Killerfragen im Bewerbungsgespräch Frag bloß nicht!

Es gibt sie: die Killerfragen. Gemeint sind nicht die fiesen Fangfragen der Personaler, sondern die Rückfragen der Bewerber. Von dämlich bis ausgefuchst: Was Sie fragen dürfen - und was nicht.

Bewerbungsgespräch
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Von "Karrierebibel"-Autor Jochen Mai


Zwar heißt es in der Rhetorik so schön: Wer fragt, der führt. Das stimmt auch. Doch ist es leider auch so, dass in jeder Frage immer auch ein Subtext mitschwingt, der zuweilen mehr über den Fragesteller verrät, als diesem lieb ist.

Man sagt zwar, es gäbe keine dummen Fragen. Es gibt sie aber doch. Tatsächlich lassen manche Rückfragen die Bewerber ziemlich dumm aussehen - und schrecklich unvorbereitet. Dazu gehören zum Beispiel Fragen, die der Interviewer sowieso nur auf eine Art beantworten kann: gar nicht.

  • "Ist das Betriebsklima gut?"
  • "Ist mein künftiger Chef nett?"
  • "Habe ich gute Aufstiegschancen?"

Nein, haben Sie nicht! Wer solche Fragen stellt, ist offensichtlich naiv oder hat überhaupt keine Ahnung, was er oder sie fragen soll.

Leider gibt es noch eine Reihe weiterer solcher Killerfragen. Zu den wohl schlechtesten denkbaren Gegenfragen im Bewerbungsgespräch gehört zum Beispiel diese (und alle artverwandten):

"Was macht Ihr Unternehmen genau?"

  • Warum ist das eine Killerfrage? Wer danach fragt, hat schlicht seine Hausaufgaben nicht gemacht. Inzwischen gibt es wohl kaum ein Unternehmen, das sich nicht auf einer eigenen Website im Internet vorstellt. Dort steht dann auch, was es macht, welche Marken und Produkte dazu gehören, welche Firmenphilosophie verfolgt wird. Wer sich ernsthaft für eine Karriere dort interessiert, sollte also VOR der Bewerbung wissen, was das Unternehmen macht.
  • Die bessere Alternative: Wenn Sie schon in diese Richtung fragen, dann eher das:
"Bei meiner Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich gelernt, dass Ihr Unternehmen DAS und DAS macht. Aber ich hätte dazu noch ein paar spezifische Fragen..."

"Was bezahlen Sie Mitarbeitern in dieser Position?"

  • Warum ist das eine Killerfrage? Natürlich ist es nicht falsch, sich über sein späteres Gehalt zu informieren. Aber die Frage offenbart eine falsche Perspektive: Sie sollten schon vorher wissen, was Sie wert sind und was man in dieser Branche und in dieser Position üblicherweise bezahlt. Entsprechend fragen Sie nicht nach einem Almosen oder danach, was der Arbeitgeber gnädigerweise bereit wäre, für Sie auszugeben.
  • Die bessere Alternative: Eleganter ist es daher, den Personaler selbst das Gespräch auf das Thema lenken zu lassen, und wenn er danach fragt, welches Gehalt Sie sich vorstellen, nennen Sie Ihre konkrete Zahl. Also zum Beispiel so:
"Aufgrund meiner Ausbildung, Fachkenntnisse und Erfahrungen halte ich ein Brutto-Jahresgehalt von 46.780 Euro für angemessen."

Doch auch scheinbar karriereorientierte Fragen können heikel sein:

"Wie schnell kann man bei Ihnen beruflich aufsteigen?"

  • Warum ist das eine Killerfrage? Es freut jeden Personaler, wenn Mitarbeiter engagiert sind, Ziele haben und beruflich etwas erreichen wollen. Besser als andersrum. Aber so direkt gefragt, wirkt die Frage weniger engagiert, sondern ganz schön pushy. Sie sagen im Subtext: Der Job, auf den ich mich hier gerade bewerbe interessiert mich eigentlich gar nicht, er ist für mich allenfalls eine Zwischenstation und Mittel zum Zweck. Und das wiederum könnte dem Personaler sagen, dass Sie entweder nach einer Weile schon frustriert sein werden oder auch genauso schnell wieder gehen, wenn es nicht so läuft, wie Sie das wollen.
  • Die bessere Alternative: Falls Sie sich für Aufstiegschancen interessieren, fragen Sie also lieber in diese Richtung:
"Wie sieht bei Ihnen die Mitarbeiterentwicklung aus? Bietet Ihr Unternehmen so etwas wie ein Mentorenprogramm oder Weiterbildungen an?"

Das signalisiert dem Personaler ebenfalls, dass Sie sich und Ihre Fähigkeiten entwickeln wollen, gleichzeitig aber für den aktuellen Job interessieren.

Kluge Fragen: Die sollten Sie stattdessen stellen

Bitte nicht falsch verstehen: Wenn Sie vonseiten der Interviewer und Personaler das Angebot bekommen, eigene Fragen zu stellen, dann sollten Sie das auch tun. Immer! Es ist eine großartige Chance für Sie, mehr über den Arbeitgeber zu erfahren. Und mit klugen Fragen können Sie zudem zusätzliche Pluspunkte sammeln.

Wenn Sie also Rückfragen stellen, fragen Sie idealerweise in diese Richtungen:

  • Was ist (aus Ihrer Sicht) die größte Herausforderung auf dieser Position?
    Erstes Plus: Die Frage signalisiert, dass Sie sich bereits inhaltlich mit dem Job beschäftigen und lösungsorientiert engagieren. Zweites Plus: Sie erfahren von möglichen Schwachstellen (zwischen den Zeilen lesen!) und ob Ihre Fähigkeiten tatsächlich auf die Stelle passen, um darin zu reüssieren.
  • Warum ist diese Stelle frei?
    Diese Frage ist ein Wolf im Schafspelz: Wurde die Position neu geschaffen, können Sie gleich anschließen: Warum? Wächst das Unternehmen, der Bereich, konnte das Team die Arbeit nicht mehr bewältigen (Stressalarm!)? Ist sie dagegen schon länger vakant, fragen Sie, warum der geeignete Kandidat noch nicht gefunden wurde. Womöglich wollen Sie es auch nicht sein.
  • Was lieben Sie selbst an Ihrer Arbeit und dem Unternehmen?
    Die Frage vertauscht die Rollen: Jetzt muss der Personaler einmal erzählen, was er an dem Unternehmen so gut findet. Gerade beim Kampf um Talente sollte er um eine Antwort dazu nicht verlegen sein. Im Gegenteil: Das ist seine Chance, ein flammendes Plädoyer für die Firma zu halten. Achten Sie auch hier auf die Zwischentöne und wie echt die Begeisterung ist.


insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
ansv 16.10.2018
1. Ich mag die Karrierebibel..
.. aber wen man halt immer nur 3 Sätze rauspickt und diese als allgemeingültige Wahrheit verkauft, geht doch viel verloren. Die Frage "wie schnell kann man bei Ihnen aufsteigen" ist z. B. nicht "pushy" (?!) sondern die einzig passende Antwort auf die Frage "wo sehen Sie sich in 3 Jahren".
andraschek 16.10.2018
2. #1 habe herzlich gelacht, sehr gut gekontert.
Was "pushy" heißt weis ich aber auch nicht. Mein Aufhänger ist aber ein anderer, so heißt es gleich zu Anfang: "Man sagt zwar, es gäbe keine dummen Fragen. Es gibt sie aber doch." Hier muss ich einwenden: Nein, es gibt keine dummen Fragen! Es gibt dumme Fragensteller und es gibt überhebliche und arrogante Menschen die sich für etwas besseres als den unbedarften Fragesteller halten. Aber sonst kein schlechter Artikel
spon_6744921 16.10.2018
3.
Schade, dass hier noch eine Haltnung aus dem letzten Jahrhundert propagiert wird... Heutzutage erwartet der Bewerber mehr Informationen von seinem zukünftigen Arbeitgeber. "Ist das Betriebsklima gut?" oder "Habe ich gute Aufstiegschancen?" sind valide Fragen, die ein Personaler selbstverständlich beantworten können muss. Kann er es nicht, dann geht der Bewerber eben zu einer anderen Firma. Die Arbeitslosenzahlen sind niedrig, Jobangebote gibt es viele, da muss sich auch der Arbeitgeber etwas mehr anstrengen.
m82arcel 16.10.2018
4.
Wenn man sich mal die ganzen Tipps zu Bewerbungen und Gesprächen, aber auch die Regeln zur Ausschreibung von Stellen anschaut, ist der gesamte Prozess von vorne bis hinten verlogen. Niemand darf (oder sollte) sich so geben, wie er wirklich ist, sondern jedes Wort muss zunächst auf der Goldwaage abgewogen werden. Da dies alle Beteiligten wissen, entscheidet letztlich ohnehin das Bauchgefühl und alle hatten unnötigen Stress.
wetzer123 16.10.2018
5. zu Einseitig
Personaler fragen ja schon mal gerne was die persönlichen Stärken und Schwächen sind, da sollte man das doch auch anders herum fragen dürfen. Es ist immer eine Frage wer sich bei wem bewirbt, und derzeit sehe ich es so, dass sich allenfalls ein Unternehmen bei mir bewirbt und nicht anders herum, wenn die bei meinen Fragen dicht machen, dann passen die wohl nicht zu mir, deren Pech.
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