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Talentsuche Was Arbeitgeber Bewerbern bieten müssen

Beste Arbeitgeber: So findet man seinen Traumjob Fotos
DPA

2. Teil: Wenn die Perspektiven stimmen, ist eine Entscheidung oft auch Gefühlssache

Rund 20 potentielle Arbeitgeber hat der 27-Jährige sich angeschaut ("Einfach bei den Jobbörsen im Internet 'Elektroingenieur' eingeben, dazu 'Trainee' und 'große Firma'"), sich auf Jobmessen und den Internetseiten ein Bild gemacht, in der Presse studiert, wie die Unternehmen dastehen, und Freunde gefragt, welche Erfahrungen sie bei Vorstellungsgesprächen oder Praktika dort gemacht hatten.

Wenn das faktische Angebot grundsätzlich stimmte - Braß suchte eine Trainee-Stelle mit sehr gutem Ausbildungsangebot sowie einer starken Auslandsorientierung - wurde es dann doch zur "Gefühlssache". Seit April 2011 arbeitet er als technischer Trainee bei der Uhde GmbH in Dortmund, einem Tochterunternehmen von ThyssenKrupp: "Ich bin mit meinem Programm glücklich."

Trainee bei der Muttergesellschaft ist Katharina Kornmann. Sie gibt ein Beispiel dafür, wie langfristig Konzerne heute ihr Recruiting anlegen. Die 25-Jährige war zum ersten Mal als Schülerin im Ideenpark auf Schalke in Kontakt mit dem Ruhrkonzern gekommen ("Ich dachte: Das ist interessant, was die machen"), wurde dann in dessen Studienförderungsprogramm aufgenommen und bekam später ein auf ihre Interessen abgestimmtes Praktikum angeboten: Kornmann, die schon im Schüleraustausch in Brasilien war und an der Fachhochschule Münster den deutsch-lateinamerikanischen Studiengang Betriebswirtschaft belegt hatte, wurde für fünf Monate bei ThyssenKrupp in Brasilien eingesetzt.

Nur wenn Firmen Bewerbern bekannt sind, können sie punkten

Natürlich schaute sie sich auch noch in anderen Unternehmen um. Nach der Bachelor-Prüfung etwa absolvierte die Betriebswirtin ein Praktikum im Controlling von Melitta, später schrieb sie ihre Master-Thesis bei der Telekom. "Am Ende hat ThyssenKrupp einfach am besten gepasst - die Produkte, die Arbeitsatmosphäre, der Mix aus Tradition und Moderne", begründet Katharina Kornmann ihre Entscheidung für den Ruhrkonzern, "das Faktische ist dabei nur die Basis, die weichen Faktoren geben am Ende den Ausschlag."

In diesen weichen Faktoren können nur Unternehmen punkten, die den Nachwuchstalenten persönlich bekannt sind. Entsprechend viel Mühe geben sich die professionellen Nachwuchswerber, den Kontakt möglichst früh aufzunehmen. Audi beispielsweise bietet bereits für Schüler ein ausgefeiltes Praktikumssystem an; die meisten Großunternehmen binden studentische Praktikanten, die positiv aufgefallen sind, in einem speziellen Talentprogramm, offerieren ihnen dann Themen und Betreuung für Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten.

70 Prozent aller Uni- und Fachhochschulabsolventen, die Audi einstellt, sind in der Personalabteilung aus diesen Aktivitäten schon bekannt. Ganz auf Nummer sicher gehen die Unternehmen mit dualen Studienangeboten, bei denen die jungen Leute schon als Angestellte Praxis im Unternehmen und Studium an der Hochschule verbinden.

"Die Perspektiven müssen passen"

Ganz anders gestaltete sich der Erstkontakt von Tobias Wagner mit seinem Arbeitgeber: Als Student kämpfte der Betriebswirt in der Judo-Mannschaft des Sportvereins von Bayer Leverkusen. Trotz dieser Nähe analysierte der 29-Jährige vor dem Berufsstart vor zwei Jahren objektiv seine Chancen: "Ich hab die Branchen verglichen und mich gefragt, welche für die nächsten 20 Jahre zukunftsträchtig sind", schaut Wagner zurück, "mit den Feldern Gesundheit und Hightech-Materialien schnitt Bayer dabei gut ab."

Dazu sollten die Perspektiven passen: Wagner wünschte sich eine internationale Karriere und erhielt zum Start einen Job als interner Unternehmensberater: "Da lernt man die verschiedensten Funktionsbereiche kennen und baut ein weites Netzwerk auf." Dass die Bayer-Zentrale gleich neben Köln liegt ("Da wohnt meine Freundin") war ein zusätzlicher Pluspunkt. Die Entscheidung bereut er nicht: "Es ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe."

Neben der Karriereperspektive zählt die inhaltliche Aufgabe selbst bei den harten Fakten zu den wichtigsten Entscheidungskriterien - für die meisten Nachwuchskräfte ist sie deutlich gewichtiger als das Einstiegsgehalt. So ging es Martina Peters, einer studierten Chemikerin und promovierten Ingenieurin: "Ich finde es wichtig, im Job etwas zu bewegen, etwas Nachhaltiges zu machen."

Nach der Promotion heuerte sie bei Bayer Technology Services an ("Das ist das technologische Herz des Konzerns") und arbeitet heute als Koordinatorin eines Projekts, das Möglichkeiten erforscht, das Treibhausgas CO2 als Rohstoff zu nutzen. Bei ihrer Jobsuche stellte die 31-Jährige die Aufgabe in den Mittelpunkt: " Ich habe etwas gesucht, was mich herausfordert und Spaß macht."

Wer Martina Peters gewinnen wollte, musste Herz und Hirn begeistern.

Michael Gatermann ist Chefredakteur des Medienbüros Extern. Sein Artikel erschien zuvor bei manager magazin Online.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Nö.
MasterMurks 03.01.2012
Aha, und wo ist jetzt bei den genannten Kandidaten, die allesamt über scheinbar besonders internationale Studienerfahrungen, eine Promotion oder eine bereits im Unternehmen absolvierte duale Ausbildung verfügen, der Unterschied zu den früher umworbenen Top-Talenten? Wie sieht es mit "Standardbewerbern" aus, also ohne Auslandsaufenthalte, ohne Promotion, ohne Beziehungen in die Firma und ohne "Betreuung seit der Krabbelgruppe"? Denn die suchen, von einigen wenigen Fächern abgesehen, noch immer Ewigkeiten nach einem Arbeitsplatz, bekommen, wenn überhaupt, nur Absagen und müssen sich besonders von den großen Unternehmen Dinge anhören wie "Wir bekommen so viele Bewerbungen, da können wir leider nicht alle bearbeiten..."
2. Die glamouröse Außenansicht ...
MarianTremmel 03.01.2012
... speziell der Autohersteller verleitet wohl viele Absolventen, sei es MINT oder BWL, die Arbeitsbedingungen mit den dort erzeugten Produkten zu verwechseln (sich schön vorzustellen). Innen schaut es dann etwas anders aus, z.B. dieses Gebäude hier: Ed. Züblin AG - Direktion Bayern/ Systembau - BMW IT-Zentrum (http://www.strabag.de/databases/internet/_public/content.nsf/web/DE-ZUEBLIN.SB-PORTRAIT-BEREICHE-REFERENZEN-M%C3%9CNCHEN-BMW%20IT-Zentrum) beispielweise war beim Einzug des Personals tatsächlich eine Verbesserung ihrer Raumbedingungen. Man kann sich vorstellen, wie und wo die Leute vorher gehaust haben müssen.
3. Ein drolliger Werbeartikel
hartholz365 03.01.2012
Die meisten MINTLer werden bei Audi und Co nicht direkt eingestellt, sondern arbeiten per externem Dienstleister dort, ist in der Automobil- und Maschinenbau standard. Und wenn nicht schon die halbe Verwandtschaft im Konzern arbeitet die Chancen auf Anstelung direkt beim Konzern verschwindend gering. Das Gequatsche von Personalmangel haben und hatten die Grossen nie, dort will jeder hin, pro Stelle ca. 1000 Bewerbungen, nur aus Deutschland. Die ganzen Aktionen sind verkappte Imagekampagnen und den Jungbewerbern Sand in die Augen zu streuen, schreibt doch mal ein Artikel über die Ing.sklaven die bei Betrandt, Ferchau,... die für Audi und Co arbeiten. Oder den Firmeneigenen Personalagenturen, wie z.B MBTech, dort fängt jeder an, der zu Mercedes Benz will. Vor den Werkstoren gibts zig Niederlassungen von den Ing.dienstleistern. Jeder Werbeclip im TV ist realistischer als dieser verkappte Imageartikel.
4. Ein drolliger Werbeartikel
hartholz365 03.01.2012
Die meisten MINTLer werden bei Audi und Co nicht direkt eingestellt, sondern arbeiten per externem Dienstleister dort, ist in der Automobil- und Maschinenbau standard. Und wenn nicht schon die halbe Verwandtschaft im Konzern arbeitet die Chancen auf Anstelung direkt beim Konzern verschwindend gering. Das Gequatsche von Personalmangel haben und hatten die Grossen nie, dort will jeder hin, pro Stelle ca. 1000 Bewerbungen, nur aus Deutschland. Die ganzen Aktionen sind verkappte Imagekampagnen und den Jungbewerbern Sand in die Augen zu streuen, schreibt doch mal ein Artikel über die Ing.sklaven die bei Betrandt, Ferchau,... die für Audi und Co arbeiten. Oder den Firmeneigenen Personalagenturen, wie z.B MBTech, dort fängt jeder an, der zu Mercedes Benz will. Vor den Werkstoren gibts zig Niederlassungen von den Ing.dienstleistern. Jeder Werbeclip im Fernsehen ist realistischer als dieser verkappte Imageartikel.
5. Es lebe der Mittelstand!
lorn order 03.01.2012
Zitat von sysopAlle wollen zu Porsche, BMW oder Lufthansa: Arbeitgebern mit Glamourfaktor gelingt es leichter, Bewerber zu ködern. Junge Nachwuchskräfte erzählen, nach welchen Kriterien sie Unternehmen beurteilen - und wie sie ihren Traumjob finden. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,805553,00.html
Dieser Werbeartikel unterschlägt die Tatsache, dass das wirtschaftliche Herz Deutschlands im breit aufgestellten Mittelstand schlägt. Attraktive Arbeitsplätze gibt es eben nicht nur bei den DAX-Konzernen sondern vor allem auch im Mittelstand, der großenteils auch international ausgerichtet ist und wo man sehr viel schneller Verantwortung und interessante Projekte übertragen bekommt als bei einem Weltkonzern mit all seinen Regularien. Ich habe nach meinem Studium einige Jahre bei einem Großkonzern gearbeitet (inkl. Traineeprogramm) und bin an den verkrusteten Strukturen schier verzweifelt. Nachdem ich zu einer mittelständischen Firma gewechselt war, bekam meine Karriere den Turbolader verpasst. Absolventen aufgepasst: Wie lange braucht ihr wohl in einem Dax-Konzern, bis ihr einen Termin beim Vorstand erhaltet? Bei vielen Mittelständlern steht die Vorstandstür hingegen meistens offen...
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