Bewerbungsfotos von Frauen Bitte nicht lächeln!

Dezentes Make-up, Schmuck ausziehen - und bloß nicht lächeln. Fotograf Alexander Vejnovic will Frauen mit einer Ausstellung zeigen, wie das perfekte Bewerbungsbild gelingt.

Alexander Vejnovic

Ein Interview von


Zur Person
  • Elisabeth Brockmann
    Alexander Vejnovic (Jahrgang 1961) arbeitet als Porträtfotograf in Düsseldorf. Mit der Ausstellung "Kompetente Frauen im Bild" will er zeigen, wie Frauen auf Bewerbungs- und Businessfotos "der Niedlichkeitsfalle" entgehen können. Die Porträts werden ab dem 15. September in der IHK Düsseldorf beim 4. Frauen-Wirtschaftsforum gezeigt. Die Ausstellung wird online kontinuierlich erweitert. Eine Auswahl sehen Sie in unserer Fotostrecke und auf folgender Webseite:
  • Ausstellung "Kompetente Frauen im Bild"

SPIEGEL ONLINE: Herr Vejnovic, was haben Sie gegen rosafarbenen Lipgloss?

Vejnovic: Bei Bewerbungs- und Businessfotos rate ich Frauen davon ab, weil sie damit zu niedlich aussehen, um ernst genommen zu werden. Ich frage meine Kunden vor dem Shooting immer, wie sie auf den Bildern wirken wollen. Männer sagen in der Regel: cool und selbstbewusst. Frauen antworten: attraktiv und freundlich. Da liegt das Grundproblem.

SPIEGEL ONLINE: Was ist falsch daran, auf einem Foto attraktiv und freundlich aussehen zu wollen?

Vejnovic: Problematisch wird es, wenn das Bild nichts anderes ausstrahlt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte auch, dass die Menschen auf meinen Fotos sympathisch aussehen. Entscheidend ist die richtige Reihenfolge: erst die Kompetenz, dann die Sympathie. Ein Bewerbungsfoto muss zeigen: Ich kann das, ich bin richtig für diesen Job, ich nehme mich selbst ernst. Und außerdem bin ich auch noch nett.

SPIEGEL ONLINE: Und deshalb raten Sie Frauen vom Lächeln ab?

Vejnovic: Wir wachsen damit auf, dass ständig jemand "Cheese" ruft, deshalb fällt es vielen schwer, einfach so in eine Kamera zu schauen. Aber ohne Lächeln entstehen meist die stärkeren Fotos. Ich biete Modelshootings an, da kommen 14- bis 16-Jährige, die außer Lächeln-Fotos gar nichts kennen. Und selbst ihnen gefallen anschließend die ernsten Fotos besser. Solche Bilder sind einfach tiefsinniger.

SPIEGEL ONLINE: Einige Frauen sehen auf Ihren Bildern ziemlich griesgrämig aus.

Vejnovic: Das kann ich nicht nachvollziehen, und auch die Frauen selbst hatten nicht den Eindruck. Aber selbstverständlich ist das Geschmackssache. Von den vielen Rückmeldungen meiner Kundinnen weiß ich aber, dass es funktioniert. Sie haben die Jobs bekommen, die sie haben wollten und werden ernst genommen.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn Frauen das nicht gelingt, sind sie selbst dran schuld - weil sie zu hübsch sind?

Vejnovic: Weil sie sich falsch präsentieren. Und zwar nicht nur bei Bewerbungsfotos, sondern auch im Berufsleben. Wer sich wie ein süßes Mädchen anzieht und verhält, signalisiert: Ich bin gerade gut genug zum Kaffeekochen. Wer selbstbewusst im Business-Outfit auftritt, zeigt: Ich weiß mich den Gepflogenheiten anzupassen. Das ist der entscheidende Punkt. Wenn Sie in eine Disco wollen, müssen Sie sich ja auch entsprechend anziehen. Es gibt einfach Standards, die man erfüllen sollte.

SPIEGEL ONLINE: Die Dresscodes im Beruf sind von Männern erfunden worden.

Vejnovic: Ja, da haben Sie recht. Aber bevor man das ganze System umkrempelt, ergibt es doch Sinn, erst mal im Kleinen anzufangen. Ich habe 20 Jahre als Modefotograf gearbeitet und das Klischee der süßen, naiven Frau mitgepflegt. Irgendwann war ich der belanglosen Bilder überdrüssig.

SPIEGEL ONLINE: Okay, also kein Lipgloss, nicht lächeln. Muss man für das perfekte Bewerbungsfoto Ihrer Meinung nach sonst noch etwas beachten?

Vejnovic: Mein Vorschlag: Ein Blazer mit schlichtem, hellem Top. Schmuck weglassen. Nichts tragen, was vom Gesicht ablenkt. Und dezentes Make-up.

Fotostrecke

7  Bilder
Neu im Job: Was soll ich tragen?
insgesamt 67 Beiträge
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derdings123 13.09.2016
1.
Hmmm, immer schwierig, wenn solche Empfehlungen nur auf Basis von persönlicher Meinung und anekdotischen Erfahrungen gegeben werden. Ich z.B. finde viele der Fotos total verkrampft. Ich würde am ehesten Foto 5 zum Bewerbungsgespräch einladen, weil das nach einer Person aussieht, mit der das Arbeiten Spaß machen kann. Die Qualifikation kann ich ja auf Basis der Papierform beurteilen, da sehe ich nicht das Foto zu an.
EaronnEaronn 13.09.2016
2. Bewerbungsfotos? Mittelalterlich.
Ja, Deutschland, klebe Du nur an dieser vertrottelten Tradition, die vor allem den Fotografen dient. Im Ausland sind die Menschen weiter und haben erkannt, dass das Gesicht eines Menschen nichts über Fähigkeiten aussagt, und dass zu viele in der Lage sind, einmal für ein Foto nett auszusehen, um irgendeine nützliche Aussage daraus zu ziehen. Aber ja, sagt nur den Frauen, wie sie gucken sollen, denn es ist ja nicht dämlich von Personalern, nach Gesicht zu entscheiden, neiiiin.
peter_hasse 13.09.2016
3. Bewerbungsfotos sind generell sinnlos.
Gibt es mittlerweile ein Studie, in der Personaler aus dem Bewerbungsfoto etwas statistisch Signifikantes über die Kompetenz der Bewerber herauslesen konnten? Portraitfotos haben in einer Bewerbung so wenig verloren, wie das Sternzeichen oder wer in der Grundschule mein Lieblingslehrer war.
weltenwanderin 13.09.2016
4.
Oh, immer diese Empfehlungen speziell für Frauen. Lächelt man soll es angeblich nicht gut sein, aber ich bin mir sicher, wenn man ernst schaut, wird es auch genug Männer geben, die dann sagen „Oh schau mal, so ernst, das ist bestimmt eine missmutige Zicke“. Wenn man etwas finden will, um eine Frau nicht ernst zu nehmen, dann findet man das auch. Der Fotograf meint er hat positive Rückmeldungen bekommen. Aber wer weiß wie viele Frauen nicht wegen des ernsten Blickes sondern trotz des ernsten Blickes die Stelle bekommen haben. Und wie viele keine Stelle bekommen haben.
schwarzrotgold 13.09.2016
5. Fest in weiblicher Hand
Die Aussagen des Fotografen machen meiner Meinung nach Sinn, allerdings mit der falschen Begründung. Zumindest bei den großen Firmen sind die Personalbüros fest in weiblicher Hand. Frauen, die ein Bewerbungsfoto abliefern müssen, sollten sicherheitshalber nicht als "optische Konkurrenz" zur Entscheiderin auftreten. Über eine entsprechende Untersuchung ist vor einiger Zeit im Spiegel berichtet worden. Die "graue Maus" scheint bessere Chancen zu haben als das "Topmodel".
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