Berufsunfähigkeit So finden Sie die passende Versicherung

Tom Jones versichert sein Brusthaar, Sophia Loren ihr Dekolleté. Und Arbeitnehmer versichern sich am besten ganz gegen Berufsunfähigkeit. Die Verträge sind kompliziert - sieben Tipps sorgen für Durchblick.

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Bruce Springsteens Stimme ist mit 5,7 Millionen US-Dollar versichert, Sophia Lorens Dekolleté angeblich mit 125.000 Euro - und das Brusthaar von Tom Jones, so heißt es, mit grandiosen sieben Millionen Dollar. Jaja, werden Sie sagen, die absurden Luxusprobleme der Stars. Aber wenn Stimme, Brüsten und Haar was passiert, müssen die Künstler sich einen neuen Job suchen.

Und wer, wie die meisten von uns, keine Millionen gebunkert hat, hat erst recht Grund, über eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nachzudenken. "Sie ist ein Muss wie die Haftpflichtversicherung", sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Wer wegen einer Krankheit dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, muss mit herben finanziellen Einbußen rechnen. So erhalten etwa alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, bei Berufsunfähigkeit nur noch eine Erwerbsminderungsrente in Höhe von rund 32 Prozent des letzten Bruttoeinkommens, wenn sie weniger als drei Stunden irgendeine berufliche Tätigkeit ausüben können. Bei den wenigsten dürfte das ausreichen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine BU kann diese Lücke auffüllen: Denn die Versicherung zahlt monatlich eine vereinbarte Rente. Aber die Anbieter sind in ihren Angaben oft kryptisch. Da helfen diese sieben Tipps bei der Suche nach einem guten Vertrag:

1. Konditionen vergleichen

Die Höhe des monatlichen Beitrags richtet sich unter anderem nach der Höhe der Rente, der Vertragslaufzeit, dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand. Faustregel: Je gesünder der Versicherte, umso günstiger sind die Angebote, sagt Verbraucherzentralen-Expertin Becker-Eiselen. Die Höhe der BU-Rente sollte 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens betragen. Der Vertrag läuft am besten bis zum Renteneintritt.

Wichtig für die Beitragshöhe ist auch der Beruf. Die Versicherer stufen unterschiedliche Berufe in verschiedene Risikogruppen ein. Geringes Risiko haben zum Beispiel Diplomkaufleute, Verkäufer ein normales. Ein erhöhtes Risiko haben Arzthelfer, Maurer sogar ein hohes Risiko. Je geringer das Risiko, desto günstiger die Beiträge.

Nicht empfehlenswert sind aus Sicht von Verbraucherschützern gekoppelte Verträge, also zum Beispiel eine kapitalbildende Lebensversicherung mit BU. Bei diesen Kombinationen ist der Berufsunfähigkeitsschutz oft zu gering und der Beitrag teuer, weil ein Teil in den Sparvertrag fließt. Günstiger sind Einzelverträge.

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2. Augen auf beim Brutto-Beitrag

Bei der Wahl des Anbieters achten Verbraucher am besten auf den Brutto-Beitrag. Er gibt an, wie hoch die monatliche Zahlung maximal steigen kann, wenn die Versicherung keine Überschüsse mehr erzielt. Die Differenz zwischen dem aktuellen Zahlbeitrag, also dem Netto-Beitrag, und dem maximalen Brutto-Beitrag sollte nicht zu groß sein.

3. Ehrlich sein bei der Gesundheitsprüfung

Da Krankheit die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit ist, prüfen die Anbieter genau, welche Vorerkrankungen bekannt sind. Wer den Fragebogen zur Gesundheitsprüfung nicht wahrheitsgemäß beantwortet und zum Beispiel verschweigt, dass er raucht, eine Extremsportart betreibt oder unter Rückenschmerzen leidet, verwirke möglicherweise seinen Versicherungsschutz, warnt Una Großmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Verbraucher sollten sich mit der Beantwortung der Fragen daher Zeit lassen. Beim Ausfüllen könne auch ein Arzt helfen, der gemeinsam mit dem Patienten die Krankenakte durchgeht. Wichtig zu beachten: Wer schon Vorerkrankungen hat, sollte besser eine unverbindliche anonymisierte Risikovoranfrage stellen. Denn die Versicherung speichert jede Ablehnung im Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft (HIS), auf die auch andere Versicherungsunternehmen Zugriff haben.

4. Risikozuschläge bevorzugen

Menschen mit Vorerkrankungen empfiehlt Bianca Boss vom Bund der Versicherten, lieber einen Risikozuschlag in Kauf zu nehmen, als einen Teil von der BU-Versicherung auszuklammern. Der Beitrag sei dann zwar höher, dafür seien alle Risiken eingeschlossen. Ausschlüsse sollten außerdem verhältnismäßig sein: So könne nach einem Bruch nicht das gesamte Skelett ausgeschlossen werden.

5. Klauseln für Alternativ-Tätigkeiten prüfen

Verbraucher sollten nachteilige Verweisungsklauseln ausschließen, die festlegen, dass die BU-Rente nicht gezahlt wird, wenn der Versicherte eine andere, ähnliche Tätigkeit ausüben kann. Eine abstrakte Verweisung ist etwa der Fall, wenn ein Zimmermann theoretisch als Berater in einem Baumarkt arbeiten könnte, erklärt Boss. Außerdem sollten Anbieter auch bei der Nachprüfung im Schadensfall auf Verweisungsklauseln verzichten.

6. Auf kurzen Prognosezeitraum achten

Ist ein Versicherter länger krankgeschrieben und möglicherweise berufsunfähig, muss der Arzt eine Prognose abgeben, wie lange der Patient voraussichtlich nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann. Im Vertrag sollte dieser Prognosezeitraum maximal sechs Monate betragen, rät Becker-Eiselen. Zudem sollten Leistungen auch rückwirkend gezahlt werden.

7. Nachversicherungsgarantie sichern

Oft wählen junge Versicherte bei Vertragsabschluss eine eher niedrige BU-Rente, um die Beiträge gering zu halten. Ratsam ist es in diesem Fall, auf eine Nachversicherungsgarantie zu achten. Wenn der Absicherungsbedarf etwa nach der Geburt eines Kindes steigt, kann die Rente ohne eine erneute Gesundheitsprüfung aufgestockt werden.

Mareike Witte/dpa/aha

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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
eunegin 20.09.2014
1. Dienstunfähigkeitsversicherung
Sinn und Unsinn sollte jeder selbst entscheiden - es gibt etliche Fallstricke. Nur sollten Beamte darauf achten, dass die Dienstunfähigkeit auch abgedeckt ist. Das ist einer der nicht ganz unwichtigen Fallstricke für diese Berufsgruppe.
großwolke 20.09.2014
2.
Die BU-Versicherung mit der Privathaftpflicht zu vergleichen ist ein bisschen überdreht. Genaugenommen ist diese Versicherung für einen Großteil der abhängig Beschäftigten völlig unsinnige Geldausgabe. Was dabei nämlich gern vergessen wird ist die Sozialhilfe. Gottseidank fängt unser soziales Netz auch erwerbsunfähige Behinderte (und nix anderes ist man nach einem Unfall oder einer Krankheit, wenn man dannn nicht mehr arbeiten kann) auf. Der Ertrag einer BU-Rente muss also, damit sie sich lohnt, mindestens eine Handbreit über der Grundversorgung liegen, die Vater Staat bietet. Und die Beiträge dafür zu stemmen muss man in bestimmten Berufsgruppen erstmal hinbekommen. Als Verkäufer oder auch als Maurer in einem Kleinunternehmen wird das schon schwierig. BU-Versicherungen sind daher in der Masse eher nur sinnvoll für Gutverdiener, und dann auch meist nur für die, die schon zu Anfang ihrer Laufbahn einigermaßen vorhersehen können, dass sie dazu werden. Würde ich jetzt mit Mitte 30 in sowas einsteigen wollen, weil meine Laufbahn durch eine gehörige Portion Glück inzwischen besser läuft als durchschnittlich erwartbar, wäre ein guter Abstand zur Grundsicherung kaum noch bezahlbar, während gleichzeitig die Erwerbsminderungsrente laut Rentenbescheid langsam, aber stetig auf diese Grenze zuläuft. Fazit: wer nicht wirklich extrem tief fallen würde oder ein überschaubares Risiko hat, muss der Versicherungswirtschaft vielleicht nicht ohne Not Geld in den Rachen werfen.
mountainboy64 20.09.2014
3. Vertragskombi
Wer eine BU-Versicherung erwägt sollte bei ihr auch gleich seine Rechtsschutzversicherung, und wenn privat krankenversichert, dort auch seine PKV abschließen. Denn zu gerne zermürben die BU-Versicherungen im Leistungsfall jeden teuren Versicherten durch Wortspielerein aus den Versicherungsbedingungen. So ist die Berufsunfähigkeit der PKV nicht gleich dem der BU der BU-Versicherung. Man wird bei der PKV wegen Berufsunfähigkeit ausgesteuert, die BU-Versicherung leistet aber trotzdem nicht, weil sie die BU in ihren Bedingungen anders definiert. So kann man bereits eine 100%-Erwerbsminderungsrente erhalten, ohne berufsunfähig zu sein. Zumindest lt BU-Versicherung. Daher landet dann meistens jeder Fall vor Gericht, meistens bis zum OLG. Und das kann 2-3 Jahre dauern, bis man dort dann sein Recht bekommt. Die BU-Versicherungen haben dann oft den längeren Atem. Aber nicht immer....
traurigeWahrheit 20.09.2014
4. Mittlerweile
wird die angeblich alternativlose BU immer seltener empfohlen. Der Grund liegt in den sehr hohen monatlichen Beiträgen, vor allem aber werden nur extrem wenig Arbeitnehmer so krank, das sie nie wieder arbeiten können. Die BU wird, wenn sie denn überhaupt mal ausgezahlt wird, von 90% der Bezieher nur temporär in Anspruch genommen. Da ist die Frage dann, ob sich so hohe Beiträge tatsächlich lohnen. Ich sage nein.
insert Randomname here 20.09.2014
5. Hab mich auch mit BU beschäftigt...
...nachdem ich aus dem Studium entlassen wurde bissel informiert. BU für Maurer 100€, für Ingenieur 50€...kurz gesagt. Darauf suchte ich die Statistik für berufsunfähige Elektroingenieure mit Bürotätigkeit, war für mich die Einschätzung....rausgeworfenes Geld. Bis man da anerkannt wird, muss man schon blind, taub und beide Arme ab haben. Besten Dank, kein Interesse. Aber bin ey kein Versicherungsfreund bis auf die Pflichtsachen.
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