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Die aktuelle Stellenanzeige Superman als Journalist gesucht, Arbeitsort überall

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DC Comics

Das Cover der aktuellen Superman-Ausgabe: Paradigmenwechsel für den Stählernen

Superman schreibt nicht mehr für den "Daily Planet" - um diese Fachkraft müssten nun Chefredakteure in aller Welt werben. Aber wie sollte eine Stellenanzeige aussehen, mit der man diesen Überflieger fürs eigene Blatt gewinnt?

Superman schmeißt hin - in seinem Hauptberuf als Reporter des "Daily Planet". Das kann man in der neuesten US-Ausgabe der "Superman"-Heftserie lesen. Ein unerwarteter Bruch für Clark Kent, das bürgerliche Alter Ego des Stählernen. Aber was macht der Superheld jetzt?

Scott Lobdell, der derzeit die neuen Abenteuer des Helden schreibt, kann sich gut vorstellen, dass Superman künftig als Blogger unterwegs ist. An dieser Stelle sollte eigentlich jeder Chefredakteur weltweit aufhorchen: Superman traut sich ins Internet, er hat jahrzehntelange Reportererfahrung, und er ist schlicht super - man muss alles daran setzen, diesen Übermitarbeiter für das eigene Medium zu gewinnen.

Was also tun? Das, was Personaler immer machen, wenn der Chef längst weiß, welchen Mitarbeiter er möchte: Er formuliert die Stellenausschreibung so, dass wirklich nur einer dazu passt. KarriereSPIEGEL entwirft eine passende Annonce und erklärt zwischen den Zeilen, warum eigentlich nur Superhelden so etwas können.

  • Wir suchen zum nächstmöglichen Termin einen Reporter und Redakteur für alle Medienformen in Vollzeit. Er sollte den Bedingungen der beschleunigten Berichterstattung im Internet in besonderer Weise entsprechen. Dabei sollte er stets eine Vielzahl von Nachrichtenkanälen im Blick behalten.

Wer, wenn nicht Superman, kann das von sich behaupten? Multitasking leistete er schon, als es den Begriff noch nicht gab, und das auf höchstem Niveau. Jedenfalls solange keine Magie und kein Kryptonit im Spiel sind, die einzigen Schwachstellen Supermans. Er jongliert mit Schwertransportern, löscht mit seinem minzfrischen Hauch - Swoosh! - ein Feuer in einer Chemiefabrik, rettet in einem irritierenden, zischenden Wirbel aus Rot und Blau eine Katze vom Baum. Und nebenbei behält er alle Nachrichten-Feeds im Blick, redigiert eine Filmkolumne und schreibt den neuesten Eintrag fürs Redaktionsblog. Dabei bewegen sich seine Finger superschnell über die Tasten; dank der beschleunigten Abnutzung hat er einen unglaublichen Superleasingvertrag mit Apple.

  • Bewerber sollten die Bereitschaft zu permanenten - auch internationalen - Außeneinsätzen mitbringen. Dabei sollten sie stets das knappe Budget im Auge behalten.

Kein Problem, wenn man in Wettrennen schon mit Flash, dem Roten Blitz und schnellsten Mann der Welt, mithalten kann. Der Stählerne kann ja sogar mal kurz - Wuusch! - zum Mond springen, um zu prüfen, ob es sich bei der Nachricht, dass Außerirdische Neil Armstrongs Fußabdrücke weggewischt haben, um eine Ente handelt oder nicht. Trotzdem ist seine Spesenabrechnung ein Traum für jeden Chefredakteur: In wenigen Augenblicken geht's von Metropolis nach Kabul, von dort aus nach München und über Paris wieder zurück. Und das alles ohne eine Kerosinsteuer oder CO2-Abgabe zu zahlen - geschweige denn ein Ticket.

Mit der Geschwindigkeit, mit der er reist und tippt, recherchiert Superman auch. Hören Sie das? Taktaktaktaktak! Was ist das? Die spanische Praktikantin der Lokalredaktion mit ihrer Vorliebe für Kastagnetten? Nichts davon! Es ist das stakkatoartige Blättergeräusch der gequälten Lexika, die Clark bei einer Recherche in Sekundenschnelle von vorn bis hinten durcharbeitet - die Abrufzeiten von Wikipedia sind ihm zu langsam.

  • Inhaltlich erwarten wir exklusive wie verlässliche investigative Recherchen sowie einordnende Texte, die dem Leser eine vertiefte Hintergrundkenntnis aktueller Entwicklungen vermitteln.

Das passt wie die Faust - Bam! - aufs Auge, denn Clark Kent hat den definitiven Durchblick. Während alle Welt bei der nächsten Papstwahl noch auf den weißen Rauch wartet, hat er das Ergebnis längst online gestellt, Röntgenblick sei Dank.

  • Sie sollten alle Stilformen beherrschen und alle Themenfelder abdecken, vor allem in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Sport.

Klar, nicht allein beinharte Seite-Eins-Nachrichten sind ein Thema für Superman. Die Abenteuer, die er mit Superhund Krypto, Superkatze Sreaky und Superpferd Comet erlebt hat, prädestinieren ihn natürlich auch für alle Formate, die sich um die besten Freunde des Menschen - Wuff! Miau! Wieher! - drehen. Und nachdem Superman bereits Ende der Siebziger mit Muhammad Ali - Pow! - in den Boxring gestiegen ist, kann er auch in den Stadien und Hallen auf profundes Insiderwissen und gute Kontakte zurückgreifen.

  • Weiter wird es Ihre Aufgabe sein, eine Führungsrolle in unserem Team aus einzigartigen Individualisten wahrzunehmen. Wir erwarten daher sowohl fortgeschrittene Teamfähigkeit als auch das Talent, unsere Mitarbeiter zu Höchstleistungen zu führen und neue Synergien freizusetzen.

Klar, man muss Superman Führungsaufgaben geben, anders geht es nicht. Es kommen ja so schon harte Zeiten auf die Kollegen zu, bei solch einer Leistungskonkurrenz. Und wer sollte ihn bremsen? Wenn Superman gerade die Welt vor einer Alien-Invasion - Boom! - oder dem wahnsinnigen Egomanen Lex Luthor - ha! ha! ha! - rettet, kann er auch dafür sorgen, dass keiner seiner Konkurrenten die nächste Jahrhundert-Story landet: Ein W-LAN-Signal zu stören, ist für den Stählernen schließlich genauso leicht, wie die Festung der Einsamkeit mit Pulitzer-Preisen zu füllen.

  • Die Stelle ist unbefristet, der Dienstsitz frei wählbar. Bei gleicher Eignung werden Bewerbungen von Frauen bevorzugt berücksichtigt.

Jaja, das muss man so schreiben, Antidiskriminierung und so. Aber eigentlich soll ja Superman den Posten bekommen und nicht Supergirl oder Wonder Woman. Zur Sicherheit sollte also noch ergänzt werden:

  • In die engere Wahl kommen nur ausgesprochen erfahrene Bewerber, die seit mehreren Jahrzehnten journalistisch arbeiten.

Und dann wartet man ab, ob Superman darauf anspringt. Eines ist schon jetzt sicher: Wenn er journalistisch tätig wird, ohne in seine bürgerliche Rolle zu fallen, wird er das Berufsbild des Journalisten - Rrrff! - umkrempeln, ganz gleich ob mit einer Redakteursstelle oder als freier Blogger.

Aber ist das nicht entmutigend für uns, seine Kollegen? Gut möglich, Superman ist eben durch und durch außerirdisch. Aber keine Panik, zur Not ist beim guten alten "Daily Planet" ja gerade eine Stelle frei geworden. Und bevor der "Daily Planet" stirbt, sterben die letzten Bäume, auf denen er gedruckt werden könnte.

Es sei denn, Superman kann auch das verhindern. Zuzutrauen wäre es ihm.

  • Christian Endres (links) schreibt unter anderem für die Berliner "Zitty" und den "Tagesspiegel". Er betreut als Redakteur die deutschen Ausgaben von "Spider-Man", "Batman" und den "Avengers".

    Matthias Kaufmann (Jahrgang 1974) ist Redakteur von KarriereSPIEGEL und manager magazin online.

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insgesamt 9 Beiträge
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    Seite 1    
1. Nix Supermann … Jobcenter zeigt wie es anders geht …
Dr.pol.Emik 26.10.2012
Das Stichwort in diesem Zusammenhang heißt „De-Qualifizierung“. Sie haben jetzt ein Verständnisproblem? Sollten sie aber nicht wenn sie Akademiker sind, denn an die richtet sich das Angebot: QPress | Horror-Jobcenter setzt auf De-Qualifizierung von Akademikern (http://qpress.de/2012/10/26/horror-jobcenter-setzt-auf-de-qualifizierung-von-akademikern/) … immerhin steht es im offiziellen KVHS Katalog von Osterrode, als Ausrichter das Jobcenter und bislang auch noch ohne Dementi. Immerhin werden für den Kurs 320 Stunden angesetzt, dass heißt, man geht hier von hartnäckigen Maßnahmen bei den Akademikern aus, aber immerhin der Kurs kost nix und so können auch die studierten Akademiker künftig noch auf, statt in den Bau kommen … (°!°)
2. Wirres Gefasel
smartphone 26.10.2012
Socleh Sachen lesen Sie auch mittlererweile von dummdreisten HRs in der Industrie .-. Weltweit auf dem Mars-Trip . Chinesisch in Wort und Schrift (!!) ist ja schon eim Muß ,daß man überhaupt die erste Auswahlhürde der gerade so Lesen könnenden Praktikantentussi überwindet .... Und dann beschwert sich VW , daß man keine Persönlichkeiten usw findet .... Klaro ,wenn man letztlich auf die Margatho-Prolls-und Blender reinfällt ,während die wirklich interessanten Leute zu 95% na wo stehen . Bei HIV :..
3. optional
sven17 26.10.2012
Passt nur auf, das er nicht beim Spiegel landet und gleich die ganze Redaktion ersetzt. Einsparen von Personalkosten könnte da reizvoll sein^^.
4. Wenn es nur nicht so traurig wäre
Diskutierender 26.10.2012
So sind die typischen Anforderungen arroganter Deutscher Unternehmen bei vielen Stellenausschreibungen. Was natürlich vergessen wurde: Superman darf natürlich nichts kosten, und es darf keinerlei Einarbeitungsbedarf geben. Und jetzt wundern sich diese Unternehmen, dass sie keine Fachkräfte mehr bekommen. Wer gut ausgebildet ist, sollte sich nämlich gut überlegen, ob es ausserhalb von Deutschland nicht attraktiver zum Arbeiten ist. Aus eigener Erfahrung kann ich da vor allem die Schweiz empfehlen.
5. Gehypter PR-Zug, für Comicfans kalter Kaffee
Tabman 26.10.2012
Superman hat in den über 70 Jahren seiner Existenz schon mehrfach den Arbeitgeber gewechselt. In den 70er Jahren arbeitete er z.B. eine Weile für einen Fernsehsender. Derartige "neue Richtungen" sind in US-Superheldencomics gang und gäbe, nach ein paar Jahren werden sie in der Regel wieder rückgängig gemacht, um die Figur wieder in vertraute Bahnen zu lenken. Das Ganze läuft nach einem einfachen Prinzip: Neue Wendung = als "Sensation" zu vermarkten = zieht neue Leser an. Irgendwann erkennt der Verlag dann, dass die "neue Richtung" nicht mit der "klassischen" Version des Helden übereinstimmt und so Leute, die nur grob mit eben jener klassischen Version des Helden vertraut sind, die "neue Richtung" als "nicht richtig" ablehnen. Also wird alles wieder rückgängig gemacht. Ein sehr gutes Beispiel für eine solche "schockierende Wendung", die im Mainstream Wellen geschlagen hat, für langjährige Leser aber schnell als PR-Strategie durchschaut wurde, ist Supermans Tod (http://einestages.spiegel.de/static/authoralbumbackground-xxl/4461/der_tag_an_dem_superman_starb.html) Anfang der 90er.
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