Bewerben in der Schweiz Mit "freundlichen Grüssen" zum neuen Job

Jedes Jahr wandern Zehntausende Deutsche in die Schweiz aus. Wer sich dort auf Stellensuche begibt, muss auf viele Feinheiten achten.

Blick auf Interlaken: Die Schweiz ist das beliebteste Auswandererziel der Deutschen
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Blick auf Interlaken: Die Schweiz ist das beliebteste Auswandererziel der Deutschen

Von Karrierebibel-Autor Sebastian Wolking


Die Schweiz ist das beliebteste Auswandererziel der Deutschen - und das seit Jahren. Allein 2015 zogen mehr als 18.000 Bundesbürger in die Schweiz. Sie spielen auch mit dem Gedanken, sich bei einem schweizerischen Unternehmen zu bewerben? Dann haben wir da ein paar Tipps für Sie:

1. Das Anschreiben

Es sollte nicht mehr als eine Seite umfassen und unbedingt auf das jeweilige Unternehmen und die angestrebte Position zugeschnitten sein. "Sehr geehrte Damen und Herren" sollten Sie nur als Notlösung verwenden. Das entscheidende Detail: Nach der Anrede folgen weder Komma (wie in Deutschland) noch Doppelpunkt (wie in den USA), sondern: gar nichts. Sie fahren in der nächsten Zeile einfach groß fort. Also so:

Sehr geehrte Frau Maier
Mit grossem Interesse habe ich die Stellenanzeige...

Huch, was ist denn da mit dem ß passiert? Das scharfe ß ist in der Schweiz nonexistent. Wer es doch benutzt, outet sich als Auswärtiger, der sich mit dem Land ganz offensichtlich noch nicht näher befasst hat. Darum: Das ß immer durch ein doppeltes s ersetzen - auch bei der Schlussformel. Schicken Sie dem Empfänger "Freundliche Grüsse". "Mit freundlichen Grüssen" und "Hochachtungsvoll" klingt antiquiert, "Grüezi" ist unverzeihlich. Achten Sie auch auf die Beibehaltung des Umlauts. Ein beliebter Fehler sieht nämlich so aus: "Freundliche Gruesse".

Wie in Deutschland mögen Personaler auch in der Schweiz keine Floskeln. Das Schweizer Recruitingunternehmen Goldwyn Partners Group hat 120 HR-Experten nach Begriffen gefragt, die sie in einer Bewerbung besonders nerven. Genannt wurden unter anderem "Ihr Unternehmen spricht mich an", "... runden mein Profil ab", "teamfähig", "dynamisch", "Deadline-oriented", und "offene Persönlichkeit".

2. Der Lebenslauf

Dieser sollte maximal zwei Seiten umfassen und ihre beruflichen Stationen tabellarisch auflisten, beginnend mit der aktuellen Position. Auch ein Foto wird erwartet. Achtung: Wer seinem Namen ein MA oder Dipl-Ing. voranstellt, wird in der Schweiz rasch als selbstdarstellerisch bis affektiert wahrgenommen.

Während höfliche Zurückhaltung in Deutschlands HR-Büros vornehmlich als Schwäche ausgelegt wird, sind die Schweizer prinzipiell eine Spur defensiver. Für deutsche Bewerber in der Schweiz heißt das: Durchaus selbstbewusst, aber bitte nicht arrogant auftreten und nicht zu dick auftragen. Wer mit fließendem Französisch prahlt, sollte das im Vorstellungsgespräch auch untermauern können. Ein Tipp: Sie können mündliche und schriftliche Sprachkenntnisse auch gesondert aufführen.

3. Die Referenzen

Wie in Deutschland werden Zeugniskopien erwartet, weitere Qualifikationsnachweise legen Bewerber nur auf Anfrage bei. Unbedingt anführen sollten Sie Referenzen. Referenzgeber genießen in Schweizer Personalbüros einen hohen Stellenwert.

Und wenn Sie dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, verkneifen Sie sich bloß die Ansprache in Schwyzerdütsch. Das wirkt entweder peinlich - oder Ihr potenzieller Chef fühlt sich von Ihnen veralbert.

insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
winkdon 29.11.2017
1.
"Mit freundlichen Grüssen," ist in der Schweiz völlig normal. Für Deutsche empfiehlt es sich tatsächlich nicht, Schwyzerdütsch zu sprechen. Das bringt nur etwas, wenn man mit der Sprache aufgewachsen ist. Ausserdem trifft man bei einem Schweizer Unternehmen sehr oft Deutsche oder Leute, die selbst nicht in der Schweiz aufgewachsen sind. Da passt Hochdeutsch sehr gut.
ferdl 29.11.2017
2. Als ich vor über 30 Jahren..
.. in der Schweiz gearbeitet hatte, wurde der Versuch, zumindest ein bisschen Schwyzerdütsch zu sprechen, von den Einheimischen durchaus positiv aufgenommen als Beweis des guten Willens, sich zu integrieren. Da es zu dieser Zeit noch keine PC's bzw. Laptops gab, war die Verwendung des "ß" nicht wirklich schlimm, da das Schreibbüro das schon gerichtet hat. Und im Gegensatz zu früher sprechen die meisten Schweizer heutzutage selbst einwandfreies Hochdeutsch.
thdehn 29.11.2017
3. Zehn Jahre CH
.. es ist richtig, dass man nicht „Mit freundlichen Grüßen“ , sondern nur „freundliche Grüsse“ schreibt. Eines sollte man auch beachten: niemals im ersten Vorstellungsgespräch über Geld reden. Sollte man es in die zweite Runde geschafft haben, wird der Personaler selbst dazu kommen.
mkdrsdn 29.11.2017
4. So, so, ...
... die Verwendung von "ß" outet mich als Auswärtigen. Ich dachte schon, daß verriete der der Bewerbung beigelegte Lebenslauf ohnehin.
akkzent 29.11.2017
5. Apropo Schwyzerdütsch
Schwyzerdütsch wird nur im Umkreis des Kanton Schwyz gesprochen. Auch wenn es keinen offiziellen Dialekt gibt, in der übrigen deutschsprachigen Schweiz spricht man ein regional sehr unterschiedliches: Schwiizerdütsch! Und es stimmt schon, ein geradebrechtes "Schwiizerdütsch" seitens deutscher Einwanderer kommt selten gut an. Es sei denn, man beherrscht den Dialekt so erstaunlich gut wie Marcel Reif. Ja, der von mir überaus geschätzte Fussballexperte - Respekt! Das Problem ist dabei genauso widersprüchlich wie schwierig: man kann es nur mit entsprechender Praxis lösen.
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