Die Suche nach einem Job war vor allem eines: frustrierend. Als sich Juliane Kmieciak nach dem Volontariat für eine neue Stelle bei einer Zeitung bewerben wollte und ihr nur Praktika angeboten wurden, ergriff sie selbst die Initiative. Sie schrieb Bewerbungen auf Stellen, die nicht ausgeschrieben waren. "Dabei habe ich immer versucht, erst einen Kontakt herzustellen und mich nirgends beworben, wo ich keine Verbindung hatte", sagt Juliane Kmieciak.
Damit hat sie bei der Vorbereitung das Wichtigste intuitiv richtig gemacht. "Die E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder einen Namen aus der Personalabteilung herauszufinden, ist der erste Schritt", sagt Jörg Hallberg vom Netzwerk "Die Bewerbungsberater". Dann könne man dort anrufen, sich über Möglichkeiten im Unternehmen informieren und im Anschreiben auf das Telefonat Bezug nehmen.
Informationen aus dem Inneren der Firma sind entscheidend, denn vor einer Initiativbewerbung geht es darum, die eigenen Qualifikationen und Stärken mit dem Kerngeschäft des Unternehmens abzugleichen. Immer getreu der Leitfrage: Habe ich etwas zu bieten, was die Verantwortlichen dort interessieren könnte? Schließlich sollen die davon überzeugt werden, dass sie Bewerber brauchen - obwohl sie das vor der Bewerbung gar nicht wussten.
Auf welche Stelle bewirbt man sich, wenn gar keine ausgeschrieben ist? Der Bewerbungshelfer rät, sich die Internetseite des Unternehmens anzusehen und abzuleiten, wo man hinpassen könnte. "Man sollte seine Ausbildung und den Abschluss nennen. Je mehr man schon auf einen Bereich festgelegt ist, desto konkreter sollte man in der Bewerbung eine mögliche Stelle benennen."
Kein Verdacht der Massenbewerbung
Andersherum könne die Bewerbung umso abstrakter sein, je flexibler man ist. "Die Bewerbung ist da im klassischen Sinn eine Werbung für die eigenen Fähigkeiten." Ein überraschend erfolgreiches Beispiel dafür lieferte kürzlich die israelische Bloggerin Alizarin Waissberg. Zwar bewarb sie sich nicht auf eine Stelle, sondern um ein Stipendium. Doch das hatte der Adressat, der Milliardär Michael Roth, gar nicht ausgeschrieben. Sie entwarf ein Werbeplakat, auf dem sie all ihre Talente kurz darstellte, und begründete, warum es für Roth eine gute Investition wäre, ihr ein Studium in New York zu finanzieren - mit Erfolg.
Doch auch weniger flippige Initiativen können ihre Wirkung haben. Besonders vielversprechend sind Initiativbewerbungen in Branchen, in denen hochqualifiziertes Fachpersonal gesucht wird, etwa in der IT-Branche. Jörg von Pappenheim, Personalvorstand beim IT-Dienstleister Datev, rät: "Man sollte klar herausarbeiten, warum es genau dieses Unternehmen sein muss. Sobald man das Gefühl der Massenbewerbung vermittelt, ist man raus."
Wie erfolgversprechend sind Initiativbewerbungen? Die Chancen stehen nicht schlecht, glaubt Bewerbungsberater Hallberg: "Die Unternehmen merken, dass jüngere Arbeitskräfte, vor allem Fachkräfte, fehlen und sind oft dankbar, wenn diese sich bei ihnen melden."
Eine weitere Möglichkeit, wie man selbst aktiv werden kann, sind Lebensläufe im Internet, sozusagen das Stellengesuch 2.0. "Dabei ist es besonders wichtig, alle Tätigkeiten und Qualifikationen klar zu definieren und zu sagen, was man da ganz konkret gemacht hat", sagt Katrin Luzar von der Jobbörse Monster.de.
Maria Huber/dpa/mamk
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL | RSS |
| alles aus der Rubrik Berufsstart | RSS |
| alles zum Thema Bewerbungen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH