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Zehn Jahre nach dem Abi Was ist bloß aus uns geworden?

Eine wollte Hausfrau werden und ist nun Ärztin, die andere wollte so gern zur Uno und ist heute Mutter. Und ihre Schulfreundin lebt im Kloster. Abi 2003: Fünf Frauen aus Essen erzählen über ihre Berufsträume und was daraus wurde.

Ärztin, Journalistin, Lehrerin - das Abibuch liest sich wie das Einmaleins der Traumberufe. Aber wer hat zehn Jahre nach Klausuren und Abschlusspartys seine Träume verwirklicht? Woran sind Pläne gescheitert, welche neuen Chancen haben sich ergeben?

KarriereSPIEGEL-Autorin Birte Schwarz hat fünf ihrer ehemaligen Mitschülerinnen getroffen, die alle an einem Essener Gymnasium das Abitur machten.

  • Von der Schule ins Kloster: "Mir fehlte etwas"

Schwester Maria Regina, 29, hat sich für ein Leben im Kloster entschieden Zur Großansicht
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Schwester Maria Regina, 29, hat sich für ein Leben im Kloster entschieden

Berufswunsch im Abibuch: Lehrerin für Englisch und katholische Theologie

Aktueller Beruf: Lehrerin für Spanisch und katholische Theologie

Der Weg dorthin: "Ich habe in Münster Spanisch und katholische Religion auf Lehramt studiert. Das Studium hat meine Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt, aber ich hätte mir mehr Praxis gewünscht. Meine Entscheidung für das Leben im Kloster ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Früher hatte ich oft das Gefühl, dass etwas fehlte, obwohl ich alles hatte, was ich zum Leben brauchte. Der geregelte Tagesablauf mit den festen Gebetszeiten hilft mir, zur Ruhe zu kommen und meinen Blick wieder auf Gott und auf die Gemeinschaft zu richten. Charakteristisch für die Augustiner Chorfrauen ist eine sogenannte vita mixta: Wir leben in Klausur, einem den Schwestern vorbehaltenen Teil des Klosters direkt an der Schule, gehen aber auch unserem Erziehungsauftrag außerhalb der Klostermauern nach und stehen so im engen Kontakt mit der Welt."

Das würde ich anders machen: "Nichts. Eine Familie mit vielen Kindern zu haben, hätte ich mir noch vorstellen können. Aber ich habe mich nicht gegen eine eigene Familie entschieden, sondern für ein Leben im Kloster."

  • Hausfrau statt Weltenretterin: "Soziologie ist zu schwammig"
Johanna Eilebrecht, 29, ist im Moment die Familie wichtiger als die Karriere Zur Großansicht
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Johanna Eilebrecht, 29, ist im Moment die Familie wichtiger als die Karriere

Berufswunsch im Abibuch: Bei der Uno arbeiten

Aktueller Beruf: Mutter

Der Weg dorthin: "Ich habe in Münster Politik, VWL und Soziologie studiert und viele Praktika gemacht; in Ministerien, im Düsseldorfer Landtag, in einer städtischen Verwaltung. Nach dem Studium bin ich zu meinem Freund nach Zürich gezogen, nach sechs Jahren Fernbeziehung hatte das Priorität. Ich wollte gern bei einer NGO an Projekten mitarbeiten, die Gutes bewirken. So einen Job habe ich leider nicht gefunden. Vielleicht lag es an der Fächerkombination, vielleicht hatte ich kein klares Profil. Als ich 2011 mit meinem Freund, inzwischen Ehemann, nach London gezogen bin, wurde ich zwar schnell zu Gesprächen eingeladen, habe die Jobs aber nicht bekommen. Das war extrem frustrierend. So haben wir uns entschieden, das Kinderthema vorzuziehen. Wir können vom Gehalt meines Mannes leben, ich bin als Mutter aber nicht arbeitslos, sondern habe das Thema Jobsuche nur geparkt!"

Das würde ich anders machen: "Soziologie würde ich nicht mehr studieren, das ist viel zu schwammig. Karrieremäßig hätte ich sicher mehr rausholen können, aber auch viele meiner Kommilitonen hatten Schwierigkeiten, Jobs zu finden. Ich habe aber nicht das Gefühl, irgendwas verpasst zu haben. Mutter sein ist viel befriedigender, als ich gedacht hätte. Als nächstes soll es zurück nach Deutschland gehen. Vielleicht finde ich ja dort einen Job? Uno wäre immer noch cool."

  • Ärztin statt Hausfrau: "Mutter werden will ich immer noch"

Julia Collin, 29, hat die Familienplanung erstmal vertagt Zur Großansicht
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Julia Collin, 29, hat die Familienplanung erstmal vertagt

Berufswunsch im Abibuch: Hausfrau und Mutter

Aktueller Beruf: Ärztin für innere Medizin und Kardiologie

Der Weg dorthin: "Das Medizinstudium in Essen habe ich mit 130 Kommilitonen angefangen. Im ersten Semester haben 50 geschmissen. Man muss schon die Zähne zusammenbeißen, aber irgendwann macht es wirklich Spaß. Nur ein bisschen mehr Praxis hätte ich mir im Studium gewünscht. Nach meinem Staatsexamen habe ich meinen Doktor gemacht und dann als Assistenzärztin am Universitätsklinikum Essen angefangen. Gerade bin ich aus Amerika zurückgekommen, dort habe ich ein Jahr an Stammzellen geforscht. Es war eine wichtige Erfahrung, so ganz auf sich gestellt zu sein. Mutter werden will ich immer noch, aber momentan kann ich mir das einfach nicht vorstellen. Ich bin nicht karrieregeil, aber vereinbar wären Familie und Job derzeit kaum."

Das würde ich anders machen: "Nichts. Mein Vater meint, dass ich alles schon mal machen wollte, zum Beispiel Jura oder Chemie studieren. Daran kann ich mich selbst aber nicht erinnern."

Bilanzen statt Romane: "Mit sich zu hadern gehört dazu"

Janina Redzovic, 30, kann sich an den Eintrag im Abibuch gar nicht mehr erinnern Zur Großansicht
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Janina Redzovic, 30, kann sich an den Eintrag im Abibuch gar nicht mehr erinnern

Berufswunsch im Abibuch: Sozialpädagogin

Aktueller Beruf: Kaufmännische Sachbearbeiterin

Der Weg dorthin: "Dass ich mal Sozialpädagogin werden wollte, kann ich mir gar nicht vorstellen. Das muss ich wohl aus einer Laune heraus geschrieben haben. Weil ich immer gern gelesen habe und Deutsch in der Schule mein Lieblingsfach war, habe ich in Bochum Germanistik und Komparatistik studiert, das war ziemlich naiv. Die Ernüchterung kam schnell: Was soll ich mit dem Studiengang eigentlich werden? Nach sechs Semestern habe ich abgebrochen und eine Ausbildung zur Servicefachkraft für Dialogmarketing gemacht. Als Zeitarbeiterin habe ich 2010 bei der Deutschen Bank angefangen, jetzt arbeite ich unbefristet bei einer Tochterfirma."

Das würde ich anders machen: "Ich würde vielleicht einen anderen Studiengang wählen oder eine Kombi aus Ausbildung und Studium. Finanzsektor, das passt erst auf den zweiten Blick zu mir. Im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden kann ich meine Stärken praktisch einsetzen: Kommunikation und Eloquenz. Ich bin nicht den direkten Weg gegangen und habe auch mit mir gehadert, aber das gehört zum Leben dazu."

  • Vom Ruhrgebiet nach Franken: "Ich bin mit allem zufrieden"

Martina Nürnberg, 29, hat sich ihren Berufswunsch erfüllt Zur Großansicht
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Martina Nürnberg, 29, hat sich ihren Berufswunsch erfüllt

Berufswunsch im Abibuch: Journalistin

Aktueller Beruf: Journalistin

Der Weg dorthin: "Ich dachte, für meinen Berufswunsch bräuchte ich ein Studium und habe die Fächer gewählt, die mir schon in der Schule lagen: Deutsch, Politik und Englisch. Das Studium fand ich absolut langweilig, die schriftlichen Hausarbeiten waren mir ein Graus. Ich habe viele Praktika in Pressestellen und Redaktionen gemacht, das musste ich mir teilweise mit Kellnern finanzieren. 2007 bin ich nach einem Praktikum bei 'Bild' im Ruhrgebiet als freie Mitarbeiterin eingestiegen. Dann war ich auf der Axel-Springer-Akademie in Berlin, seit 2011 bin ich 'Bild'-Redakteurin in Nürnberg."

Das würde ich anders machen: "Ein Auslandssemester hätte mir und meinem Lebenslauf sicher nicht geschadet. Damals hatte ich aber einfach keine Lust dazu. Ich bereue das auch nicht wirklich. Mit allen Entscheidungen bin ich zufrieden, auch damit, dass ich aus meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, weggegangen bin."

  • Birte Schwarz (Jahrgang 1984) wollte früher Archäologin werden. Studiert hat sie Germanistik und Geschichtswissenschaft, mittlerweile arbeitet sie als freie Journalistin im Ruhrgebiet.

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Damals
Report WIT 21.08.2013
wollte ich Offizier bei der Bundeswehr werden.Nach 12 Jahren Dienstzeit sitze ich mit PTBS und dissoziativen Phänomenen als Frührentner zu Hause und klage vergeblich für meine Wehrdienstbeschädigung. Falls jemand diesen Berufswunsch hat:Finger weg!!!vielleicht hätte ich Hausmann werden sollen... Ich freue mich für die 5 Frauen und sehe einem Artikel über die Klassenkameraden entgegen.
2. Warum nur Frauen?
Handschlag 21.08.2013
Interessante Stichprobe, aber ich wundere mich über die Auswahl der Mitschüler. Warum nur Frauen? Mädchengymnasium?
3. 7 Jahre bei mir
HerrKeule 21.08.2013
Kurz nach dem Abi wollte ich noch VWL studieren. Was ich damit genau machen wollte weiß ich gar nicht mehr. Habe mich dann für Wirtschaftsinformatik entschieden und arbeite jetzt als SAP-Berater. Würde alles wieder so machen, da vieles besser gelaufen ist als ich es erwartet habe :-)
4. Männer...
klarafall 21.08.2013
... gibt's in diesem Jahrgang wohl nicht, oder warum werden die einfach unter den Tisch gekehrt?
5. Die Mehrheit der Bevölkerung
AliAlmani 21.08.2013
Warum nicht mal einen Bericht über die "bösen" Hauptschüler? Die Mehrheit der Menschen, also Menschen mit bodenständigen Berufen und ohne Abi, haben keine Lobby in den Medien.
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