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Pianistin, Journalist, Kunsthistorikerin Die MBA-Exoten

BWLer? Langweilig. Juristen? Haben wir schon. MBA-Schulen wollen Studenten aus möglichst vielen Fachbereichen zusammenbringen. Aber wozu brauchen Musiker oder Journalisten einen Management-Abschluss?

Ein Master of Business Administration, das ist doch was für Ökonomen, Ingenieure und Juristen? Stimmt so nicht: Auch Sportler, Journalisten oder Kunsthistoriker machen ihren Management-Abschluss. An Business Schools sind die Exoten sogar heiß begehrt, denn ohne sie geht die MBA-Idee nicht auf: Die Studenten sollen von den Erfahrungen ihrer Kommilitonen lernen. Kulturen, Nationalitäten und Studienabschlüsse sollen sich gegenseitig befruchten - je heterogener, desto besser.

Aber wozu braucht eine Pianistin einen MBA? Und wie kommt eine Kunsthistorikerin in der Management-Welt zurecht? Drei Studenten erzählen von ihrem Alltag als MBA-Exoten.

  • Die Pianistin: "Ich fühlte mich leicht exotisch"

Catherine Rechsteiner, 31, macht ihren MBA an der Munich Business School Zur Großansicht

Catherine Rechsteiner, 31, macht ihren MBA an der Munich Business School

"Trotz meiner Erfolge als Pianistin geisterte mir jahrelang der MBA durch den Kopf. Sollte ich ihn Vollzeit in den USA absolvieren oder lieber berufsbegleitend in München? Die Frage wurde durch meine Schwangerschaft beantwortet. Ich ergriff meine Chance, während der einjährigen Elternzeit einen Executive MBA an der Munich Business School zu starten. Ich fühlte mich leicht exotisch - was nicht nur daran lag, dass ich Musikerin bin. Ich bin Schweizerin, lebe in München, wurde in Südkorea geboren und bin in Irland, den USA und Singapur aufgewachsen. Und: Ich war die einzige Mutter im Programm.

Während das Baby schlief, habe ich gelernt und Präsentationen vorbereitet. Eine echte Herausforderung wurde es, als ich meinen Vollzeitjob als Lehrbeauftragte für Gesang und Klavier wieder aufnahm. Job, MBA und meine Tochter forderten viel von mir ab. Ich habe Texte gelesen, während ich mit der anderen Hand meine Tochter fütterte oder sie in den Schlaf streichelte. Trotz aller Widrigkeiten habe ich die Zeit genossen.

Ich habe viele Kontakte geknüpft mit berufserfahrenen MBAs aus diversen Branchen und mit verschiedenen Funktionen. Das Studium bietet ja den Mehrwert, dass man ein Netzwerk aufbauen kann. Die Lehrinhalte waren zwar intensiv, aber nicht schwer. Spannend fand ich das Wissensmanagement. Mit meinem Wissen aus dem MBA-Studium möchte ich entweder in die Beratung wechseln oder eine eigene Agentur in der Musikbranche aufbauen."

  • Der Journalist: "Kreatives Schreiben hilft mir nicht bei Mitarbeitergesprächen"

Lucas Vogel, 33, ist stellvertretender Chefredakteur von "Euro am Sonntag" in München und macht einen MBA an der Stockholm School of Economics Zur Großansicht

Lucas Vogel, 33, ist stellvertretender Chefredakteur von "Euro am Sonntag" in München und macht einen MBA an der Stockholm School of Economics

"Einige Journalistenkollegen wunderten sich über meinen Entschluss zum Executive MBA. Wie aber hätte ich mich weiterbilden sollen? Im Journalismus kann man sich bloß spezialisieren. Aber ein Kurs für kreatives Schreiben hilft nicht bei den Fragen, wie man Mitarbeitergespräche führt oder Kollegen motiviert.

Solche Kompetenzen brauche ich als stellvertretender Chefredakteur. Da hilft nur ein MBA. Der einzige Haken sind die Kosten: Für einen Executive MBA der Stockholm School of Economics muss man 54.000 Euro hinblättern. Ohne ein Stipendium eines deutschen Großverlags hätte ich das Studium nicht finanzieren können.

Ich studiere nebenberuflich. Etwa alle fünf Wochen fliege ich zur Präsenzwoche nach Stockholm. In München arbeite ich am Tag und lerne am Abend, lese viel Fachliteratur. Zudem sind Teamaufgaben zu lösen, wofür man ständig im Kontakt mit seiner Arbeitsgruppe stehen muss. Ich weiß aber jetzt schon: Die Mühe lohnt sich. Schließlich kann der MBA-Abschluss mich auch in zehn Jahren weiterbringen. Wer weiß, was ich dann mache.

Von meinen Studienkollegen werde ich jetzt schon nicht als Journalist wahrgenommen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich als Finanzjournalist nicht fremdele, wenn es um Wirtschaftsthemen geht. Ohnehin ist meine MBA-Klasse derart bunt gemischt, dass man sich anstrengen müsste, um außergewöhnlich zu wirken. In meinem Jahrgang sitzen etwa ein Gewinner der olympischen Silbermedaille im Stabhochsprung aus den USA, ein ägyptisch-finnischer Holzexporteur und eine Managerin der russischen Bahngesellschaft."

  • Die Kunsthistorikerin: "Für mich ist wirklich fast alles neu"

Ilona Genoni Dall, 33, lebt in Zürich und macht einen MBA in St. Gallen Zur Großansicht

Ilona Genoni Dall, 33, lebt in Zürich und macht einen MBA in St. Gallen

"Der MBA ist ideal für fachfremde Leute wie mich. Als Kunsthistorikerin komme ich aus einer völlig anderen Denkrichtung. Meine Kommilitonen an der Universität St. Gallen sind in der Regel Ökonomen. Ich hätte eine kreativere Herangehensweise an die Materie, sagen meine Mitstudenten. Oft habe ich das Gefühl, dass ich vom Wissen meiner ganzen Klasse am meisten profitiere, denn für mich ist wirklich fast alles neu.

Meine Leidenschaft gilt der Kunst - was mich dazu bewog, nach dem Erststudium eine Anstellung beim Auktionshaus Christie's anzunehmen. Im Job bekam ich Einsicht in die Marktmechanismen der Branche. Das Thema ließ mich nicht los. Ich schrieb zwar berufsbegleitend meine Doktorarbeit in Kunstgeschichte. Trotzdem wollte ich mehr wissen über die Wechselwirkung zwischen Kunst und Wirtschaft. Trotz Dissertation habe ich mich für einen Teilzeit-MBA entschieden. Ich war stets auf meine Karriere fokussiert und glaube inzwischen, dass der MBA bald auch in Europa am Doktortitel vorbeizieht.

Neben meiner Denkweise hat der MBA auch mein Privatleben beeinträchtigt: die finanzielle Belastung, wenig Zeit für die Familie. Ich versuche, die Wochenenden für Mann, Familie und Freunde frei zu halten - was äußerst schwierig ist. Denn ich bin eine Woche im Monat entweder in St. Gallen, London oder Barcelona und nicht zu Hause in Zürich. Was nach dem MBA sein wird, kann ich im Moment nicht abschätzen. Aber die großen Metropolen haben für mich einen besonderen Reiz. Ob New York, Kopenhagen, Hongkong oder Dubai - bei Kunst und Wirtschaft wird es bleiben."

Aufgezeichnet von Oranus Mahmoodi

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insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1.
Berg 11.07.2013
Zitat von sysopBWLer? Langweilig. Juristen? Haben wir schon. MBA-Schulen wollen Studenten aus möglichst vielen Fachbereichen zusammenbringen. Aber wozu brauchen Musiker oder Journalisten einen Management-Abschluss? Untypische MBA-Studenten berichten, warum sie Management studieren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/untypische-mba-studenten-berichten-warum-sie-management-studieren-a-910297.html)
Ich erlebe es im Familienkreise, wie Sängerin, Pianistin, Schauspieler von Musik- und Theatermanagern, Veranstaltern, Plattenproduzenten, Studiobetreibern übers Ohr gehauen werden. Da geht es um Urheberschaft (GEMA-Anmeldungen), um Vertragsklauseln abhängig von Wetter/Besucherzahlen, Aufteilung der Gagen, Kosten für Fahrten, Kleidung, Instrumente etc. Selbst an den jüngsten/unbekannten Darstellern hängen Profiteure, die sich von den Honoraren bedienen. Di Künstler verzichten auf Ansprüche, die ihnen zustehen, weil sie davon nichts wissen. Sie lassen ihre Steuererklärungen von Fremden machen. So geht das in der Breite zu. Und man kann nur jedem Künstler raten, sich auch in seine Geldangelegenheiten selber hineinzuarbeiten und alles zu kontrollieren, und wenn es dazu etwas BWL bedarf, dann gehört das eben dazu. - Sicher, bei D. Garrett sieht das viel besser aus, der braucht diese Ratschläge nicht.
2. Was für eine Frage
Alfalfa 11.07.2013
"Aber wozu brauchen Musiker oder Journalisten einen Management-Abschluss?" - Ja, wozu wohl? Vielleicht, weil sich mit Musik und Journalismus allein kein Geld verdienen läßt und man mit einem MBA auch seine "Kreativität" noch besser vermarkten kann?
3. Noch mehr Zettelchen
Blaufrosch 11.07.2013
Auch die MBA Abschlüsse werde so manchem Exot und auch den M.A. Absolventen im Nachgang keine besseren Jobchancen bieten, den Hochschulen aber den Verkauf von ebendiesen Masterstudiengängen erleichtern. Im Endeffekt ist all das ein Riesengeschäft für die Einrichtungen, hier geht es um viel Geld und weniger um den Mensch. Strategisch gesehen, kann man den wenigsten dieser Studiengänge die genannt werden einen MBA empfehlen. Eher die Reform des bestehenden Studiengangs z.B. der Kunstgeschichte sollte auf der Agenda stehen. Hier könnte man problemlos auch einen kompakten Block BWL und Marketing einbauen. Will man aber nicht. Warum wohl. Klar, dann kann ich hinterher nicht für fünfzigtausend Euro einen MBA verkaufen.
4. optional
strauch 11.07.2013
@Blaufrosch: Zertifikat ist alles. Bei uns muss alles und jeder zertifiziert werden. Musiker haben theoretisch den schönen Vorteil, das jeder hört ob die was drauf haben oder nicht. Aber Musik ist ja heute auch nur noch ein retorten Business. Überall wo es ums Geld geht, geht es leider selten um die Sache und da wo es um die Sache geht, gibt es kein Geld. Aber ich muss sagen zweiteres mag ich lieber. Besonders interessant ist ja immer was die Zertifikatausteller dazu berechtigt ein Zertifikat auszustellen.......
5.
LorenzSTR 11.07.2013
So, hier sind also die MBA-Wochen ausgebrochen, wenigstens unter dem Label "KarriereSpiegel", das schockiert nicht ganz so. Denn das neoliberal eingefärbte Gefasel ist schon recht grenzdebil. Wenn etwa der stv. Chefredakteur erst einen MBA für 54k machen muss, um zu wissen, wie man Mitarbeitergespräche führt und Kollegen motiviert, dann ist er sowieso irgendwie falsch am Platz.
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