Frage an die Karriereberaterin Wie bewerbe ich mich denn nun richtig?

Deckblatt ja, Unterschrift nein. Oder umgekehrt? Wer nach Tipps zum perfekten Bewerbungsschreiben fragt, bekommt oft widersprüchliche Antworten - und verplempert letztlich Zeit mit unwichtigen Details.

Im besten Fall führt das Bewerbungsschreiben zu einer Einladung
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Im besten Fall führt das Bewerbungsschreiben zu einer Einladung

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Vom Arbeitgeber hat Marina einen Outplacementberater zur Seite gestellt bekommen. Dieser empfiehlt der Betriebswirtin, bei Bewerbungen auf Unterschrift und Deckblatt zu verzichten. Ein befreundeter Personalreferent sieht das ganz anders. Marina ist verwirrt. Was ist denn nun richtig?
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Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Für Bewerbungen gibt es oft komplett widersprüchliche Empfehlungen. Der eine möchte grundsätzlich ein Deckblatt beilegen, der andere nicht - für mich sind das Nebenkriegsschauplätze. Viel Zeit wird aufs Detail verschwendet, wenig auf grundsätzliche Fragen.

Als Bewerber ist es vor allem wichtig, eine Strategie zu haben: Wer ist meine Zielgruppe? Wen will ich mit meiner Bewerbung erreichen? Welche Art der Ansprache versteht derjenige? Worauf legt er oder sie Wert? Das sind entscheidendere Fragen. Denn höhere Gesetze, die für alle gelten, gibt es beim Thema Bewerbungsschreiben nicht.

Ein Personaler aus einem internationalen Start-up in Berlin hat einen anderen Blick als ein Referent aus einem Traditionsunternehmen in ländlicher Gegend. Das ist teilweise der Dynamik der Firmen geschuldet, teilweise aber auch schlicht sehr unterschiedlicher Erfahrungen und Sehgewohnheiten.

Beim Schreiben einer Bewerbung gibt es deshalb nur ein einziges relevantes Kriterium und das lautet: Führt es zu der gewünschten Einladung?

Der Bewerber muss ein Gespür dafür entwickeln, wie die Chancen dafür bei einer optimalen Bewerbung überhaupt stehen. Im agilen Projektmanagement kennt man die so genannte Iteration: Über einen definierten Zeitraum arbeitet man konzentriert an einem Projekt, reflektiert danach den Stand der Dinge und optimiert die Vorgehensweise dann entsprechend. Auf Bewerbung übertragen bedeutet dieses Vorgehen, dass man zum Beispiel zehn Bewerbungen verschickt und die Einladungsquote für die erste Runde schätzt.

Ein Techniker mit sechs Jahren Berufserfahrung wird bei zehn Bewerbungen vielleicht mit sieben Einladungen rechnen können, ein wenig spezialisierter Marketingexperte mit einer. Diese Schätzung kann man nach der ersten Runde konkretisieren: Welche Rückmeldungen kamen? Was ist gut gelaufen?

So bleibt die Bewerbung immer eingebettet zwischen Ausblick und Rückblick. und es lassen sich auch kleine Experimente starten - mal mit, mal ohne Deckblatt. Meine Erfahrung ist allerdings, dass kleinere kosmetische Korrekturen oft erschreckend wenig Auswirkungen haben. Ob mit Unterschrift oder ohne, Anschrift oben oder unten - das ist nicht wirklich wichtig. Was zählt, ist das Gesamtbild der Bewerbung.

insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
J.Corey 23.05.2017
1. Man fragt sich, ...
... ob die werte Frau Hofer schon mal die Rückmeldungen für Absagen gesehen hat? Das sind standardisierte Schreiben die keinen konkreten Bezug zu der Bewerbung oder dem Bewerber haben. Das ist kein Zufall, sondern gewollt, da man auf diese Weise so wenig Angriffsfläche wie möglich bietet und sich damit vor juristischen Querelen schützt. Der Bewerber kann daraus ganz agil hat nichts ziehen. Derartige Tipps und Ideen stammen wohl eher aus einem theorielastigen Lehrbuch.
goat777 23.05.2017
2.
Erst dachte ich noch dass sie für eine Karriereberaterin ganz vernünftig ist. Dann entlarvt sie sich aber selbst und mein er wäre erschreckend, dass solche Kleinigkeiten nichts ausmachen. Es wäre erschreckend wenn es etwas ausmachen würde. Die Bewerbung muss ordentlich sein, auf das Unternehmen angepasst und man braucht gute Qualifikationen. Der Rest sollte keine Rolle spielen, und wer darüber anfängt nachzudenken kann nur Personaler oder Karriereberater sein.
RalfWenzel 23.05.2017
3. Am Besten ist es....
....wenn die Unternehmen sich bei den zukünftigen Angestellten bewerben (Abwerbeversuche starten). Wenn man das geschafft hat, braucht man sich über Bewerbungsmappen & Co. keine Gedanken mehr zu machen.
Celegorm 23.05.2017
4.
Zitat von goat777Erst dachte ich noch dass sie für eine Karriereberaterin ganz vernünftig ist. Dann entlarvt sie sich aber selbst und mein er wäre erschreckend, dass solche Kleinigkeiten nichts ausmachen. Es wäre erschreckend wenn es etwas ausmachen würde. Die Bewerbung muss ordentlich sein, auf das Unternehmen angepasst und man braucht gute Qualifikationen. Der Rest sollte keine Rolle spielen, und wer darüber anfängt nachzudenken kann nur Personaler oder Karriereberater sein.
Trifft die Sache auf den Kopf. Erschreckend ist effektiv alleine, dass überhaupt jemand meint, so etwas wie ein Deckblatt (!?) könnte bei einer Bewerbung relevant sein und erstaunt darüber ist, dass dem nicht so ist. Fehlt nur noch, dass Schönschrift und Goldschleifen als Entscheidungskriterium genannt werden. Dabei zählt doch eigentlich nur die Qualifikationen des Bewerbers, die möglichst kurz und knackig im Anschreiben und Lebenslauf aufgelistet werden. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass sich Personaler und Vorgesetzte durch irgendwelche Romane und Bastelarbeiten kämpfen wollen..
Rosmarinus 23.05.2017
5. Wer, was, wie, warum
Aus den Nähkästchen: Ein Großteil der Bewerbungen lässt nicht durchblicken, dass man sich ein wenig mit dem möglichen Arbeitgeber beschäftigt hat. Also: Wer ist mein Arbeitgeber, was macht er, was motiviert ihn, wie macht er es und warum passt man zusammen? Mit ein wenig Recherche auf Homepage und in der Presse lässt sich da einiges machen. Und ja, auch Rechtschreibung ist wichtig. Keine Idiotenapostroph'e und Deppen Leer Zeichen. Bei elektronischen Bewerbungen eine einzige PDF-Datei (!), darin die Dokumente in der gewollten Reihenfolge, und das Ganze mit einem aussagekräftigen Namen z.B. "Bewerbung von B. Müller bei Meier GmbH Mai 17". Dann sind Deckblatt, Unterschrift und dergleichen unbedeutende Kinkerlitzchen, es sei den, man wird extra darauf hingewiesen.
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