragen, mit der Opt-out-Funktion.

Mit guten Gründen sind solche Internetdienste bei Datenschützern umstritten, allerdings unterliegen sie nicht deutschem Recht. Auch die Nutzung der öffentlich zugänglichen Daten für das Recruiting halten die meisten Rechtsanwälte für zulässig. Zumal das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) keinen Ansatz bietet, dagegen vorzugehen. Diskriminierung aufgrund eines Klout-Scores kommt, anders als Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, im Gesetzestext nicht vor.

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Diese Experten schreiben regelmäßig im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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In den USA wurde im vergangenen Jahr über Unternehmen diskutiert, die einen Mindest-Klout-Score in ihr Stellen-Anforderungsprofil schreiben. In Deutschland finden sich Aussagen wie "Ihr Klout-Score ist 50 oder besser" allerdings noch nicht: Bei der Metajobsuchmaschine Indeed.com taucht der Begriff "Klout" noch in keiner dort verfügbaren deutschen Stellenanzeige auf. Wenn sich Personaler auf ein Bewerbergespräch vorbereiten, spielt Klout aber schon eine Rolle - Tendenz: steigend.

Sie werden "gekloutet"

Wie sollten sie als Bewerber damit umgehen? Wer einen Job im passenden Berufsfeld sucht, muss sich inzwischen nicht nur darauf einstellen, gegoogelt zu werden, sondern auch "gekloutet". Klarer Vorteil für Kandidaten, die in den sozialen Netzwerken schon lange aktiv sind - und ein Nachteil für alle, die sich mit dem Thema gerade erst vertraut machen. Offline-Natives und Social-Media-Skeptiker gibt es immer noch viele. Die Unternehmensbereiche Marketing und PR sind zwar längst in allen operativen Bereichen nicht mehr ohne Social Media denkbar, die Scheu vor eigenem Engagement ist aber verbreitet.

Social-Media-Aktive sind da im Vorteil. Sie können die eigene Kompetenz in dem Bereich mit "ZDF" belegen, also mit Zahlen, Daten, Fakten. Ein Verweis auf den Klout-Score hat eine ähnliche Qualität wie Aussagen der Kategorie "Umsatzverdoppelung innerhalb von zwei Jahren" oder "Steigerung des Marktanteils von 0 auf 80 Prozent", aber auch "3000 Twitter-Follower".

Natürlich sind solche Blend-Zahlen nur seriös einzuordnen, wenn man den Kontext kennt. Auf welche Art von Netzwerkaktivität ist der hohe Klout-Score zurückzuführen? In welcher Community ist der Bewerber aktiv? Doch ganz so aussageleer, wie manche Kritiker behaupten, ist ein Klout-Score dann doch nicht. Klar ist Kommunikation keine Social-Media-Einbahnstraße, natürlich ist Einfluss nicht objektiv messbar, selbstverständlich jeder Wert eine Momentaufnahme. Aber: Sind Marktanteil, Umsatzerhöhung und Abiturnote denn nicht genauso wenig objektiv und ebensolche Momentaufnahmen?

Totalverweigerung oder Schnelleinstieg

Bewerber, die keinen vorzeigbaren Score haben, sollten sich eine Strategie des Umgangs mit der Nicht-Präsenz überlegen, bei Google wie auch bei Klout. Sich austragen ist die eine: besser kein Score als ein niedriger. Oder sie machen sich die Regeln des Internets nutzbar: Überlagere Altes mit Neuem, flute das Internet! Erscheint das Astrologieforum beim Googeln nach dem eigenen Namen an erster Stelle, lade neuen Content hoch: Aktuellere Fotos bei Xing und LinkedIn (öffentlich stellen!) oder ein Profil bei Google oder about.me. Oder anfangen zu twittern, auch das beeinflusst das Google- und Klout-Ranking positiv.

Wenn Sie sich entscheiden, aktiv zu werden, empfiehlt sich folgende Strategie: Alle Einträge prüfen und nicht Vorzeigbares entweder löschen oder mit guten Schlüsselwörtern optimieren. Wer mit Social-Media-Accounts experimentieren möchte, darf dies tun - warum nicht einfach in das Twitter-Profil schreiben "neu bei Twitter, bin gespannt"? Innerhalb von zwei bis drei Monaten kann so ein vorzeigbarer Klout-Score wachsen. Learning by doing.

Doch was ist vorzeigbar? Der Klout-Durchschnitt international liegt derzeit bei etwa 40. Barack Obama hat 99, Boris Becker 86, ich schäme mich, jüngst von 63 auf 62 gefallen zu sein. Geringe Aktivität wird unmittelbar abgestraft. Klout ist deshalb keine Bank, auf der sich Geld verzinst. Wer nichts tut, verspielt seinen Bonus. Aber kann ihn auch ganz schnell (zurück-) erwerben.

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insgesamt 29 Beiträge
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1. optional
boer640 02.05.2013
Frau Hofert, bedenken Sie dabei, dass die Herren Obama und Becker Leute haben, die sich für sie um so 'nen Scheiß kümmern. Oder meinen Sie, dass Obama auf Sitzungen mit Frau Merkel verzichtet, weil er sonst weniger twittert? Für mich ist starke Social-Media Aktivität stark mit Langeweile verbunden. Die Leute haben in der Regel keine richtigen Hobbies. Vielleicht gibt's ja irgendwo eine Studie, die solche Korrelationen untersucht?
2. Immer dämlicher
LorenzSTR 02.05.2013
Die Dämlichkeit insbesondere im Personalwesen scheint immer neue Höhen zu erreichen. Ein Abbild der Dummdumm-Gesellschaft: Wissen, Kompetenz, Integrität werden zugunsten des Blabla-Faktors hinten angestellt, supi! Die Blender und Selbstdarsteller übernehmen immer deutlicher das Ruder, die Ergebnisse sehen wir. Eigentlich sollten Personen mit einem hohen Blabla-Faktor eher aussortiert werden. Aber angesichts der unfassbaren Blödheit, die seit den 90ern um sich greift, brauchen wir uns da keine Hoffnungen machen, die Entscheider mischen schließlich ganz vorne mit.
3. Facebook, Twitter und Co.
prefec2 02.05.2013
Auf Facebook und Twitter wird primär Persönliches verbreitet. Das möchte ich aber nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Ergo könnte ich dort nur Belangloses absondern was viele auch tun. Dazu ist mir aber meine Zeit zu schade. Das trifft auch meistens auf Twitter zu. Anders sieht es dagegen bei LinkdIn und Xing oder auch Mendele und ResearchGate aus. Das sind Social-Media-Plattformen, welche mit dem Beruf bzw. dem Geschäftlichen zu tun haben. Google ist da ähnlich gelagert. Auch dort wird nur verbreitet was wirklich relevant ist bzw. man abonniert sich nur was relevant ist. Davon abgesehen sollte kein Personaler seine Entscheidung von dererlei Aktivität oder Inaktivität machen. Auch nicht wenn er einen Werbefachmann oder Marketingmenschen sucht. Viel Social-Media-Aktivität zeigt zudem, dass jemand zu viel Freizeit hat oder sich zu viel Zeit für digitales Rauschen nimmt. Das geht immer zu Lasten der Arbeit.
4.
Olaf 02.05.2013
Zitat von sysopWer ist ein Social-Media-Hecht, wer eine Internet-Flöte? Immer mehr Chefs beantworten diese Frage mit dem Klout-Score - und verzichten deshalb vielleicht auf ein Bewerbungsgespräch. Karriereberaterin Svenja Hofert erklärt, wer sich darum sorgen sollte und wie man schnell auf gute Werte kommt. Klout wird bei Personalern immer beliebter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/klout-wird-bei-personalern-immer-beliebter-a-897527.html)
Solange deutsche Personalchefs ihre Kreativität darauf beschränken ständig neue Gründe zu finden Bewerbern abzusagen, kann es mit dem Fachkräftemangel ja nicht so schlimm sein.
5. unlogisch
systemgast 02.05.2013
Zitat von boer640Vielleicht gibt's ja irgendwo eine Studie, die solche Korrelationen untersucht?
Die gibt es, sind öffentlich aber selten zugänglich. Viele Unternehmen haben ihre Aktivitäten in den Socials reduziert, als sie festgestellt haben: die Zielgruppe möchten wir gar nicht erreichen... Wer entsprechend Bewerber bevorzugt, wird auch schnell feststellen, dass die Internetaktivität während der Arbeitszeit rapide steigt, und im gleichen Verhältnis die Arbeitsaktivität sinkt. Ich frage mich eigentlich nur: wer hat diesen Artikel gesponsert?
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Zur Autorin
  • Karriereberaterin Svenja Hofert betreibt ein Blog und hat mehr als 25 Bücher geschrieben, darunter das "Slow-Grow-Prinzip. Lieber langsam wachsen als schnell untergehen" und "Am besten wirst du Arzt... Wie Eltern ihren Kindern wirklich helfen".

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