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Trainee-Programme Der kleine Prinz ist tot

Hart, aber herzlich: Worauf es bei Trainee-Programmen ankommt Fotos
Corbis

Josef Ackermann hat eins gemacht, Eckhard Cordes und Jürgen Dormann auch. Früher galten Trainee-Programme als elitärer Einstieg für künftige Thronfolger und Top-Manager. Doch aus dem bequemen Business-Class-Rundflug durchs Unternehmen ist ein Sturzflug ins harte Berufsleben geworden.

Nobler kann ein Arbeitsplatz nicht sein. Die Stellenanzeige des Berliner Fünf-Sterne-Hotels Adlon Kempinski verspricht einen "prestigeträchtigen Standort mit majestätischem Ambiente" und einen "spektakulären Blick über die pulsierende Stadt". Alles hui, keine Frage. Nur etwas ist pfui: Die ausgeschriebene Position eines "Trainee im Servicebereich (m/w)" entpuppt sich auf Nachfrage als Praktikum. Keine Festanstellung, sondern ein Vertrag für sechs Monate. Das Gehalt ist nicht majestätisch, nicht einmal fürstlich: 400 Euro im Monat erhalten Studenten, die für ihr Pflichtpraktikum im Adlon Kempinski absteigen.

Keine Ausbildung, keine Perspektive, kein richtiges Gehalt - "solche Fälle gibt es leider immer noch relativ häufig. Gerade in bestimmten Branchen, wie im Medien- oder Touristikbereich, werden Trainees gerne als billige Arbeitskräfte missbraucht", sagt Sascha Jost, der das Trainee-Portal my-trainee.de betreibt. Der Etikettenschwindel funktioniert, da Absolventen zu gern glauben, was Unternehmen ihnen versprechen.

Trainee-Programme gelten als Karrieresprungbrett. Nach der jüngsten Absolventenstudie des Haniel-Konzerns würden 88 Prozent der Befragten bevorzugt diesen Weg einschlagen. 93 Prozent halten Traineeprogramme für zeitgemäß. Inhaltliche Vielfalt, persönliche Betreuung und gezielte Personalentwicklung erscheinen ihnen als größte Vorteile.

Große Firmen zahlen mehr

Eine andere Haniel-Studie geht der Frage nach, ob die Programme die Erwartungen erfüllen. 86 Prozent der Unternehmen, die teilgenommen haben, stellen Trainees ein. Die Betreuung ist dank Mentoren und regelmäßiger Feedback-Gespräche gut. Zwar sind die Arbeitsverträge häufig befristet, doch hohe Übernahmequoten belegen, dass Unternehmen mit ihren Trainees einiges vorhaben. Die meisten Programme dauern entweder ein Jahr oder 18 bis 24 Monate, beginnen im Mai oder Oktober und sehen drei oder vier Stationen im Unternehmen vor. Jedes dritte Programm bietet einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt (siehe "Trainee-Programm - das muss drin sein").

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Ungewöhnliche Karrieren: Trainees, die Schlagzeilen machten
Das Jahresgehalt beträgt durchschnittlich 39.600 Euro, hat die Vergütungsberatung Personalmarkt ermittelt. Direkteinsteiger verdienen mit 40.360 Euro unwesentlich mehr. Allerdings zeigt sich gerade beim Gehalt, dass Trainee-Programme eine Domäne der Konzerne sind: Unternehmen mit mehr als tausend Mitarbeitern zahlen durchschnittlich 45.380 Euro, während Unternehmen mit 101 bis 1000 Mitarbeitern nur 38.005 Euro lockermachen. Noch kleinere Firmen zahlen 34.590 Euro, sofern sie überhaupt ein Trainee-Programm haben. Zudem können viele Mittelständler nicht mithalten, was Vielfalt und Internationalität der Ausbildung betrifft.

Bunte Mischung

Top-Programme wie das "Unilever Future Leaders Programme" des Konsumgüterherstellers locken mit Auslandseinsätzen und einem bunten Strauß an Seminaren und Soft-Skills-Trainings. Die Teilnehmer entscheiden sich für einen von fünf Schwerpunkten, etwa Absatzmanagement oder Supply Chain Management, aber sie lernen mindestens einen weiteren Bereich kennen. Ähnlich verfährt die Deutsche Bank. Sie bietet mehr als ein Dutzend Ausrichtungen, von Corporate Finance bis Inhouse Consulting. Die Trainees arbeiten sowohl in der Zentrale als auch in verschiedenen Filialen. Der Autozulieferer Bosch betont, dass sein "Junior Managers Program" zum Einfädeln auf die Führungslaufbahn diene - wie das Beispiel von Konzernchef Franz Fehrenbach zeige.

Seit US-Unternehmen vor mehr als 50 Jahren die ersten Trainee-Programme einführten, haben sich Form und Inhalt stark verändert. Es gibt nur noch selten eine starre Menüfolge; die Absolventen wählen à la carte. "Über die Schulter schauen" gilt als gestrig, heute muss man anpacken. Das Institut für Organisation und Personal der Universität Bern stellt in einer Studie fest, dass Projektarbeit stark zugenommen hat, außerdem externe Weiterbildung und Auslandsaufenthalte. "Nach meiner Beobachtung gibt es außerdem bei großen Unternehmen einen Differenzierungsprozess bei den Trainee-Programmen", sagt Christiane Konegen-Grenier, Expertin für Beruf und Bildung am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "Es werden oft von einem Unternehmen verschiedene Programme angeboten, die sich nach Anspruchsniveau unterscheiden." Neben die Highflyer-Variante träten eher bodenständige Konzepte zur fachlichen und sozialen Integration.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Der kleine Prinz lebt und wir zahlen mit
ohnebenutzername 17.10.2011
ich finde bei den ganzen Generation Praktikumberichten, Reportagen und Essays doch immer wieder erstaunlich, dass ein wichtiger Punkt ausgelassen wird: Der Steuerzahler zahlt kräftig mit. Denn all die Bachelors, die für bis zu 60 h bei max 400,- € in der schicken Werbeagentur oder Plattenfirma schuften, haben Anspruch auf ergänzendes Hartz 4. Warum, denkt die Chefetage, sollen wir aus der UNtermehnskasse zahlen, wenn unser Trainee doch von der Allgemeinheit mitbezahlt wird. Liegt ja nah. Stimmt. Regelsatz Hartz 4 liegt bei 364,- €, habe ich also schon ein Einkommen von 400,- € gibt es ergänzendes Hartz 4 in Form von anteiligen Kosten für Unterkunft und Heizung. Das sind zwar eigentlich z.B. nach der Av Wohnen in Berlin "nur" 378,-/Monat. Wenn die tatsächliche Miete jedoch höher ist, wird auch diese für 6 Monate mitbezahlt. Dann gibt es auch noch ein verbilligtes BVG Ticket (ca 35€)und allerlei Ermäßigungen im Kino,Theater und Museum, (soweit die 60H Woche hierfür noch Zeit läßt). Wenn Omi oder Mutti dann noch regelmäßig einen Hunderter rüberschicken, dann geht das. Tatsächlich haben wir es mit einer unerträglichen Quersubventionierung zu tun, die zumindest ich, nicht gewillt bin mitzutragen. Dass der Bolognagebeutelte Studiosus nun nicht gerade -nackt und lärmend- auf die Straße rennt, kann ich auch verstehen. Von Seiten der Unternehmen ist kein Einlenken zu erwarten. Warum auch?
2. ^^
hundini 17.10.2011
Kann mich noch an Anfang der 90er erinnern. Vorsitzender x hält Vortrag... "Herr y, bitte legen Sie die nächste Folie auf"... "Herr y! Nicht schlafen, die nächste Folie"... "Verdammt nochmal, wachen Sie endlich auf Herr y!"... . . . Letzte Woche Vorsitzender Herr y hält Vortag... ;)
3.
slimp86 17.10.2011
Verstehe den Sinn vom Artikelnamen nicht ... "Das Jahresgehalt beträgt durchschnittlich 39.600 Euro" Damit liegen die Trainee Leute doch sehr gut, das ist doch schon mehr als das durchschnittliche Einkommen in Deutschland. Klar gibt es immer schwarze Schaafe bei den Unternehmen, aber das ist ja nicht die Regel, wie man am Schnitt sieht ...
4. Ich bin kein Titel
new-yorker 17.10.2011
40,000Euro ist nicht die welt, aber soviel mehr bekommen Trainees in den Grossbanken in NYC und dergleichen auch nicht. Collegeabsolventen gehen da meist zwischen 60-85,000USD in der Gehaltstuete an die Banken, was in Manhattan auch nicht die Welt ist dank hoher Steuer und den Lebenshaltungskosten. Dafuer werden dann aber auch 65-80h gearbeitet. Mit Glueck kommt danach noch nen guter Bonus dazu sonst kann man sich das nicht antun. Nach den ersten 2 Jahren wirds dann meist besser.
5. Halbes Gehalt - doppelte Arbeit
HBRSS 17.10.2011
Zitat von sysopJosef Ackermann hat eins gemacht, Eckhard Cordes und Jürgen Dormann auch. Früher galten Trainee-Programme als elitärer Einstieg für künftige Thronfolger und Top-Manager. Doch aus dem bequemen Business-Class-Rundflug durchs Unternehmen ist ein Sturzflug ins harte Berufsleben geworden. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,791754,00.html
In der meiner Behörde werden ständig Praktikanten eingestellt und "dürfen" für ein Minigehalt ein halbes Jahr arbeiten. Der öffentliche Dienst mischt also ordentlich mit, denn auch hier wird inzwischen gespart wie der Teufel und notfalls auch zu Lasten von Praktikanten. Dafür werden reguläre Planstellen nicht mehr besetzt.
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