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Bewerbungen für Business Schools Haareraufen für Harvard

Marathon zum Studienplatz: Erfolgreich bewerben bei Business Schools Fotos
Corbis

Bewerben ist ein Vollzeitjob. Vor allem, wenn man einen der begehrten MBA-Plätze in Harvard oder Stanford ergattern möchte. Ein halbes Jahr für Anschreiben, Essays und Büffeln für die Aufnahmeprüfung sollte man einkalkulieren. Und wer dann die Zusage bekommt, muss erst mal kräftig zahlen.

Jonas Rave hat es geschafft. Seit September ist der 28-Jährige MBA-Student an der kalifornischen Stanford Graduate School of Business. Und die gilt als die wählerischste MBA-Schule in den USA. Weniger als sechs Prozent der 6716 Bewerber aus aller Welt wurden dort im vergangenen Jahr zugelassen.

Gerade deutsche MBA-Interessenten unterschätzen oft, wie aufwendig Bewerbungen bei den Top-Adressen sind: mit Essays, Referenzen, Sprach- und Zulassungstests. In den USA ist längst eine eigene Branche entstanden mit Beratern, die Bewerbern für Hunderte Dollar versprechen, ihnen zu einem Top-Studienplatz zu verhelfen.

Die meisten bewerben sich an mehreren Schulen gleichzeitig. Und als wäre das nicht genug Aufwand, rät Christian Lippl, MBA-Experte beim Karrierenetzwerk E-Fellows, jedem, sich zudem vor Ort ein Bild von den Unis und ihrer Atmosphäre zu machen. Etwa bei Besuchstagen mit Probevorlesungen. So mancher streicht danach die eine oder andere Schule von seiner Favoritenliste.

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Rave setzte sich schon im Februar 2011 an seine Bewerbung - für die Abgabe im Oktober. "Das größte Stück Arbeit waren für mich die Essays", sagt er. Sechs Wochen lang saß er jeden Tag ein, zwei Stunden daran: Vier musste er für Stanford schreiben, dann noch vier für die Harvard Business School, wo er sich parallel bewarb. Stanford wollte etwa wissen: Was ist dir am wichtigsten im Leben und warum?

Rave findet die Essays wichtig, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. "Fast alle waren doch an guten Unis, haben bei Top-Unternehmen gearbeitet und einen hohen GMAT-Wert", sagt er, der seinen Bachelor in Philosophie, Politik und Wirtschaft an einer britischen Uni machte und zuletzt als Finanzanalyst in London arbeitete. Mit GMAT meint er den Graduate Management Admission Test, der verbale und mathematisch-logische Fähigkeiten misst und zum Aufnahmestandard gehört.

Besser nicht abkupfern

In den Essays interessiert Business Schools auch, was die Bewerber überhaupt am MBA reizt. "Die Frage mag auf den ersten Blick trivial erscheinen", sagt Jens Wüstemann, Präsident der Mannheim Business School. Doch die Hoffnung auf viel Geld und eine schnelle Karriere seien zwar legitim, sollten aber nicht die einzigen Motive sein, sagt er. Wer keine Führungspositionen in internationalem Umfeld anstrebe, sondern sich langfristig auf eine bestimmte Branche oder Funktion spezialisieren wolle, habe auch andere Optionen.

Und natürlich honorieren die Schulen, wenn die Essays auf das eigene Profil zugeschnitten sind: "Wer uns eine Massenbewerbung schickt, hat keine guten Karten", sagt Wüstemann. MBA-Experte Lippl empfiehlt daher auch einen Blick auf die Webseiten der Schulen: "Wer zum Beispiel einen Marathon gelaufen ist und sieht, dass es einen Running Club für Studenten gibt, kann vorschlagen, einmal einen Benefiz-Lauf zu organisieren", erklärt er.

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Von Ratgebern oder Musterlösungen im Internet rät er ab. Auch weil viele Schulen per Software Plagiate entlarven. Erst im Februar erwischten zwei US-Spitzenschulen mehrere Dutzend Abschreiber. An der hiesigen WHU - Otto Beisheim School of Management verzichtet man daher gleich ganz auf Essays. Trotzdem stößt die MBA-Programm-Managerin Heidrun Hoffmann öfter auf ganze Absätze, die abgeschrieben wurden - sogar bei den persönlichen Fragen.

Höchstpunktzahl 800

Eine der größten Hürden für viele MBA-Interessenten ist der GMAT. "Er wird oft unterschätzt", sagt Lippl. Wichtig sei es, die Art der Fragen zu verstehen, nicht nur im Logik-Teil: "Wenn man im Mathe-Teil in zwei Minuten eine Antwort geben muss, muss man die Abkürzung zur Lösung kennen."

Er empfiehlt, fünf bis sechs Monate für die Vorbereitung einzuplanen, sei es per Selbststudium, Online-Kurs oder in einem Präsenz-Seminar. Es gilt: Je renommierter die Schule ist, desto höher ist der durchschnittliche GMAT-Wert ihrer Studenten; in Stanford lag er zuletzt bei 729. Höchstpunktzahl sind 800.

Um die bisherigen Leistungen und das Führungspotential der Bewerber einschätzen zu können, will jede Schule auch Empfehlungsschreiben. "Das ist kein Arbeitszeugnis, wo allgemeine Floskeln genügen", warnt WHU-Frau Hoffmann. "Da müssen konkrete Fragen - vorzugsweise vom Vorgesetzten - beantwortet werden." Und zwar auf Englisch.

Rave landete nach den Bewerbungsgesprächen erst einmal auf der Warteliste. Nach drei Monaten schickte Harvard die Zusage. Er nahm an, zahlte die übliche Reservierungsgebühr von 1000 Dollar. Aber als ihn im Mai sein Favorit Stanford dann auch noch wollte, sagte er Harvard wieder ab, trotz der Gebühr.

Und so kann Rave später immerhin von sich behaupten, dass er zwei Jahre an der wohl teuersten US-Schule studiert hat: Ein Jahr Stanford kostet ab Herbst 59.534 Dollar. Ein Jahr Harvard wäre allerdings auch nur 2000 Dollar billiger gewesen.

  • Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA und betreibt das Blog "Schwertfeger-MBA-Channel".

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
bartholomew_simpson 20.03.2013
Einfach genial, wie sich die Edelkaderschmieden verkaufen. An sich ist ja der Student der "König Kunde", aber hier wird er zum zahlenden Castingteilnehmer.
2. Wenn dann wenigstens
hythlodaeus 20.03.2013
Spitzenleute geformt werden und keine Fachidioten, dann hat sich der ganze Aktionismus gelohnt. Leider haben diese Eliten, wie so viele selbsternannte vor ihnen, nur das eigene Wohl im Blick.
3. Toll, insbesondere das Ergebnis....
BettyB. 20.03.2013
Den lt. SPON gibt es dann anschliessend nur schwerlich einen Jobhttp://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/mba-programme-business-schools-buhlen-um-bewerber-a-888941.html...
4. sand am meer
ofelas 20.03.2013
Zitat von hythlodaeusSpitzenleute geformt werden und keine Fachidioten, dann hat sich der ganze Aktionismus gelohnt. Leider haben diese Eliten, wie so viele selbsternannte vor ihnen, nur das eigene Wohl im Blick.
Ich arbeite mit einigen MBA's aus INSEAD, Harvard und sonstwo zusammen, es sind einige Intelligente dabei, aber auch hier gibt es eine Normalverteilung bei der George Walker Bush sicher am unteren Ende lag (ganz unten) falls er ueberhaupt eine "Pruefung" machen musste. gesunder Menschenverstand (common sence and sound reasoning) sind wichtiger und auch anderswo vorhanden.
5.
Jens Schuetz 20.03.2013
Zitat von ofelasgesunder Menschenverstand (common sence and sound reasoning) sind wichtiger und auch anderswo vorhanden.
100% Zustimmung. Eine Krankenschwester mit gesundem Menschenverstand ist auch besser als ein ausgebildeter Arzt ohne gesunden Menschenverstand. Trotzdem wird mir durchscnittliche Arzt meist besser helfen koennen. Das liegt daran das wie sie schon sagten der Menschenverstand fast ueberall sehr aehnlich verteilt ist, bei den Schwestern wie bei den Aerzten. Gleiches bei den MBAs. Lieber einen dummen MBA als einen Dummen ohne Ausbildung. (MBA+) Lieber einen schlauen MBA als einen Schlauen ohne Ausbildung. (MBA+) Lieber einen schlauen MBA als einen Dummen ohne Ausbildung (MBA +) Lieber einen Schlauen ohne Ausbildung als einen dummen MBA. (MBA -) --> Geht man davon aus das alle Menschen, MBA oder nicht, gleichschlau sind, ist es in 3 von 4 Szenarien doch besser den MBA zu nehmen... Ist es unfair wenn ein Arbeitgeber einen schlauen Bauarbeiter nicht fuer den Vorstand bei Mercedes in Erwaegung zieht? Natuerlich. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit waere der eben niocht geeignet gewesen. Wo die Balance zwischen Voraussieben und Kosten/Nutzen leigen muss aber jede Firma selber beurteilen.
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