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29. November 2017, 10:49 Uhr

Bewerben in der Schweiz

Mit "freundlichen Grüssen" zum neuen Job

Von Karrierebibel-Autor Sebastian Wolking

Jedes Jahr wandern Zehntausende Deutsche in die Schweiz aus. Wer sich dort auf Stellensuche begibt, muss auf viele Feinheiten achten.

Die Schweiz ist das beliebteste Auswandererziel der Deutschen - und das seit Jahren. Allein 2015 zogen mehr als 18.000 Bundesbürger in die Schweiz. Sie spielen auch mit dem Gedanken, sich bei einem schweizerischen Unternehmen zu bewerben? Dann haben wir da ein paar Tipps für Sie:

1. Das Anschreiben

Es sollte nicht mehr als eine Seite umfassen und unbedingt auf das jeweilige Unternehmen und die angestrebte Position zugeschnitten sein. "Sehr geehrte Damen und Herren" sollten Sie nur als Notlösung verwenden. Das entscheidende Detail: Nach der Anrede folgen weder Komma (wie in Deutschland) noch Doppelpunkt (wie in den USA), sondern: gar nichts. Sie fahren in der nächsten Zeile einfach groß fort. Also so:

Sehr geehrte Frau Maier
Mit grossem Interesse habe ich die Stellenanzeige...

Huch, was ist denn da mit dem ß passiert? Das scharfe ß ist in der Schweiz nonexistent. Wer es doch benutzt, outet sich als Auswärtiger, der sich mit dem Land ganz offensichtlich noch nicht näher befasst hat. Darum: Das ß immer durch ein doppeltes s ersetzen - auch bei der Schlussformel. Schicken Sie dem Empfänger "Freundliche Grüsse". "Mit freundlichen Grüssen" und "Hochachtungsvoll" klingt antiquiert, "Grüezi" ist unverzeihlich. Achten Sie auch auf die Beibehaltung des Umlauts. Ein beliebter Fehler sieht nämlich so aus: "Freundliche Gruesse".

Wie in Deutschland mögen Personaler auch in der Schweiz keine Floskeln. Das Schweizer Recruitingunternehmen Goldwyn Partners Group hat 120 HR-Experten nach Begriffen gefragt, die sie in einer Bewerbung besonders nerven. Genannt wurden unter anderem "Ihr Unternehmen spricht mich an", "... runden mein Profil ab", "teamfähig", "dynamisch", "Deadline-oriented", und "offene Persönlichkeit".

2. Der Lebenslauf

Dieser sollte maximal zwei Seiten umfassen und ihre beruflichen Stationen tabellarisch auflisten, beginnend mit der aktuellen Position. Auch ein Foto wird erwartet. Achtung: Wer seinem Namen ein MA oder Dipl-Ing. voranstellt, wird in der Schweiz rasch als selbstdarstellerisch bis affektiert wahrgenommen.

Während höfliche Zurückhaltung in Deutschlands HR-Büros vornehmlich als Schwäche ausgelegt wird, sind die Schweizer prinzipiell eine Spur defensiver. Für deutsche Bewerber in der Schweiz heißt das: Durchaus selbstbewusst, aber bitte nicht arrogant auftreten und nicht zu dick auftragen. Wer mit fließendem Französisch prahlt, sollte das im Vorstellungsgespräch auch untermauern können. Ein Tipp: Sie können mündliche und schriftliche Sprachkenntnisse auch gesondert aufführen.

3. Die Referenzen

Wie in Deutschland werden Zeugniskopien erwartet, weitere Qualifikationsnachweise legen Bewerber nur auf Anfrage bei. Unbedingt anführen sollten Sie Referenzen. Referenzgeber genießen in Schweizer Personalbüros einen hohen Stellenwert.

Und wenn Sie dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, verkneifen Sie sich bloß die Ansprache in Schwyzerdütsch. Das wirkt entweder peinlich - oder Ihr potenzieller Chef fühlt sich von Ihnen veralbert.

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