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Stresstest für Gründer Soll ich dafür meinen Job kündigen?

Gründer im Zweifel: Soll ich dafür meinen Job kündigen? Fotos
augenkundig photography

2. Teil: "Wie heißt das Unternehmen noch mal?"

  • Das Geschäftskonzept in einem Satz

Wer sich am liebsten Geld wünschen möchte, aber nicht weiß, wie das kreativ und charmant kommuniziert werden kann, wünscht sich in Zukunft Kilometer mit yuulii.

Günther: "Das Unternehmen heißt wie? Eine Internetadresse sollte einfach zu kommunizieren sein. Auch das Geschäftskonzept ist in einem Satz ist nicht selbsterklärend. Ich habe erst gedacht, dass yuullii ein neuartiges Fortbewegungsmittel ist, ein Rennrodel oder so was. Und es ist unklar, wer sich hier für was Geld wünscht."

Kollmann: "Der Name yuulii wirft bei mir das erste Fragezeichen auf. Ohne Erklärung versteht man ihn nicht. Markennamen sollten für die Kommunikation und den Erinnerungswert einfach und eindeutig gehalten werden - es sei denn, man verfügt über einen Millionenetat für Werbung."

Hansmann: "Man möchte Geld haben, weiß aber nicht, wie man das kommunizieren soll - dieses Problem existiert sicherlich. Die Kilometeridee habe ich aber nicht gleich verstanden: Geht es hier um einen Gutschein für eine Reise? Die Aufmerksamkeitsspanne der Konsumenten ist sehr kurz. Online-Marketing funktioniert nur, wenn man eine ganz kurze Message hat, zum Beispiel wie Groupon: Alles für die Hälfte, da klicke ich drauf. Den Namen yuulii finde ich etwas kompliziert, aber wirklich entscheidend ist das für den Erfolg meiner Meinung nach nicht."

  • Das Geschäftsmodell

yuulii verdient Geld mit der Bereitstellung der Plattform: 49 Euro kostet die eigene yuulii-Seite. Die Dauer der Nutzung ist unbeschränkt, es entstehen weder dem Kunden noch seinen Gästen weitere Kosten. Die Kilometer- bzw. Geldbeträge werden direkt von den Gästen auf das Bankkonto der yuulii-Nutzer überwiesen. yuulii stellt die Plattform, ohne in die Finanztransaktionen involviert zu sein. Mittelfristig sind exklusive Partnerschaften zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften geplant.

Günther: "49 Euro finde ich angemessen. Ich kann darüber ja auch Einladungen abwickeln - und wenn ich in einen Papierladen gehe und 40 Einladungskarten kaufe, bin ich schon weit über 49 Euro. Was ist aber mit Datenschutz? Bei Finanztransaktionen wäre ich sehr vorsichtig: die Finanzaufsicht BaFin guckt ganz genau hin. Der nächste Punkt: Für Reiseveranstalter ist die Seite sicherlich ein interessanter Werbeplatz, aber wenn ich als Braut für 49 Euro eine eigene Seite kaufe und da steht Lufthansa drauf, bin ich irritiert. Vielleicht habe ich sogar Flugangst und will mit Fliegen gar nichts zu tun haben. Auf den individuellen Seiten kann ich mir Werbung deshalb nicht vorstellen."

Hansmann: "Eine der wichtigsten Kennzahlen, die ich mir immer anschaue, ist der Lebenswert: Was verdiene ich mit einem Kunden bis er nicht mehr mein Kunde ist? Da man in der Regel nur einmal heiratet, ist der Lebenswert hier sehr beschränkt. Die nächste wichtige Frage ist: Was gebe ich für die Akquise aus? Von den 49 Euro bleiben nach Abzug der Mehrwertsteuer nur rund 40 Euro übrig. Das ist ein Preis, bei dem es für ein erklärungsbedürftiges Produkt sehr schwer wird, einen Kunden zu akquirieren. Selbst ein Online-Shop hat im Schnitt 20 bis 30 Euro Akquisekosten pro Kunden. Bei den angestrebten Partnerschaften bin ich skeptisch, ob Herr Höhn damit wirklich einen nennenswerten Umsatz erzielen kann, denn große Unternehmen wollen auch große Reichweiten."

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Um was geht es uns eigentlich?
spätzlesschwoab 04.02.2013
Der Titel dieses Artikels ist das Übel unserer Gesellschaft!
2. Ich warte immer noch drauf
Kohle&Reibach 04.02.2013
Zitat von sysopaugenkundig photographyEine gute Idee haben und mit der eigenen Firma durchstarten - das klingt verlockend. Aber ist der Einfall auch gut genug? Oder reitet man sich damit in den Ruin? Jan Höhn will sich mit einem Portal für Geldgeschenke selbständig machen. Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/von-der-idee-zum-start-up-wann-sich-die-kuendigung-lohnt-a-880985.html
das sich wasserpredigende Politiker und hohe Beamte selbstständig machen.
3. 3 Experten
Frau Mau 04.02.2013
"Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt." Wenn wir es hier mit 3 Experten zu tun hätten, hätten diese Experten vor lauter Geldverdienen gar keine Zeit zu dieser Thematik Stellung zu beziehen. Vorsicht ist angebracht bei sog. Experten. Viel hilfreicher ist es auf sich selber zu hören. Meistens wissen wir instinktuiv was am besten für uns ist, ob der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige ist.
4. Gelungenes Format
Kanthiris 04.02.2013
Meines Erachtens ist dies ein sehr gelungener Artikel, der viele wichtige Hinweise für Personen liefert, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Qualifizierte Kommentare zu einem Beispiel aus der realen Welt, dazu noch unterhaltsam geschrieben - weiter so!
5.
dokuu 04.02.2013
Also ich würde mich nicht trauen alleine mit dieser Idee in die Selbstständigkeit zu gehen. Sicher ein interessantes Projekt für einen zusätzlichen Nebenverdienst, aber komplett darauf zu setzen wäre mir persönlich zu heikel. Die Beschränkung auf Flugreisen finde ich etwas mager. Gibt ja auch noch andere Dinge, die man sich als Paar finanzieren will. Der Ausbau auf andere Produkte und Dienstleistungen ist aber sicher schon eingeplant, denke ich. Beim Namen musste ich auch etwas stutzen, you lie – was? Und warum man immer nur ein bestehendes Konzept aus den USA kopieren muss, verstehe ich nicht. Lieber stellt man etwas Eigenes auf die Beine und krebst etwas länger rum, statt irgendein Konzept aus den USA in Deutschland kopieren zu müssen. Trotz meiner Bedenken wünsche ich dem Gründer viel Erfolg mit seiner Idee und möglichst wenige schlaflose Nächte mit Existenzsorgen.
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