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Policen für Berufsanfänger Versichere sich, wer kann

Öde, aber unvermeidbar: Wer anfängt zu arbeiten, muss sich selbst versichern Zur Großansicht
DPA

Öde, aber unvermeidbar: Wer anfängt zu arbeiten, muss sich selbst versichern

Schön ist das nicht. Aber nötig. Die meisten Berufsstarter müssen sich erstmals selbst versichern und über ein lästiges Thema nachdenken: den möglichen Ruin durch ungedeckte Risiken - oder durch unsinnige, teure Versicherungen. Welche braucht man wirklich?

Das erste Gehalt verschafft Berufsanfängern finanzielle Selbständigkeit. Dazu gehört aber auch eine triste Pflicht: die Auseinandersetzung mit Versicherungspolicen. Denn die meisten jungen Menschen sind zunächst gegen Krankheit oder Unfälle über ihre Eltern mitversichert, mit dem Eintritt ins Berufsleben müssen sie sich selbst versichern.

Drei Versicherungen nennt Bianca Boss vom Bund der Versicherten "existentiell": neben der Krankenversicherung eine private Haftpflicht- sowie eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Wem eine davon fehlt, dem droht im schlimmsten Fall der finanzielle Ruin. Alle weiteren Policen - etwa eine Rechtsschutzversicherung - können nützlich sein, zwingend erforderlich sind sie nicht.

Krankenversicherung: Besser gesetzlich

Eine Krankenversicherung muss in Deutschland jeder haben. Sie ist nicht optional, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Berufsanfängern empfiehlt Michael Wortberg, "in die gesetzliche Krankenversicherung zu gehen". Der Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sagt, die private Krankenversicherung sei gerade am Anfang des Berufslebens in der Regel deutlich teurer. Zudem kann sich nur privat versichern, wer als Angestellter ein Mindesteinkommen von derzeit 52.200 Euro pro Jahr erreicht - und das seit mindestens einem Jahr.

Wer zuvor über die Eltern privat versichert war und später wieder zurückwechseln möchte, kann die private Versicherung als Anwartschaft neben der gesetzlichen Krankenversicherung weiterlaufen lassen. Der Vorteil: Beim Rückwechsel entfällt für Ehemalige der Gesundheitscheck.

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"Der Beitrag in den gesetzlichen Krankenkassen ist für alle gleich", erklärt Sabine Strüder von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Er liegt bei 15,5 Prozent; Bemessungsgrundlage ist das beitragspflichtige Bruttoeinkommen.

Berufsanfänger sollten auf zusätzliche Beiträge achten. "Manche Kassen haben in der Vergangenheit Zusatzbeiträge erhoben. Momentan verzichten jedoch fast alle darauf", sagt Strüder. Sie rät auch, die angebotenen Zusatzleistungen genauer zu untersuchen; so zahlen manche Krankenkassen Zuschüsse zu Yoga- oder Rückenkursen. Manchen Versicherten sei auch eine Geschäftsstelle vor Ort wichtig, damit sie nicht alles am Telefon regeln müssen.

Private Haftpflicht: Mama und Papa helfen nicht mehr

Eine private Haftpflichtversicherung sollten Berufsanfänger möglichst bald abschließen. Sie schützt vor allen Kosten für Schäden, die man einem anderen Menschen zufügt. Wer etwa mit dem Fahrrad jemandem die Vorfahrt nimmt, und der andere trägt durch den Unfall eine Behinderung davon, muss womöglich bis ans Lebensende dafür zahlen.

Noch während ihrer Ausbildung sind junge Menschen zumeist über die Haftpflichtversicherung ihrer Eltern mitversichert, mit dem Antritt der ersten Stelle nicht mehr. "Eine gute Versicherung ist bereits für 60 bis 70 Euro im Jahr zu haben", sagt Bianca Boss. Bei der Auswahl sollten Berufsanfänger darauf achten, dass die Versicherungssumme ausreichend hoch ist: "mindestens drei Millionen, besser noch sind fünf Millionen Euro".

Berufsunfähigkeit: Wohl oder Übel

Die dritte wichtige Säule für Berufsanfänger ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie sorgt für den Unterhalt, falls ein Berufstätiger so schwer erkrankt, dass er nicht mehr arbeiten kann - ob nach einem Unfall, durch eine körperliche oder eine psychische Erkrankung wie eine Depression.

Zwar zahlt auch der Staat Berufsunfähigen eine Erwerbsminderungsrente, aber nur "rund 33 Prozent vom Bruttoeinkommen", so Boss. Weil das für den Lebensunterhalt meist nicht reiche, sei eine private Absicherung unabdingbar. Berufseinsteiger bekommen in den ersten fünf Jahren gar nichts aus der gesetzlichen Rentenkasse.

Vor Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Beratung sinnvoll. Denn sie ist deutlich teurer als eine Privathaftpflicht, oft liegen die Kosten bei 30 Euro monatlich.

Kristin Kruthaup/dpa/end

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