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Existenzgründer Die Löffel am Fördertopf

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Corbis

Junge Gründer: Faszinierende Idee - aber wie bringt man's der Bank bei?

Fördertöpfe an jeder Ecke: Kaum ein Land unterstützt Existenzgründer so stark wie Deutschland. Doch viele der Jungunternehmer haben keine Ahnung, wie sie an das Geld kommen. Viele gute Ideen versanden im Bankgespräch - obwohl das nicht sein muss.

Frank Heyduck weiß, wovon er redet. Wenn er Menschen beim Schritt in die Selbständigkeit berät, spricht er auch aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Jahr hat er sein Beratungsunternehmen gegründet. Vorher war er lange als Berater angestellt, dann wurde er arbeitslos. Zum Neustart brauchte er nicht viel - eigentlich nur ein Auto für die weiten Strecken in seinem Einsatzgebiet rund ums brandenburgische Strausberg.

Heyduck ging zu seiner Bank und beantragte einen Kredit von der Förderbank KfW. "Der Bankmitarbeiter wollte sehr viel von mir wissen über die geplanten Ausgaben, Umsätze und Aufträge", erinnert er sich. Bei ihm ging alles gut, doch im Gespräch mit Kunden stellt er immer wieder fest: "Wenn sie sich nicht rechtzeitig um die Finanzierung kümmern, geht ihr ganzes Projekt nicht auf."

Deutschland tut so viel für Existenzgründer wie kaum ein anderes Land. Das haben Forscher der Universität Hannover und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit festgestellt, im "Global Entrepreneurship Monitor" von 2010. Die regelmäßige Studie basiert auf 5500 Telefonbefragungen und 40 Experteninterviews. Die öffentlichen Förderprogramme für Existenzgründer bekamen dabei gute Noten. In einer Gruppe von 22 vergleichbaren Industrieländern schnitt nur die Schweiz besser ab.

Allein die Förderbank KfW hat im vergangenen Jahr 900 Millionen Euro für Gründerkredite ausgegeben; das Geld stammt ursprünglich aus dem Marshall-Plan (European Recovery Program, ERP) zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Für Arbeitslose gibt es den Gründungszuschuss oder das Einstiegsgeld. Bund und Länder unterstützen außerdem Bürgschaftsbanken, die wiederum Darlehen ermöglichen für Menschen, die keine ausreichenden Sicherheiten vorweisen können. Auch Mikrokredite, bekannt aus Entwicklungsländern wie Bangladesch, sollen mit Staatshilfe in Deutschland populär werden.

Viele wissen nicht, worauf es der Bank ankommt

Doch trotz allem kritisiert ein großer Teil der Experten aus dem Global Entrepreneurship Monitor, die Finanzierungsmöglichkeiten seien immer noch elementare Hindernisse für Gründer. Die staatlichen Programme zur Unterstützung neuer und wachsender Unternehmen seien nur mittelmäßig wirkungsvoll. Berater sagen: Viele Gründer sind nicht ausreichend vorbereitet, deshalb kommen sie nicht an die Fördertöpfe ran.

"Viele Gründer haben eine gute Idee, aber sie wissen häufig nicht, worauf es im Bankgespräch ankommt", sagt Sebastian Alexander Schütz, Referatsleiter für Unternehmensfinanzierung beim Dachverband der Industrie- und Handelskammern (DIHK). Für seinen aktuellen Gründerreport hat der Verband 320.000 Kontakte mit angehenden Unternehmern ausgewertet und festgestellt: 51 Prozent der Kunden in der Gründungsberatung haben sich zu wenige Gedanken über das Alleinstellungsmerkmal ihrer Geschäftsidee gemacht.

46 Prozent schätzen Startinvestitionen und laufende Kosten zu niedrig ein. Die meisten kommen aus der Arbeitslosigkeit; gerade ihnen fällt es oft schwer, andere zu überzeugen. Doch das müssen sie. Nicht nur, wenn sie ein Darlehen von einer privaten Bank brauchen. Auch über die Förderkredite der KfW entscheidet die Hausbank. Und wer sich als Arbeitslosengeld-I-Empfänger selbständig machen will, muss neuerdings seine Arbeitsagentur überzeugen: Seit Jahresanfang ist der Gründungszuschuss eine Ermessensleistung; die Vermittler entscheiden je nach Fall darüber.

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Die KfW empfiehlt angehenden Unternehmern, sich möglichst früh beraten zu lassen. Den Businessplan sollten sie aber selbst schreiben und sich dabei mit Investitions-, Finanzierungs- und Liquiditätsplan sowie der Umsatz- und Ertragsvorschau auseinandersetzen. "Lassen Sie den Businessplan von einem Berater der Kammer oder einem Steuerberater oder Unternehmensberater optimieren, aber präsentieren Sie ihn Ihrer Hausbank selbst", schreiben die KfW-Fachleute.

Eine Stellungnahme von Berater oder Kammer zum Gründungskonzept könne aber helfen, die Bank zu überzeugen. Und wenn auch das nichts nützt? Dann solle man nicht gleich aufgeben, sondern nach dem Grund fragen: "Nutzen Sie diese Angaben um Ihr Konzept nochmals zu überarbeiten und einer anderen Bank erneut vorzustellen."

Das Geschäft mit Gründern ist für Banken nun einmal riskant, denn diese können oft kein ausreichendes Eigenkapital und Sicherheiten vorweisen. In solchen Fällen springt die KfW mit ihrem Startgeld ein: Sie nimmt den Banken 80 Prozent des Risikos ab für den Fall, dass der Kreditnehmer nicht zurückzahlen kann. Eine ähnliche Funktion erfüllen die Bürgschaftsbanken: Sie bürgen für kleine oder mittlere Unternehmen, denen es an eigenen Sicherheiten mangelt.

Warum ein Mikrokredit nützlich sein kann

Doch auch wenn der Staat einen großen Teil des Risikos trägt, stehen Kleingründer bei den Banken oft vor verschlossener Tür. "Bei weniger als 10.000 Euro lohnt sich für sie der Verwaltungsaufwand nicht", sagt Berater Heyduck. In solchen Fällen empfiehlt er einen Mikrokredit. Dabei umgehen die Gründer die Hausbank; stattdessen bekommen sie das Darlehen von einem Mikrofinanzinstitut.

Diese Finanzierer, sie heißen etwa Mikrofinanzagentur Thüringen oder Minerva Mikrokredit, beraten die Gründer auch intensiv. Der Staat sichert die Darlehen über den Mikrokreditfonds Deutschland ab. Das Modell könnte für viele geeignet sein: Die KfW hat festgestellt, dass 80 Prozent der Gründer mit externem Finanzbedarf für den Start weniger als 25.000 Euro brauchen.

Wer dagegen große Geldsummen benötigt, etwa für ein Technologieunternehmen, für den kann Beteiligungskapital statt Kredit eine Option sein: Ein Investor stellt einen Teil des Kapitals bereit, verlangt dafür aber Rendite und Mitspracherechte. Auch solche Modelle fördert die KfW, indem sie etwa den Investor mit einem Darlehen refinanziert oder als Co-Investorin auftritt. Für Kleingründer ist das allerdings nichts: "Beteiligungskapitalgeber haben gerade bei Gründungen oftmals eine hohe Renditeerwartung. Diese kann bei mehr als 20 Prozent im Jahr liegen", sagt DIHK-Experte Schütz, "das muss man erst mal stemmen."

Finanzbedarf: Oft gibt es eine positive Überraschung

Es mangelt jedenfalls nicht an Möglichkeiten, Geld für den Unternehmensstart zu bekommen. Trotzdem empfiehlt Berater Frank Heyduck seinen Kunden: "Man sollte zunächst überlegen, wie viele eigene Mittel man einsetzen kann." Wer viel Eigenkapital mitbringt, ist weniger abhängig von Banken und erhöht seine Kreditwürdigkeit für die Zukunft. "Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein Darlehen bei Familienmitgliedern aufzunehmen", sagt Heyduck, "allerdings birgt das natürlich auch Konfliktpotential."

Am wichtigsten sei es jedenfalls, den Finanzbedarf früh auszurechnen. Dabei könnte so manchen sogar eine positive Überraschung erwarten: Der KfW-Gründungsmonitor zeigt, dass rund 80 Prozent der Gründer ganz ohne externe Mittel auskommen.

  • Eva-Maria Simon (Jahrgang 1984) ist freie Journalistin (www.weitwinkel-reporter.de). Sie schreibt vor allem über Arbeit und Soziales.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Was soll denn für Banken riskant sein??
gernot999 02.05.2012
Es gibt doch den Steuerzahler, der letzlich für alles ohne Haftungsgrenzen zur Verfügung steht. ESM, EZB, Target2 und und und. Die Banken können locker Hunderte von Milliarden durch den Schornstein verrauchen lassen und werden selbstverständlich gerettet. Kredite für Gründer sind im Vergleich dazu noch nicht mal peanuts. Nein, es geht in Wirklichkeit nicht um Sicherheiten, alles nur vorgeschoben. Im Gegensatz zu hochriskanten Griechenland- oder Spanienanleihen können sie kein Geld verdienen.
2. Tja: Realwirtschaft = Insolvenz, Bankster = Hunderte Millliarden Euro Steuergelder
Sozial-Romantiker 02.05.2012
Zitat von gernot999Es gibt doch den Steuerzahler, der letzlich für alles ohne Haftungsgrenzen zur Verfügung steht. ESM, EZB, Target2 und und und. Die Banken können locker Hunderte von Milliarden durch den Schornstein verrauchen lassen und werden selbstverständlich gerettet. Kredite für Gründer sind im Vergleich dazu noch nicht mal peanuts. Nein, es geht in Wirklichkeit nicht um Sicherheiten, alles nur vorgeschoben. Im Gegensatz zu hochriskanten Griechenland- oder Spanienanleihen können sie kein Geld verdienen.
Von solchen Konditionen können alle Unternehmen der Realwirtschaft nur träumen. Aber die gesamte Politik über alle Parteien hinweg schmieren, die Medien beherrschen und sich Rachen und Taschen vollschaufeln geht halt einfacher... Risiken können diese Flachpfeifen doch eh nicht bewerten, das haben doch die Lehman-Pakete gezeigt, die auch bei deutschen Banken lagen. Oder die per Bestechung arrangierten Kredite für den Herrn Pooth und seine innovationsfreie Elektro-Klitsche. Nicht zuletzt gilt auch: Sicherheiten müssen her. Ergo: Wer hat, dem wird gegeben, wer nichts hat - das sind vermutlich genau die im Artikel genannten 80% - der muss sich halt entweder durchbeißen oder angestellter Sklave bleiben. Oben muss oben bleiben, unten muss unten bleiben, alles andere wäre ja Kommunismus, gelle?
3. Worauf kommt es der Bank an? Auch auf die Standortanalyse!
geomarketing 03.05.2012
Eine möglichst detaillierte Standortanalyse, wie sie häufig von der Bank verlangt wird, stellt den Unternehmer in der Regel vor eine große Herausforderung! Woher soll er belastbare Daten bekommen, mit denen er das Standortpotenzial transparent und glaubhaft aufzeigen kann? Besonders für Geschäftsarten, die vom Kundenbesuch abhängig sind, also für Einzelhändler oder für stationäre Dienstleister wie eben auch Frisöre, sollte der Standort sehr genau und professionell analysiert werden, da dieser insbesondere bei solchen Geschäften maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg der Unternehmung entscheidet. Eine reine Beschreibung des Standortes oder einige Passantenzählungen reichen sicher nicht aus. Mittlerweile gibt es einen Geomarketing-Dienst, der Existenzgründer, Unternehmer oder auch Franchisegeber bei der Standortanalyse untersützt. Auf http://www.standortanalyse.biz findet man Zugang zu einem mehrfach preisgekrönten, innovativen Internet-Dienst, der objektive, datengestützte Standortanalysen zu gründerfreundlichen Preisen erzeugt. Diese belastbaren Standortanalysen eignen sich besonders mit der Umsatzprognose als substantieller Bestandteil des Businessplans und helfen (eine Standorteignung vorausgesetzt), auch beim Bankengespräch zu überzeugen.
4. Mikrofinanzierung in Deutschland
microcredit 10.05.2012
Derzeit gibt es in Deutschland ca. 60 offiziell akkreditierte Mikrofinanzinstitute, welche Mikrokredite bis 10.000€ (für Folgefinanzierungen bis zu 20.000€) für unternehmerische Zwecke vergeben. Die verschiedenen Mikrofinanzinstitute können auf der Seite www.mein-mikrokredit.de nach Postleitzahlengebiet gesucht werden. Der Kreditvergabeprozess unterscheidet sich von der Kreditvergabe der Banken im Wesentlichen durch die Unabhängigkeit von banküblichen Ratings und Sicherheiten. D.h. die Kreditentscheidung wird i.d.R. anhand des persönlichen Gesamteindrucks von der Unternehmerperson und dessen Vorhaben getroffen. smart Mikrokredit zum Beispiel ist das größte Mikrofinanzinstitut im Raum Berlin-Brandenburg. Es vergibt branchenunabhängig Kredite an Existenzgründer, Kleinunternehmen, Freiberufler und andere Gewerbetreibende, insbesondere an Personen mit Migrationshintergrund. Kunden von smart Mikrokredit werden durch qualifizierte Unternehmensberater während der gesamten Kreditlaufzeit begleitet. Weitere Informationen können auf der Webseite www.smart-mikrokredit.de eingesehen werden.
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