"Edelziege" - der Name des kleinen Modelabels meint elegant gekleidete Damen mit divenhaften Allüren. Exklusiv soll die Ziege sein, nicht nur das Design der Pullover, Kleider, Röcke oder Schals, sondern auch das Material: Fischers Kleidungsstücke sind ausschließlich aus dem Unterhaar der Kaschmir-Ziege gemacht.
Hinter dem Label steht Saruul Fischer. Die gebürtige Mongolin hat vor fünf Jahren das Unternehmen im sächsischen Plauen gegründet, als das Heimweh besonders nagte und sie beruflich in einer Sackgasse angelangt war. In diesem Jahr präsentiert die 37 Jahre alte Designerin erstmals ihre Kollektion auf der Fashion Week und will den europäischen Markt mit ihrer ökologischen Mode erobern.
Den 300 Zuschauern der Show im Berliner Umspannwerk gefielen die klassischen Schnitte, gedeckten Farben und Kaschmir-Looks. "Es ist luxuriös und trotzdem tragbar", sagt eine Studentin im Anschluss an die knapp halbstündige Show. Und die Journalistin eines Schweizer Öko-Magazins attestierte Fischers Kollektion Marktreife. "Häufig ist reine Öko-Kleidung nicht alltagstauglich. Für Saruul Fischer gilt das nicht."
In ihrer verzweifelten Situation besann sich die zweifache Mutter auf ihre mongolischen Wurzeln. "Ich hatte in der Zeit großes Heimweh und suchte nach einem Weg, mein Leben in Deutschland mit der Heimat zu verbinden", sagt sie. Schließlich half ihr Interesse für Mode und eine besondere Ressource der Mongolei - das Kaschmir. Plötzlich sei ihr klar geworden, was sie machen will, sagt Fischer. Sie gründete ein Modelabel.
Fischer fuhr in die Mongolei und suchte nach Partnern, mit denen sie ihre Kaschmir-Mode umsetzen kann. Fündig wurde sie bei kleinen Strickereien, die nicht unter dem Margendruck westlicher Großabnehmer stehen. "Bei den geringen Mengen, die wir produzieren, mussten es Kleinbetriebe sein, die flexibel reagieren können", sagt sie. Zudem legte sie Wert auf soziale Arbeitsbedingungen für die meist weiblichen Arbeiter. In einer gleichaltrigen Frau aus Ulan Bator fand sie ihre Co-Designerin, die ihr fehlendes technisches Know-How ausgleicht. "Die sagt mir, was von den allzu verrückten Entwürfen überhaupt machbar ist und was nicht", berichtet Fischer.
Skype-Kontakt mit der Co-Designerin in Ulan-Bator
Fischer weiß ihr Label geschickt als Öko-Marke zu präsentieren. Doch man nimmt ihr die Wehmut ab, mit der sie von ihrer mongolischen Heimat spricht. "Die Menschen sind bescheiden und leben im Rhythmus der Natur. Das vermisse ich in Deutschland am meisten", sagt sie. Mit dem Modelabel hat Fischer sich nun selbst eine Brücke in ihr Geburtsland gebaut. Seit der Gründung des Unternehmens reist die Jungunternehmerin zwei Mal im Jahr in die Mongolei, um mit Produzenten zu verhandeln. Zudem hält sie mit ihrer Co-Designerin in Ulan Bator nahezu täglich Kontakt per Skype. "Früher waren meine Eltern das einzige Stück Heimat, das ich hatte. Heute führe ich ein Leben ganz nah zur Mongolei", sagt sie.
Groll auf ihre Wahlheimat Plauen hegt sie dennoch nicht. In ihren Kleidungsstücken verwendet sie sogar Plauener Nadelspitze, für die die Stadt einst berühmt wurde. Und sollte sich ihre Geschäftsidee, Kleidung aus reinem Kaschmir in Europa zu verkaufen, durchsetzen, würde sie sich für beide Lebenswelten freuen.
Michael Klug/dapd/mia
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