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Umfrage Praktikanten verdienen so gut wie noch nie

Praktikum am Kopierer? Die Qualität der Aufgaben ist gestiegen Zur Großansicht
Corbis

Praktikum am Kopierer? Die Qualität der Aufgaben ist gestiegen

Praktikanten arbeiten zum Nulltarif? Mitnichten: 80 Prozent bekommen Geld. Im Schnitt hat sich das Einkommen von Hospitanten in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, zeigt eine neue Umfrage.

Praktikanten - wenn es schlecht läuft, arbeiten sie nur als Kaffeekocher und Dauerkopierer zum Nulltarif. Laut einer aktuellen Umfrage, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, geht es ihnen aber inzwischen deutlich besser als noch 2005; damals wurde das Schlagwort von der "Generation Praktikum" geprägt. Vor allem bekommen Praktikanten heute mehr Geld als damals.

Wie das Internetportal meinpraktikum.de in einer Umfrage unter ihren Nutzern herausgefunden hat, verdienen Praktikanten heute im Durchschnitt 400 Euro monatlich. Im Jahr 2009 waren es nur 160 Euro. Vor allem in den vergangenen zwölf Monaten sind die Bezüge deutlich gestiegen - von 270 Euro auf den aktuellen Wert. Insgesamt sind Praktikantengehälter seit 2009 um über 150 Prozent gestiegen.

Für die Umfrage hat das Portal die Bewertungen von über 13.000 Nutzern ausgewertet und mit denen der letzten vier Jahre verglichen - Daten von knapp 7600 Unternehmen aus über 2000 Städten. Allerdings wurden nur die Bewertungen der eigenen Nutzer herangezogen - eine repräsentative Studie, die alle Praktikanten in Deutschland erfasst, ist die Untersuchung nicht.

Noch am meisten verdienen Praktikanten in der Konsumgüterindustrie, knapp 800 Euro pro Monat. Praktikanten in der Telekommunikation verdienen immerhin knapp 700 Euro, Consulting-Unternehmen zahlen etwas über 600 Euro. Allerdings gibt es auch immer noch Branchen, die ihren Praktikanten nahezu nichts bezahlen. Vergütungsschlusslicht ist die Bildungsbranche mit durchschnittlich nur 13 Euro, in der öffentlichen Verwaltung können Praktikanten mit 57 Euro rechnen, die Gesundheitsbranche zahlt 120 Euro. Insgesamt verweigerten 2013 über 20 Prozent der erfassten Unternehmen eine Vergütung. Aber selbst das ist ein Positivtrend: 2009 waren es noch 57 Prozent.

Genügend Geld bedeutet nicht gleich hohe Zufriedenheit

Auch bei der Zufriedenheit verzeichnet die Untersuchung einen Aufwärtstrend. Glückliche Praktikanten verdienen im Schnitt 380 Euro, unzufriedene nur etwas über 200 Euro. Die Studie zeigt aber auch: Praktikanten geht es nicht nur ums Geld. Denn obwohl der Verdienst im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen ist (um 49 Prozent), ergibt sich bei der Zufriedenheit nur ein leichter Anstieg von 71 auf 78 Prozent. Dennoch: 2009 waren nur 58 Prozent mit ihrem Praktikum glücklich.

Deutschlands zufriedenste Praktikanten kommen aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg. In Hamburg ist auch das Durchschnittsgehalt am höchsten: knapp 450 Euro. Hier verdient man etwa 100 Euro mehr als in Baden-Württemberg (Rang zwei). Bei Vergütung und Zufriedenheit ergibt sich der typische Unterschied zwischen West und Ost - beides ist in den östlichen Bundesländern weit unter Durchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern (Rang 16) werden nur knapp 60 Euro gezahlt.

Die Dauer der Praktika wurde nicht erfasst. Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 hat sich diese in den vergangenen Jahren eher verlängert. Jeder Zweite sagte, sein Praktikum habe sechs Monate oder länger gedauert, viele haben für den Einblick ins Berufsleben sogar den Wohnort gewechselt.

Der Trend zum Dauerpraktikum könnte sich allerdings durch die Einführung des Mindestlohns ab 2015 wieder ändern. Denn die vorgeschriebenen 8,50 Euro pro Stunde müssen Unternehmen ab dem vierten Monat zahlen. Zumindest bei kleineren Unternehmen könnte das zu kürzeren Praktika führen. Für Branchenriesen sind diese Vergütungen immer noch günstig.

Damit unterstreicht zumindest diese Untersuchung einen Wandel im Umgang mit Praktikanten in Deutschland. Und widerlegt die alte These von der ausgebeuteten, aber gut ausgebildeten "Generation Praktikum". Einige Arbeitsmarktexperten hatten dies ohnehin kritisch gesehen - auch Studien des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Hans-Böckler-Stiftung konnten die These nicht bestätigen.

Anmerkung der Redaktion
In einer früheren Version des Artikels hatte gestanden, dass Unternehmen den Mindestlohn ab einer Länge von drei Monaten für ein Praktikum bezahlen müssen. Tatsächlich muss der Mindestlohn ab dem vierten Monat gezahlt werden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

  • Jörg Römer (Jahrgang 1974) ist freier Journalist in Hamburg. Er schreibt über Gesundheitsthemen, Sport und ist KarriereSPIEGEL-Autor.

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insgesamt 26 Beiträge
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1.
jm2267 29.09.2014
"Insgesamt sind Praktikantengehälter seit 2009 um über 150 Prozent gestiegen." Da muss wohl meinpraktikum.de entweder seine statistische Datenbasis oder seine Methodik überprüfen.
2. Nur
becem 29.09.2014
Na dann geht es ja, wenn es nur jeder 5. ist. Vielleicht ist es irgendwann nur noch jeder 6. Wichtig ist dann nur, dass man nicht zu diesen 5. oder 6. gehört.
3. Fehler
t_omte 29.09.2014
" Denn die vorgeschriebenen 8,50 Euro pro Stunde müssen Unternehmen ab einer Länge von drei Monaten zahlen." Das ist nicht zutreffend. Für Orientierungspraktika vor oder während einer Ausbildung oder eines Studiums gilt, dass sie nur für eine Dauer von maximal drei Monaten vom Mindestlohn ausgenommen sind. D. h. die 8,50€ sind erst ab dem 4. Praktikumsmonat fällig.
4. Doppeltes Praktikantengehalt...
kfp 29.09.2014
... ist immer noch deutlich billiger als ein richtiges Gehalt für eine reguläre Stelle. So hält man die Praktikanten länger bei der Stange (die angesichts der Abschafftung regulärer Stellen froh sind, dann "wenigstens" ein Praktikum und somit "immerhin" mehr als gar nichts zu bekommen) und spart sich langfristiges Personal zu vollen Preisen...
5. Na dann kommen anscheinend 2 der 3 von den 5 ten
tommit 29.09.2014
nicht bezahlten Praktikaten aus den deutschen Ministerien? Ist ja bemerkenswert, vielleicht sollte man einfach mal eine Prüfung schicken, in gewissen Abständen.... Umfragen? LOL Verdoppelung? Auch die nichts haben haben eine Verdoppelung denn 2 mal 0 bleibt 0.. Gehirnakrobat ist der Author nicht unbedingt...
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