ThemaErste Hilfe KarriereRSS

Alle Kolumnen


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Erste Hilfe Karriere Was soll bloß aus mir werden?

Abiturprüfung: Die bange Frage nach dem Wohin kommt danach Zur Großansicht
dpa

Abiturprüfung: Die bange Frage nach dem Wohin kommt danach

Derzeit stecken viele tausend Schüler in den Abiturprüfungen - und stehen bald vor der großen Frage, wie es weitergeht. Bei der Suche nach den eigenen Berufszielen helfen ein paar gezielte W-Fragen, sagt Karriereberaterin Svenja Hofert.

Tilo ist 18 Jahre alt und will Arzt werden. Sein Vater schickt ihn mir zum Planen. Nicht dass der Papa etwas gegen das Medizinstudium hätte, nur soll der Junge sich ganz sicher sein, dass eine der vielen anderen Alternativen von E-Health bis Psychologie nicht besser passen. Tilo macht, was Papa sagt.

Früher war die Auswahl an Fächern und Möglichkeiten begrenzt. Heute ist sie kaum noch überschaubar: Die Variationsbreite nimmt zu. Das macht die zufällige Karriere der Elterngeneration zum Auslaufmodell, Spezialisierungsmöglichkeiten locken schon am Anfang. Spezialisierung erfordert aber Planung.

Tilo sagt, dass kaum einer seiner Mitschüler, die gerade im Abi stehen, sich über ihre berufliche Zukunft Gedanken gemacht haben. Wie schaffen Tilos Mitschüler und all die anderen es, sich einen Überblick zu verschaffen? Eine Anleitung in vier Fragen:

  • Wer bin ich?

Ohne die Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit geht es nicht. Was steuert mich? Woran habe ich Spaß? Wo zeigen sich Kompetenzen? Bin ich eine extrovertierte Person, die sich für den Vertrieb und Teamarbeit begeistern könnte, oder eine introvertierte, die lieber forscht und allein sowie inhaltlich arbeitet?

Vorsicht an dieser Stelle vor Tests. Ich rate jungen Menschen dazu, dies im ersten Schritt lieber über Gespräche herauszufinden, auch mit den Eltern und eventuell neutralen Beratern. Danach kann ein Persönlichkeitstest durchaus sinnvoll sein, eine grobe Einschätzung bietet etwa der dem Persönlichkeits-Typologie MBTI nachempfundene kostenlose Typentest.de.

Berufsempfehlende Tests fördern überwiegend unzeitgemäßes Schubladendenken und gehen bei ihren Empfehlungen meist von amerikanischen Job-Vorbildern aus. Die Beschäftigung mit der Persönlichkeit sollte auch die Frage einbeziehen, ob einem eher eine Ausbildung, ein duales Studium oder ein klassisches Studium liegt. So kann eine Ausbildung vor allem für alle sinnvoll sein, die sich noch orientieren möchten, um sich eigener Stärken bewusst zu werden.

  • Was interessiert mich?

Interessen sind ganz besonders wichtig für die Berufsfindung, denn fast alle Studiengänge führen in Berufe, die unterschiedliche Persönlichkeiten zulassen. Überhaupt entwickeln sich moderne Karrieren immer öfter mehr rund um eine Branche, zum Beispiel Medizintechnik, und innerhalb der Branche um ein Thema.

Deshalb ist eine der wichtigsten Fragen, die man sich vor der Entscheidung für Studium oder Ausbildung stellen sollte: Mit welchem Thema möchte ich mich intensiv und länger beschäftigen? Gut zehn Jahre braucht ein Mensch, um wirkliches Tiefenwissen aufzubauen. Das macht diese Entscheidung umso wichtiger, denn wer sich etwa für Logistik entschieden hat und feststellt, dass er keinen Draht dazu hat, kann nur mit starkem Kurswechsel und einem erneuten Studium in die Frühpädagogik wechseln.

  • Welche Möglichkeiten gibt es?

Welche Berufe und Studiengänge gibt es überhaupt? Einen sehr guten Überblick über Ausbildungsberufe bietet das Berufenet der Bundesagentur für Arbeit. In "Berufe im Spiegel der Statistik" lässt sich auch die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen und Bestände in diesen Berufen prüfen. Zentrale Informationen über das Studienangebot in Deutschland bietet das CHE-Hochschulranking.

Erste Hilfe Karriere
Diese Experten schreiben regelmäßig im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

Sie haben Fragen zu Karrierethemen, Probleme am Arbeitsplatz, Themenanregungen? Unsere Experten freuen sich über Ihre Nachricht!
Die meisten Informationen sind aber leider sehr dezentral. Ich rate von allzu spezialisierten Studiengängen in aller Regel ab. Weinbetriebswirtschaftslehre eignet sich zum Beispiel nur, wenn das elterliche Weingut übernommen werden will. Wer in anderen Branchen arbeiten möchte, sollte sich allgemeiner orientieren.

Generell ist es der Königsweg, vom allgemeineren Wissen in das speziellere überzugehen. Das ist vielen Studienanfängern nicht klar. Arbeitgeber, die immer stärker in die Studiengangentwicklung eingebunden werden, wünschen sich zwar die frühe Spezialisierung, aber die Beweggründe sind eher egoistisch. Hier entstehen Interessenkonflikte: Der junge Mensch möchte breite Einsetzbarkeit und wenig Bindung an ein kleines Segment. Der Arbeitgeber will genau das Gegenteil.

Weitere Fragen sind: Welchen Ruf haben die unterschiedlichen Angebote? Wo passe ich mit meinem Lernstil am besten rein? Wissenschaftlich orientierte Menschen schätzen oft einen gut und modern ausgestatteten Lehrbetrieb, andere bevorzugen die Lernatmosphäre kleiner Fachhochschulen. Hier empfehlen sich weitere Gespräche mit Studierenden und Ex-Studierenden.

  • Welche Möglichkeiten habe ich persönlich?

Die Abiturnote lässt meist keinen unendlichen Spielraum zu. Doch sollte man sich auch nicht zu stark davon beeinflussen lassen. Recherche hilft, Möglichkeiten zu entdecken, um einen Berufstraum doch noch zu realisieren. Medizin lässt sich zum Beispiel auch in den Niederlanden oder in Ungarn studieren - ohne NC.

Auch die persönliche Durchhaltebereitschaft sollte nicht unterschätzt werden sowie die Bereitschaft sich reinzuhängen, um etwa mit einem Hamburger Abitur ein Ingenieurstudium in Darmstadt zu schaffen. Wichtig auch: Das Stressempfinden ist sehr unterschiedlich. Nicht jeder kann jede Belastung tragen. Die Frage, ob sich ein bestimmter Studiengang mit der Notwendigkeit, Geld zu verdienen, verbinden lässt, gehört unbedingt dazu.

Tilo hat sich inzwischen für Gesundheitsmanagement entschieden. Das fand er bei näherer Betrachtung doch interessanter und kompatibler zu seinen Neigungen als ein langes Medizinstudium.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
ladywanda, 29.04.2012
habe mal spasseshalber den Typentest gemacht... das Ding funktioniert nicht - es werden nämlich zu viele Dinge zusammengepackt, die nicht zusammen gehören. Dieses Schubladendenken das da propagiert wird, ist total kontraproduktiv
2.
kästchen 29.04.2012
"um mit einem Hamburger Abitur ein Ingenieurstudium in Darmstadt zu schaffen..." So ein quatsch. Abi ist immernoch Abi, auch wenn das viele nicht gerne hören (gerade Bayern). Man kann auch ohne Mathe und Physik LK ein Ingenieurstudium anfangen und schaffen, man muss sich nur reinknien, und da ist es egal ob man aus Bremen, Bayern oder Sachsen ist ... Wer das nicht kann bekommt auch so kein Studium gebacken. "ÖÖÖH PARTY GEIL" ergibt eben noch keinen Master... Nicht umsonst gibt es an vielen Unis im Bereich Ingenieurswissenschaften viel "Nachhilfe", Tutorien und Krams, eben weil da sehr viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen. Mehr noch als in anderen Studiengängen, wage ich zu behaupten.
3. Berufswahl
ASDFZUIOP 29.04.2012
Zitat von kästchen"um mit einem Hamburger Abitur ein Ingenieurstudium in Darmstadt zu schaffen..." So ein quatsch. Abi ist immernoch Abi, auch wenn das viele nicht gerne hören (gerade Bayern). Man kann auch ohne Mathe und Physik LK ein Ingenieurstudium anfangen und schaffen, man muss sich nur reinknien, und da ist es egal ob man aus Bremen, Bayern oder Sachsen ist ... Wer das nicht kann bekommt auch so kein Studium gebacken. "ÖÖÖH PARTY GEIL" ergibt eben noch keinen Master... Nicht umsonst gibt es an vielen Unis im Bereich Ingenieurswissenschaften viel "Nachhilfe", Tutorien und Krams, eben weil da sehr viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen. Mehr noch als in anderen Studiengängen, wage ich zu behaupten.
Da haben Sie natürlich Recht. Trotzdem gibt es Unterschiede und man sollte sich schon klar sein, dass einem in manchen Bundesländern (und auch oftmals an Privatschulen!) das Einser-Abi leichter gemacht wird als in anderen. Darmstadt liegt übrigens in Hessen, nicht Bayern. Was der Artikel richtig erkannt hat, ist die Generalisierung statt Spezialisierung als Vorteil. Seltsam nur, dass Gesundheitsmanagement dann empfohlen wird, denn mit einem Medizinstudium hat man bedeutend mehr Möglichkeiten als mit diesem doch sehr eingeschränkten Fach. Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass sich Menschen im Studium noch einmal sehr verändern können. Wenn es nach Interessen und Fähigkeiten geht, würden männliche Schulabgänger zur Hälfte Informatiker und zur anderen Sportreporter werden. Wichtig ist aber nicht allein das Interesse, sondern vor allem der spätere Beruf. Leider ist es oft so, dass gerade in den interessantesten Berufe der höchste Arbeitseinsatz bei gleichzeitig schlechtem Verdienst verlangt wird, da es zu viele Bewerber gibt. Es ist nicht immer leicht, den goldenen Mittelweg zu finden.
4. W-Fragen
cread 29.04.2012
Viel wichtiger sind eigentlich folgenden W-Fragen: Wie sieht die Zukunft aus? Welche Änderungen wird es geben? Was betrifft mich? Und deswegen an alle die BWL studieren um den run aufs große Geld zu schaffen: Das wird nicht funktionieren, weil 1. Zuviele die selbe "tolle" Idee haben und nicht alle dick im Sack sitzen können. 2. Das System "Spekulatius" ausgedient oder aber uns alle ins verderben stürzt. und 3. Der Unmut gegen Leute die Geld haben zum Geld mehren immer größer wird - heißt: Leistungsgesellschaft wo Geld für einen arbeitet ist die größte verarsche überhaupt.
5. Ist doch GANZ EINFACH!
bigpeng 30.04.2012
Zitat von sysopdpaDerzeit stecken viele Tausend Schüler in den Abiturprüfungen - und stehen bald vor der großen Frage, wie es weitergeht. Bei der Suche nach den eigenen Berufszielen helfen ein paar gezielte W-Fragen, sagt Karrierecoach Svenja Hofert. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,828099,00.html
Kreative Wertschöpfung auf höchstem Niveau mit mit natur- und ingenieurswissenschaftlichem Hintergrund in technischen und umwelt- technischen Bereichen wird IMMER gefragt sein (müssen), gerade in einem Land wie dem unseren. (DAS wurde uns schon vor 40 Jahren in der Schule eingebläut - wurde aber zwischenzeitlich garantiert mehrfach wegreformiert) Wenn heutzutage JETZT hierzulande von einem gravierenden Mangel an qualifizierten Fachkräften herumgejault wird, zeigt dies doch ganz deutlich, daß die Förderungsschwerpunkte in den letzten 30 Jahren völlig falsch gesetzt worden sind! Mit den betragsmäßig gleichen Förderungsmitteln kann durch die richtige Schwerpunktsetzung wesentlich mehr erreicht werden... ZUM VORTEIL ALLER. Aber genau das ist ja nicht gewollt. Warum auch immer.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsstart
RSS
alles zum Thema Erste Hilfe Karriere
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Zur Autorin
Karriereberaterin Svenja Hofert betreibt ein Blog und hat mehr als 25 Bücher geschrieben, darunter das "Slow-Grow-Prinzip. Lieber langsam wachsen als schnell untergehen" und "Am besten wirst du Arzt... Wie Eltern ihren Kindern wirklich helfen".
Fotostrecke
Sonderbare Jobs: Berufe gibt's, die gibt's gar nicht

Verwandte Themen

Fotostrecke
Neu im Job: Fünf Fallgruben für Berufsstarter

Buchtipp

Social Networks