Von Christoph Stehr
Trainees der ersten Stunde wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder Eckhard Cordes, der vor gut einer Woche seinen Rücktritt von der Spitze des Handelskonzerns Metro erklärte, waren noch etwas Besonderes im Unternehmen, Thronanwärter eben, die in der "Prinzenrolle" glänzen durften. Solche Vorschusslorbeeren werden heute allenfalls den Teilnehmern der internationalen Eliteprogramme zuteil. Der Normal-Trainee muss sich täglich beweisen, durch erfolgreiche Projekte und viel Engagement links und rechts davon. Dabei hat er alle Möglichkeiten, sich im Unternehmen zu vernetzen.
Auch wenn das Trainee-Programm längst nicht mehr ein Freifahrtschein ins Management ist, winkt in der Regel ein Anschlussvertrag. "Wenn es anspruchsvoll strukturiert ist, dann kostet ein Trainee-Programm das Unternehmen zwischen 75.000 und 100.000 Euro pro Jahr", schätzt IW-Expertin Konegen-Grenier. "Solide Anbieter betreiben einen solchen Aufwand nicht, um die Trainees nach der Ausbildung wieder auf die Straße zu setzen."
Welches Programm zum Bewerber passt, hängt von seinen beruflichen Zielen ab. "Wer noch nicht genau weiß, wo er im Unternehmen landen möchte, dem bietet die Trainee-Stelle die Möglichkeit sich zu orientieren", sagt Carolin Lüdemann, Karriere-Coach in Stuttgart. "Man kann tendenziell sagen: Trainee-Stelle für Generalisten, Direkteinstieg für Spezialisten." Natürlich haben die Unternehmen auch ein Wörtchen mitzureden. Wie die Haniel-Studie belegt, verlangen sie von Bewerbern vor allem Praxis- und Auslandserfahrung sowie Fremdsprachen. Bei den Soft Skills stehen Teamfähigkeit, Motivation und Eigeninitiative oben auf der Liste. Je nach Branche kommen spezielle Anforderungen hinzu. So schätzen Banken einen "bankfachlichen Hintergrund", womit sie eine Banklehre vor dem Studium meinen.
Kurz angebunden, wenn es um den Arbeitsvertrag geht
Je höher die Latte liegt, desto sorgfältiger wird gesiebt. Bewerber müssen mit allem rechnen: Online-Test, Telefoninterview, "Hausaufgaben" in Form einer Fallstudie, zwei oder mehr persönliche Gespräche, Assessment Center. Ist der Eintrittstermin festgelegt, kann sich das Unternehmen Zeit lassen mit dem Auswahlverfahren - so vergehen mehrere Monate bis ein Dreivierteljahr. Kurz angebunden sind die Personalabteilungen hingegen, wenn es um den Arbeitsvertrag geht: "Trainee, friss oder stirb!"
Claudia Kimich, die als Trainerin für Verhandlungsführung und Konfliktlösung in München arbeitet, sieht wenig Spielraum beim Gehalt. Mehr sei bei den Rahmenbedingungen drin, etwa Weiterbildung. "Allerdings bekommt man das nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern nur auf hartnäckige Nachfrage", sagt Kimich. Wer beispielsweise eine akademische Zusatzausbildung plant, darf durchaus im Bewerbungsgespräch vorfühlen.
"In der Regel lohnt es sich erst gegen Ende des Trainee-Programms zu verhandeln oder wenn eine vorzeitige Übernahme in eine Abteilung erfolgt", sagt Ute Bölke, Karriereberaterin in Wiesbaden. "Neben dem Gehalt können dann gegebenenfalls noch Umzugsbeihilfen, Relocationservice oder Unterstützung für den Ehepartner verhandelt werden, der sich möglicherweise durch den Umzug eine neue Stelle suchen muss."
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