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Trainees in Kleinunternehmen Ein Herz für Außenseiter

Trainee-Programme bei Start-ups: Klein, aber fein Fotos
Tobias Börner

Trainee-Programme sind nur was für Top-Absolventen? Nicht unbedingt: Bei kleineren Firmen haben auch Quereinsteiger eine Chance. Auf schicke Auslandstrips und hohe Gehälter müssen die Berufsanfänger zwar verzichten - dafür brauchen sie aber auch keinen Elite-Lebenslauf vorzuweisen.

Maximilian Apel, 25, ist nicht gerade das, was Headhunter unter einem High Potential verstehen. Lange Haare, kein Abitur, kein Studium, keine Berufserfahrung. Eigentlich wollte er Musiker werden, einige Jahre lang hat er es versucht, leben konnte er vom Gitarrespielen nicht. Dass er einmal Trainee bei einem E-Commerce-Unternehmen werden würde, hätte er selbst nicht gedacht. Mit HTML und CSS kannte er sich zwar aus, aber Nachweise für die selbst angeeigneten IT-Kenntnisse hatte er nicht. Tim Keding und Henry Bökemeier war das egal.

Leidenschaft und Lernwille sind den beiden Unternehmensgründern wichtiger als Schulnoten, Zeugnisse oder Berufserfahrung. Die Schuhfans aus Berlin sind die Chefs des Start-ups Shoepassion.com. Sie verkaufen im Internet rahmengenähte Herrenschuhe. Apel wurde ihnen von einer Mitarbeiterin für die neu geschaffene Trainee-Stelle empfohlen. Unbeeindruckt von dem wenig ansprechenden Lebenslauf und dem melancholischen Gesichtsausdruck auf seinem Bewerbungsbild luden Keding und Bökemeier den arbeitslosen Gitarrenspieler zu einem Vorstellungsgespräch ein - und erkannten sofort sein Potential.

Trotzdem bekam Apel zunächst nur ein bezahltes Praktikum. "Gerade bei einem kleinen Unternehmen ist es wichtig, dass neue Mitarbeiter ins Team passen", sagt Keding. Im Praktikum hätten sich beide Seiten kennenlernen können. Und schon nach wenigen Wochen stand fest: Es passt. Apel kümmert sich seitdem als Trainee um die Optimierung der Webseite, arbeitet mit verschiedenen Programmiersprachen und ist verantwortlich für das Warenwirtschaftssystem.

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Hart, aber herzlich: Worauf es bei Trainee-Programmen ankommt
Mit ihrem unkomplizierten Recruiting steht die junge Berliner Firma exemplarisch für viele kleinere Firmen, die auch Quereinsteigern eine Chance bieten. Für Trainee-Programme gibt es keinerlei rechtliche Standards. Jedes Unternehmen kann sein eigenes Nachwuchsprogramm anbieten und Inhalt, Dauer und Bezahlung selbst bestimmen. Dementsprechend breitgefächert ist das Angebot.

Top-Unternehmen suchen für ihre Trainee-Programme in der Regel High Potentials. Wer nicht zu den zehn Prozent der Jahrgangsbesten gehört, hat im Prinzip keine Chance auf die lukrativen und erfolgversprechenden Trainee-Stellen bei Daimler, Telekom, Siemens und Co. Der große Bewerberstrom erlaubt es den Firmen, die Anforderungen extrem hoch zu schrauben: Ein exzellenter Abschluss, Auslandserfahrung, Mehrsprachigkeit, außeruniversitäres Engagement und Praktika bei renommierten Arbeitgebern werden vorausgesetzt, Hard- und Soft Skills in einem mehrstufigen Auswahlverfahren getestet.

Für die breite Masse der Berufseinsteiger bleiben so oft nur die Trainee-Programme kleinerer Firmen, bei denen vor allem Learning by Doing angesagt ist, statt Workshops mit externen Coaches, Seminare an der hauseigenen Akademie und eines mehrmonatigen Auslandsaufenthalts. Trainee-Programme bei kleinen und mittleren Unternehmen stehen dadurch schnell in dem Verdacht, nur im Fahrwasser der Top-Trainee-Programme mitzuschwimmen und Berufseinsteiger bei wenig Gehalt und viel Arbeit auszunutzen.

Auch bei kleinen Firmen lässt sich viel lernen

Zum Teil stimmt das, denn die Bezahlung kann nur in seltenen Fällen mit dem Gehalt der Global Player mithalten. Im Durchschnitt verdient ein Trainee bei einem Konzern pro Jahr rund 10.000 Euro mehr als bei einer kleinen Firma. Manche Top-Unternehmen zahlen ihren Trainees ein Jahresbruttogehalt von mehr als 50.000 Euro, das kann kein Start-up bieten. Andererseits lässt sich auch bei kleinen Unternehmen viel lernen und später eine Festanstellung ergattern. Und gerade Mittelständler sind an Querdenkern mit vielseitigen Erfahrungen und Interessen interessiert. So ergeben sich Einstiegschancen für Studienabbrecher, Absolventen von sogenannten Orchideenfächern oder Leute mit unterdurchschnittlichen Noten.

Shoepassion.com-Gründer Tim Keding ist überzeugt, dass verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Lebensläufen einem Unternehmen guttun. Schließlich seien heterogene Teams nachweislich erfolgreicher als homogene Kollektive.

Als Maximilian Apel sein Trainee-Programm antrat, arbeiteten bei Shoepassion.com fünf Personen, inzwischen sind es 15. Apel hat mittlerweile schon in fast allen Abteilungen des Unternehmens gearbeitet, vom Lager über den Support bis zum Online-Marketing. Sein Favorit: Die IT-Abteilung, in der er nun auch übernommen werden soll. "Etwa 80 Prozent sind Learning by Doing, der Rest sind Lern- und Lehrphasen", sagt Apel. "Im IT-Bereich muss man sich vieles selbst beibringen. Es gibt aber auch richtige Schulungen, intern durch die Kollegen und teilweise auch durch externe Leute."

Fragen stellen ist Pflicht

Dass ihr einjähriges Trainee-Programm nicht mit den Angeboten großer Konzerne mithalten kann, steht für Tim Keding außer Frage. Was sie dafür bieten könnten: eine steile Lernkurve, den Einblick in das Zusammenspiel einzelner Abteilungen, die Aussicht auf einen festen Job und regelmäßige Feedback- und Entwicklungsgespräche. "Da wird nicht um den heißen Brei herumgeredet, sondern klar gesprochen, wo man seine Stärken und Schwächen hat, und wie beide Seiten sich die weitere Entwicklung vorstellen", sagt Apel.

Die unter dem Label Trainee-Programm angebotenen Jobs von kleinen und mittleren Unternehmen also sind nicht zwangsläufig zweitklassig. Berufseinsteiger sollten dennoch Inhalte und Perspektiven genau prüfen. Für das Vorstellungsgespräch bedeutet das: konkrete Fragen stellen. Wie ist das Trainee-Programm aufgebaut? Welche Aufgaben bekommt man und wie viel Verantwortung soll man übernehmen? Wie wird man eingearbeitet und betreut? Wie stehen die Chancen auf eine Festanstellung? Und natürlich: Wie viel Geld gibt es?

Maximilian Apel will keine konkreten Zahlen nennen: "Für ein Start-up ist das Gehalt mehr als in Ordnung." Geld sei für ihn ohnehin nur ein Teil der Bezahlung. "Für mich zählen auch Anerkennung, die positive Arbeitsatmosphäre und die Aufgabenvielfalt."

Autor Lukas große Klönne ist Initiator der Seite trainee-gefluester.de, einer umfassenden Datenbank zu Trainee-Programmen. Für das Buch "Trainee-Knigge. Der Ratgeber für den erfolgreichen Karrierestart" hat er zusammen mit Branko Woischwill und Stefan Rippler zahlreiche Trainees aus kleinen Firmen und großen Top-Unternehmen interviewt.

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
britneyspierss 16.10.2012
Ein schoener wohltuend-zu-lesender Artikel .Es ist tatsächlich nicht wichtig sich an finanzkräftigen Grossunternehmen zu orientieren als Bewerber und als Unternehmer.Durch das fieberhafte Nacheifern anderer ist ein Versagen eher wahrscheinlich als ein kreativer eigener individueller und vor allem ein neuer,unbekannter Erfolg am Markt moeglich.
2. optional
Otoshi 16.10.2012
Eine Buchwerbung getarnt als Artikel... Wow
3.
hador2 16.10.2012
Also im Prinzips stimme ich dem Artikel ja voll und ganz zu, aber seien wir doch mal ehrlich: Wer bei einer 5 Mann Bude anfängt, der wird so oder so innerhalb kürzester Zeit in jeder "Abteilung" der Firma gearbeitet haben. Dafür braucht man nicht den Modejob "Trainee".
4. Guter Artikel
sprücheklopferklopfer 16.10.2012
Ja, in der Tat ein schöner Artikel. Handhabe es in meiner Firma genauso, dachte immer ich sei der Einzige...gut zu wissen, dass ich da nicht alleine bin. Was nützt überall eine 1,0, wenn die Person trotzdem ein Trottel ist...
5. High Potentials?
jagenauundso 16.10.2012
In den Konzernen, die jene Linie fahren (nur die "Besten" tralala) kann man immer mehr feststellen, dass auf Entscheidungspositionen Menschen sitzen, die keinerlei Verständnis dafür haben, was an der produktiven Basis passiert. Lehrbuchwissen, organisiertes Training nach Schema F etc. können viele Dinge nicht kompensieren, die für fundierte Entscheidungsprozesse wichtig sind.
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