Von Verena Töpper
Sehr positives Feedback der Zielgruppe: Auf zwei Hochzeitsmessen wurden mehr als 300 E-Mailadressen von interessierten Paaren eingesammelt.
Kollmann: "Auf zwei Hochzeitsmessen ein generelles Interesse abzufragen, ist aus meiner Sicht nur ein erster Hinweis. Das Entscheidende ist: Wie viele Interessierte kann ich in zahlende Kunden umwandeln? Die Konversionsrate ist das A und O. Im Internet liegt sie normalerweise bei zwei bis drei Prozent. Selbst wenn die Idee von Herrn Höhn so ansprechend ist, dass die Konversionsrate mehr als dreimal so hoch ist, sprechen wir hier als Ergebnis der zwei Messen von 30 Kunden. Dazu kommt die Frage: Was kostet die Einwerbung eines Nachfragers? Ich kann mir vorstellen, dass die Keywords 'Hochzeit' und 'Reise' mit zu den teuersten bei Google gehören."
Hansmann: "Auf Hochzeitsmessen findet man erst einmal Interessenten, aber noch keine zahlenden Kunden. Am Stand vor Ort sind die Leute leicht zu begeistern, zwei Tage später haben sie es sich vielleicht schon wieder anders überlegt. Aber ich finde es super, dass Herr Höhn schon am Testen ist: Herausgehen und mit den Kunden sprechen ist immer eine gute Idee."
Bisher komplett finanziert durch Eigenkapital (20.000 Euro). Für 2013 ist ein Umsatz von 150.000 Euro geplant und ein operatives Ergebnis von 20.000 Euro. Der Investitionsbedarf liegt bei 100.000 Euro.
Kollmann: "Die Gesamtrechnung aus Kosten für Einwerbung, Konversionsrate, Fixkosten und Einnahmen ist aus meiner Sicht von Herrn Höhn noch nicht komplett durchdacht. Selbst wenn ich von einem Umsatz von 500.000 Euro ausgehe, bleibt nach Abzug der ganzen Kosten wie Löhne, Miete und Werbung für einen Investmentfall nach Lage der vorliegenden Unterlagen nicht viel übrig. Auf der Liste der Mitarbeiter stehen zurzeit drei Personen. Wenn ich hier von jeweils mindestens 50.000 Euro Gehalt im Jahr ausgehe, bin ich schon bei 150.000 Euro reinen Personalkosten. Um diesen einen Posten auszugleichen, müssten also schon mehr als 3000 zahlende Kunden gewonnen werden. Um für einen Investor interessant zu sein, müsste deutlich mehr Umsatz generiert werden."
Günther: "150.000 Euro Umsatz im Jahr ist bei drei Mitarbeitern fast gar nichts. Ein Business Angel beteiligt sich erst, wenn er einen ordentlichen Gewinn erwarten kann. Wie sieht es in fünf Jahren aus? Ist da eine Rendite zu erwarten? Sie müssen zeigen, dass Sie ein Unternehmen sind, das eine ordentliche Wachstumsperspektive hat, das sollten schon zwanzig oder dreißig Prozent sein."
Hansmann: "Jeder Business Angel erwartet, dass ein Gründer zumindest drei Jahre in die Zukunft sieht. Meistens liegen die Ergebnisse später deutlich darunter, aber es ist wichtig, als Gründer diesen Denkprozess zu durchlaufen. Der Investor schätzt anhand dieser Daten das Potential der Firma ein. In den ersten drei Jahren wird er keine Gewinne erwarten, aber danach wird er hohe Gewinne sehen wollen. Und um die zu erwirtschaften, muss sich hier an der Höhe der Umsätze definitiv noch was tun. Da stellt sich nun die Frage: Wie bekomme ich mehr als die genannten 3000 Kunden im Jahr? Oder wie kann ich den Umsatz pro Kunde steigern?"
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