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McKinsey und Co. unter Druck Wer will noch Berater werden?

Consulting Monitor 2015: Die Trends in der Beraterbranche Fotos
DPA

Wer Wirtschaft studiert hat und gut verdienen will, geht zur Unternehmensberatung - diese Gleichung gilt nicht mehr. McKinsey und Co. plagen Nachwuchssorgen, vor allem Internetgründer wie die Samwer-Brüder setzen ihnen zu.

Wenn Oliver Samwer, 41, an alter Wirkungsstätte neue Truppen anwirbt, ist der Saal meist proppenvoll. Seinem gewohnten Managementstil treu bleibend, schaltet Samwer an der Privathochschule WHU in Vallendar dann auf Attacke gegen die Konkurrenz. So will er Studierende von einem Job in seinem weitverzweigten Firmenimperium, Rocket Internet, überzeugen.

Sein Furor trifft vor allem Unternehmensberatungen. McKinsey? "Ist University XXL." Wer ungern Verantwortung trage und Entscheidungen treffe, sei bei den großen Beratungen genau richtig. Er selbst suche die anderen, die mit Mut und einem Traum, tönt Samwer.

Das ist nicht nur Wortgeklingel. Die Chefqualitäten von Oliver Samwer, der sich selbst einmal als "aggressivsten Mann im Internet" bezeichnet hat (so das manager magazin), sind durchaus umstritten; im Firmenimperium der Samwer-Brüder kann man schnell aufsteigen, aber auch schnell fallen. Für die Beraterbranche jedoch sind Samwers lockere Sprüche längst zum Problem geworden. 71 Prozent der Consultants glauben, dass es ihrer Zunft im aktuellen Wandel schwerer fallen wird, die Top-Talente für sich zu gewinnen. Jeder Zweite gibt an, dass der eigene Arbeitgeber zunehmend Schwierigkeiten hat, exzellente Berufseinsteiger zu finden.

Digitalwirtschaft als stärkster Wettbewerber um Top-Talente

"Die Consulting-Industrie steht mitten im dramatischsten Wandel seit ihrem Entstehen Ende des 19. Jahrhunderts", bilanziert Daniel Nerlich, der die Branche für die Personalberatung Odgers Berndtson unter die Lupe genommen hat. Für den "Consulting Monitor 2015", der manager magazin online vorliegt, wurden rund 2400 Unternehmensberater befragt, die meisten Senior Professionals oder Partner; gut 40 Prozent sind bei einer internationalen Großberatung mit mehr als tausend Mitarbeitern beschäftigt.

Alle Beratungen beschäftigt die Frage, wie sie exzellente Mitarbeiter überzeugen und an sich binden können. Zwei Drittel der befragten Consultants sehen Start-ups und dynamische Digitalfirmen als stärker werdende Konkurrenz. Zugleich gibt es auch bei ihnen selbst ein ausgeprägtes Wechselinteresse. So hat über die Hälfte im zurückliegenden Jahr mindestens ein Bewerbungsgespräch für eine Stelle außerhalb des Consultings geführt, wie die "Monitor"-Umfrage zeigt. 42 Prozent können sich auch vorstellen, als Freiberufler am Markt tätig zu werden.

Dass sie auf dem Bewerbermarkt gegen die Digitalwirtschaft zunehmend an Boden verlieren, dürfte den Consultants mittelfristig die größten Schwierigkeiten bereiten. Andere Bereiche der Branche geraten schon jetzt ins Wanken.

Die deutliche Mehrheit der Berater sieht klassische Unternehmensberatungen verstärkt unter Druck und hält massive Veränderungen für notwendig. So berichten 66 Prozent der Befragten von Kundenpitches, bei denen erste Zwischenergebnisse honorarfrei präsentiert werden müssen - vor einigen Jahren noch hätten die Berater dafür eine dicke Rechnung geschrieben. Fast jeder Zweite sagt, dass Kunden die vereinbarte Vergütung unmittelbar an den Projekterfolg koppeln.

Schönheitsreparaturen am Geschäftsmodell reichen nicht mehr

Und kaum ist der Markteintritt großer Wirtschaftsprüfer halbwegs verdaut (etwa die Übernahme von Booz & Company durch PricewaterhouseCoopers), droht am Horizont der nächste Gigant: 50 Prozent glauben, dass Technologieriesen wie Google mit ihrer Big-Data-Kompetenz künftig in direkte Konkurrenz zu den angestammten Consultants treten.

Schon jetzt schmilzt wegen Big Data der Kompetenzvorsprung der Beratungsfirmen gegenüber dem Kunden: "Mit flüchtigen Schönheitsreparaturen lässt sich das Geschäftsmodell nicht mehr stabilisieren", sagt Odgers Berndtson-Mann Nerlich.

Der einzige Ausweg: wieder attraktiver werden für die klügsten Köpfe. Vier von fünf Beratern sind überzeugt, dass ihre Branche künftig ein Arbeitsumfeld schaffen muss, das den Lebensumständen der umworbenen Generation Y besser entspricht, vor allem durch flexiblere Arbeitszeitmodelle, zudem durch bessere Angebote zur Fortbildung und inhaltlich attraktivere Aufgaben.

Das wäre mal etwas ganz Neues: Im Kampf um die Talente punkten McKinsey und Co. ausgerechnet mit Work-Life-Balance.

  • Klaus Werle (Jahrgang 1973) ist Redakteur beim manager magazin.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 118 Beiträge
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1. Generation Y?
ohminus 22.05.2015
Das zeigt doch, was das eigentliche Problem ist: Berater setzen auf Absolventen, die nach Schema F in "One size fits all"-Manier die etablierten Werkzeuge des eigenen Beratungsunternehmens anwenden. Stattdessen sollte man sich lieber auf Leute konzentrieren, die Berufserfahrung in bestimmten Branchen haben, ein Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und gerne andere beraten. Aber man blendet viel lieber mit ein paar blutjungen Absolventen von vermeintlich tollen Hochschulen mit exzellenten Noten, die von den Branchen, die sie beraten sollen, tatsächlich recht wenig verstehen.
2. Ist doch klar...
sargent 22.05.2015
...die brauchen eine Unternehmensberatung
3. ohminus
hirzer68 22.05.2015
Aber genau die mit langjähriger Tätigkeit in der Branche haben fen Karren in den Dreck gefahren. Und langjährige Tätigkeit allein ist noch kein Qualifikationsmerkmal sondern oft Betriebsblindheit.
4. Du weisst, dass eine Unternehmensberatung im Haus ist...
eldoloroso 22.05.2015
Tach, ...wenn das Management an der Qualität deiner Powerpoints rumzumäkeln beginnt. Gehört von einem McKinseyaner.
5.
g0r3 22.05.2015
Zum einen verstehe ich nicht, warum immer von High-Potentials gesprochen wird, wenn das Tätigkeitsfeld in weiten Teilen sowieso nur im Auswendiglernen und Abrufen von Case Studies geht. Zum anderen stellt sie die Frage: Wenn die alle so gut beraten, warum gründen sie nicht selbst ein Unternehmen? Meines Erachtens besteht die gesamte Branche in weiten Teilen nur als Binsenweisheiten, die geschickt verkauft werden, sowie Scharlatanie. Die realen Effekte sind quasi nie belegbar.
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