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Jobeinstieg bei Consultingfirmen Was Junior-Berater wollen

Job als Rollkofferlokomotive: Zur Ruhe kommen Berater eher selten Zur Großansicht
Corbis

Job als Rollkofferlokomotive: Zur Ruhe kommen Berater eher selten

Für junge Akademiker sind Unternehmensberatungen attraktive Arbeitgeber. Eine neue Studie zeigt, worauf es ankommt: Das Startgehalt ist nicht so wichtig, Neulinge werden sowieso mit Geld beworfen. Mehr zählen die Karrierechancen - und oft denken Talente schon vor dem Einstieg an den Ausstieg.

Sie fischen alle im selben Teich. Die großen und die kleinen Beraterfirmen, die Generalisten und die Spezialisten, die mit klangvollen Namen und die nur in Fachkreisen Bekannten - mit Macht buhlen sie um den passenden Nachwuchs, fangfrisch von der Uni: Jung und hungrig sollen die Neulinge sein. Ehrgeizig, leistungsbereit, abenteuerlustig. Spitzennoten sind selbstverständlich, Sprachkenntnisse und Auslandserfahrung auch.

Oft haben die Arbeitgeber auch klare Präferenzen, welche akademische Ausbildung sie bevorzugen: Unternehmensberatungen geben zwar Exoten eine Chance, aber am Ende setzen sich meist doch Wirtschaftswissenschaftler durch. Als gute Adressen gelten zum Beispiel die Privathochschulen WHU und EBS, ebenso willkommen sind Absolventen von Universitäten wie Köln, Mannheim und München.

Dazu suchen Unternehmensberatungen nach "Persönlichkeit". Oft ist das nur eine Chiffre dafür, dass die jungen Einsteiger so ticken sollen, dass zehn Jahre ältere Personaler und Berater sich in ihnen wiedererkennen. Smalltalk-fähig sollen sie also sein, beim Powerpoint-Karaoke keinen roten Kopf bekommen, jederzeit gewinnend auftreten. Und, bittschön, nicht das Fischmesser mit der Salatgabel verwechseln. Denn auch Consultant-Grünschnäbel dürfen weder sich selbst noch ihre Firma beim Kunden blamieren: Wo Tagessätze um die tausend Euro verlangt und bezahlt werden, zählt nicht zuletzt Trittsicherheit auf jedem gesellschaftlichen Parkett.

Strategieberatungen in der Bewerbergunst vorn

Das ungefähr suchen Beratungen bei Einsteigern. Was aber suchen Einsteiger bei Beratungen?

Eine neue, noch unveröffentlichte Untersuchung gibt darüber Aufschluss. Die Karriereplattform Squeaker.net hat kürzlich junge Akademiker nach ihren Erwartungen und Kriterien für die Arbeitgeberwahl gefragt. Rund tausend machten mit, überwiegend Laufkundschaft auf der Squeaker-Homepage, dazu Mitglieder studentischer Unternehmensberatungen.

Die meisten Teilnehmer, im Schnitt 26 Jahre alt, sind beratungsaffin, interessieren sich also konkret für einen Berufsstart als Consultant und haben oft schon erste Erfahrungen gesammelt, etwa in Praktika oder Workshops. Gut die Hälfte hat den Studienabschluss noch vor sich, die andere Hälfte bereits geschafft; knapp zwei Drittel sind Wirtschaftswissenschaftler.

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Erste Erkenntnis: Die Teilnehmer interessieren sich mit großem Abstand zuvörderst für die Arbeit in einer klassischen Strategieberatung. Auf den nächsten Rängen landeten die Tätigkeitsfelder Corporate Finance (Unternehmensfinanzierung), Inhouse (interne Beratung in Großkonzernen), IT-Beratung sowie Human Resources (Personalwesen).

Bekannt heißt noch nicht attraktiv

Zweite Erkenntnis: Die großen und die kleineren Wettbewerber sind jungen Akademikern, die sich für eine Beraterkarriere interessieren, wohlvertraut. Die bekanntesten Firmen heißen, wenig überraschend, McKinsey, Boston Consulting Group (BCG) und Roland Berger. Direkt dahinter liegen schon Firmen mit Schwerpunkt Wirtschaftsprüfung: KPMG, PricewaterhouseCoopers (PwC) und Deloitte. Die Unterschiede in der Spitzengruppe sind recht gering, lediglich zum Ende der Top 20 nimmt die Bekanntheit bei Firmen wie Simon Kucher, Bayer Business Consulting oder ZEB ab.

Allerdings stimmen - dritte Erkenntnis - Bekanntheit und Zugkraft als Arbeitgeber nicht überein. Spitzenreiter bei der Attraktivität ist Boston Consulting vor McKinsey. Auf Rang drei schob sich Booz & Company, bei der reinen Bekanntheit nicht unter den Top Ten. Ähnlich schaffte es Oliver Wyman auf Rang fünf, lag aber bei der Bekanntheit nur auf dem 13. Platz. Um mehrere Ränge rutschten die drei großen Wirtschaftsprüfer nach unten.

"Im Zweifel schlägt also die unbekanntere Strategieberatung in der Bewerbergunst die bekanntere Wirtschaftsprüfungsgesellschaft", sagt Squeaker.net-Mitarbeiter Daniel Krewet. Manche Beratungen hätten zwar einen guten Ruf als Arbeitgeber, müssten aber noch daran arbeiten, dass potentielle Bewerber sie überhaupt kennenlernen. Überrascht hat Krewet, dass mit Siemens MC auch einer großen Inhouse-Beratung der Sprung unter die Top Ten gelang.

Heute hier, morgen dort

Die Studie ist eine nicht repräsentative Momentaufnahme, taugt aber als Stimmungsbild bei potentiellen Bewerbern. Wonach suchen sie ihren Arbeitgeber aus? Etwas vage wurde in der Untersuchung nach 20 Kriterien gefragt. Es dominieren "Kollegen", "Unternehmenskultur" und "intellektuell stimulierendes Arbeiten" - dazu kann im Prinzip noch jeder ja und amen sagen. In der Einzelauswertung ist aber aufschlussreich, was die Teilnehmer ignorieren und wo sie Abstriche zu machen bereit sind.

Empfehlungen durch Freunde und Bekannte rangieren weit abgeschlagen auf Rang 18, auch das Einstiegsgehalt ist nachrangig. Bei großen, renommierten Beratungen können schon Berufsstarter Einkommen weit oberhalb von 60.000 Euro kassieren. Die Gehaltsentwicklung ist für die Jobinteressenten viel wichtiger (Rang vier), denn in Unternehmensberatungen sind in kurzer Zeit große Sprünge drin. "Die Leute wissen, dass man als junger Berater mehr verdient als in den meisten anderen Branchen", deutet Daniel Krewet die Ergebnisse, "auf 3000 Euro Unterschied beim Startgehalt kommt es weniger an als auf die späteren Verdienstmöglichkeiten."

Wie viele Reisen mit der Arbeit verbunden sind, juckt die Teilnehmer so wenig wie der Bürostandort. Offenbar erwarten sie ein Bonusmeilen-Leben aus dem Rollkoffer; für manche macht vielleicht genau das den Reiz des Jobs aus. Daniel Krewet: "Wer als Berater einsteigt, weiß schon, dass er deutschland-, europa- oder gar weltweit unterwegs sein wird. Meist hat man nur einen Bürotag pro Woche und ist vier Tage bei Kunden - oder auch sechs Tage."

Gibt es ein Leben neben der Arbeit?

Auf viel Freizeit legen es die Umfrageteilnehmer nicht an. Möglichkeiten für Teilzeitarbeit? Pffftt. Letzter Platz. Und die Work-Life-Balance, nach all den Burnout-Debatten derzeit in vielen Unternehmen zwischen Modethema und ernsthafter Strategie? Schafft es immerhin auf den siebten Rang. Ein näherer Blick zeigt jedoch auch, dass die potentiellen Bewerber sich am stärksten just für jene Firmen interessieren, bei denen sie mit moderaten Arbeitszeiten gar nicht erst rechnen: McKinsey und BCG.

Verblüffend in der Umfrage: Unter den Top-Kriterien bei der Arbeitgeberwahl landen die Karrierechancen nach dem Ausscheiden. Schon bevor sie überhaupt eingestiegen sind, denken Jobinteressenten also über ihren späteren Ausstieg nach. Unternehmensberatungen haben einen Ruf als Durchlauferhitzer; auf dem Weg an die Spitze wird stark gesiebt, "up or out" gilt als gusseiserne Branchenregel.

Zu einem Vertrag auf Zeit sind Berufsanfänger offenbar bereit: Mit großem Tempo brausen sie für ein paar Jahre von Kunde zu Kunde und verzichten auf viel Privatleben. Dann sind sie entweder in einer Beratung aufgestiegen, tun etwas wirklich Sinnvolles oder wechseln den Arbeitgeber mitsamt Branche. Zum Beispiel zu Kunden, die sie aus der Beratungstätigkeit kennen. Unternehmensberater sind große Netzwerker, an Kontakten fehlt es ihnen selten.

Jochen Leffers (Jahrgang 1965) ist SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und leitet das Ressort KarriereSPIEGEL.

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Was machen eigentlich... Berater?
Worum geht's, wenn die Berater kommen?
Berater streichen nicht nur Stellen, tatsächlich machen 43 Prozent aller Aufträge Beratungen aus, die die Organisation oder bestimmte Prozesse im Unternehmen verbessern sollen. Bei rund einem Viertel der Jobs geht es um Strategieberatung, die Kunden wollen also wissen, wie sie sich aufstellen sollen. 22 Prozent der Aufträge betreffen IT-Beratung. Nur in zehn Prozent der Fälle geht es tatsächlich um Personalmaßnahmen.
Welche Branchen werden beraten?
Grundsätzlich kann jedes Unternehmen Hilfe bei einem Berater suchen, manche Beratungen haben sich auf spezielle Branchen, Unternehmensgrößen oder Vorgehensweisen spezialisiert. Die Nachfrage nach Beratung ist im produzierenden Gewerbe am stärksten, im Automobilbereich und allgemein bei Produzenten von Konsumgütern. Auch Kreditinstitute beschäftigen häufig Berater. Je nach Ziel kann ein Beratungsprojekt zwischen zwei Wochen und mehreren Jahren dauern. Verstärkter Beratungsbedarf wird für das nächste Jahr vor allem in der Energiebranche erwartet, da durch Atomausstieg und Energiewende ganze Geschäftsmodelle verändert werden müssen.
Wie läuft das konkret ab?
Zum Beispiel eine Strategieberatung: Meist gibt es drei Phasen. Bei der Analyse wird zunächst die Situation untersucht und gefragt: Was will das Unternehmen erreichen? Was muss man tun, um einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen? Anschließend werden Lösungsoptionen entwickelt, die Vorschläge bewertet, dann dem Vorstand präsentiert, der entscheidet, wie die Berater vorgehen sollen.

Dann wird das abgesegnete Konzept weiterentwickelt, bis man es umsetzen kann. Die Berater bringen den Beschäftigten, die durch die Umstellung betroffen sind, bei, wie sie jetzt vorgehen müssen, wie kommuniziert werden soll, und organisieren Schulungen. Zum Abschluss geben die Berater eine umfassende Dokumentation ab. Immer öfter bleiben Unternehmen jedoch in Kontakt mit den Beratungen, so dass bei neuen Projekten ohne große Kennenlernphase weitergemacht werden kann.

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Ausgangslage
Corbis
Die großen Konzerne schließen mit den Beratungsfirmen Rahmenverträge ab, meist 50 bis 60 Seiten starke Regelwerke. Dort wird genau festgelegt, ab welchem Projektvolumen wie viel bezahlt wird. Solche Knebelabkommen drücken die Honorare. Seit der Krise sind sie im Topsegment der Dax-Liga um 15 bis 20 Prozent gesunken.
Was ein Berater kostet
Für einen Juniorberater (ein bis zwei Jahre Erfahrung) werden im Schnitt 1000 Euro am Tag bezahlt, ein klassischer Berater (zwei bis fünf Jahre) ist dotiert mit 2000 Euro, ein sogenannter Engagement Manager (bis sechs Jahre) liegt bei 3000 bis 4000 Euro. Bei Seniorpartnern oder Direktoren sind die Preise stabil; dort werden 5000 bis 10 000 Euro berechnet, je nach Guru-Status.
Gegenreaktionen
Damit es finanziell rund läuft, weichen die Berater zum einen auf spendable und naive Kundengruppen aus. Zum Beispiel auf Landesbanken, die mit dem Geld der Steuerzahler prassen. Oder auf Mittelständler: Dort werden Projekte meist mit dem Chef persönlich vereinbart, für den spielt der Preis nur eine untergeordnete Rolle. Die andere Möglichkeit, auf die einzelne Consultingfirmen verfallen: Man hebelt die Rahmenverträge mit allerlei Tricks aus.
Trick 1: Klonen kann sich lohnen
Das Partner-Cloning, auch als "doppeltes Lottchen" bekannt - Partner werden mehrfach verkauft. Sie berechnen für ein Projekt in der Regel 30 Prozent ihrer Arbeitszeit, betreuen aber nicht drei, sondern manchmal acht oder neun Projekte gleichzeitig. Je seniorer ein Partner, umso öfter wird er auf Kunden verteilt, weil das bei einem Tagessatz von 5000 Euro richtig Geld bringt.
Trick 2: Das virtuelle Upgrading
Eine besonders perfide Nummer: Erfahrung wird nur vorgetäuscht. Aus dem Praktikanten wird ein Juniorberater, aus einem Analysten ein Berater. Wer ein paar Wochen in einer Branche hospitiert hat, gilt bereits als Experte, Sabbaticals werden schon mal verschwiegen. Pfiffige Klienten lassen sich zwar die Vita des eingekauften Beraters zeigen. Es hilft nur nichts: "Manche haben zehn verschiedene Lebensläufe", sagt ein Beratungsexperte. Deshalb gibt es auf den Visitenkarten der meisten Berater auch keine Titel, jedenfalls so lange, bis sie Partner sind. Der Kompetenztrick bringt gerade junge Consultants in Gewissenskonflikte: Sie werden dem Kunden als Projektleiter offeriert, sind es aber noch gar nicht.
Trick 3: Das Offshoring
Man holt billige Juniorberater aus dem Ausland in Projekte und vermietet sie zu Toptarifen. Im Branchensprech wird diese Praxis als "Rent an Inder" oder "Rent a Russian" bezeichnet. Vor allem in Deutschland und der Schweiz, wo die Tagessätze vergleichsweise üppig sind, rentiert sich der Einsatz der Billigjobber. Die Masche fällt selten auf, in den meisten Rahmenverträgen sind keine landesspezifischen Honorare vereinbart.
Trick 4: Das Outsourcing
Ehemalige Berater, in Ehren ergraut, werden als Projektleiter oder Senior Advisor eingesetzt. Die Leiharbeiter, die den Kunden mit Erfahrung beeindrucken, kosten nicht viel und sind flexibel. Bricht das Geschäft ein, bleiben die Freelancer einfach zu Hause.
Trick 5: Das Phasing-in
Der Projektleiter kommt erst nach dem Start des Projekts und wird früher abgezogen, weil er schon beim nächsten Kunden gebucht ist.
Was tun?
Der professionelle Kunde misst die Anwesenheit, lässt die eigenen Leute im Projektteam die Einsatzzeiten der Externen notieren. Er ordert die Lebensläufe, mit denen sich die Berater einstmals bei ihrer Firma beworben haben, die bieten noch den größten Wahrheitsgehalt. Er holt sich Referenzen von anderen Unternehmen, legt Namensdatenbanken an - mit Stärken, Schwächen und Schrullen. Bei Beratern besonders gefürchtet: Volkswagen, Telekom, Daimler, BASF.
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