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Eingewanderte Unternehmer Gekommen, um zu gründen

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Corbis

Frisch eingeweiht: Viele Einwanderer wollen sich in Deutschland ein Geschäft aufbauen

Ein fremdes, bürokratisches Land - und trotzdem gründen viele Einwanderer in Deutschland ein eigenes Unternehmen. Warum tun sie sich das an? Dieser Frage geht eine Studie nach. Und erklärt, warum diese Jungunternehmer oft schon sehr deutsch wirken.

Migranten sind eifrige Unternehmensgründer. Obwohl sie in einem anderen Land geboren sind und vieles erst lernen müssen, was in der Fremde selbstverständlich ist, machen sie ebenso häufig wie die Einheimischen eine eigene Firma auf. Mit der Bedeutung der Unternehmeraktivität von Einwanderern haben sich nun Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beschäftigt.

Demnach ist der Gründeranteil an der Bevölkerungsgruppe ist bei Migranten und Nicht-Migranten ungefähr gleich groß: Er liegt bei 5,3 Prozent aller 18- bis 64-Jährigen, die 2012 oder in den dreieinhalb Jahren davor ein Unternehmen gegründet haben. Dabei wurden alle Menschen als Migranten gezählt, die in einem anderen Land geboren sind, unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft.

Die Forscher unterscheiden zwischen Einwanderern aus den westlichen und nördlichen Nachbarstaaten Deutschlands, die sogar häufiger gründen als Einheimische, und solchen aus dem Süden und Osten Europas, die etwa auf dem gleichen Niveau liegen.

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Zehn Erfolgsgeschichten: Gut gegründet
Viele Einwanderer wagen den Schritt ins eigene Geschäft aus naheliegenden Gründen. Ihnen fällt es häufig schwer, eine Festanstellung zu bekommen, oft weil mögliche Arbeitgeber ihre Qualifikationen nicht kennen. Das ist praktisch in den meisten Ländern so, nicht nur in Deutschland. Wenn sie dann eine Anstellung bekommen, liegt ihr Lohn im Schnitt meist niedriger als der ihrer einheimischen Kollegen. Daher lohnt sich eine Gründung für Einwanderer ganz besonders. Das gilt nicht nur in Deutschland, sondern in den meisten Ländern. Im Internationalen Zusammenschluss Global Entrepreneurship Monitor untersuchen die IAB-Leute auch Gründungsaktivitäten im Ländervergleich.

Weitere Gründe für Gründungen: Viele Migranten kommen mit der Absicht, ein Unternehmen zu gründen. Ein wichtiger Faktor sind auch Vorbilder: Wenn schon die Eltern einen eigenen Laden eröffnet haben, und sei es im Ursprungsland der Familie, ist die Bereitschaft der Kinder besonders groß, es ihnen nachzumachen.

Beim Risiko ziemlich deutsch

Wer beschließt, in der Fremde eine Existenz aufzubauen, bringt viele Eigenschaften mit, die für eine Unternehmensgründung förderlich sind, Durchsetzungsvermögen zum Beispiel oder Risikobereitschaft. Allerdings gehen Einwanderer bei ihren Firmengründungen keine größeren Risiken ein als die Einheimischen, so die Studie.

In diesem Punkt passen sich die Migranten in Deutschland ihrem neuen Heimatland an. Deutsche Gründer sind ein bisschen weniger risikofreudig als die Einheimischen in anderen Ländern, das gleiche gilt für die jeweiligen Einwanderer. Ebenfalls vergleichbar ist der Frauenanteil: Auch unter den Migranten gründen Frauen seltener.

Die Rahmenbedingungen sind für Migranten, die nicht aus dem europäischen Wirtschaftsraum (EWR) kommen, oft schwierig. Während für Menschen aus EU-Ländern, aus Island, Norwegen, Liechtenstein und der Schweiz eine Unternehmensgründung rechtlich problemlos möglich ist, brauchen alle anderen eine Aufenthaltserlaubnis und unterliegen Beschränkungen der Gewerbefreiheit. Das bedeutet meist: Sie müssen nachweisen, welcher deutschen Berufsausbildung ihr Kenntnisstand entspricht. Ein Weg zur Aufenthaltserlaubnis ist eine Mindestinvestition in die neue Firma, was für viele aber zu teuer ist.

Für die Studie zog das IAB Umfragedaten aus knapp 15.000 Interviews heran, am internationalen Vergleich des GEM nehmen inzwischen 69 Länder teil, insgesamt wurden 199.000 Menschen befragt.

Mit der Arbeit ausländischer Gründer haben sich bereits andere Studien befasst. Laut der KfW-Bankengruppe hat jeder fünfte Firmengründer in Deutschland einen Migrationshintergrund. Dass auf Einwanderer mehr Gründungen zurückgehen als auf Einheimische stimmt laut IAB inzwischen aber nicht mehr. Die KfW-Untersuchung ist knapp zwei Jahre alt.

Übereinstimmend plädieren Experten für bessere Bedingungen, gerade für ausländische Gründer mit hoher Qualifikation. Die eingewanderten Gründer schaffen nämlich Arbeitsplätze in Deutschland. Nicht nur für andere Einwanderer, sondern auch für Einheimische.

mamk

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1. Last Exit Germany
spon-facebook-1513519320 21.12.2013
In der SF Bay Area gibt es einen Running Gag: "If your Idea drops here, sell it to the dump Berlin." Und wenn man sich den blinden Aktionismus hier in Berlins Start Up Szene ansieht, versteht man schnell warum.
2. Futterneid
albert schulz 21.12.2013
Zitat von sysopCorbisEin fremdes, bürokratisches Land - und trotzdem gründen viele Einwanderer in Deutschland ein eigenes Unternehmen. Warum tun sie sich das an? Dieser Frage geht eine Studie nach. Und erklärt, warum diese Jungunternehmer oft schon sehr deutsch wirken. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/migranten-als-unternehmensgruender-in-deutschland-a-939427.html
Die Überschrift enthält blühenden Schwachsinn. Diese Leute werden selbständig, um in dem Lande bleiben zu dürfen, in dem sie aufgewachsen sind. Und selbstredend kennen die Arbeitgeber ihre Qualifikation genauso wie bei einem Deutschen. Ausländer (und ihre Nachkommen) werden in Beruf und Gesellschaft stark ausgegrenzt, angefangen mit den vernachlässigten Hauptschulen, wo sie nichts lernen sollen. Es gibt ganze Industriezweige, in denen Ausländer nicht die geringste Chance haben, eingestellt zu werden, und auch größere Firmen, in denen die bestehenden Seilschaften (u.a. Gewerkschaften) jeden Neuankömmling gesichert ausschließen. Man braucht Ausländer bestenfalls ganz unten in der Abteilung Schmutz und körperliche Arbeit, und dazu sind Kinder der zweiten und dritten Generation mit weiterführendem Schulanschluß nicht mehr bereit. Sie sind besonders häufig in Handel und Wandel zu finden, wo schlecht oder nach Erfolg bezahlt wird. Wenn – südländische - Ausländer Firmen aufmachen, so handelt es sich zumeist um Dienstleistung am unteren Ende der Einkommensskala, wo zudem keine Berechtigungen oder Lizenzen erforderlich sind. Dönerbude, Kiosk, Schneiderei, Wäscherei, Schlüsseldienst, Kneipe, Schumacher, Kleinstläden werden betrieben, ohne großes finanzielles Risiko, aber auch für Verdienste, die deutlich unter denen tarifgeschützter Arbeitnehmer liegen. Kein Deutscher würde in einem solchen Betrieb arbeiten, er läßt sich nur über die Mitarbeit der gesamten Verwandtschaft halten, die teilweise völlig umsonst mitmacht. Handwerker sind recht selten unter den Immigranten zu finden, es sei denn, es handle sich um besonders schmutzige und anstrengende Berufe, etwa Sanierung oder Tiefbau. Lediglich im Ruhrgebiet findet man häufiger migrante Handwerker, aber nur aus einem Grund: Es gibt keine anderen mehr, die sich die Pfoten mit Handarbeit schmutzig machen wollen. Diese Form der Ausgrenzung ist uralt. Weil die Juden absolut keine Chance hatten, Bauer, Handwerker oder gar Beamter zu werden, wurden sie Kaufmann oder Wissenschaftler. Auch die Millionen Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Krieg waren den Eingeborenen im Westen gründlich verhaßt, weil sie um ihre Pfründen bangten, ihre Jobs, ihre Mädels. Zudem waren die Neuankömmlinge verdammt ehrgeizig, weil sie rein nichts hatten, aber Zukunft brauchten. Und sie haben es geschafft, nicht zuletzt wegen dieses Ehrgeizes. Deutscher als die Deutschen sind die Fremdländer übrigens auch, vor allem sind sie fleißig, und sie parieren.
3. dem Vorkommentator kann ich mich nur anschliessen
brandung.hawaii 21.12.2013
Ausländer werden ins Land geholt um die Jobs zu erledigen, die die Einheimischen nicht machen wollen bzw. für die es nicht genügend vermeintlich geeignete Einheimische gibt. Siehe ältere Qualifizierte die keinen Job finden für die aber Ausländer angeworben werden. Jeder auch Unternehmen wollen umworben werden. Und Konkurrenz belebt das Geschäft. Die Unternehmen müssen nicht etablierte unbequeme Einheimische beschäftigen, die Erfahrung mit Arbeitsgerichten haben, sondern können Ausländer nehmen, die parieren. Diese Vorgehensweise funktioniert in allen Ländern dieser Welt so.
4. Wirklich?
Criticz 21.12.2013
Zitat von sysopCorbisEin fremdes, bürokratisches Land - und trotzdem gründen viele Einwanderer in Deutschland ein eigenes Unternehmen. Warum tun sie sich das an? Dieser Frage geht eine Studie nach. Und erklärt, warum diese Jungunternehmer oft schon sehr deutsch wirken. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/migranten-als-unternehmensgruender-in-deutschland-a-939427.html
klar, vornhehmlich in der Gastronomie, kleiner Einzelhandel...dort findet man v.a. ausländische Jungunternehmer. Das ist nicht selten die "Flucht" in die Selbstständigkeit, weil es im Anstellungsverhältnis nicht klappt. Jetzt aber zu sagen dass dies ausschließlich daran liegt, so ja einige Vorkommentare, dass ihnen "ganze Industriezweige" nicht offen stehen oder dass Gewerschaften sie ausgrenzen würden, ist schwer zu glauben - Nachweise? Gleiches für die Behauptung dass sie weniger gegen ihre Arbeitgeber klagen würden. Tipp: mal Arbeitsgerichte aufsuchen und die Klägernamen durchgehen. Es wird nicht allzu selten - auch - mit der fehlenden ausreichenden Qualifikation zu tun haben. Warum dem so ist, ist eine andere Frage, da gibt es sicher auch Fehler im Schulsystem. Vor allem wenn der Unterricht so konzipiert ist, dass die Eltern faktisch Nachhilfe leisten müssen. Hier sind viele Migrantenkinder im Nachteil. Die grosse "Verschwörung" der Arbeitgeber, Gewerkschaften usw. gegen Migranten....nein, dafür gibts keinerlei Belege.
5. Mal ein paar Sachen richtig stellen
goodluck12 22.12.2013
Zitat von spon-facebook-1513519320In der SF Bay Area gibt es einen Running Gag: "If your Idea drops here, sell it to the dump Berlin." Und wenn man sich den blinden Aktionismus hier in Berlins Start Up Szene ansieht, versteht man schnell warum.
In den USA gehen etwa 2 Drittel der Startups in den ersten Jahren pleite. Es ist in den USA daher nicht unbedingt besser als in Deutschland. Wer ein Startup gruendet muss damit rechnen, dass es pleite geht. Das ist in Berlin so und in den USA auch. Abgesehen davon habe ich nach ihrem "running gag" gegoogelt aber Google hat ihn nicht gefunden. Ich gehe davon aus dass dieser "running gag" nicht sehr weit verbreitet ist, wenn ueberhaupt. Mit freundlichen Gruessen aus den USA.
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