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Spezialanwälte Die Welt der Winkel-Advokaten

4. Teil: Frank Weiß: Entscheidung gegen die Anwaltsfabrik

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Frank Weiß: Auf keinen Fall in die "Anwaltsfabrik"

Dank Internet verdienen zahlreiche Kanzleien inzwischen ihr Geld mit Abmahnungen, wegen unzulässigem File-Sharing oder wettbewerbsrechtlichen Verstößen bei geschäftlichen Online-Auftritten. Auch der Esslinger Rechtsanwalt Frank Weiß, 38, gehört dazu.

Allerdings steht er meist auf der Gegenseite. "In 80 bis 90 Prozent der Fälle vertreten wir abgemahnte Parteien", sagt Weiß. Als Abmahn-Abwehr lässt er sich trotzdem ungern titulieren: "Abmahnungen sind an sich ein wichtiges Rechtsinstrument", sagt Weiß, "ohne das gäb's Sodom und Gomorrha."

Dass er sich selbständig machen wollte, "weil man da Freiheiten genießt, die man in einer Anwaltsfabrik nicht hat", war Weiß von Anfang an klar - ebenso wie die Spezialisierung auf Internetrecht und gewerblichen Rechtsschutz. "Ich hatte aber keine Ahnung, wie stark sich das vor allem in eine Richtung entwickeln würde."

Von Anfang an auf eine auffällige Internetpräsenz gesetzt

Gleich nach dem Studium bereitete er die Kanzleigründung vor - zusammen mit seinem Vater, der bis dahin die Patentabteilung eines schwäbischen Autobauers geleitet hatte. "Mandanten hatten wir damit aber erst mal noch nicht", sagt Weiß.

Von Anfang an setzte er auf eine auffällige Internetpräsenz. Er sicherte sich die Adresse Ratgeberrecht.eu, stellte regelmäßig juristische Nachrichten auf die Seite. "Schon im ersten Jahr sind viele mittelständische Firmen auf uns zugekommen", sagt Weiß, "darunter sogar Weltmarktführer, die bisher online nicht so vertreten waren, und rechtliche Beratung für geschäftliche Auftritte und Internet-Shops suchten." Viele Unternehmer kamen auch erst, nachdem sie von Konkurrenten eine Abmahnung kassiert hatten - und suchten nun bei Weiß Rat, wie sie ihr Online-Geschäft rechtssicher machen konnten.

Gleichzeitig bekam Weiß immer öfter Mandate von Privatleuten, die Abmahnungen wegen File-Sharing erhalten hatten. "Das hat sich so gehäuft", sagt Weiß, "dass wir schnell merkten, wir brauchen da mehr Informationen, um genau zu wissen, was da läuft."

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So entstand der Weiß'sche "Abmahnwarner", ein "gigantisches Archiv" (Weiß), das inzwischen mehrere Millionen Zugriffe im Jahr zählt: Andere Anwälte berichten Weiß, nach Rücksprache mit ihren Mandanten, über Abmahnungen, die diese erhalten haben - und Weiß stellt diese Informationen anonym auf seiner Seite zur Verfügung. "Das zeigt den Rechtsanwaltskollegen und Händlern, wo die Gefahren lauern", so Weiß.

"Man schafft sich ein tolles Netzwerk"

Der Nutzen ist aber noch weit höher: Denn durch diese Sammlung gelingt es immer wieder, schwarzen Schafen unter den Abmahnanwälten auf die Schliche zu kommen. Wenn es nämlich gar nicht um ein echtes Wettbewerbsinteresse des Mandanten geht, sondern vorwiegend darum, dem Abgemahnten die Rechtsanwaltskosten aufzubürden, "ist eine Abmahnung rechtsmissbräuchlich", so Weiß; wenn der Anwalt dem Abgemahnten Gebühren in Rechnung stellt, die er seinem Mandanten im Innenverhältnis gar nicht berechnet hätte, "kann das ganze sogar strafrechlich relevant sein".

Ein starkes Indiz dafür kann schon die Zahl der Abmahnungen sein: "Wenn ein Anwalt innerhalb kürzester Zeit für einen Mandanten 50 oder noch mehr Abmahnungen rausschickt", so Weiß, "ist das schon ein Grund, gezielte Nachforschungen anzustellen." Etwa, ob der Umsatz des Auftraggebers in einem realistischen Verhältnis zu der Zahl der Abmahnungen steht. "Eine kleine Klitsche jedenfalls kann nicht mal einfach so ein Gebührenrisiko von 50.000 Euro stemmen." In diesem Jahr konnte Weiß so schon mehrere schwarze Schafe unter seinen Kollegen überführen. "An solche Informationen kommt man nur, wenn man die Abmahnungen bündelt."

Damit ist der Abmahnwarner inzwischen auch ein wichtiges Marketing-Instrument. "Man schafft sich so ein tolles Netzwerk mit anderen Anwaltskollegen", sagt Weiß, "und manch' einer sagt dann zu seinem Mandanten: Ich hab' davon keine Ahnung, geh' doch zum Weiß."

Inzwischen schaut Weiß' Vater nur noch gelegentlich beim Filius vorbei, dafür hat Weiß einen weiteren Anwalt als Partner dazugenommen. Das Schielen auf Examensnoten, das die Branche so beherrscht, macht Weiß allerdings nicht mit: "Noten sind zweitrangig", sagt er, "wichtig ist das Verständnis für das Ganze", das "Gefühl für Märkte zu haben und zu erkennen, wohin es läuft".

  • Dietmar Hipp ist SPIEGEL-Redakteur in Karlsruhe.

Mehr in der KarriereSPIEGEL-Themenwoche "Junge Juristen":

Montag - Junge Juristen: Wettbewerb aus der Wohnzimmerkanzlei
Dienstag - TV trifft Realität: Wie echt ist Danni Lowinski?
Mittwoch - Fachjargon-Quiz: Versteh den Anwalt
Donnerstag - Jura-Absolventen: Sklaven der Noten
Freitag - Anwalts-Lexikon: Advokat von A bis Z
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insgesamt 5 Beiträge
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1. Je wirrer die Welt
dr.épernay-boiler 28.03.2011
je schlimmer der Filz, je kontrastärmer der Knotenwald, je besser die eigene Lobby - und damit die eigene Honorarordnung - umso fester Sitzt der Juristler im Sattel und erfreut sich an den Folgen des Leides.
2. Regeln statt gestalten
spon-tan100 28.03.2011
Seitdem es so ist, dass Gesetze nicht mehr mit Sorgfalt und Zurückhaltung gemacht werden, bilden sich natürlich immer mehr Nischen für SpezialistInnen. Das ist indes nicht deren Problem, denn das Leben nach dem 2. Staatsexamen ist eines, das auf Existenzsicherung und nicht darauf ausgerichtet ist, Organ der Rechtspflege zu sein. Nicht jeder wird als von und zu geboren. Hnzu kommt, dass so wie jede andere Lobbygruppe auch die Juristinnen und Juristen es geschafft haben, Regelungen zu schaffen, die einen nur noch den Kopf schütteln lassen: Das gesamte Abmahnwesen, allenfalls gut gemeint, ist derart aus dem Ruder gelaufen, dass es einer dringenden Revision bedürfte. Letztlich hat die Erkenntnis, dass und in welch gewaltigem Umfang die EDV Arbeit spart, noch keinen Einzug ins RVG (rechtsanwaltsvergütungsgesetz) gefunden. Auch hierzu ist z.B. die Massenabmahnung eben zwar ökonomisch pfiffig, ansonsten aber in ihrem Wesen als Lizenz zum Gelddrucken unmoralisch.
3. Vorname?
io_gbg 28.03.2011
Wie heisst die Rechtsanwältin (ehemals) auf Rädern denn nun mit Vornamen: - Diana (laut Artikel) - Daniela (laut Bildunterschrift)
4. ungeordnet und ungleich
whitemouse 28.03.2011
Junge Anwälte haben es ohne Beziehungen sehr schwer, es sei denn, sie haben enorm viel Glück wie die junge Frau. Können erkennen Mandanten nicht unbedingt, aber so mancher Mandant möchte beim Junganwalt selbst gern Umsatz machen. Mit den entsprechenden Beziehungen kann man freilich gut leben. Es ist nun mal so, dass Anwälte meist nicht nach Umfang oder Qualität der Arbeit bezahlt werden, sondern nach dem Streitwert.
5. Vergleich
seneca77 11.04.2011
den Herr RA Hofmeyer habe ich auch auf devpro24.com gesehen. Empfehlen allen die solche Dienste gerne nutzen die Seite. Man muss sich dort nicht anmelden, der Sachverhalt wird nicht veröffentlicht. Zudem keine Vorkasse.
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