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Scheiterrisiko als Fußballer Wie ausgewechselt

Vom umschwärmten Talent auf die Ersatzbank und bald vergessen - im Fußball kann das sehr schnell gehen. Bayern-Spieler Timo Heinze hat's erlebt. Mit Weggefährten wie Mats Hummels, Thomas Müller und Michael Rensing sprach SPIEGEL ONLINE über Licht und Schatten im Fußballgeschäft.

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Torwart Michael Rensing: "In meiner Jugendzeit habe ich Druck nie empfunden"

Zu Tausenden sind junge Männer davon beseelt, Fußballprofi zu werden. Doch der Markt ist für das Überangebot viel zu klein. Wie bei Casting-Shows, in denen immer neue Talente bestehen müssen, wächst der Druck von Runde zu Runde. Am Ende setzen sich einige wenige durch.

Sind es die besonders Talentierten, die Härtesten, ist es etwa mehr Glückssache? Als junger Bayern-Spieler berechtigte Timo Heinze zu den schönsten Hoffnungen, dann musste er sich von Star-Träumen trennen. Einige seiner alten Weggefährten erzählen über die Anforderungen an einen modernen Fußballprofi, ihren eigenen Weg, über Rückschläge und den Druck in einem hysterischen Massenbetrieb.

Ex-Trainer Kurt Niedermayer: "Man hofft und leidet mit ihnen"

Timo Heinzes früherer Coach ist vor Freude ganz aus dem Häuschen, als er vom "Nachspielzeit"-Buch hört. "Man lernt so viele junge Männer kennen, man hofft und leidet mit ihnen, redet mit den Eltern, will sie schützen vor dem ganzen Druck, der heute herrscht", sagt Kurt Niedermayer, der kürzlich seinen Jugendtrainer-Job beim FC Bayern München räumen musste. "Das finde ich ganz, ganz toll, was der Timo da gemacht hat."

Natürlich bekam Niedermayer mit, wie Heinzes Karriere bei Bayern München bergab ging. Dabei hätte er ihm den Sprung in die erste Liga jederzeit zugetraut. "Timo ging in jeden Zweikampf, man musste ihn eher bremsen." Dass es dann nirgendwo weiterging, erklärt Niedermayer so: "Wer bei Bayern scheitert, hat es auch woanders schwer, da schwingt immer mit, man habe nicht genug Biss - auch wenn's gar nicht stimmt."

Torwart Michael Rensing: Hoch gestiegen, tief gefallen, wieder aufgerappelt

Michael Rensing kennt das Gefühl genau, wenn alles im Fußball wegbricht. 2008 sollte er beim FC Bayern Nachfolger von Oliver Kahn werden, doch Jörg Butt erhielt den Vorzug. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit kam der 1. FC Köln, Rensing wurde Nummer 1, hielt stark, aber nach dem Abstieg gab der Verein ihn an Bayer Leverkusen ab. Rensing blieb nur die Option als Stellvertreter des jungen Stammtorhüters Bernd Leno.

Rensing hat bis heute regelmäßig Kontakt zu Timo Heinze; er weiß selbst, "wie schwer es ist, nach oben zu kommen". Schnell ist zu erkennen, welche Kraft ihn die letzten Jahre gekostet haben, aber verbittert ist er nicht. Die Stärke von Heinzes Buch sieht Rensing darin, dass es die Aspekte beleuchte, an denen ein aufstrebender Spieler scheitern oder gar zerbrechen könne - schwere Verletzungen, zu hohe Sensibilität, das Nachdenken auch während des Spiels über einzelne Aktionen.

"In meiner Jugendzeit bei Bayern München habe ich Druck eigentlich nie empfunden", sagt Rensing heute, "erst später änderte sich das" - bei ihm explosionsartig. Rensing sieht die Trainer als wichtige Basis. "Klar gibt es auch Fälle, wo ein Trainer einen Spieler einfach nicht mag, ihm etwas nicht passt", so der Torhüter. Ebenso schlimm könne es sein, wenn ein Trainer nicht mit den Spielern rede: "Dann weiß man nur schwer, woran man ist."

Rensing rät jungen Spielern, "unbedingt auf ein zweites Standbein" zu achten, sich Alternativen zu überlegen: "Ich hab auch mal dran gedacht, nebenbei zu studieren." Inzwischen habe er sich vom Druck befreit und denke "nicht daran, was man von mir erwartet", sagt Rensing, "heute spiele ich nicht, weil ich muss, sondern weil ich es liebe, weil es meine ganze Leidenschaft ist."

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insgesamt 1 Beitrag
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1. Schwein sein.
allereber 22.11.2012
Ich kenne Talente die nur durch ihre Erlichkeit nicht weiter gekommen sind. Man muß ein Schwein sein,auf dieser Welt.
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