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Mode-Bloggerinnen Als Dankeschön gibt's einen Sommermantel

Mode-Bloggerinnen: Schick gemacht Fotos
Eva Kopytto

Kollektionen fotografieren, Designer interviewen, Steckdosen suchen - für Mode-Bloggerinnen wird die Berliner Fashion Week zum Triathlon. Und zum guten Geschäft: Wenn's rund läuft, kann ein Blog einige tausend Euro im Monat einbringen. Oder zumindest eine Handtasche.

Der erste kurze Blog-Eintrag ist raus, dazu ein Schnappschuss von unterwegs. Der Blick von Kiki Albrecht, 23, wandert nahezu im Minutentakt auf ihr Smartphone. Es ist eine der wichtigsten Wochen dieses Jahres für die Mode-Bloggerin aus Berlin. Bis zu zwölf Termine pro Tag stehen bei der Fashion Week auf ihrem Programm. "Hauptsache, man hat Ladegeräte und was Süßes dabei, ohne kommt man nicht durch", sagt sie.

Die Studentin der Gesellschaftskommunikation hat vor zweieinhalb Jahren ihr Mode-Blog The Random Noise gegründet. Seither investiert sie täglich mehrere Stunden: pflegt Kontakte, schreibt Artikel oder postet Bilder.

Ein morgendlicher Medientreff, erste Station an diesem Tag. Rund 40 gut angezogene Modebegeisterte sitzen auf loungigen Hockern, haben Stift, Kamera und Smartphone parat und warten auf den Stargast der Berliner Modewoche: Stella McCartney. Fast die Hälfte der Eingeladenen sind Blogger. Mitten drin sitzt Kiki Albrecht. Sie hofft auf ein paar gute Töne und Fotos von Stella McCartney, am liebsten ein Foto mit ihr allein. Je exklusiver die Bilder und Inhalte, desto besser für das Blog. Nach dem Medien-Termin mit Stella gibt's zwar kein Exklusivbild, dafür aber einen kurzen Foto-Post aus der Medienrunde:

"Wise words by the beautiful Stella"

Ihr Blog hat Kiki Albrecht mit sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram verknüpft, um möglichst viele Leser zu gewinnen. 90.000 Besucher hatte The Random Noise nach ihren Angaben im vergangenen Monat, etwa 4000 Fans folgen auf den sozialen Netzwerken.

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17  Bilder
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"Am Anfang wollte ich erst einmal nur in der Modewelt mitspielen, weil das schon immer meine Leidenschaft war", erzählt Kiki Albrecht. Dann kam der Ehrgeiz, sich mit dem Blog einen Namen zu machen und Geld zu verdienen. Mittlerweile kann sie ihr Studentenleben samt Miete damit finanzieren. In guten Zeiten, meist rund um die Modewochen, verdient Albrecht mit The Random Noise ein paar tausend Euro netto im Monat.

Dazu muss sie sich jedoch auf Geschäfte mit Labels einlassen. So designte sie für einen Jeanshersteller auf einer Messe eine Jeans und wurde dafür bezahlt. Wenn sie auf ihrer Seite auf Online-Shops verweist und Leser dort einkaufen, bekommt sie ein paar Prozente Provision. Auch mit bestellten Berichten und Fotoshootings, sogenannten Advertorials, verdient sie Geld: indem sie sich in der Kleidung eines Herstellers auf ihrem Blog zeigt und positiv darüber schreibt.

Modefirmen füllen ihren Kleiderschrank

Wird man dadurch als Blogger unkritisch und käuflich? "Solange ich Werbung auf meinem Blog als solche transparent mache, finde ich es okay. Außerdem behalte ich mir vor, Kooperationen abzulehnen und nur die Produkte zu bewerben und zu tragen, hinter denen ich wirklich stehe. "So bleibe ich authentisch", sagt Albrecht. Transparent machen heißt für sie, dass sie "gesponsort von" oder "eine Kooperation mit" unter den entsprechenden Blog-Eintrag schreibt.

Regelmäßig bekommt sie Geschenke von Designern. Die anzunehmen, findet sie in Ordnung: "Wenn es mir gefällt, macht es für mich keinen Unterschied, ob es mir meine Freundin oder ein Label schenkt." Was ihr missfällt, landet nicht im Blog. Letztens hat sie Gutes über die Presseveranstaltung einer Marke geschrieben und als Dankeschön einen Sommermantel zugeschickt bekommen.

Die beige Louis-Vuitton-Tasche, die sie auf der Fashion Week trägt und auf Blog-Fotos postet, ist eine Leihgabe des Unternehmens und ein indirekter Deal: Albrecht bekommt eine Tasche, die ihr gefällt, bringt sie dafür positiv im Blog unter. Rund ein Drittel ihres Kleiderschranks besteht aus geschenkter oder geliehener Mode. Einen Kodex, um Schleichwerbung zu verhindern, gibt es unter Mode-Bloggern nicht. Jeder Blogger müsse das mit sich selbst vereinbaren, sagt Albrecht.

Am Anfang hagelte es reichlich Absagen

Sie selbst sieht sich mittlerweile als eine der 30 wichtigsten Mode-Bloggerinnen des Landes. Tatsächlich wird sie in Deutschland zu allen großen Shows eingeladen. Und sie gehört zu der Handvoll deutscher Blogger, die auch international bekannt ist: Louis Vuitton schickte ihr eine Eintrittskarte für die Show auf der Pariser Fashion Week; die Reise musste sie allerdings selber zahlen. "Für mich ein absolutes Highlight", sagt Albrecht stolz. Am Anfang ihrer Blogger-Karriere habe sie viele Absagen kassiert: "Das war frustrierend. Aber um erfolgreich zu sein, braucht man vor allem einen langen Atem."

Um international sichtbarer zu werden, postet Kiki Albrecht auch auf Englisch:

"Best essentials - sneakers and a big bag"

Dazu gibt es ein Foto von ihren Sneakers und der Tasche. Solche persönlichen Posts liefen besonders gut in ihrem Blog, "weil die Leser das Gefühl haben, abseits von Glamour nah dran zu sein".

Ein paar Stunden und Posts später muss Kiki Albrecht nach Hause, unfreiwillig: Der Akku ist leer und keine Steckdose in Sicht. Das heißt aber nicht Feierabend. Nun geht's an die längeren Artikel, die sie tagsüber nicht geschafft hat. Albrecht hofft, dass sich die schlaflosen Nächte auch langfristig auszahlen - und sie später hauptberuflich in der Modebranche arbeiten kann.

  • sceneline studios
    KarriereSPIEGEL-Autorin Eva Kopytto ist freie Journalistin und Reporterin. Sie hat Journalistik, Politikwissenschaft sowie Foreign Policy in Dortmund und Washington studiert.

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insgesamt 18 Beiträge
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    Seite 1    
1.
Stäffelesrutscher 04.07.2013
Zitat von sysopEva KopyttoKollektionen fotografieren, Designer interviewen, Steckdosen suchen - für Modebloggerinnen wird die Berliner Fashion Week zum Triathlon. Und zum guten Geschäft: Wenn's rund läuft, kann ein Blog einige tausend Euro im Monat einbringen. Oder zumindest eine Handtasche. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/modeblogs-vom-hobby-zum-lukrativen-nebenjob-a-909167.html
Es zeigt die Perversion dieses Gesellschaftssystems, wenn man für eine solche objektiv überflüssige Tätigkeit mehr Geld bekommt als hundert Näherinnen zusammengenommen. Und mehr Geld als Krankenschwestern, Müllmänner, Lokführer, ...
2. therandomnoise.com
mopsfidel 04.07.2013
> 90.000 Besucher hatte The Random Noise nach ihren > Angaben im vergangenen Monat Passt nicht ganz dazu, was mir Analyseprogramme sagen. Vielleicht hat sie Visits mit Visitors "verwechselt".
3.
Bob Hund 04.07.2013
Lustig, wie sich Leute Smartphones kaufen, die offensichtlich überhaupt nicht ihrem Anforderungsprofil entsprechen. Mit nem vernüftigen Telefon kö te sie einfach den Akku wechseln und weiterarbeiten und müsste auch nicht überall nach Steckdosen suchen. Aber in der Modebranche ist das ja üblich, da kommt es auf Style an und nicht auf Funktion.
4. Zu Kommentar Nr.1
hannovernord 04.07.2013
Es ist schon erstaunlich.... Es gibt kaum einen Artikel, der in den Kommentaren Schadenfreude auslöst. Wenn's denn mal nicht klappt, muss eben der Neid und Empörung diese Lücke füllen. Hier hat eine junge Frau eine Niesche für sich gefunden und kann für sich selbst sorgen. Es ist im übrigen eine Form von Journalismus. Gekaufte Meinung? Jede Veröffentlichung, die irgendwie über Werbung finanziert ist, also fast alle, könnte diesen Verdacht schüren. Dass hier offen damit umgegangen wird, ist eher ein gutes Zeichen. Übrigens: "Objektiv überflüssig" wäre diese Tätigkeit vielleicht dann, wenn niemand es lesen würde und jemand anderes gezwungen wäre, es trotzdem zu bezahlen. Das ist beides nicht der Fall. Im Vergleich zu den Näherinnen ist auch Ihre Tätigkeit, lieber Kommentator, weit überbezahlt (selbst bei Harz IV wäre es das), wenn man denn die Lebenshaltungskosten in z. B. Bangladesh zugrunde legt. Wenn Sie Ihre Kleidung nicht selber nähen, unterstützen sie diese Industrie und Armut der von Ihnen angesprochenen Näherinnen höchstwahrscheinlich auch.Wie können Sie es wagen? Manchmal wären die Leser gut geraten ihre Empörung nicht allzu inflationär und unfair zu gebrauchen, sonst hört niemand mehr zu, wenn es mal darauf ankommt.
5. Zu Kommentar Nr.1
hannovernord 04.07.2013
Es ist schon erstaunlich.... Es gibt kaum einen Artikel, der in den Kommentaren Schadenfreude auslöst. Wenn's denn mal nicht klappt, muss eben der Neid und Empörung diese Lücke füllen. Hier hat eine junge Frau eine Niesche für sich gefunden und kann für sich selbst sorgen. Es ist im übrigen eine Form von Journalismus. Gekaufte Meinung? Jede Veröffentlichung, die irgendwie über Werbung finanziert ist, also fast alle, könnte diesen Verdacht schüren. Dass hier offen damit umgegangen wird, ist eher ein gutes Zeichen. Übrigens: "Objektiv überflüssig" wäre diese Tätigkeit vielleicht dann, wenn niemand es lesen würde und jemand anderes gezwungen wäre, es trotzdem zu bezahlen. Das ist beides nicht der Fall. Im Vergleich zu den Näherinnen ist auch Ihre Tätigkeit, lieber Kommentator, weit überbezahlt (selbst bei Harz IV wäre es das), wenn man denn die Lebenshaltungskosten in z. B. Bangladesh zugrunde legt. Wenn Sie Ihre Kleidung nicht selber nähen, unterstützen sie diese Industrie und Armut der von Ihnen angesprochenen Näherinnen höchstwahrscheinlich auch.Wie können Sie es wagen? Manchmal wären die Leser gut geraten ihre Empörung nicht allzu inflationär und unfair zu gebrauchen, sonst hört niemand mehr zu, wenn es mal darauf ankommt.
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