Bewerbungen schreiben nervt. Es kostet Zeit und Geld - und bringt sowieso nichts, denn die wirklich guten Jobs werden sowieso über private Kontakte vergeben, stimmt's? Wer sich anschaut, wie viele Publikationen es zu den Stichworten Jobsuche und Netzwerken gibt, kann leicht diesen Eindruck gewinnen. Tatsächlich sind klassische Bewerbungen erfolgreicher als ihr Ruf.
In den tausend größten deutschen Unternehmen werden noch immer acht von zehn freien Stelle mit Menschen besetzt, die sich auf eine Anzeige in einer Online-Stellenbörse, auf der Unternehmens-Webseite oder in einer Zeitung beworben haben. Knapp fünf Prozent der neuen Mitarbeiter kommen über die Bundesagentur für Arbeit an ihren Job, letztlich also auch über eine klassische Stellenanzeige. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Recruiting Trends 2013", für die Personalverantwortliche der Top-1000-Firmen in Deutschland im Auftrag der Stellenbörse Monster befragt wurden.
Nur rund acht Prozent der Neueingestellten hätten den Job aufgrund einer Mitarbeiterempfehlung bekommen, gaben die Personaler an. Und lediglich drei Prozent der Stellen hätten sie mit Hilfe von sozialen Netzwerken vergeben. Allerdings sagte jeder Zehnte, er suche häufig oder sehr häufig auf Xing nach "interessanten Kandidaten". Und in jedem zweiten Unternehmen sind die Mitarbeiter dazu angehalten, Bewerber zu empfehlen.
"Dass in den von uns befragten Top-1000-Firmen acht Prozent der Neueingestellten von Mitarbeitern empfohlen wurden, finde ich bemerkenswert viel", sagt Studienleiter Tim Weitzel von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Das zeige, wie sehr sich Großunternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels bemühten, ihre freien Stellen doch noch besetzen zu können. "In kleineren Unternehmen, die als Arbeitgeber natürlich unbekannter sind als die Großen, sind Mitarbeiterempfehlungen noch wichtiger." Außerdem seien diese ein sehr effizienter und effektiver Recruiting-Kanal: "Unternehmen und Kandidat haben ein authentischeres Bild, ob beide auch zueinander passen."
Formular statt Bewerbungsmappe
Fast jeder zweite befragte Personalverantwortliche geht davon aus, dass seine Firma in diesem Jahr Stellen ausschreiben wird. Um die Kandidaten noch schneller einordnen zu können, bieten viele Unternehmen standardisierte Bewerberformulare an. Diese werden von 35 Prozent der Jobsuchenden genutzt. 40 Prozent schicken lieber Anschreiben und Lebenslauf per E-Mail und 22,5 Prozent schicken eine Mappe per Post. Damit werde bald Schluss sein, schätzen die Personaler: Sie rechnen damit, dass sich die Formularbewerbung spätestens im Jahr 2017 durchgesetzt hat.
Immer unwichtiger werden bei der Bewerbersuche Printmedien. 2003 wurden noch 37 Prozent aller Stellenanzeigen in einer Zeitung oder Zeitschrift veröffentlicht, im vergangenen Jahr waren es nur noch 19 Prozent. "Printanzeigen dienen heute eher dem Employer Branding, sie sollen den Arbeitgeber attraktiv erscheinen lassen", sagt Studienleiter Weitzel. "Um direkt seine Zielgruppe anzusprechen, eignen sich eher eigene Talent-Pools." In diesen Datenbanken können die Lebensläufe von Bewerbern gespeichert werden, die den Personalern zwar interessant erscheinen, für die sie im Moment aber keine Verwendung haben. Fast 14 Prozent der befragten Firmen beschäftigen bereits Mitarbeiter, die solche Talent-Pools verwalten und sich explizit um die Direktansprache potentieller Bewerber kümmern.
An Bedeutung gewonnen haben in den letzten Jahren Online-Stellenbörsen. 60 Prozent aller freien Stellen werden mittlerweile dort veröffentlicht. Zudem findet man neun von zehn Jobangeboten auch auf der Webseite des jeweiligen Unternehmens. Acht von zehn Personalern gehen davon aus, dass Online-Stellenanzeigen in Zukunft auch dynamische Elemente wie Videos, Spiele oder Twitter-Einbindungen haben werden. Zurzeit hat erst eine von zehn Anzeigen ein solches Zusatzangebot.
vet
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