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Uni-Veteran unter Bachelorstudenten Danke, gut

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Rausgeräumt: Der Letzte stellt die Stühle hoch

Per Mail fragt die Studienberaterin, wie's denn läuft mit dem Magisterstudium, das es bald nicht mehr geben wird. Hier antwortet Jonas Leppin öffentlich. Als Rückkehrer macht er gerade seinen Abschluss in einem Bachelor-Umfeld und merkt schnell: Uni, du hast dich so verändert.

Ich habe von meiner Universität eine besorgte E-Mail bekommen. Wie es denn mit dem Magisterstudium läuft, fragt eine Studienberaterin. Die letzten Prüfungen für meinen Studiengang finden Ende des Jahres statt. Viele meiner alten Kommilitonen scheint das nicht mehr zu betreffen. Die Nachricht liest sich jedenfalls, als hätte die Uni-Mitarbeiterin alle Magisterstudenten meiner Fakultät auch persönlich anrufen können.

Mit diesem Text möchte ich der Dame von der Studienberatung gern antworten. Ich schreibe ihn auch, um in künftigen Gesprächen mit alten Schulfreunden oder auf Familienfeiern wieder über andere Dinge reden zu können. Alle denken, es läuft beschissen. Sonst müsste ich den Abschluss doch längst haben. Es läuft aber ganz gut, danke für die Nachfrage.

Ich habe im Herbst 2005 angefangen zu studieren. Politik, Geschichte und Jura. Zwischendurch war ich auf einer Journalistenschule. Als ich an die Universität zurückkam, saßen in den Hörsälen fast nur Bachelor- und Master-Studenten. Für mich waren Bachelorstudenten lange wie Magisterstudenten mit Anwesenheitslisten.

Statt Bücher lesen Studenten Studienverordnungen

Dass es so etwas wie "den Bachelorstudenten" oder "den Magisterstudenten" gibt, bezweifle ich. Studenten sind Studenten. Aber eines habe ich bemerkt: Am Anfang der Seminare werden die Fragen an die Dozenten mehr. Es geht um Leistungspunkte, Module, Terminschwierigkeiten. Oft weiß ich gar nicht, worum es genau geht. Mir kommt es manchmal vor, als würde man den Bachelor-Abschluss für das fehlerfreie Aufsagen einer Prüfungsregelung bekommen. Es wird häufig mehr über das Drumherum geredet als über das Seminar-Thema. Statt Bücher lesen manche Studenten jetzt Studienverordnungen.

Ich weiß über meinen Studiengang grob gesagt Folgendes: Er ist abgeschafft. Das merkt man an der einen oder anderen Stelle. Man könnte auch sagen: Nur wegen uns wird mittags in der Mensa nicht warm gekocht. Ich fühle mich aber weder vernachlässigt noch ungerecht behandelt. Im Gegenteil.

Schlau, aber glücklich
Die Universität war immer gut zu mir. Ich hatte, liebe Studienberatung, schon vor eurer E-Mail fast alle Prüfungen fertig. Es gibt Fälle von rücksichtslosen Zwangsexmatrikulationen, aber ich darf mein Studium nach den alten Regeln beenden. Wenn ich in der Vorlesung sage, was ich studiere, dann nicken die Professoren mir zu, wie einem alten vertrauten Freund. Damit werde ich älter gemacht, als ich bin. Das ist zu verkraften. Mir tun aber die neuen Studiengänge etwas leid. Ich behaupte: Das Leben als Magisterstudent ist prinzipiell das Bessere.

Wenn aus Studenten wieder Schulkinder werden

Damit will ich nicht den Bologna-Prozess bewerten. Mir könnte es jetzt egal sein, ob Prüfungsbedingungen verschärft oder Doktortitel verlost werden. Aber ich bin froh, dass ich so frei studieren kann. Ich bin ohne Probleme an drei Fakultäten. Durfte mir meine Seminare stets aussuchen. Ich hatte selten Angst. Ich hatte eher Zeit.

Das ist heute oft anders. Und das ist schade. Ich finde ein Hochschulsystem fragwürdig, das Studenten wie Schulkinder behandelt, Lehrstoff komprimiert und kürzt. Das dort Druck entwickelt, wo junge Erwachsene einen freien Geist entwickeln sollten.

Zur Beruhigung meiner Hochschule kann ich sagen: Ich schreibe gerade an meiner Magisterarbeit. Die möchte ich bald fertig haben, möglichst vor dem nächsten Familienfest.

Ich hoffe, weitere Anfragen meiner Fakultät haben sich damit erledigt.

  • Frauke Lüpke-Narberhaus
    KarriereSPIEGEL-Autor Jonas Leppin (Jahrgang 1983) ist Journalist und Student der Fächer Politik, Geschichte und Jura an der Uni Göttingen. Ins Studium kehrte er nach seiner Ausbildung an der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule zurück. Die Magisterarbeit hat er schon halb geschafft - und wird an der Mensakasse noch nicht nach dem Studentenausweis gefragt.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Du sprichst mir aus der Seele
Grumokh 26.05.2012
Ich bin einer dieser furchterregenden Langzeitstudenten (35 Semester) und habe grade (vor 3 Wochen) meine Magisterarbeit abgegeben. Die Erfahrungen ähneln sich. Bestimmten Sprechstundentage der Professoren ähneln Veteranentreffen. Da stehen dann 5-8 Magisterstudenten da, von den Bachelors höflich gesietzt.Wärend diese sich über Prüfungsordungen und Punkte unterhalten, reden die Magister über Sachbereiche und das Problem, den Arbeitsinhalt auf nur 80 Seiten unterzubringen. Von vielen Profs wird man anschließen wie ein zum sterben Verurteilter, geschätzter Bekannter behandelt. Alle Langzeitstudis die ich so kennengerlernt habe, arbeiten schon lange, meist in Bereichen der Fachrichtung, Bafög hat nie einer von ihnen bekommen, dafür haben alle Tausende an Studiengebühren gelassen. Als ich angefangen habe, war von Regelstudienzeit nicht mal Ansatzweise die Rede. Auch die Studienordnung war nicht bekannt, noch nicht mal wer wann welches Seminar gab. Antworten auf viele Fragen konnte der Asta geben, aber dahin musste man alleine finden. Generell galt das Prinzip: Finde heraus, wie der Laden läuft und finde dich dabei selbst. Disziplin in Seminaren entstand durch die älteren Semester: Wenn man sich in den Seminaren an den Themen-Diskussionen beteiligen wollte, sollte man vorbereitet sein: Bei dummen Fragen gab es ein kollektives Schmunzeln oder aufstöhnen, sofort war einem klar, dass eine banale Frage gestellt wurde. Trotzdem erbamte sich immer ein älter und fasste kurz zusammen, damit man auf den Stand der Diskussion kam. Gespräche zwischen Studenten störten und wurden mit einem: Könnt ihr bitte leise sein, oder geht doch einfach! abgespeist. Anwesenheitspfilcht war ein Fremdwort, es galt als Höflich, pünktlich zu kommen. Wobei das nicht immer gelang, aber den Unterschied zwischen c.t. und s.t. lernte mann ziemlich schnell. Den Schein gab es für ein Referat in Kombination mit einer Hausarbeit über das Referatsthema. Manche Seminare besuchte man nur zweimal: am Eröffnungstag zum Erhalten eines Themas und an dem Tag, an dem das Referat gehalten werden sollte. Woher man das Wissen bekam, ob aus dem Seminar oder aus Büchern zuhause oder in der Bib war egal, man stand selber in der Beweispflicht, das man den Stoff beherrschte. Ob man eine Hausarbeit machte oder nicht, interessierte niemand, man selber wollte ja schließlich den Schein. Lediglich die erhaltenen Referate sollte man halten, ansonsten waren die Profs verständlicherweise sauer. Ich kann nicht genau sagen, wieviele Referate ich gehalten habe, ohne hinterher die Hausarbeit zu schreiben. Bei den Seminaren heute fühlte ich mich in die Schule zurückversetzt. Die Studenten quatschten wärend des Seminares, in das sie Mittels Anwesenheitspflicht und Regelplan-Pflichtveranstaltung gezwungen werden, der Prof wird zum Infotainer, die Qualität für die Tonne. Die Bachelors werden von den Profs bis an das Ende ihres Studiums an die Hand genommen, erst der Lehrer, dann der Prof. Heraus kommen Fachwissens-Drohnen, denen jegliche Selbständigkeit und Eigeninitiative fehlt, wo hätten sie diese auch jemals lernen können? Aber wenigstens bekommen wir (ein Hurra für die Industrie) wenigstens in Regelmäßigkeit viele von diesen Drohnen. Ob es das ist, was durch die Studienreform erreicht werden sollte, mag ich bezweifeln. Und wenn ich mir die Wehmuts-Reaktionen vieler Profs auf uns Langzeit-Dinosaurier anschaue, glaube ich auch nicht, das die Profs das so haben wollten.
2.
Stef87 26.05.2012
Zitat von GrumokhIch bin einer dieser furchterregenden Langzeitstudenten (35 Semester) und habe grade (vor 3 Wochen) meine Magisterarbeit abgegeben. Die Erfahrungen ähneln sich. Bestimmten Sprechstundentage der Professoren ähneln Veteranentreffen. Da stehen dann 5-8 Magisterstudenten da, von den Bachelors höflich gesietzt.Wärend diese sich über Prüfungsordungen und Punkte unterhalten, reden die Magister über Sachbereiche und das Problem, den Arbeitsinhalt auf nur 80 Seiten unterzubringen. Von vielen Profs wird man anschließen wie ein zum sterben Verurteilter, geschätzter Bekannter behandelt. Alle Langzeitstudis die ich so kennengerlernt habe, arbeiten schon lange, meist in Bereichen der Fachrichtung, Bafög hat nie einer von ihnen bekommen, dafür haben alle Tausende an Studiengebühren gelassen. Als ich angefangen habe, war von Regelstudienzeit nicht mal Ansatzweise die Rede. Auch die Studienordnung war nicht bekannt, noch nicht mal wer wann welches Seminar gab. Antworten auf viele Fragen konnte der Asta geben, aber dahin musste man alleine finden. Generell galt das Prinzip: Finde heraus, wie der Laden läuft und finde dich dabei selbst. Disziplin in Seminaren entstand durch die älteren Semester: Wenn man sich in den Seminaren an den Themen-Diskussionen beteiligen wollte, sollte man vorbereitet sein: Bei dummen Fragen gab es ein kollektives Schmunzeln oder aufstöhnen, sofort war einem klar, dass eine banale Frage gestellt wurde. Trotzdem erbamte sich immer ein älter und fasste kurz zusammen, damit man auf den Stand der Diskussion kam. Gespräche zwischen Studenten störten und wurden mit einem: Könnt ihr bitte leise sein, oder geht doch einfach! abgespeist. Anwesenheitspfilcht war ein Fremdwort, es galt als Höflich, pünktlich zu kommen. Wobei das nicht immer gelang, aber den Unterschied zwischen c.t. und s.t. lernte mann ziemlich schnell. Den Schein gab es für ein Referat in Kombination mit einer Hausarbeit über das Referatsthema. Manche Seminare besuchte man nur zweimal: am Eröffnungstag zum Erhalten eines Themas und an dem Tag, an dem das Referat gehalten werden sollte. Woher man das Wissen bekam, ob aus dem Seminar oder aus Büchern zuhause oder in der Bib war egal, man stand selber in der Beweispflicht, das man den Stoff beherrschte. Ob man eine Hausarbeit machte oder nicht, interessierte niemand, man selber wollte ja schließlich den Schein. Lediglich die erhaltenen Referate sollte man halten, ansonsten waren die Profs verständlicherweise sauer. Ich kann nicht genau sagen, wieviele Referate ich gehalten habe, ohne hinterher die Hausarbeit zu schreiben. Bei den Seminaren heute fühlte ich mich in die Schule zurückversetzt. Die Studenten quatschten wärend des Seminares, in das sie Mittels Anwesenheitspflicht und Regelplan-Pflichtveranstaltung gezwungen werden, der Prof wird zum Infotainer, die Qualität für die Tonne. Die Bachelors werden von den Profs bis an das Ende ihres Studiums an die Hand genommen, erst der Lehrer, dann der Prof. Heraus kommen Fachwissens-Drohnen, denen jegliche Selbständigkeit und Eigeninitiative fehlt, wo hätten sie diese auch jemals lernen können? Aber wenigstens bekommen wir (ein Hurra für die Industrie) wenigstens in Regelmäßigkeit viele von diesen Drohnen. Ob es das ist, was durch die Studienreform erreicht werden sollte, mag ich bezweifeln. Und wenn ich mir die Wehmuts-Reaktionen vieler Profs auf uns Langzeit-Dinosaurier anschaue, glaube ich auch nicht, das die Profs das so haben wollten.
Ich bin kein grundlegender Verfechter des neuen Systems, aber dass sich jemand in 35 Semestern viel Selbstständigkeit/Eigeninitiative aneignet hat nicht ausschließlich mit dem Studium zu tun. 35 Semester sind eine lange Zeit, wer in 17,5 Jahren keine Reife entwickelt sollte die Ursache dafür woanders suchen. Wenn sie glauben, dass ein Student, der nach 10 Semestern seinen Master abschließt, sich in den darauffolgenden 12,5 Berufsjahren weniger Eigeninitiative aneignet, liegen Sie gründlich daneben. Was durch Bologna erreicht wurde, ist natürlich ein durchschnittlich früherer einstieg in den Beruf, und eine verschiebung eines Teils der Ausbildung aus dem Studium in den Beruf hinein. Da müssen sich Studenten und Arbeitgeber anpassen, etwas anderes bleibt ihnen nicht übrig. Das alles hat aber meiner Meinung nach nicht ausschließlich Nachteile.
3.
bennobenzen 26.05.2012
Muss da Stef87 grundsätzlich zustimmen. In einigen Fächern mag es sinnvoll sein, mehr Freiheiten zu haben, um seinen Geist wirklich selbstständig entwickeln zu können. Dass dafür 35 Semester notwendig sind, glaube ich nicht, aber wahrscheinlich war studieren und Unterhalt verdienen ja auch nicht das einzige, dass Deine persönliche Entwicklung während dieser Zeit vorangetrieben hat. Man sollte bei der Diskussion dennoch auch immer im Auge behalten, dass es einige Menschen gibt, denen ein Studium versagt bleibt und die stattdessen täglich körperlich harte Arbeit leisten müssen - angefangen direkt nach der Schule. Unter anderem diese Menschen zahlen mit ihren Steuern dann für unser Bildungssystem - denn die Studiengebühren sind wohl eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.
4. realitätsfernes Jammern
suane 26.05.2012
Als jemand der Langzeitstudenten seit einiger Zeit kennt möchte ich mich gegen solch gefühlsduselige Aussagen (wie schlimm es für diese Personen ist an eine Universität mit Regeln zu kommen) aussprechen. Das neue System birgt u.a. die Möglichkeit das Studium sehr viel strukturierter (für Dozenten und Studenten) zu planen. Wer damit allzu große Probleme hat sollte sich fragen ob das System oder gar man selber das Problem ist. Ein Studium von 35 Semestern (siehe 1. Kommentar) und mehr ohne einen Abschluss ist oft weder mit dem nötigen Erwerb von Reife noch mit anderen Ausreden zu begründen. "Nicht studierfähig" trifft es wohl eher. Bildung ist ein hohes Gut und sollte unserer Gesellschaft nutzen. Langzeitstudenten bewirken in den meisten Fällen jedoch das Gegenteil. Da kann man noch so viele Studienbeträge aufzählen, die Kosten eines Kurses oder gar Praktikums kann dies nicht aufwiegen. Ergo verliert die Universität viel Kapital und Personal an Menschen die meiner Meinung nach in vielen Fällen selbst mit Ü30 nicht die nötige Reife für einen Hochschulabschluss besitzen. Das Argumnent der "nötigen Zeit zum Selbststudium" hört sich sehr klangvoll an, wird jedoch in den meisten Fällen mit "Freizeit=Wein, Weib und Gesang" gleichgesetzt. Ich möchte niemanden über einen Kamm scheren, jedoch darauf hinweisen, dass nach meiner Lehrerfahrung mit Studenten die Mehrheit solcher Langzeitstudenten exmatrikuliert gehören, da sie oft ohne Begründung den Hochschulen und damit der Gesellschaft auf der Tasche liegen und durch ihre oft fehlende Arbeitsmoral/Anwesenheit Dozenten wie auch Mitstudenten (z.B. im Falls von Gruppenarbeiten) z.T. massiv behindern. Zuletzt will ich nicht verschweigen, dass es Ausnahmen gibt (solche die mit berechigten Gründen sehr spät ihr Studium beenden). Ihnen wird fast jeder Dozent unter die Arme greifen damit sie viele Jahre ihres Lebens nicht umsonst studiert haben. Der Rest/Die Mehrheit dieses Personenkreises möge sich jedoch vor Augen halten welche Arbeitsleistung ein junger Mensch nach seinem Realabschluss leisten muss, der eine Lehre anfängt und mit späterstens 20 eine 40 Stundenwoche abarbeitet und sich über derartiges Jammern auf hohem Niveau nur wundern würde.
5.
ottojan 27.05.2012
Zitat von suaneAls jemand der Langzeitstudenten seit einiger Zeit kennt möchte ich mich gegen solch gefühlsduselige Aussagen (wie schlimm es für diese Personen ist an eine Universität mit Regeln zu kommen) aussprechen. Das neue System birgt u.a. die Möglichkeit das Studium sehr viel strukturierter (für Dozenten und Studenten) zu planen. Wer damit allzu große Probleme hat sollte sich fragen ob das System oder gar man selber das Problem ist. Ein Studium von 35 Semestern (siehe 1. Kommentar) und mehr ohne einen Abschluss ist oft weder mit dem nötigen Erwerb von Reife noch mit anderen Ausreden zu begründen. "Nicht studierfähig" trifft es wohl eher. Bildung ist ein hohes Gut und sollte unserer Gesellschaft nutzen. Langzeitstudenten bewirken in den meisten Fällen jedoch das Gegenteil. Da kann man noch so viele Studienbeträge aufzählen, die Kosten eines Kurses oder gar Praktikums kann dies nicht aufwiegen. Ergo verliert die Universität viel Kapital und Personal an Menschen die meiner Meinung nach in vielen Fällen selbst mit Ü30 nicht die nötige Reife für einen Hochschulabschluss besitzen. Das Argumnent der "nötigen Zeit zum Selbststudium" hört sich sehr klangvoll an, wird jedoch in den meisten Fällen mit "Freizeit=Wein, Weib und Gesang" gleichgesetzt. Ich möchte niemanden über einen Kamm scheren, jedoch darauf hinweisen, dass nach meiner Lehrerfahrung mit Studenten die Mehrheit solcher Langzeitstudenten exmatrikuliert gehören, da sie oft ohne Begründung den Hochschulen und damit der Gesellschaft auf der Tasche liegen und durch ihre oft fehlende Arbeitsmoral/Anwesenheit Dozenten wie auch Mitstudenten (z.B. im Falls von Gruppenarbeiten) z.T. massiv behindern. Zuletzt will ich nicht verschweigen, dass es Ausnahmen gibt (solche die mit berechigten Gründen sehr spät ihr Studium beenden). Ihnen wird fast jeder Dozent unter die Arme greifen damit sie viele Jahre ihres Lebens nicht umsonst studiert haben. Der Rest/Die Mehrheit dieses Personenkreises möge sich jedoch vor Augen halten welche Arbeitsleistung ein junger Mensch nach seinem Realabschluss leisten muss, der eine Lehre anfängt und mit späterstens 20 eine 40 Stundenwoche abarbeitet und sich über derartiges Jammern auf hohem Niveau nur wundern würde.
nunja, ich als mittlerweile wohl auch Langzeitstudent habe die Erfahrung gemacht, dass die Seminare von den älteren Semestern leben. Die 'Kids', mit mittlerweile 17 Jahren aus dem Gymnasium kommend, haben als Entscheidungshilfe zum Großteil nur den Studienführer der Zeit gelesen, genug Geld für viel Party von Papa und kommen im Bachelor mit erschreckend geringem Niveau trotzdem durch - liegt wohl aber auch an den Anforderungen, die sogenannte 'Dozenten', aus Mangel an Mitteln eingestellt, fordern. Ein Referat, egal wie schlecht, im Semester reicht als LN da schon, hält den Arbeitsaufwand für den Lehrbeauftragten ja auch eher angenehm ;) Alle, aber auch wirklich ALLE Langzeitstudenten, die ich so kenne (und das sind einige, man trifft sich halt) studieren ja nicht zum Spaß für 20 Semester. Man muss sein Studium irgendwie finanzieren, weil die Eltern nicht zahlen können (Hausbau mit Krediten? viel Spaß mit dem Bafög...) oder zahlen wollen (ja, man könnte klagen - aber wer verklagt seine Eltern?!) oder mal gleich tot sind, man hat gesundheitliche Probleme oder oder oder. Wenn es nicht normgerecht läuftfällt man halt aus dem Raster. Während meine Kommilitonen in den Semesterferien in den Süden fliegen, arbeite ich in zwei Jobs teilweise mehr als 12h/Tag um über die Runden zu kommen. Das macht mich auch nicht wütend, wütend macht mich das Geseier über die "Wein, Weib und Gesang"-Mentalität, die angeblich herrscht. Ich bitte Dich, falls Du tatsächlich Dozent sein solltest, Deine älteren Studenten einfach mal nach deren Lage fragst.
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