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Stresstest für Gründer Soll ich dafür meinen Job kündigen?

Gründer im Zweifel: Soll ich dafür meinen Job kündigen? Fotos
augenkundig photography

3. Teil: "Das lässt sich in wenigen Tagen nachbauen"

  • Das Alleinstellungsmerkmal

Das Kilometer-Schenken-Konzept existiert in dieser Form weder im nationalen noch im internationalen Markt. Trotz einer standardisierten Benutzeroberfläche unterscheiden sich alle yuulii-Seiten sowohl optisch als auch inhaltlich. Neben dem hohen Innovationsgrad hat yuulii eine authentische Entstehungsgeschichte, da die Gründer bei ihrer eigenen Hochzeit auf die Idee kamen.

Kollmann: "Das ist aus meiner Sicht kein wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Wir haben hier zwar eine gute Prozessidee, aber keine technische Innovation. Das bedeutet, die Idee ist nicht schützbar und kann innerhalb weniger Tage nachprogrammiert werden. Es existiert also höchstens ein sehr kurzer Zeitvorteil. Sollte das Angebot halbwegs erfolgreich sein, werden andere Geschenkplattformen es sicherlich nachbauen. Es fällt mir auch schwer, einzuschätzen, wie andere Plattformen, die sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Hochzeitstisch befassen, mit dem Thema Geldgeschenke umgehen. Die gesamte Wettbewerbsanalyse fehlt hier: Wer ist auf dem Markt mit welchen Angeboten unterwegs?"

  • Marktinformationen

In Deutschland wurden 2011 knapp 378.000 Ehen geschlossen. Dieser Wert ist trotz Wirtschaftskrisen in den letzten zehn Jahren konstant. In der gesamten EU sind mit 2,2 Millionen ebenso viele Ehen geschlossen worden wie in den USA. Ein Prozent aller deutschen Hochzeitspaare als Kunden wären insgesamt 3000 Paare.

Kollmann: "Herr Höhn adressiert hier einen Markt, der aus Investorensicht begrenzt ist. Er schreibt, dass die Zahlen stabil bleiben - das ist in der Regel ein schlechtes Zeichen für Geldgeber. Sie sind im Wesentlichen an wachsenden Märkten interessiert. Ein exponentielles Wachstum für das Start-up, und damit auch eine unternehmensbezogene Wertsteigerung, kann hier nur schwer erzielt werden. Im Zweifel steht ein kostenintensiverer Verdrängungswettbewerb bevor."

Günther: "Ich kenne diese Argumentation aus vielen Präsentationen: Es werden so und so viele Dinge in Deutschland verkauft, davon will ich ein Prozent bedienen. Da machen Business Angels sofort die Augen zu, denn das zeigt, dass sie sich nicht wirklich Gedanken gemacht haben. Das ist so mechanisch: Ich gucke mal im Internet, wie viele Hochzeiten es gibt, davon will ich ein Prozent. Wie viele Beerdigungen gibt es? Davon will ich auch ein Prozent. Das ist keine echte Marktanalyse. Junge Unternehmen stehen oft vor dem Problem, dass es keine verlässlichen Zahlen zu ihrem Markt gibt, das weiß aber auch jeder Business Angel. Es geht darum, sich Gedanken zu machen, kreativ zu sein: Nicht jeder, der Geld geschenkt haben möchte, will reisen. Wie kann man das begründen?"

Hansmann: "Diesen Zahlen kann man nicht viel entnehmen. Spannender wäre es, wenn man sagen könnte: Es gibt in den USA eine Firma, die macht was Ähnliches und fünf Prozent aller geschlossenen Ehen laufen über diese Plattform."

  • Management & Team

Jan-Frederik Höhn: Diplom-Soziologe, mehrjährige Vertriebs- und Marketingerfahrung. Tobias Kamm: Diplom-Wirtschaftsinformatiker, mehrjährige Berufserfahrung als IT-Consultant. Katja Höhn: Diplom-Psychologin mit Erfahrung im Personalmanagement.

Günther: "Die erste Frage, die Business Angels interessiert, ist immer: Wer ist das Team? Wer steht dahinter? Um einen Investor zu überzeugen, muss ein Unternehmer erst einmal selbst komplett von seiner Idee überzeugt sein. Das ist meine Vision, mein Leben, dafür gebe ich alles und ich bin sicher, dass es klappt - dieses Gefühl muss er vermitteln. Die nächste Frage ist: Hat das Team auch die nötige Kompetenz für ein solches Online-Geschäft? Warum ist die Geschäftsführerin Diplom-Psychologin? Das müsste hier erklärt werden. Zumal, wenn Mann und Frau gemeinsam gründen. Da schauen Business Angel schon genau hin. Das Team soll ja nach professionellen Kriterien zusammengesetzt sein und nicht nach emotionalen."

Hansmann: "Das Team muss zum Plan passen. Hier sind mir die Beschreibungen zu allgemein. Was sind die wenigen, kritischen Fähigkeiten, die ich brauche, damit das Unternehmen erfolgreich ist? Und wer bringt diese Kompetenzen mit? Das muss an dieser Stelle beantwortet werden. Eine ganz klare Frage ist hier zum Beispiel: Kennt sich jemand aus mit dem Thema Online-Marketing?"

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Um was geht es uns eigentlich?
spätzlesschwoab 04.02.2013
Der Titel dieses Artikels ist das Übel unserer Gesellschaft!
2. Ich warte immer noch drauf
Kohle&Reibach 04.02.2013
Zitat von sysopEine gute Idee haben und mit der eigenen Firma durchstarten - das klingt verlockend. Aber ist der Einfall auch gut genug? Oder reitet man sich damit in den Ruin? Jan Höhn will sich mit einem Portal für Geldgeschenke selbständig machen. Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt. Von der Idee zum Start-up: Wann sich die Kündigung lohnt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/von-der-idee-zum-start-up-wann-sich-die-kuendigung-lohnt-a-880985.html)
das sich wasserpredigende Politiker und hohe Beamte selbstständig machen.
3. 3 Experten
Frau Mau 04.02.2013
"Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt." Wenn wir es hier mit 3 Experten zu tun hätten, hätten diese Experten vor lauter Geldverdienen gar keine Zeit zu dieser Thematik Stellung zu beziehen. Vorsicht ist angebracht bei sog. Experten. Viel hilfreicher ist es auf sich selber zu hören. Meistens wissen wir instinktuiv was am besten für uns ist, ob der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige ist.
4. Gelungenes Format
Kanthiris 04.02.2013
Meines Erachtens ist dies ein sehr gelungener Artikel, der viele wichtige Hinweise für Personen liefert, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Qualifizierte Kommentare zu einem Beispiel aus der realen Welt, dazu noch unterhaltsam geschrieben - weiter so!
5.
dokuu 04.02.2013
Also ich würde mich nicht trauen alleine mit dieser Idee in die Selbstständigkeit zu gehen. Sicher ein interessantes Projekt für einen zusätzlichen Nebenverdienst, aber komplett darauf zu setzen wäre mir persönlich zu heikel. Die Beschränkung auf Flugreisen finde ich etwas mager. Gibt ja auch noch andere Dinge, die man sich als Paar finanzieren will. Der Ausbau auf andere Produkte und Dienstleistungen ist aber sicher schon eingeplant, denke ich. Beim Namen musste ich auch etwas stutzen, you lie – was? Und warum man immer nur ein bestehendes Konzept aus den USA kopieren muss, verstehe ich nicht. Lieber stellt man etwas Eigenes auf die Beine und krebst etwas länger rum, statt irgendein Konzept aus den USA in Deutschland kopieren zu müssen. Trotz meiner Bedenken wünsche ich dem Gründer viel Erfolg mit seiner Idee und möglichst wenige schlaflose Nächte mit Existenzsorgen.
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