Was muss man tun, um über die Runden zu kommen? Man könnte zum Beispiel Kohle hacken, tief unten im Flöz. Oder im Kühlhaus Rinderhälften ausweiden. Oder im Büro tagein, tagaus Zahlen schubsen.
Oder ein T-Shirt tragen.
Ja, ein T-Shirt tragen. Es gibt nämlich Leute, die zahlen dafür. Sie haben eine Web-Seite, die passend iWearYourShirt.com heißt. Und das Unternehmen aus Florida sucht derzeit Mitarbeiter, weltweit. Doch der Job ist nicht so verführerisch, wie es auf den ersten Blick scheint. KarriereSPIEGEL zitiert aus der Online-Ausschreibung und erläutert die kritischen Punkte:
Klingt seltsam? Ist seltsam. T-Shirts kauft man, soll heißen: Man gibt Geld, um ein T-Shirt zu bekommen. iWearYourShirt will, dass man sich darum bewirbt. Die Firma selbst verspricht zu zahlen, für jeden Tag, an dem ihre Mitarbeiter die richtigen T-Shirts tragen. Dazu muss man wissen: Auf den T-Shirts steht Werbung. Andererseits: Warum sollte sich jemand für die Werbung auf meinem T-Shirt interessieren?
Hapuh! Das ist kein Job, bei dem man einfach abhängen kann. Selbstdarsteller sollte man schon sein, irgendwie. Und die Sache mit der Videoproduktion kann leicht in Maloche ausarten. Aber was genau heißt "jeden Tag"?
Nennen wir es beim Namen: Die suchen nicht bloß jemanden, der seine Plauze als Werbefläche zur Verfügung stellt, die wollen eine Ein-Mann-PR-Agentur für soziale Netzwerke. Mit eingebauter Selbstausbeutung, denn die Follower schlafen nie - auch an dem gnädig gewährten freien Tag nicht.
Gut, wer bis hierhin gelesen hat, bekommt es auch offen gesagt: Werbung und harte Arbeit. Professionelle Moderation wird offenbar nicht erwartet. Vielleicht wären solche Fachkräfte auch schlicht zu teuer.
Der Forderungskatalog ist noch länger: Bewerber sollen nicht allein ihre Arbeitskraft verhökern, sondern auch ihre Freunde. Gar nicht dumm: iWearYourShirt.com kauft nicht nur Mitarbeiter ein, sondern gleich noch deren Adressdatenbank.
Bonus klingt gut, das Regelgehalt nicht. Wie genau hier ein Bonus aussieht und nach welchen Maßstäben die Bezahlung generell abläuft - darüber findet sich in der Anzeige nichts. iWearYourShirt.com verkauft die Werbeflächen auf T-Shirts nach Tagestarifen, an denen die Träger wohl beteiligt werden. Da kommt es immer auf die Auftragslage an.
Wir halten fest: Gesucht wird eine Fachkraft für Werbung und PR, die Filme dreht und schneidet, ohne Urlaub in einer Sechs-Tage-Woche arbeitet, plus qualifizierte Adressdaten. Dafür gibt es umgerechnet 2100 Euro im Monat, wenn's gut läuft, brutto. Man arbeitet nicht als Angestellter, sondern als selbstständiger Dienstleister, der sich selbst um seine Vorsorge kümmert. Stolze Summe, die sollte man auf ein T-Shirt drucken.
Alles in allem ist das Stellenprofil eine Mischung aus Haustürvertreter und TV-Praktikant: Kundennahkampf, Verkaufe und Bezahlung wie beim Vertreter, Status und Arbeitslast wie beim Prakti.
Die Ausschreibung endet bald, aber wir rätseln ehrlich, wer sich deshalb beeilen sollte. Die Stelle klingt allenfalls dann nach Aufstieg, wenn man vorher bei Kik an der Kasse gesessen hat. Und dabei ist nicht sicher, ob die T-Shirts besser sind.

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