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Recruiter Slam Frau Personalerin, Sie können ja dichten

Uli Stöckle GmbH

Loyal reimt sich auf egal, Schuppen auf Puppen: Beim Recruiter Slam versuchen Personaler, die Generation Y zu begeistern - mit vermeintlich witzigen Reimen.

"Was machen wir hier eigentlich?", fragen Tobias und Jan. Im Einheitslook mit grauen Jeans und bordeauxroten Hemden stehen sie auf der Bühne und reden über verkorkste Beziehungen, über One-Night-Stands, über die Dating-App Tinder und über "Girls im Dirndl mit großem Balkon". Personalgewinnung habe viel gemeinsam mit Tinder, "Maximal-Tinderei" mache sie fit für ihren Job als Recruiter, sagen die beiden.

Es ist Recruiter Slam in Stuttgart, der erste seiner Art in Deutschland. Das Geschäft mit der Personalgewinnung ist härter geworden, wer die "High Potentials" erreichen will, muss sich schon mal zum Affen machen. Angeblich wollen die künftigen Fach- und Führungskräfte der "Generation Y" mit Infotainment umworben werden. Wer seinen Vortrag mit "Unsere Firma wurde 1873 von dem Kaufmann Heinz Willy in Lübeck gegründet" beginnt, ist gleich unten durch.

Doch einen mitreißenden Vortrag schüttelt man nicht aus dem Ärmel, fanden Event-Organisator Tobias E. Meinhold und Recruiter Michael Witt. Meinhold und sein Team veranstalten normalerweise Poetry- und Science-Slams im oberschwäbischen Biberach. Was Wissenschaftler und Hobby-Dichter können, sollten Recruiter doch wohl auch beherrschen, dachten sich die beiden.

Die Regeln sind einfach:

Zehn Minuten auf der Bühne das Publikum unterhalten - möglichst originell. Danach gibt's Punkte von den Zuhörern. Wer bei der Bewertung absahnen will, muss sich also was einfallen lassen.

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9  Bilder
Recruiter Slam: Wenn Personaler reimen
Henrik Zaborowski, Recruiting-Coach aus Bergisch-Gladbach, fasst das Leid und Elend seines Berufs in Verse:

Was ist bloß los in unserem deutschen Schuppen
Wir waren mal das Land der Denker und der Dichter,
Heute gesucht? Nur noch Mainstream-Puppen!
Typ Bobby Ewing, nur noch etwas schlichter.

Verlässlich, produktiv und loyal.
So sieht der ideale Mitarbeiter aus.
Was der sonst noch alles kann? Egal!
Selbstbewusstsein, eigenes Denken sind der Führungskraft ein Graus.

Ute Neher, Projektleiterin Personalmarketing bei der Telekom in Stuttgart, stellt sich im magentafarbenen T-Shirt auf die Bühne.

Sie will "einfach nur Ute sein".

Magenta ist die Firmenfarbe der Telekom. Doch zehn Minuten, in denen man einfach nur Ute ist, können verdammt lang werden. Selbst wenn man von seiner kleinen "zauberhaften Magenta-Traumwelt" erzählt, den Magenta-Fanclub im Publikum mit aufblasbaren Magenta-Händen klatschen lässt und seine Glasfaserhalskette präsentiert.

"So ein Recruiter Slam ist eine saucoole Idee", sagt Neher hinterher. "Die Bewerber kennen uns ja nur als Firmenvertreter. Das ist eine tolle Möglichkeit, den Menschen hinter der Funktion zu zeigen."

Über die menschlichen Seiten der Recruiter erfährt man eine ganze Menge bei so einem Slam: Der Mann von Bayer fühlt sich manchmal wie eine Sklaventreiber mit Peitsche. Der Recruiter aus Wien steigt in kurzer Lederhose und weißen Turnschuhen auf die Bühne. Auch er hat offensichtlich schon so manche Enttäuschung mit der Dating-App Tinder erlebt.

Und Henrik Zaborowski lässt seiner Neigung zu Kirchentagsritualen freien Lauf ("Steht mal auf und fasst euch alle an den Händen!").

Wir haben die Arbeit zu unserem Gott erklärt
Der uns als Sklaven hält, um sich zu vergnügen.
Leistung gibt dem Menschen seinen Wert?
Mir scheint, dieser Gott ist ein Meister im Betrügen.

Sein gereimter Appell, im Bewerber stets den Menschen zu sehen, trifft offenbar den Nerv des Publikums. Zaborowski trägt am Ende des Slam-Abends den Sieg davon.

Es wird Zeit, das volle Potential zu aktivieren.
Menschen einzusetzen nach ihren Stärken, Motiven und Interessen.
Was glaubt ihr, wie kann das passieren?

In dem wir unsere bisherigen Standards schnell vergessen.

Der Mensch ist mehr, als was er tut
Wie er tickt, ist schlecht im Lebenslauf zu sehen
Und ja, es erfordert Zeit und Mut
Genauer auf den Menschen einzugehen

Glaubt man Robindro Ullah, wird die Zukunft für die Recruiter richtig hart. Ullah geht für den eher konservativen Maschinenbauer Voith von der Schwäbischen Alb auf Personalsuche. Im Jahre 2042, slamt er, werden sich die Verhältnisse völlig umgedreht haben. Dann lassen sich die heißbegehrten Fachkräfte ihre möglichen Arbeitgeber von Apples Sprach- und Assistenzsoftware Siri vorselektieren. Und stellen auch schon mal Fragen wie: Wie reagiert die urschwäbische Firma, wenn ich in der Kantine Maultaschen als "die großen Ravioli da drüben" bezeichne? Klar, bei Voith wird daraufhin sofort der "Integrationsbeauftragte für schwäbische Kultur" aktiv.

Bei der eigentlichen Zielgruppe ist die Idee, Recruiter von ihrer menschlichen Seite zu erleben, allerdings noch nicht so recht angekommen. Die große Mehrheit der rund 300 überwiegend weiblichen Slam-Besucher sind selber Personaler. Als Ute Neher von der Telekom fragte, wer im Saal wirklich einen neuen Job suche, meldet sich ein Einziger. Und der ist mit seinem Chef da.

  • die arge lola
    Markus Reiter ist freier Journalist und Publizist. Mit seiner Agentur Stuttgarter "Klardeutsch" hilft er Redaktionen und Unternehmen, klar und verständlich zu schreiben und zu sprechen.
  • Homepage: www.klardeutsch.de

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1.
koenigludwigiivonbayern 21.04.2015
Was für ein Mist das ist Machen Sie 'ne Liste von jeder Firmenkiste Nicht daß ich aus Verseh' zu einer mal hingeh'
2.
sytex1 21.04.2015
"Die große Mehrheit der rund 300 überwiegend weiblichen Slam-Besucher sind selber Personaler. Als Ute Neher von der Telekom fragte, wer im Saal wirklich einen neuen Job suche, meldet sich ein Einziger. Und der ist mit seinem Chef da. " Was für ein Elend....
3. Metrum! omg
Dokwart 21.04.2015
Denkt doch an das Metrum! Kann hier nicht bitte irgendjemand endlich mal an das Metrum denken!!!! Ganz nüchtern gesagt: Reimende Satzenden brauchen gar nichts mit einem Gedicht zu tun zu haben. Das ist furchtbar fußnägelhochrollend. Wenigstens Silbenzählen könnte man ja, wenn man von Betonung schon keinen Peil hat. -.-
4. Noch'n Gedicht!
koenigludwigiivonbayern 21.04.2015
Es war mal ein Poetry Slam / da reimte sich alles auf "Spam" / der König von Bayern / wollte nicht mitleiern / darum sind sie ihm alle jetzt gram
5. Ich hätte einen Vorschlag:
Dumme Fragen 21.04.2015
Sagt doch den Unis ganz einfach mal, wieviele Leute ihr die nächsten Jahre braucht, mit welchen Fähigkeiten usw. Ich weiß z.B. von meinem alten Fachbereich, dass es dort NULL Kontakte gibt zu Unternehmen, welche die Absolventen einstellen könnten. Und das ist ziemlich traurig: ich kenne einige Dutzend MINTler, die keinen vernünftigen Job finden, weil sie ihre produktivsten Jahre in den Laboren von Profs verbracht haben, die dort ihre Hobbys gepflegt haben, aber keine einzige Methode praktizierten, die in der freien Wirtschaft benötigt werden...
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"Wie viel verdienen Sie zurzeit?"
Kommt drauf an. Im Vorstellungsgespräch darf die Frage eigentlich nicht gestellt werden, aber später, wenn das Auswahlverfahren fortgeschritten ist und der Mitarbeiter in spe einen Personalfragebogen ausfüllen soll, verbieten sich falsche Angaben. Also können Sie auch gleich Ihre Karten, zumindest ein paar davon, auf den Tisch legen. Wenn eine zu große Lücke zu Ihrer im Anschreiben geäußerten Gehaltsvorstellung klafft, weichen Sie geschickt aus: "Das ist schwer zu sagen, weil ein Teil meiner Vergütung leistungsabhängig gezahlt wird. Mein monatliches Grundgehalt beträgt zwar nur x Euro, aber mit Bonus und Provisionen kann ich auf jährlich y Euro kommen, was ja ungefähr meiner Gehaltsvorstellung im Anschreiben entspricht.
"Haben Sie Kinder?"
Zulässig. Der Familienstand gehört wie Name, Anschrift und Geburtsdatum zu den grundlegenden Daten, die der Arbeitgeber braucht, um beispielsweise den Ansprüchen der Sozialversicherung gerecht zu werden oder um im Falle von betriebsbedingten Kündigungen eine Sozialauswahl zu treffen.
"Wollen Sie Kinder haben?"
Unzulässig. Genauso wie die Frage nach Schwangerschaft oder Heiratsplänen. Die Lizenz zum Lügen haben hierbei nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Schließlich gehen immer mehr Väter in Erziehungsurlaub, sodass ein ehrliches "Ja!" die Entscheidung des Arbeitgebers - gegen den Bewerber - beeinflussen könnte.
"Haben Sie Punkte in Flensburg?"
Kommt drauf an. Prinzipiell sind Fragen nach Gesetzesverstößen oder Vorstrafen nicht erlaubt. Es sei denn, es besteht ein Zusammenhang zu der angestrebten Tätigkeit. Ein Berufskraftfahrer, der beim nächsten Rotlichtvergehen den Führerschein verliert, wäre für ein Umzugsunternehmen eine Fehlbesetzung. Genauso müsste sich jemand, der am Schalter einer Bank sitzen soll, die Frage nach einem Vermögensdelikt gefallen lassen.
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Kommt drauf an. Die Vermögensverhältnisse des Bewerbers sind tabu - eigentlich. Uneigentlich kann der Arbeitgeber ein besonderes Interesse haben, mögliche Konflikte, die mit der Berufsausübung zu tun haben, auszuschließen. Sucht er beispielsweise einen Chefeinkäufer, will er natürlich niemanden einstellen, der aus einer finanziellen Notlage heraus Geldgeschenke von Lieferanten annimmt.
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Kommt drauf an. Der Arbeitgeber darf nicht nach Krankheiten oder allgemein nach dem Gesundheitszustand fragen. Doch es gibt Ausnahmen: Typische "Berufskrankheiten" wie Hautallergien bei Friseuren können eine Anstellung des Bewerbers von vornherein sinnlos machen - in diesem Fall ist die Frage erlaubt.
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Kommt drauf an. So pauschal gestellt, braucht man die Frage nicht wahrheitsgemäß zu beantworten. Wenn aber eine bestimmte Schwerbehinderung die Ausübung der angestrebten Tätigkeit unmöglich machen würde, darf der Arbeitgeber sich durchaus erkundigen, ob die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit erfüllt sind.
"Sind Sie katholisch?"
Kommt drauf an. Religions-, Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit gehen den Arbeitgeber nichts an. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Für ein katholisches Bistum, das die Stelle eines Pressesprechers ausgeschrieben hat, ist die Religionszugehörigkeit ein naheliegendes Auswahlkriterium.
"Haben Sie zu Hause das Sagen oder Ihre Frau?"
Unzulässig. Die Frage geht zu weit ins Privatleben. Ein Zusammenhang zur künftigen Tätigkeit lässt sich beim besten Willen nicht konstruieren. Überhaupt müssen Fragen zum Lebenspartner nicht beantwortet werden.
"Sind Sie homosexuell?"
Unzulässig. Fragen zur sexuellen Orientierung haben im Vorstellungsgespräch nichts zu suchen. Ebensowenig darf sich der Personaler danach erkundigen, wann Sie zum ersten Mal Geschlechtsverkehr oder wie viele Partner Sie bislang hatten.

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