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Porsche-Chef Müller "Top-Talente erkennt man nicht im Bewerbungsgespräch"

Matthias Müller: Von Volkswagen an die Porsche-Spitze geschickt Zur Großansicht
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Matthias Müller: Von Volkswagen an die Porsche-Spitze geschickt

Matthias Müller hat Werkzeugmacher gelernt und seinen Berufsweg für ein Studium unterbrochen. Geschadet hat ihm sein Zickzack-Kurs nicht: Heute ist er Chef von Porsche. Im Interview sagt er, wie er junge Talente zu Karriere-Schlenkern ermutigt - und warum er eine Frauenquote ablehnt.

KarriereSPIEGEL: Herr Müller, Sie haben Werkzeugmacher gelernt, Informatik studiert und sind dann bei Audi eingestiegen. Nicht gerade der klassische Weg zum Vorstandsvorsitzenden.

Müller: Na ja, eigentlich wollte ich Fußballprofi werden, aber das hat nicht geklappt.

KarriereSPIEGEL: Die Lebensläufe der meisten Aufsteiger gleichen sich: Top-Uni, Top-Praktika, hoch einsteigen. Wie verhindern Sie, dass Karrieren wie Ihre verschwinden?

Müller: Ich frage mich tatsächlich, ob der geradlinige Weg der beste ist. Ich habe gerade von der Vielfalt meines Lebenslaufs enorm profitiert. Unabhängig davon kommt es aber immer auf das Potential des Einzelnen an. Ob einer den geraden Weg nimmt oder Schlenker macht, spielt keine so große Rolle.

KarriereSPIEGEL: Und woran erkennen Sie, ob jemand das Potential zum CEO hat?

Müller: Top-Talente erkennt man nicht im Bewerbungsgespräch. Man muss jemanden über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Problemsituationen erleben: Wächst er mit seinen Aufgaben? Ist er stabil, innerlich ausgeglichen und robust?

KarriereSPIEGEL: Sie meinen, ob er Ellbogen hat?

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Müller: Manchmal auch das, ja. Aber ich verstehe darunter kein Foulspiel, sondern Standhaftigkeit und Ausdauer. Ohne die geht es nicht in unserem Geschäft. Nehmen Sie den A5 Sportback von Audi: Viermal wurde er mir in Gremien abgelehnt. Ich stand aber hinter dem Projekt und habe mich beim fünften Mal dann durchgesetzt.

KarriereSPIEGEL: Man muss also nerven können?

Müller: Der damalige Audi-Chef Martin Winterkorn jedenfalls hat diese Standhaftigkeit an mir schätzen gelernt. Top-Manager sind schließlich angewiesen auf andere Meinungen und andere Blickwinkel.

KarriereSPIEGEL: Haben Sie davor schon gemerkt, dass Sie jemand fördern wollte?

Müller: Mein Vater hat mir schon früh ein Wertesystem vermittelt, das auf Leistungsbereitschaft basiert. Dann hat mir mein erster Chef bei Audi nach und nach größere Aufgaben übertragen. Später hat mir Franz-Josef Paefgen das gesamte Produktmanagement anvertraut. Und schließlich, wie gesagt, eben Dr. Winterkorn.

KarriereSPIEGEL: Führte dabei der Zufall oder Ihr Ehrgeiz Regie?

Müller: Zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein spielt eine Rolle. Aber man muss auch auf sich aufmerksam machen, ohne es zu übertreiben.

KarriereSPIEGEL: Nun, da Sie selbst ganz oben sind: Wie fördern Sie junge Talente?

Müller: Porsche lebt von seinem Wertesystem. Diese Kultur lässt sich am besten bewahren, indem man Menschen mit Potential innerhalb des Unternehmens von unten nach oben entwickelt. Sicher kann da mal ein Seiteneinsteiger dazukommen - unser Ziel ist es aber, die meisten Führungspositionen aus den eigenen Reihen zu besetzen.

KarriereSPIEGEL: Wie funktioniert das konkret?

Müller: Nehmen Sie meinen Assistenten, mit dem ich neulich über seinen weiteren Weg sprach. Der ist Mitte 30, sehr schlanker Werdegang, Top-Hochschule, Berater, dann in unserer Strategieabteilung und nun mein Assistent. Für ihn ist es wichtig, jetzt einen ganz konträren Schritt zu machen. Also eine richtig operative Tätigkeit, etwa einen Fertigungsabschnitt im Rohbau leiten oder Ähnliches. Das würde sein Profil schön abrunden. Am wichtigsten ist aber, dass diese Talente sich selbst Gedanken über ihre Zukunft machen und nicht nur der Chef: Wo möchte ich in zwei Jahren sein? Traue ich mir schon eine vertikale Entwicklung zu, oder will ich über ein Job Enrichment erst noch andere Erfahrungen sammeln? Wenn diese Fragen geklärt sind, können die Vorgesetzten konkrete Möglichkeiten aufzeigen.

KarriereSPIEGEL: Bekommt Porsche überhaupt genügend gute Leute im viel zitierten "Kampf um Talente"?

Müller: Als bekanntes Unternehmen haben wir zum Glück mehr Bewerber als freie Stellen. Es war immer ein Geheimnis unseres Erfolgs, dass wir Leute, die wir unbefristet einstellen, meist schon sehr gut kennen - weil sie bei uns früher schon als Praktikanten oder Diplomanden gearbeitet haben. Trotzdem suchen wir künftig stärker im deutschsprachigen Ausland, aber auch an den Top-Business-Schools. Wir sollten uns auch nicht scheuen, Absolventen englischer oder spanischer Universitäten zu nehmen, denn Internationalisierung findet nicht nur im Produkt statt, sondern auch unter den Mitarbeitern.

KarriereSPIEGEL: Porsche hat in den Arbeitgeber-Rankings zuletzt Boden verloren. Was haben Sie falsch gemacht?

Müller: Vergessen Sie nicht: Wir sind immer noch unter den Top 5. Die Verluste haben auch mit den schlechten Schlagzeilen der vergangenen zwei Jahre zu tun. Jetzt erholen wir uns in allen Disziplinen, auch als Arbeitgeber. Wir verstärken unser Personalmarketing. Besonders für Frauen wollen wir noch attraktiver werden.

KarriereSPIEGEL: Planen Sie eine Frauenquote?

Müller: Nein. Derzeit liegt unser Frauenanteil in Führungspositionen bei 5 Prozent, und mir ist klar, dass das zu wenig ist. Wir haben leider insgesamt zu wenig weibliche Mitarbeiter. Wenn wir dort ansetzen, werden talentierte Einsteigerinnen ganz von selbst nach oben durchrutschen. Eine Quote aber wird den Frauen nicht gerecht und dem Unternehmen auch nicht.

Sabine Sauer
Das Interview führte Michael Freitag, Redakteur beim manager magazin. Der Text erschien zuvor in Ausgabe 4/2011 des Magazins.

Mehr in der KarriereSPIEGEL-Themenwoche "Manager von morgen":

Montag - Talentwettbewerb: Führungskräfte der Zukunft gesucht
Dienstag - Manager-Ausbildung: "BWL ist Gehirnwäsche"
Mittwoch - Sozialunternehmer: Erfolg macht verdächtig
Donnerstag - Porsche-Chef Müller: Wie man Top-Talente erkennt
Freitag - Eliten: Obskure Netzwerke
Samstag - Brief an junge Manager: Was Fredmund Malik rät
Sonntag - Interview: "BWLer müssen vor allem büffeln"

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