Von Bärbel Schwertfeger
Jonas Rave hat es geschafft. Seit September ist der 28-Jährige MBA-Student an der kalifornischen Stanford Graduate School of Business. Und die gilt als die wählerischste MBA-Schule in den USA. Weniger als sechs Prozent der 6716 Bewerber aus aller Welt wurden dort im vergangenen Jahr zugelassen.
Gerade deutsche MBA-Interessenten unterschätzen oft, wie aufwendig Bewerbungen bei den Top-Adressen sind: mit Essays, Referenzen, Sprach- und Zulassungstests. In den USA ist längst eine eigene Branche entstanden mit Beratern, die Bewerbern für Hunderte Dollar versprechen, ihnen zu einem Top-Studienplatz zu verhelfen.
Die meisten bewerben sich an mehreren Schulen gleichzeitig. Und als wäre das nicht genug Aufwand, rät Christian Lippl, MBA-Experte beim Karrierenetzwerk E-Fellows, jedem, sich zudem vor Ort ein Bild von den Unis und ihrer Atmosphäre zu machen. Etwa bei Besuchstagen mit Probevorlesungen. So mancher streicht danach die eine oder andere Schule von seiner Favoritenliste.
Rave findet die Essays wichtig, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. "Fast alle waren doch an guten Unis, haben bei Top-Unternehmen gearbeitet und einen hohen GMAT-Wert", sagt er, der seinen Bachelor in Philosophie, Politik und Wirtschaft an einer britischen Uni machte und zuletzt als Finanzanalyst in London arbeitete. Mit GMAT meint er den Graduate Management Admission Test, der verbale und mathematisch-logische Fähigkeiten misst und zum Aufnahmestandard gehört.
Besser nicht abkupfern
In den Essays interessiert Business Schools auch, was die Bewerber überhaupt am MBA reizt. "Die Frage mag auf den ersten Blick trivial erscheinen", sagt Jens Wüstemann, Präsident der Mannheim Business School. Doch die Hoffnung auf viel Geld und eine schnelle Karriere seien zwar legitim, sollten aber nicht die einzigen Motive sein, sagt er. Wer keine Führungspositionen in internationalem Umfeld anstrebe, sondern sich langfristig auf eine bestimmte Branche oder Funktion spezialisieren wolle, habe auch andere Optionen.
Und natürlich honorieren die Schulen, wenn die Essays auf das eigene Profil zugeschnitten sind: "Wer uns eine Massenbewerbung schickt, hat keine guten Karten", sagt Wüstemann. MBA-Experte Lippl empfiehlt daher auch einen Blick auf die Webseiten der Schulen: "Wer zum Beispiel einen Marathon gelaufen ist und sieht, dass es einen Running Club für Studenten gibt, kann vorschlagen, einmal einen Benefiz-Lauf zu organisieren", erklärt er.
Höchstpunktzahl 800
Eine der größten Hürden für viele MBA-Interessenten ist der GMAT. "Er wird oft unterschätzt", sagt Lippl. Wichtig sei es, die Art der Fragen zu verstehen, nicht nur im Logik-Teil: "Wenn man im Mathe-Teil in zwei Minuten eine Antwort geben muss, muss man die Abkürzung zur Lösung kennen."
Er empfiehlt, fünf bis sechs Monate für die Vorbereitung einzuplanen, sei es per Selbststudium, Online-Kurs oder in einem Präsenz-Seminar. Es gilt: Je renommierter die Schule ist, desto höher ist der durchschnittliche GMAT-Wert ihrer Studenten; in Stanford lag er zuletzt bei 729. Höchstpunktzahl sind 800.
Um die bisherigen Leistungen und das Führungspotential der Bewerber einschätzen zu können, will jede Schule auch Empfehlungsschreiben. "Das ist kein Arbeitszeugnis, wo allgemeine Floskeln genügen", warnt WHU-Frau Hoffmann. "Da müssen konkrete Fragen - vorzugsweise vom Vorgesetzten - beantwortet werden." Und zwar auf Englisch.
Rave landete nach den Bewerbungsgesprächen erst einmal auf der Warteliste. Nach drei Monaten schickte Harvard die Zusage. Er nahm an, zahlte die übliche Reservierungsgebühr von 1000 Dollar. Aber als ihn im Mai sein Favorit Stanford dann auch noch wollte, sagte er Harvard wieder ab, trotz der Gebühr.
Und so kann Rave später immerhin von sich behaupten, dass er zwei Jahre an der wohl teuersten US-Schule studiert hat: Ein Jahr Stanford kostet ab Herbst 59.534 Dollar. Ein Jahr Harvard wäre allerdings auch nur 2000 Dollar billiger gewesen.
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