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15. März 2012, 13:27 Uhr

MBA-Finanzierung

Das Sparschwein muss zum Schlachtfest

Von Bärbel Schwertfeger

Für eine Managerausbildung der Spitzenklasse kassieren Business Schools enorme Studiengebühren. Aber die Investition in die eigene Zukunft kann sich auszahlen. Die meisten MBA-Studenten setzen auf einen Mix aus Erspartem, Kredit, Stipendium. Und manchmal zahlt auch der Arbeitgeber.

"Mehr als 7000 Euro kann ich nicht ausgeben, einen Kredit will ich auch nicht aufnehmen", erklärt ein Ingenieur, der sich mit dem MBA-Abschluss den Sprung in eine Managementposition erhofft. Das könnte arg knapp werden. Wer bei der Auswahl seines MBA-Programms nur auf die Kosten achtet, geht den falschen Weg. Die erste Frage sollte stets lauten: Was will ich mit dem MBA erreichen - und bin ich auch bereit, die entsprechende Summe zu investieren?

Beim Master of Business Administration ist es wie beim Auto: Wer einen Porsche fahren will, bekommt ihn nicht zum Preis eines Kleinwagens. Beim MBA zählt das Gesamtpaket, nicht der Titel allein. So haben renommierte Business Schools nicht nur erstklassige Professoren und bieten internationale Erfahrungen, sie verfügen auch über gute Kontakte zu Unternehmen und unterstützen ihre Studenten intensiv bei der Jobsuche.

Das alles hat seinen Preis. Doch je besser der Job nach dem Studium, desto schneller amortisieren sich die Studienkosten. Ein preisgünstiger MBA muss nicht schlecht sein, allerdings muss man dann eben auch seine Karriereerwartungen herunterschrauben.

Ein erstklassiges Managementstudium kommt in aller Regel teuer. Bei einem einjährigen Vollzeit-MBA treten zu den Studiengebühren von bis zu 50.000 Euro auch noch die Kosten für den Lebensunterhalt und der Verdienstausfall. Beim berufsbegleitenden MBA-Studium erhält man immerhin weiter sein Gehalt.

Wie soll ich das finanzieren?

Die meisten MBA-Studenten setzen auf eine Mischfinanzierung: Ersparnisse, Kredite oder Unterstützung von den Eltern. Wer Glück hat, ergattert auch ein Stipendium. Und davon gibt es mehr, als man denkt.

Eine Fülle von Organisationen und Unternehmen unterstützt MBA-Studenten, vom Rotary Club über zahlreiche Stiftungen und Veranstalter von MBA-Messen bis zu den Schulen selbst. So vergibt das Karrierenetzwerk e-fellows.net MBA-Stipendien in Höhe von insgesamt rund 200.000 Euro. Dazu gehören Teilstipendien an der Copenhagen Business School oder der Universität St. Gallen. Auch wer noch nicht Stipendiat oder Alumnus von e-fellows.net ist, kann ein Stipendium bekommen, wenn er sich nach der Studienzulassung dort bewirbt.

Besonders ausgeprägt ist das Stipendiensystem an den US-Schulen. So erhalten etwa an der Stern School of Business der New York University 40 Prozent der zugelassenen Studenten ein Stipendium. Aber auch europäische Schulen bieten vielfältige Unterstützung. Die Top-Schule Insead vergibt Stipendien an fast jeden fünften der jährlich rund 900 MBA-Studenten.

Besonders gute Chancen auf eine Finanzspritze haben Frauen. Zahlreiche Schulen haben spezielle Stipendien für angehende Managerinnen; die amerikanische Forté Foundation hat sogar mehrere Millionen Dollar von ihren Sponsoren gesammelt, um MBA-Kandidatinnen zu unterstützen.

Die Schulen wollen die Kundschaft, also helfen sie mit

Selbst wenn es mit dem Stipendium nicht klappt, finden Bewerber mit einer MBA-Zusage oft eine Lösung für ihr Finanzproblem. "Wenn Sie eine Zulassung haben, arbeitet das Finanzierungsbüro für Sie ein entsprechendes Konzept aus, das aus Krediten, Stipendien oder einer Kombination bestehen kann", heißt es bei der Stanford Graduate School of Business, eine der weltweit besten Adressen. Rund drei Viertel der MBA-Studenten erhalten dort eine Form der finanziellen Unterstützung.

An deutschen Business Schools sind Stipendien etwas seltener - aber es gibt sie. Die von 25 Konzernen gegründete ESMT in Berlin zum Beispiel bietet gleich mehr als 18 Stipendien allein für den Vollzeit-MBA, und das bei derzeit 41 Studenten. Auch "Frühbucherrabatte" werden beliebter: Wer sich frühzeitig bewirbt, bekommt einen Nachlass. Beim Essec & Mannheim Executive MBA sind das immerhin 2500 Euro.

Ebenso sind die Schulen meist bei Krediten behilflich, etwa durch Vereinbarungen mit örtlichen Banken. Wer zugelassen wurde, bekommt einen Kredit zu marktüblichen Konditionen. In einem besonderen Modell der WHU in Vallendar übernimmt die Fördergesellschaft von Brain Capital zunächst die Studiengebühren. Dafür verpflichten sich die Geförderten, nach Studienende eine einkommensabhängige Zahlung zu leisten, die über zehn Jahre bei jeweils acht bis zehn Prozent ihres Bruttoeinkommens liegt. Der exakte Anteil wird vor Vertragsabschluss individuell festgelegt. Sollte das Einkommen unter einen Wert von 30.000 Euro sinken, entfällt die Zahlungspflicht in dem Jahr.

Die Gisma Business School in Hannover hat einen Bildungsfonds aufgelegt, bei dem zugelassene Bewerber ohne Bürgschaft der Eltern oder Sicherheiten der Bank bis zu 85 Prozent der Studiengebühren als Kredit erhalten. Abgewickelt wird der Bildungsfonds über das Münchner Unternehmen Career Concept, deren Fonds auch anderen MBA-Studenten offenstehen. Bezahlt werden die Studiengebühren, Kosten für den Lebensunterhalt sowie ein einmaliger Zuschuss für Reise- oder Umzugskosten - allerdings in der Regel nur bis 30.000 Euro. Career Concept finanziert derzeit rund 2000 Studenten, davon etwa zehn Prozent MBAler.

Auch Geld vom Arbeitgeber ist möglich

Wer bereits die Zusage einer renommierten Schule vorweisen kann, bekommt den Kredit ohne weitere Prüfung. "Bei unbekannten und neuen Programmen sind wir vorsichtiger", erklärt Rolf Zipf, Vorstand bei Career Concept. "Da schauen wir schon genau, was der Kandidat vorher gemacht hat und welche Zukunftspläne er hat."

Die Rückzahlung beginnt mit der ersten Beschäftigung nach dem Abschluss. Ihre Höhe wird vorab anhand des zu erwartenden Einkommens festgelegt. Dabei kann jeder Student selbst entscheiden, ob er lieber einen höheren Prozentsatz und eine kürzere Dauer bevorzugt oder länger bei niedrigeren monatlichen Raten zahlen möchte. Großer Vorteil gegenüber einem Normalkredit: Wer arbeitslos wird oder weniger als erwartet verdient, zahlt auch weniger.

Bei berufsbegleitenden Programmen beobachtet Kristen Neymard von der Business School HEC Paris eine Dreiteilung: Jeweils ein Drittel der Teilnehmer werde vollständig oder bei den Reisekosten und sonstigen Aufwendungen durch Arbeitgeber unterstützt; "das letzte Drittel finanziert sich komplett selbst".

Chef-Hilfe beim Executive MBA wird allerdings seltener, die Zahl der gesponserten Mitarbeiter ist weltweit deutlich gesunken. Wer eine Geldspritze vom Unternehmen bekommt, muss sich meist verpflichten, nach dem Studium mindestens noch zwei bis drei Jahre dort zu bleiben. Sonst müssen die Studienkosten zurückbezahlt werden.

Doch auch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Wer trotzdem wechseln will und ein attraktives, besser bezahltes Jobangebot hat, steckt das meist locker weg. Und wer clever ist, handelt sogar mit seinem neuen Arbeitgeber eine Kostenübernahme aus. Nicht zu unterschätzen ist auch der Steuervorteil: Gerade wer schon gut verdient, profitiert davon, dass er das MBA-Studium mitsamt Reisekosten als Fortbildung von der Steuer absetzen kann.

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