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Tontechniker Da ist Musik drin

Von Beruf Tontechniker: Die Mischung macht's Fotos
TMN

Bass, Bass, wir brauchen Bass! Kein Problem für einen Tonprofi - die runde Klangmischung im Studio oder das richtige Mikro fürs Konzert findet er zügig. Tontechniker sorgen in Tonstudios, beim Radio oder Film für den perfekten Sound.

Die richtige Mischung macht's: Sind bei einem Konzert die Instrumente im Klangbild gut aufeinander abgestimmt, ist das Hörerlebnis ein Genuss. Wenn nicht, nervt den Zuhörer ein Soundbrei. Damit das nicht passiert, arbeiten Tontechniker hinter den Kulissen - bei Musikveranstaltungen, bei Hörfunksendern, bei Film- und Fernsehproduktionen. Die Fachkräfte sind aber auch im Theater oder bei Plattenfirmen zu finden.

Martin Schweiker, 34, war lange im Einzelhandel tätig, zuletzt als Filialleiter eines großen japanischen Unternehmens. Bis er beschloss, seinen Job zu kündigen und sich zum Tontechniker ausbilden zu lassen. "Mein Hobby möchte ich zum Beruf machen", sagt Schweiker, der seit Jahren als Hobby Musik produziert. Nun lernt er in Wuppertal an der Schule für Tontechnik (SfT) den Beruf von der Pike auf.

Jetzt übt Schweiker, in den Studios Musik aufzunehmen, zu bearbeiten und abzumischen. Er lernt, am Computer Audiodateien digital nachzubearbeiten. Beim Zusammenspiel mehrerer Instrumente in einem Orchester soll der Klang der Bratsche in den Vordergrund rücken? Kein Problem für Profis - sie haben gelernt, wie sie den Sound eines einzelnen Instruments hervorheben.

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Tontechniker: Der Ton macht die Musik
"Wir bilden aber nicht nur in unseren eigenen Tonstudios und Übungsräumen aus, sondern fahren auch mit unseren Kursteilnehmern mit dem Ü-Wagen zu Veranstaltungen raus", erklärt SfT-Inhaber Stephan Kuczera. Die Schule mit Standorten in Wuppertal und Regensburg ist eine von bundesweit rund 20 Ausbildungsstätten für Tontechniker. Dazu zählen etwa auch die ARD.ZDF medienakademie oder die Akademie Deutsche Pop.

Feines Gehör als Grundvoraussetzung

Die Ausbildung ist in der Regel gebührenpflichtig. Bei der SfT sind pro Monat zwischen 440 und 620 Euro fällig, sie dauert mindestens ein Jahr. Wer Abitur hat, kann auch an der Universität Toningenieurwissenschaften studieren - die Plätze sind aber rar.

Neben den privaten Schulen und der Uni gibt es die dreijährige Ausbildung zum Mediengestalter Ton und Bild in einem Betrieb. Der Vorteil: Bei einer betrieblichen Ausbildung sind die Chancen meist größer, später eine Festanstellung zu bekommen. Ausbildungsplätze findet man bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder in Tonstudios.

Einen bestimmten Schulabschluss brauchen angehende Tontechniker nicht; die meisten haben mindestens die Mittlere Reife. Viel wichtiger als der Schulabschluss ist in der Regel die musikalische Begabung. In vielen Tontechniker-Schulen müssen Bewerber zunächst eine Eignungsprüfung bestehen - und zum Beispiel Musikstile auseinanderhalten können.

Begrenzte Zahl von Arbeitsplätzen

"Ein feines Gehör ist neben musikalischer Begabung eine Grundvoraussetzung", sagt Hans Schlosser vom Verband Deutscher Tonmeister (VDT). Der Beruf bestehe zu 20 Prozent aus Theorie, zu 80 Prozent aus Erfahrung.

In der Theorie beschäftigen sich angehende Tontechniker zum Beispiel mit der Frage, welches Mikrofon eher für den Gesang und welches für Drums eingesetzt wird. Im praktischen Teil geht es wieder und wieder an die Computer- und Mischpultplätze. Dort üben die Fachkräfte etwa im Fach Sounddesign, musikalische Effekte wie Hall zu erzeugen.

"Das Einstiegsgehalt eines fertig ausgebildeten Tontechnikers liegt in aller Regel bei maximal 1500 Euro brutto im Monat", erklärt Schlosser. Die Zahl der Arbeitsplätze für fest angestellte Tontechniker ist begrenzt. Viele Tontechniker arbeiten daher als Freiberufler. Die Tagesgage liegt laut VDT zwischen 250 und 500 Euro. "Dabei muss allerdings einkalkuliert werden, dass ein Tontechniker nicht jeden Tag, sondern vielleicht nur einige Male in der Woche einen Einsatz hat", erläutert Schlosser.

Nach der Ausbildung bilden viele Tontechniker sich weiter, erzählt Anke Lohmann von der Deutschen Event Akademie. Am beliebtesten hierbei: der Meister für Veranstaltungstechnik oder Fachmeister Veranstaltungssicherheit.

Sabine Meuter/dpa/end

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Ergänzungen
fortyplus 17.08.2013
Zu ergänzen wäre noch, dass man als Tontechniker der Erste ist, der vor Ort sein muss, der Letzte ist, der nach Hause gehen kann, wenn alles klappt, merkt es keiner, und sobald es ein Problem gibt ist es immer die Schuld des Tontechnikers. Und die Groupees schauen auf die Bühne, nicht aufs Mischpult... ;-) Fazit: Lieber was Anständiges lernen und mehr Geld verdienen, in der Musikbranche wird das leider immer schwieriger, außer man schafft es an die - sehr kleine - Spitze der Pyramide.
2. Ja was denn nun?
tchantchès 17.08.2013
Dieser Artikel wirft fröhlich die Berufsbilder von Tontechniker, Toningenieur und Tonmeister durcheinander.
3. Mediengestalter
rîwen 17.08.2013
ich habe Ende der neunziger als eine der ersten die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton gemacht. damals wollten so viele andere das ebenfalls machen, damals schulten gerade im Ruhrgebiet (Zechenschließungen) so viele Menschen auf diesen Beruf um, dass eine feste Anstellung fast unmöglich war. der WDR nahm jedes Jahr einen Haufen Azubis, übernommen wurde kaum wer. also war der Markt überschwemmt. entweder hat man sich als freier Mitarbeiter durchgeschlagen oder ein volontariat nach dem anderen gemacht. ich hab es drei Jahre lang mit allem versucht, bin bis nach Berlin gezogen. das einzige Angebot? cutter in einer Pornofilmproduktion... mein Vorteil war, dass ich in meiner Ausbildungsfirma auch digitale printmedien mitgemacht habe. also hab ich mich anders orientiert. heute bin ich Grafikerin und habe einen guten Job. schade eigentlich, ich saß gern am mischpult... ein toller Job, aber auch kein Garant für festanstellung...
4. kann nur abraten!
m412 17.08.2013
Die Gehälter sind dermaßen niedrig und die Arbeitsbelastung relativ hoch. Viele Firmen können sich keine Angestellten leisten und beschäftigen nur Freelancer zu Arbeitszeiten und Stundensätzen, die völlig inakzeptabel sind. Azubis werden als Arbeitstiere ausgebeutet, anstatt ihnen etwas beizubringen. Und nach der Ausbildung werden sie in die Selbstständigkeit gedrängt. Die Branche ist so kaputt, dass selbst gute Firmen ums Überleben kämpfen! Ja, es gibt zum Glück Ausnahmen, aber leider viel zu selten. Die Branche ist einfach völlig überlaufen. Lernt lieber etwas anderes und macht Kistenschubsen oder Knöppedrehen in eurer Feizeit.
5. Perspektive? Fehlanzeige
dhoerschdle 17.08.2013
Und später steht man auf der Strasse (leider kein 'scharfes S' in der Schweiz ;-))
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