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Wirtschaftselite Wer hat die beste Seilschaft?

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Corbis

Netzwerk: Informeller Austausch unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Fleiß hin, Talent her - wichtige Entscheidungen der Wirtschaft werden in Geheimzirkeln getroffen. Ausländische Elitehochschulen sehen ihre Seilschaften als Aushängeschilder. Dagegen scheuen Deutschlands Topmanager die Öffentlichkeit und kungeln meist im Dunkeln, sagt der Elitenforscher Michael Hartmann.

Frage: Herr Hartmann, in Deutschland trifft sich die Wirtschaftselite oft in vertraulichen Zirkeln, deren Existenz sie am liebsten leugnen würde. Sind diese geheimen Runden eine Bedrohung für die Demokratie?

Hartmann: Das vielleicht nicht. Aber es handelt sich zweifellos um geschlossene Gesellschaften. In diesen closed shops, zu denen eben nicht jeder x-beliebige Manager Zugang hat, bilden sich exklusive Maßstäbe für Persönlichkeiten heraus.

Frage: In Deutschland, so scheint es jedenfalls, verkehren die Topmanager heute zunehmend informell und privat miteinander. Wie vernetzt sich das Establishment im Ausland?

Hartmann: Während Seilschaften in Deutschland meist an einzelnen oder wenigen Personen hängen, sind solche Bünde im Ausland oft institutionell verankert, etwa über die Elitehochschulen in Frankreich oder Eliteuniversitäten in den angelsächsischen Ländern.

Frage: Welches Netzwerk ist stabiler: Alma mater oder diskrete Kungelrunde?

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Übersicht: Die wichtigsten Netzwerke der deutschen Wirtschaftselite
Hartmann: Ein Netzwerk über eine Organisation ist naturgemäß langlebiger und überdauert oft Jahrzehnte. Personennetzwerke hingegen zerfallen in der Regel spätestens mit dem Karriereende seiner Mitglieder.

Frage: Frankreichs Eliteschule Ena gilt als Machtfabrik und Karrieresprungbrett par excellence. Welche Vorteile hat ein solches System ?

Hartmann: Die Ena hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Sie lebt vom Nimbus: Wir sind das Zentrum der Macht. Das lockt automatisch viele der besten Nachwuchskräfte an, weil mit einem Abschluss gleichsam eine Aufstiegsgarantie verbunden ist. Egal, ob in der höchsten Verwaltung oder in einem staatsnahen Konzern. Und jeder zieht den anderen mit hoch, man kennt sich schließlich seit der Studienzeit, war vielleicht sogar in derselben Klasse. Diese Form der Eliteförderung hat allerdings auch Nachteile.

Frage: Welche?

Hartmann: Man züchtet vor allem Technokraten, vielseitig verwendbar zwar, aber eher gleichförmig und wenig kreativ. Außerdem ist die Ena sozial sehr geschlossen.

Frage : Sie soll sich stärker öffnen, etwa für Stipendiaten, fordern französische Politiker. Manche wollen die Ena gar abschaffen. Ist das realistisch?

McKinsey sucht die Führungselite von morgen
Die Chance
Sie sind klug, ehrgeizig und leistungsbereit, doch oft sehen viele talentierte Berufseinsteiger ihr Können im Konzernalltag nicht ausreichend wahrgenommen. Da hilft der Vergleich mit anderen - und der Blick über Firmengrenzen. Seit dem Jahr 2000 bietet der Wettbewerb "CEO of the Future" die Chance dazu. Gemeinsam mit namhaften Unternehmen wie Bayer, Credit Suisse, Ergo, Henkel, Metro, Porsche und Vodafone suchen McKinsey, manager magazin und SPIEGEL ONLINE auch in diesem Jahr wieder die Manager der Zukunft.
Die Aufgabe
Im Fokus stehen Young Professionals mit bis zu vier Jahren Berufserfahrung, aber auch examensnahe Studierende sowie Doktoranden mit viel Praxiserfahrung. In der ersten Runde sind die Teilnehmer aufgefordert, in einem Essay ihre Fähigkeit zu kritischem Denken zu beweisen. Sie sollen ausführen, wie sich Erfolg im Jahr 2030 definieren wird und wo Topmanager Prioritäten setzen sollten. Einsendeschluss ist der 25. Mai. Die besten Bewerber werden zu Auswahlworkshops eingeladen, wo sie sich für die zweite Runde qualifizieren können. Dort wird in Wochenendseminaren für Führungsaufgaben und für das große Wettbewerbsfinale in Kitzbühel trainiert. Motivation, interkulturelles Management oder Networking stehen auf dem Stundenplan.
Die Sieger
Die 20 überzeugendsten Kandidaten erreichen die Endrunde - und dürfen am 5. November in Kitzbühel vor erfahrenen Konzernchefs zeigen, was sie draufhaben. Die drei Besten erhalten Karrierebudgets in Höhe von 7000, 5000 und 3000 Euro sowie ein persönliches Mentoring von einem der hochkarätigen Jurymitglieder. Frauen sind den Partnerunternehmen in diesem Jahr besonders wichtig.
Frauen
Fragen, die Nachwuchsmana­gerinnen umtreiben, finden sich in allen Phasen des Wettbewerbs. Zusätz­lich bietet die neu eingerichtete Auftaktveranstaltung "The Female CEO of the Future" Gelegenheit zur Diskussion mit etablierten Topmanagerinnen. Informationen zum gesamten Wettbewerb finden sich im Netz unter www.future-ceo.de , bei E-fellows oder auf der Facebook-Fanpage zum CEO of the Future.
Hartmann: Das sind Wunschträume, die meist von denen kommen, die selbst keine Enarchen sind, wie Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Am Ende sind die Beharrungstendenzen des Ena-Netzwerks bislang immer zu groß gewesen. Deren Strategie kann nur lauten: die Mauern hoch und den Kreis der Eleven exklusiv halten.

Frage : Traditionelle Eliteeinrichtungen wie die Harvard-Business-School in Boston haben ein gut funktionierendes und großflächiges Ehemaligen-Netzwerk. Warum gibt es Vergleichbares nicht in Deutschland?

Hartmann: Es existiert bestenfalls in Ansätzen. Privathochschulen wie die European Business School im Rheingau oder die WHU in Vallendar versuchen es, schaffen es aber nicht, ein Netzwerk in die wichtigen Institutionen und Unternehmen zu knüpfen. Stattdessen treffen sich dort meist nur Unternehmensberater und Investmentbanker.

Frage : Viele Consultingfirmen sind mächtig stolz auf ihr Alumni-Netzwerk. Wie effektiv ist es?

Hartmann: Gut positioniert sind die Berater meist nur in ehemaligen Staatsunternehmen, bei deren Privatisierung sie zuvor fleißig assistiert haben. Davon abgesehen wird das Netzwerk der Beraterbranche stark überbewertet.

Frage : Politiker pflegten ebenfalls Seilschaften, die sich gegenseitig stützten, wie den berühmten Andenpakt, dem unter anderem die CDU-Granden Roland Koch und Christian Wulff angehörten. Was hat die junge Politgarde heute zu bieten?

Hartmann: Was aus dem Andenpakt wurde, der ja als Opposition zu Angela Merkel entstand, ist bekannt: Er ist zerfallen. Und aus der so genannten Pizza-Connection, einem lockeren Bündnis schwarz-grüner Politiker, ist ebenfalls nichts Rechtes geworden. Letztlich verhalten sich Politiker, ob jung oder alt, stets gleich: Sie stabilisieren ihre persönliche Machtbasis und denken an ihre Solokarriere - Pakt hin, Connection her.

  • Das Interview führte Dietmar Student, Chefreporter beim manager magazin. Der Text erschien zuvor im manager magazin.

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Zur Person
Michael Hartmann ist Professor für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt. Er hat sich unter anderem auf die Erforschung der sonst abgeschlossenen Elitenzirkel spezialisiert.


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