Von Verena Töpper
Wer sich am liebsten Geld wünschen möchte, aber nicht weiß, wie das kreativ und charmant kommuniziert werden kann, wünscht sich in Zukunft Kilometer mit yuulii.
Günther: "Das Unternehmen heißt wie? Eine Internetadresse sollte einfach zu kommunizieren sein. Auch das Geschäftskonzept ist in einem Satz ist nicht selbsterklärend. Ich habe erst gedacht, dass yuullii ein neuartiges Fortbewegungsmittel ist, ein Rennrodel oder so was. Und es ist unklar, wer sich hier für was Geld wünscht."
Kollmann: "Der Name yuulii wirft bei mir das erste Fragezeichen auf. Ohne Erklärung versteht man ihn nicht. Markennamen sollten für die Kommunikation und den Erinnerungswert einfach und eindeutig gehalten werden - es sei denn, man verfügt über einen Millionenetat für Werbung."
Hansmann: "Man möchte Geld haben, weiß aber nicht, wie man das kommunizieren soll - dieses Problem existiert sicherlich. Die Kilometeridee habe ich aber nicht gleich verstanden: Geht es hier um einen Gutschein für eine Reise? Die Aufmerksamkeitsspanne der Konsumenten ist sehr kurz. Online-Marketing funktioniert nur, wenn man eine ganz kurze Message hat, zum Beispiel wie Groupon: Alles für die Hälfte, da klicke ich drauf. Den Namen yuulii finde ich etwas kompliziert, aber wirklich entscheidend ist das für den Erfolg meiner Meinung nach nicht."
yuulii verdient Geld mit der Bereitstellung der Plattform: 49 Euro kostet die eigene yuulii-Seite. Die Dauer der Nutzung ist unbeschränkt, es entstehen weder dem Kunden noch seinen Gästen weitere Kosten. Die Kilometer- bzw. Geldbeträge werden direkt von den Gästen auf das Bankkonto der yuulii-Nutzer überwiesen. yuulii stellt die Plattform, ohne in die Finanztransaktionen involviert zu sein. Mittelfristig sind exklusive Partnerschaften zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften geplant.
Günther: "49 Euro finde ich angemessen. Ich kann darüber ja auch Einladungen abwickeln - und wenn ich in einen Papierladen gehe und 40 Einladungskarten kaufe, bin ich schon weit über 49 Euro. Was ist aber mit Datenschutz? Bei Finanztransaktionen wäre ich sehr vorsichtig: die Finanzaufsicht BaFin guckt ganz genau hin. Der nächste Punkt: Für Reiseveranstalter ist die Seite sicherlich ein interessanter Werbeplatz, aber wenn ich als Braut für 49 Euro eine eigene Seite kaufe und da steht Lufthansa drauf, bin ich irritiert. Vielleicht habe ich sogar Flugangst und will mit Fliegen gar nichts zu tun haben. Auf den individuellen Seiten kann ich mir Werbung deshalb nicht vorstellen."
Hansmann: "Eine der wichtigsten Kennzahlen, die ich mir immer anschaue, ist der Lebenswert: Was verdiene ich mit einem Kunden bis er nicht mehr mein Kunde ist? Da man in der Regel nur einmal heiratet, ist der Lebenswert hier sehr beschränkt. Die nächste wichtige Frage ist: Was gebe ich für die Akquise aus? Von den 49 Euro bleiben nach Abzug der Mehrwertsteuer nur rund 40 Euro übrig. Das ist ein Preis, bei dem es für ein erklärungsbedürftiges Produkt sehr schwer wird, einen Kunden zu akquirieren. Selbst ein Online-Shop hat im Schnitt 20 bis 30 Euro Akquisekosten pro Kunden. Bei den angestrebten Partnerschaften bin ich skeptisch, ob Herr Höhn damit wirklich einen nennenswerten Umsatz erzielen kann, denn große Unternehmen wollen auch große Reichweiten."
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