Die Menschen, mit denen Funda Doghan spricht, fluchen gern. Manchmal sind sie frustriert, manchmal wissen sie nicht, was sie wollen. Meist aber sind sie schlecht informiert. Doghan will das ändern. Die 28-jährige Sozialpädagogin hilft Jugendlichen dabei, einen Job zu finden. Nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Türkisch. "Sprache spielt bei der Jobsuche eine wichtige Rolle", sagt sie.
Doghan stammt selbst aus der Türkei und ist bei der Arbeitsagentur Waiblingen seit einem Jahr Beraterin speziell für junge Leute mit ausländischen Wurzeln. "Ich weiß, welche Regeln es im Islam gibt. Ich weiß, wie es ist, ein Migrant zu sein. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man nicht versteht, was auf Deutsch gesagt wird", sagt die junge Frau. "Da kann man offener reden."
Zwar haben regionale Arbeitsagenturen und Jobcenter nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit Migrationsbeauftragte. Das Modell in Waiblingen ist laut Sprecher Olaf Bentlage in Baden-Württemberg allerdings einmalig: Denn Doghan berät nicht nur von ihrem Büro aus, sondern geht als Berufsberaterin in Moscheen, zu Elternabenden oder besucht Frauencafés, um mit den Menschen Kontakt aufzunehmen.
In den Gesprächen merkt Doghan, dass bei Migranten traditionelle Strukturen stärker verankert sind. "Damit ist auch das Rollenbild viel ausgeprägter", sagt sie. So wollten Mädchen oft Erzieherin werden und Jungen bei großen namhaften Unternehmen arbeiten. Oft steckt Unwissen dahinter: Viele Schüler kennen nur wenige Jobs wie Verkäufer oder Mechaniker. Doghan klärt sie auf und stellt ihnen einige der mehr als 350 Ausbildungsberufe vor.
Auch die Eltern sind oft unsicher, weil sie das deutsche Ausbildungssystem mit Möglichkeiten wie dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nicht kennen oder die Sprache nicht richtig sprechen. Doghan redet mit ihnen, erklärt ihnen in Ruhe, wie das Bildungssystem funktioniert. Außerdem hat sie eine Liste mit Unternehmen angefertigt, in denen Frauen mit Kopftuch angestellt werden.
Um das Vertrauen der Eltern zu gewinnen, helfen manchmal schon Kleinigkeiten wie ein Kalender in Doghans Büro mit türkischen und arabischen Feiertagen. "Ich werde als Teil der Community akzeptiert", sagt sie. Und das vielleicht nicht nur, wegen ihrer Herkunft, Sprache oder Religion: Doghan hat sich einst selbst von der Hauptschule bis zur Uni durchgekämpft. Rund 120 Ratsuchenden konnte sie schon helfen. Ihre Stelle ist allerdings erst einmal bis Ende dieses Jahres befristet.
Marco Krefting/dpa/kha
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