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Premieren im Beruf Sashas Solotanz ins Rampenlicht

Die erste Solorolle: Der mit den Luftballons tanzt Fotos
Holger Badekow

Davon träumt jeder Balletttänzer - die erste Solorolle. Vor dem Auftritt befürchtet Sasha Riva, 20, dass es ein Alptraum wird. Zum ersten Mal tanzt er im berühmten Ensemble von John Neumeier. Monatelang hat er trainiert, dann geht es raus auf die Bühne, mit 30 Luftballons.

"Ich kann es immer noch nicht glauben: Ausgerechnet ich habe eine Solorolle in John Neumeiers neuer Inszenierung des Hamburg Ballett bekommen. Ich hatte gedacht, dass ich niemals so gut wie die anderen sein würde.

Eigentlich wollte ich Breakdancer werden. Bei einem Vortanzen in Florenz wurde ich entdeckt und an die Ballettschule des Hamburg Ballett eingeladen. Das war erst mal ein Kulturschock, ich hatte ja keine klassische Ballettausbildung und musste eine Menge aufholen. Aber ich habe es immer geschafft, mich selbst zu stärken. Ich weiß, dass ich etwas Besonderes bin. Wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich etwas Magisches - und die Leute können das sehen.

Auch John Neumeier muss etwas in mir gesehen haben: Er hat mich direkt nach meinem Abschluss der Ballettschule für sein Ensemble engagiert. Die meisten Tänzer der Kompanie waren vorher auf der Schule. Doch es ist ein harter Kampf, nur acht Tänzer aus meinem Jahrgang haben direkt ein Engagement bekommen.

Proben als Grenzerfahrung

Mit der Arbeit an dem Stück 'Liliom' haben wir im September begonnen. Trainiert wurde jeden Tag, pünktlich um zehn Uhr ging es los. 'Liliom' erzählt die Liebesgeschichte des Rummelplatz-Playboys Liliom und der Kellnerin Julie. Wir nehmen die Zuschauer mit auf einen Jahrmarkt der dreißiger Jahre. Ich tanze den Mann mit den Luftballons - die magische Figur eines Engels, Todesboten und Drahtziehers zugleich.

Meine Stimmung schwankte in den letzten Wochen ständig zwischen riesigem Glück und absoluter Nervosität, es ist schließlich meine erste Solorolle. Ich musste unglaublich hart an mir arbeiten. Dass ich mit Ballettstars wie Carsten Jung und Alina Cojocaru vom Londoner Royal Ballet trainierte, machte die Sache nicht unbedingt leichter.

Die Proben haben mich manchmal an meine Grenzen gebracht, John Neumeier fordert sehr viel Kreativität von uns Tänzern. In den letzten zwei Wochen vor der Premiere haben wir fast rund um die Uhr trainiert. Ich musste meine Parts absolut perfekt beherrschen - einen Strauß mit 30 bunten Luftballons in der Hand.

Es gab mehrere kleine Stellen im Stück, vor denen ich besonders viel Angst hatte. Sich emotional komplett auf eine Rolle einzulassen und dabei technisch perfekt zu sein, ist nicht einfach, wenn man eben noch keine jahrelange Erfahrung hat.

Die Leere nach de'm Auftritt

Die Premiere von 'Liliom war restlos ausverkauft. Hinter der Bühne herrschte eine ganz besondere Stimmung, selbst die größten Profis waren nervös. Meine Familie kommt aus Italien und war bei der Premiere nicht dabei, sonst wäre ich wohl noch aufgeregter gewesen. Mit jedem Pinselstrich Make-up konnte ich die Aufregung und den Druck aber ein bisschen mehr ausblenden. Ich habe kein bestimmtes Ritual, bevor ich auf die Bühne gehe. Ich stelle mir einfach vor, dass ich mit dem ersten Schritt auf die Bühne an einem anderen Ort ankomme.

Als dann der große Moment da war, habe, ich um mich herum kaum noch etwas wahrgenommen. Wir haben uns schnell 'toi, toi, toi' über die Schulter gespuckt, dann musste ich schon raus auf die Bühne, alles ging ganz schnell. Ich habe mich komplett auf meinen Auftritt konzentriert, bin in die Rolle eingetaucht. Ich war einfach nur noch der Mann mit den Luftballons.

Alles war schneller vorbei, als ich wieder in der Realität ankommen konnte. Es war ein komisches Gefühl, beim Applaus allein nach vorne zu treten. Ich habe mich wie in einer Seifenblase gefühlt, mich immer wieder suchend nach etwas umgeschaut, doch da war nichts. Auf der Bühne hatte ich alles gegeben - und eine riesige Leere blieb zurück.

Nach der Premiere haben wir ein bisschen in der Oper gefeiert, John Neumeier hat uns alle für unsere Leistung gelobt. Doch ich war eher still und in meinen Gedanken verloren. Mit dem Tanzen habe ich eine Art gefunden, um meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Mit Worten fällt mir das schwer, besonders nach einem Auftritt. Zum Glück war zwei Tage später schon die nächste Aufführung. Und da war auch meine Familie dabei."

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