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Mode aus Kaschmir Die Edelziege aus Ulan-Bator

Modeschöpferin aus Plauen: Machen statt Meckern Fotos
dapd

Mongolisches Kaschmir und Plauener Spitze passen nicht zusammen? Doch, findet Saruul Fischer. Die gebürtige Mongolin fertigt Mode aus der Wolle ihres Geburtslandes. Ihr Heimweh brachte sie auf die Idee zu dem Label "Edelziege", das jetzt auf der Fashion Week mitmischt.

"Edelziege" - der Name des kleinen Modelabels meint elegant gekleidete Damen mit divenhaften Allüren. Exklusiv soll die Ziege sein, nicht nur das Design der Pullover, Kleider, Röcke oder Schals, sondern auch das Material: Fischers Kleidungsstücke sind ausschließlich aus dem Unterhaar der Kaschmir-Ziege gemacht.

Hinter dem Label steht Saruul Fischer. Die gebürtige Mongolin hat vor fünf Jahren das Unternehmen im sächsischen Plauen gegründet, als das Heimweh besonders nagte und sie beruflich in einer Sackgasse angelangt war. In diesem Jahr präsentiert die 37 Jahre alte Designerin erstmals ihre Kollektion auf der Fashion Week und will den europäischen Markt mit ihrer ökologischen Mode erobern.

Den 300 Zuschauern der Show im Berliner Umspannwerk gefielen die klassischen Schnitte, gedeckten Farben und Kaschmir-Looks. "Es ist luxuriös und trotzdem tragbar", sagt eine Studentin im Anschluss an die knapp halbstündige Show. Und die Journalistin eines Schweizer Öko-Magazins attestierte Fischers Kollektion Marktreife. "Häufig ist reine Öko-Kleidung nicht alltagstauglich. Für Saruul Fischer gilt das nicht."

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8  Bilder
Junge Gründer: Anfang und Ende vom eigenen Modelabel
Es war 1986, als Saruul Wandan mit ihren Eltern aus der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator in die DDR zog. Der Vater arbeitete als Dolmetscher für mongolische Lehrlinge, die elfjährige Saruul wuchs im brandenburgischen Forst auf, später in der Karl-May-Stadt Hohenstein-Ernstthal. Drei Jahre später kam die Wende, der Vater starb und die Familie verarmte. Saruul Fischer machte Abitur und studierte Kommunikationswissenschaften. Sie verliebte sich, wurde schwanger und zog nach Plauen im Vogtland. In der tiefsten aller sächsischen Provinzen schien sie endgültig in einer Sackgasse angelangt. "Für meinen Beruf gab es in der Gegend keine Jobs. Und als junge Mutter war es schwer, etwas anderes zu finden", sagt sie.

In ihrer verzweifelten Situation besann sich die zweifache Mutter auf ihre mongolischen Wurzeln. "Ich hatte in der Zeit großes Heimweh und suchte nach einem Weg, mein Leben in Deutschland mit der Heimat zu verbinden", sagt sie. Schließlich half ihr Interesse für Mode und eine besondere Ressource der Mongolei - das Kaschmir. Plötzlich sei ihr klar geworden, was sie machen will, sagt Fischer. Sie gründete ein Modelabel.

Fischer fuhr in die Mongolei und suchte nach Partnern, mit denen sie ihre Kaschmir-Mode umsetzen kann. Fündig wurde sie bei kleinen Strickereien, die nicht unter dem Margendruck westlicher Großabnehmer stehen. "Bei den geringen Mengen, die wir produzieren, mussten es Kleinbetriebe sein, die flexibel reagieren können", sagt sie. Zudem legte sie Wert auf soziale Arbeitsbedingungen für die meist weiblichen Arbeiter. In einer gleichaltrigen Frau aus Ulan Bator fand sie ihre Co-Designerin, die ihr fehlendes technisches Know-How ausgleicht. "Die sagt mir, was von den allzu verrückten Entwürfen überhaupt machbar ist und was nicht", berichtet Fischer.

Skype-Kontakt mit der Co-Designerin in Ulan-Bator

Fischer weiß ihr Label geschickt als Öko-Marke zu präsentieren. Doch man nimmt ihr die Wehmut ab, mit der sie von ihrer mongolischen Heimat spricht. "Die Menschen sind bescheiden und leben im Rhythmus der Natur. Das vermisse ich in Deutschland am meisten", sagt sie. Mit dem Modelabel hat Fischer sich nun selbst eine Brücke in ihr Geburtsland gebaut. Seit der Gründung des Unternehmens reist die Jungunternehmerin zwei Mal im Jahr in die Mongolei, um mit Produzenten zu verhandeln. Zudem hält sie mit ihrer Co-Designerin in Ulan Bator nahezu täglich Kontakt per Skype. "Früher waren meine Eltern das einzige Stück Heimat, das ich hatte. Heute führe ich ein Leben ganz nah zur Mongolei", sagt sie.

Groll auf ihre Wahlheimat Plauen hegt sie dennoch nicht. In ihren Kleidungsstücken verwendet sie sogar Plauener Nadelspitze, für die die Stadt einst berühmt wurde. Und sollte sich ihre Geschäftsidee, Kleidung aus reinem Kaschmir in Europa zu verkaufen, durchsetzen, würde sie sich für beide Lebenswelten freuen.

Michael Klug/dapd/mia

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Im Einklang mit der Natur...
Visaya 20.01.2013
Wieder mal ein herrlich verklärtes Bild der Mongolei. Die Menschen leben hier alles andere als im Einklang mit der Natur - Ulan Bator, die Hauptstadt der Welt mit der schlechtesten Luft und dort leben fast die Hälfte der Mongolischen Bevölkerung. Die Straßen sind voll mit Autos a la Hummer, Landcruiser, Jeep (soviel zur Bescheidenheit) und "touristische Attraktionen" sind voll mit Müll. Ausserdem hat die Mongolei ein Überweidungsproblem, dass mit dem Ökolabel von der Kaschmirziege ist also auch fragwürdig.
2.
Orthoklas 20.01.2013
Mode aus Kaschmir ist doch Unsinn! Das liegt nicht einmal in der Nähe der Mongolei...
3.
friederrich 20.01.2013
Schafe sind wohl die besseren "Edelziegen", wie Ihr Bild 5 der Bildstrecke zeigt ....
4.
Sueme 20.01.2013
Zitat von friederrichSchafe sind wohl die besseren "Edelziegen", wie Ihr Bild 5 der Bildstrecke zeigt ....
Wo siehst Du den auf Bild 5 die Schafe? Biologie war nicht so ganz dein Fach, oder?
5.
friederrich 20.01.2013
sicher, ein paar Ziegen sind auch dabei ....
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Das A und O bei einem eigenen Label ist die Qualität. Die Designerin Anna Fuchs empfiehlt zwar, mit dem Budget gut zu haushalten, jedoch solle man niemals Qualitätseinbußen beim Produkt akzeptieren. Der Leitsatz "Not macht erfinderisch" sei richtig, gelte aber vor allem für die Bereiche Marketing und PR. Bei Rohstoffen, Lieferanten und Produzenten sollte man keine Abstriche machen.
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