Arbeitsmarkt So werden Frauen bei der Bewerbung diskriminiert

Noten, Alter, Sozialkompetenzen - offenbar unwichtig: Wenn sich Frauen bewerben, werden sie systematisch benachteiligt. Wissenschaftlerin Dorothea Kübler hat das Vorgehen von Personalchefs untersucht.

Frau in der Baubranche (Symbolbild)
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Frau in der Baubranche (Symbolbild)

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SPIEGEL: Frau Kübler, Sie haben zu Bewerbungen geforscht und festgestellt, dass Personalverantwortliche die Lebensläufe von Frauen schlechter bewerten als die von Männern. Woran liegt das?

Kübler: Wir haben Personalverantwortlichen von Ausbildungsberufen jeweils fünf Lebensläufe vorgelegt. Jeder hat nur Bewerbungen eines Geschlechts erhalten. Wir konnten feststellen, dass die Personalverantwortlichen die Bewerbungen der Frauen im Durchschnitt deutlich schlechter bewertet haben als die von Männern. Das entspricht dem Effekt einer ganzen Schulnote. Bewerberinnen hatten also bei gleicher Note viel schlechtere Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden als Bewerber.

Zur Person
  • David Ausserhofer
    Dorothea Kübler, 53, ist Direktorin der Abteilung Verhalten auf Märkten am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung sowie Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Berlin. Sie forscht unter anderem zu Entscheidungsverhalten und Marktdesign.

SPIEGEL: Vielleicht war das Geschlecht ja gar nicht ausschlaggebend?

Kübler: Wir haben bei den fiktiven Lebensläufen folgende Faktoren variiert: die Abschlussnote, das Geburtsdatum, den Beruf der Eltern, das Sozialverhalten und die unentschuldigten Fehltage in der Schule sowie die momentanen Jobs der Bewerber. Wenn man diese Faktoren konstant hält, dann zeigt sich, dass das Geschlecht einen starken Effekt hat auf die Bewertung.

SPIEGEL: Die Bewerbungen von Männern mit einem schlechten Schulabschluss wurden also besser bewertet als die von Frauen mit einem besseren Schulabschluss?

Kübler: Genau.

SPIEGEL: Wie erklären Sie sich das?

Kübler: Die genauen Ursachen kennen wir nicht. Aber wir haben beobachtet: Je mehr Männer in einer Branche arbeiten, desto schlechter wurden die Bewerbungen der Frauen bewertet. Vielleicht denken die Personalverantwortlichen in den von Männern dominierten Branchen, dass Frauen das Arbeitsklima dort stören könnten. Vielleicht meinen sie aber auch, Frauen könnten die Arbeit nicht so gut erledigen wie Männer.

SPIEGEL: In welchen Branchen haben es Frauen besonders schwer?

Kübler: In der Baubranche wurden die Bewerbungen von Frauen am schlechtesten bewertet. Hier hatten Frauen also die schlechtesten Chancen, im Bewerbungsprozess weiterzukommen.

SPIEGEL: Angesichts des Fachkräftemangels sollten sich Unternehmen so etwas eigentlich nicht mehr leisten können.

Kübler: Der Fachkräftemangel spielt hier schon eine Rolle: Personalverantwortliche haben die Bewerbungen von Frauen umso besser bewertet, je schwieriger es für sie war, überhaupt Auszubildende zu finden. In diesen Fällen können es sich Unternehmen offenbar nicht leisten, auf Frauen zu verzichten.

SPIEGEL: Welche Unterschiede gibt es zwischen den Berufen?

Kübler: Je besser ein Beruf angesehen ist, desto besser schnitten Frauen ab. So wurden Bewerbungen von angehenden Programmiererinnen - im Vergleich zu den Männern - weniger schlecht bewertet als die von angehenden Kellnerinnen.

SPIEGEL: Haben die Personalverantwortlichen die Bewerbungen von Männern, die sich in Frauenberufen bewarben, auch schlechter bewertet?

Kübler: Nein. Allerdings wurden die Bewerbungen von Frauen weniger schlecht bewertet, wenn es sich um eine Branche handelte, in der vorwiegend Frauen arbeiten - etwa in der Pflege.

insgesamt 101 Beiträge
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RioTokio 25.02.2019
1.
Gut, dass wir über 200 Genderinstitute in Deutschland haben. Da wird so was geforscht. Die armen benachteiligten Frauen haben es auch wirklich schwer. Soll da auch ne Quote kommen? Bei Kanalarbeiter*innen und Müllwerker*innen sieht es gendermäßig auch ganz düster auf. Also los - die Politik soll den bösen Unternehmern endlich Vorschriften machen, die wissen ja nicht was gut für sie ist, da müssen schlaue Politiker*innen endlich Kante zeigen.
t_mcmillan 25.02.2019
2. Jobs in der Baubranche...
Reden wir von Bauingenieuren/Bauingenieurinnen oder reden wir von z.B. Straßenbauern/Straßenbauerinnen?
supergrobi123 25.02.2019
3. Gern weiter forschen!
Ein weiterer interessanter Forschungszweig wäre nun, herauszufinden, ob Männer und Frauen in diversen Jobs womöglich tatsächlich unterschiedlich gut arbeiten. Da das Thema Bau ja explizit im Text hervorgehoben wurde, würde ich sehr gern mal was über einen direkten Vergleich zwischen der Arbeitseffektivität von Männern und Frauen z.B. beim Hochziehen einer Mauer inkl. Zementsäcke schleppen etc. lesen! Ich vermute mal stark, dass Frauen dank besserer Noten in Geschichte und weniger Fehlzeiten in der Schule deutlich schneller und besser arbeiten als ein Mann? Oder? Bitte erforschen!
xbpv060 25.02.2019
4. unglaublich
Mir (männlich) hat man im Bewerbungsgespräch bei einem großen deutschen Automobilkonzern gesagt bzw. gezeigt durch beidhändiges Anheben der Brüste dass wenn ein Bewerber mit Brüsten kommt, ich leider keine Chance auf den Job habe. Dieses wir armen Frauen sind so benachteiligt, kann ich echt nicht mehr hören. Es nervt.
DJ Doena 25.02.2019
5.
"Wir konnten feststellen, dass die Personalverantwortlichen die Bewerbungen der Frauen im Durchschnitt deutlich schlechter bewertet haben als die von Männern." Gibt es nicht auch Studien, die besagen, dass Lehrer/innen Schülerinnen im Durchschnitt eine Note besser benoten als Schüler für die gleiche Leistung? Dann würde das ja am Ende zu einem Nullsummenspiel führen, so wie sich alles im Leben auspendelt. Ist doch so ähnlich, wie als man Firmen untersagt hat, negativ formulierte Mitarbeiterzeugnisse auszustellen. Daraus hat sich eine Zeugnissprache entwickelt, in der alles toll klingt, aber jeder genau weiß, was eine Formulierung wie "Hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt." zu lesen ist.
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