Spezialanwälte Die Welt der Winkel-Advokaten
Lieber kurios als prekär: Vier gewitzte Junganwälte zeigen, wie man auch abseits der Festanstellung ein gutes Auskommen findet. Ob Recht auf Rädern, Beratung für Panzerfahrer, eine Abmahndatenbank oder Standardverfahren gegen Hartz-Bescheide - das berufliche Glück findet sich oft in der Nische.
Diana Hampe: Keine teuren Kanzleiräume? Macht nichts, kommt die Anwältin eben zum Mandanten
Ein Jahr lang schleppte sie sich durch. Für ein richtiges Büro fehlte das Geld. Sie wollte ihre künftigen Mandanten aber auch nicht durch die Privatwohnung, an Wohnzimmer, Küche und Bad vorbei, ins Arbeitszimmer führen müssen. "Das war mir dann doch ein bisschen zu unprofessionell."
Während des Studiums hatte die Deutsch-Koreanerin schon als Übersetzerin für Unternehmen gearbeitet, seither war ihr klar, dass sie sich am liebsten um Geschäftskunden kümmern wollte. Und sie hatte bei ihren ersten Mandaten gemerkt, dass es gerade bei vielbeschäftigten Unternehmern sehr gut ankommen müsste, wenn nicht diese zur Anwältin kommen, sondern die Anwältin zu ihnen.
Also leaste sie einen Renault Kombi und lieferte fortan Recht auf Rädern. "Das war deutlich billiger als ein Büro", erinnert sich Hampe, "und bot mir trotzdem die Möglichkeit, professionell aufzutreten und professionell wahrgenommen zu werden." Mit pfiffigen Serienbriefen kam sie an ihre Mandate. "Ich habe jeden Monat rund 200 Unternehmen angeschrieben, mit Visitenkarte, farblich passender Büroklammer, und eigenhändig mit Füller unterzeichnet."
Dabei ging sie ganz systematisch vor: Welche Unternehmen, fragte sie sich, brauchen ständigen Rechtsrat und haben noch keinen? Und wie kommt man an die ran? Ganz einfach: Über die Neueintragungen im Handelsregister. "Das war eine Mordsanstrengung", sagt sie, doch "mehr als ein Drittel meines Umsatzes habe ich allein dadurch aquiriert."
Angebot von der Gegenseite
Dass es bald noch mehr wurde, war wieder Glück: Einer ihrer ersten Mandanten, ein Kosmetikproduzent, hatte Ärger mit einem Konkurrenten, der ihn mit einer Flut wettbewerbsrechtlicher Verfahren überzog. Hampe arbeitete sich immer tiefer in die Materie ein und schoss dagegen - so erfolgreich, dass ihr Mandant nicht nur viele Prozesse gewann, sondern am Ende dem Konkurrenten sogar Kunden abnehmen konnte. Schon nach einem Jahr erzielte sie fast 100.000 Euro Umsatz. Ein sensationeller Wert.
Im November 2008 bekam sie schließlich das Angebot, als Syndikus-Anwältin in einem anderen, ebenfalls mittelständischen Kosmetikunternehmen einzusteigen - und nahm an. Dann wurde sie schwanger, im Dezember 2009 kam ihr Sohn zur Welt. Bald merkte sie, dass es in dem Unternehmen schwierig wurde als Mutter mit Kind. Doch wieder war das Glück auf ihrer Seite.
In einigen Verfahren, wieder gegen einen Mitbewerber, hatte die Gegenseite sie offenbar als "kompetent und trotz aller Gegnerschaft fair und höflich wahrgenommen" - und machte ihr schließlich ein Angebot. Seit Januar 2011 ist sie jetzt dort Leiterin der Rechtsabteilung und "ungeheuer glücklich damit". Um so mehr, als dies, wie sie zugibt, "keine Position ist, die man normalerweise ohne Prädikatsexamen erreichen kann".
Statt, wie andere mit besseren Noten, über eine Festanstellung irgendwann einmal den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen, ist sie den umgekehrten Weg gegangen. Doch ihr Weg zeige, sagt Hampe, dass man "auch mit nichts anfangen kann, und dass es letztlich nur darauf ankommt, wie sehr man sich für eine Sache einsetzt und wie man sich selbst präsentiert".
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