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Spielzeug für Ingenieure Lernen mit dem Plaste-Baukasten

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Firma Fischertechnik: Dieses Vorzeige-Modell dient der Ausbildung und Anschauung

Technikspielzeug macht Kinder froh. Und Erwachsene ebenso - jedenfalls wenn es Ingenieure sind. Gern greifen sie dabei zum Klassiker Fischertechnik, nicht allein zum Spaß, auch in der Ausbildung. Unternehmen und Hochschulen setzen die Bausätze zum spielerischen Lernen ein.

Die bunten Kugeln plumpsen aus kleinen Plastikboxen aufs Förderband, werden nach Farben sortiert und abgezählt. Mit neugierigen Blicken schauen die Männer im Anzug auf die winzige Industrieanlage, die auf zwei zusammengeschobenen Tischen leise vor sich hinschnurrt. Ein kleines Wunderwerk, allein schon ihre Konstruktion, gebaut mit mehreren tausend Plastikteilen von Fischertechnik.

Bei diesem traditionsreichen Spielzeug - den Konstruktionsbaukasten schuf 1964 Artur Fischer, der zuvor schon den "Fischer-Dübel" erfand - greifen auch Erwachsene gern zu. Und das nicht nur aus Spieltrieb. "Mit solchen Anlagen können wir genau das abbilden, was in großen Produktionsfirmen passiert", erklärt Marcus Keller, Geschäftsführer der Fischertechnik GmbH in Waldachtal südlich von Stuttgart.

Auch deshalb hat das Spielzeug längst die Grenzen der Kinderzimmer überschritten. So haben Manager und Professoren entdeckt, dass sie ihre Schützlinge mit Fischertechnik spielend auf den Beruf vorbereiten können.

Beim Autobauer Audi zum Beispiel sind mehr als 30 Spielzeuganlagen zur Schulung der Mechatroniker im Einsatz. "Wir haben Transport- und Sortierstrecken und auch Lager mit Registern", erzählt Alfons Regler von der Aus- und Weiterbildung des Konzerns. Die Auszubildenden lernen an den Modellen vor allem das Programmieren. "Die Steuerung ist etwas kleiner als im Werk, hat aber alle notwendigen Komponenten." Für Regler ist das nicht zuletzt eine Frage des Geldes: Bei Kosten von 2500 Euro pro Modell kann bei Fehlern kein allzu großer Schaden entstehen.

Die Modelle für die Industrie sind nicht ganz identisch mit dem Material, das es im Spielwarenladen zu kaufen gibt. Die Firma Staudinger, ein Technik-Unternehmen in Loching nahe Landshut, rüstet das gängige Sortiment etwas auf. Um Industrieanlagen nachzubilden, muss sie einige Bauteile ergänzen. Vor allem aber wird bei den Steuerungselementen geklotzt, die dann der Industrienorm entsprechen.

Sogar an chinesischen Schulen gefragt

Diese Computertechnik stammt meist von Siemens - und wird dort nicht selten mit dem Spielzeug getestet. In der Siemens Technik Akademie stehen einige Modelle, "so dass unsere Studierenden nachvollziehen können, was die von ihnen entwickelten Steuerungsprogramme denn tatsächlich machen", sagt Andreas Dieckmann von der Akademie. "Die Inbetriebnahme realer Abläufe birgt doch immer wieder Überraschungen. Außerdem macht es einfach Spaß."

"Karohemd und Samenstau"

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Die Bezeichnung Spielzeug hört Volker Alexander von der Fachhochschule Gelsenkirchen nicht so gern. Er lehrt im Studiengang Transport, Verkehr und Logistik. An der Modell-Fertigungsanlage führt er Studenten in die Steuerungen ein und analysiert Schwachstellen im Materialfluss; dann müssen sie auch unter Zeitdruck Kundenaufträge erledigen. "Dabei fühlen sie sich nicht wie in einem Spiel, sondern wie in einem echten Unternehmen", so Alexander - für ihn eine ideale Vermittlung von Praxisnähe.

Um das Niveau zu halten, versucht der Spielzeugbauer gemeinsam mit Unternehmen immer auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. Ob Solarmodule oder Brennstoffzelle - Marcus Keller von Fischertechnik will jede neue Technik möglichst schnell für die Modellbaukästen umsetzen.

Neben Hochschulen und Firmen hat Fischertechnik auch Schulen im Blick. "Es gibt viele Lehrer, die dafür sehr aufgeschlossen sind, aber nicht selten fehlt das Budget", sagt Keller. Zum Baukasten bietet Fischertechnik ein didaktisches Begleitheft an, zudem gibt es spezielle Lehrerhefte. Erfolgreich sind sie damit vor allem in China. Dort gehört Fischertechnik in vielen Schulen zum Standard.

Marcus Keller hofft, dass auch in Deutschland der frühe Kontakt mit der Technik Kinder für die Naturwissenschaften begeistert - "das muss über die Faszination kommen". Andreas Dieckmann von Siemens sagt: "Es ist neben der Modelleisenbahn das Kinderspielzeug, das ich noch immer habe und pflege und zum Teil auch mit meinen eigenen Kindern gespielt habe."

Ingo Senft-Werner, dpa/jol

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